Umwelt und Geschichte in Deutschland und Großbritannien. Environment and History in Britain and Germany

Ort
Coburg
Veranstalter
Prinz-Albert-Gesellschaft Coburg e.V.; Research Centre for Environmental History - AHRC - (Sterling); Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Freiburg
Datum
09.09.2005 - 10.09.2005
Von
Thorsten Schulz, Köln

In der Zeit vom 9. bis 10. September 2005 richtete die Prinz-Albert-Gesellschaft Coburg e.V. in Zusammenarbeit mit dem Research Centre for Environmental History - AHRC - (Sterling) und dem Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Freiburg die 24. Konferenz ihrer Gesellschaft unter dem Arbeitstitel "Umwelt und Geschichte in Deutschland und Großbritannien. Environment and History in Britain and Germany" aus.
Im Vorfeld dieser Tagung verlieh der britische Generalkonsul Steve Plater den Dukes of Gloucester's Essay Price an Johannes Ungelenk (Coburg) und Gereon Deres (Neuss).

Der sich an die Preisverleihung anschließende wissenschaftliche Teil der Konferenz beschäftigte sich in vier Sektionen mit einer Vielzahl an umweltgeschichtlichen Fragestellungen verschiedenster Couleur. Im Rahmen dieser vier Schwerpunkte von "Umweltgeschichte", "Ressourcen und Nachhaltigkeit", "Industrialisierung und Verschmutzung" sowie "Die Umwelt schützen" referierten und diskutierten im Riesensaal des Schlosses Ehrenburg zu Coburg hochrangige Geschichtswissenschaftler aus Großbritannien und Deutschland - womit sich "die Konferenz … einem Element der politischen und sozialen Lebenswelt zu[wandte], das in beiden Ländern eine unübersehbare Bedeutung besitzt…" [1] - wie die Neue Presse (Coburg) in ihrem Artikel vom 9. September 2005 treffend feststellte. Die Wahl der Sektionen war also auf "klassische" Themenfelder der Umweltgeschichte begrenzt, so dass etwa Fragen der Klimageschichte oder des Mensch-Tier-Verhältnisses nicht aufgegriffen werden konnten.

Einführend betonten Dr. Fiona Watson (AHRC, Sterling) und PD Dr. Jens Ivo Engels (Universität Freiburg) das besondere Gewicht der Konferenz für die junge Fachdisziplin der Umweltgeschichte in Europa. Watson stellte hier u.a. im Zusammenhang mit der Gründung der European Society for Environmental History (ESEH) [2] im Jahr 1999 die Umweltgeschichte als eine wichtige Aufgabe innerhalb der europäischen Geschichtswissenschaft heraus, die ihren interdisziplinären Charakter und Fokus auch im Hinblick auf US-Einflüsse weiter vorantreiben müsse. "Environmental History" sei innerhalb der politischen Grenzen zu studieren. Gleichzeitig müsse man aber bei der historischen Untersuchung des Mensch-Umwelt-Verhältnisses auch anerkennen, dass Natur und Umwelt eben nicht vor den eigenen politischen Grenzen Halt machen. Engels bewertete einleitend das Zusammentreffen deutscher und britischer Wissenschaftler als eine wichtige Gelegenheit der Umweltgeschichte beider Länder, sich im Rahmen der Geschichtswissenschaft inhaltlich zu positionieren und an Profil zu gewinnen. Zugleich sei hier durch die Prinz-Albert-Gesellschaft erstmals die Möglichkeit geschaffen worden, einen deutsch-britischen Vergleich innerhalb dieser Fachdisziplin vorzunehmen. Besonders die Unterschiede der politischen Systeme der Bundesrepublik und Großbritanniens in ihrem Verhältnis zum Natur- und Umweltschutz seien ein ebenso wichtiges wie fruchtbares Feld, in dem es nun gelte, nationale Ansätze der Umweltgeschichte auszutauschen und eine Zusammenarbeit zu initiieren bzw. bereits vorhandene Kooperationen zu vertiefen.

Bevor die Tagung in den umweltthematischen Teil eintrat, präsentierte Dr. David Allan (Royal Society of Arts/RSA, London) mit seinem Vortrag "From the Penny Post to the Eden Projekt: the Albert Medallists of the Royal Society of Arts 1864-2003" die historische Entwicklung dieser nach Prinz Albert - als einstigen Präsidenten der Royal Society (1843-1861) - benannten Auszeichnung der RSA sowie deren Preisträger der Jahre 1864 bis 2003. Jährlich vergeben für den "Distinguished Merit in promoting Arts, Manufactures and Commerce", spiegelt die Auszeichnung über das Andenken an die Person Prinz Alberts hinaus vor allem dessen Glaube an die zivilisatorische Schaffenskraft der Natur-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften wider. Der Referent setzte mit seiner Ausführung mit dem ersten Gewinner der Auszeichnung, Sir Rowland Hill für dessen Postreform im Jahre 1864 (Penny Post), an, und endete mit der prämierten Arbeit Tim Smits auf dem Feld der Ökologie im Jahre 2003 (Eden-Projekt). Abgerundet durch eine Vielzahl an Bilddokumenten, erläuterte Allan anhand ausgewählter Medaillenträger [3] und Präsidenten der RSA die institutionelle Geschichte dieser Ehrung, die Einflüsse auf ihre Vergabe sowie die Nominationsvergabe der Medaille als solches. Dabei machte er drei Phasen der Verleihung aus: Die erste Phase von 1864 bis 1913 war geprägt durch eine geringe Zahl an geisteswissenschaftlichen Medaillengewinnern, während die zweite Phase von 1914 bis 1963 durch eine sehr geringe Berücksichtigung von Medaillengewinnerinnen gekennzeichnet war. Letztere Serie der Jahre 1914 bis 1957 endete erst 1958 durch die Medaillenverleihung an Queen Elizabeth II. Schließlich umschrieb Allan die dritte und letzte Phase von 1964 bis 2003, die auch die Ehrung von Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus dem Umweltbereich (Umwelt- und Naturschutzengagement, Umweltwissenschaften, Umweltpolitik etc.) beinhaltete [4].

Prof. Franz-Josef Brüggemeier (Universität Freiburg) griff diesen umweltthematischen Faden sodann in der ersten Sektion "Umweltgeschichte" auf, und führte unter dem Titel "Umweltgeschichte in Deutschland. Erfahrungen, Ergebnisse, Erwartungen" eine Bestandsaufnahme der Entwicklung der bundesdeutschen Umweltgeschichte aus. An das von Fiona Watson eingebrachte Untersuchungsobjekt des Mensch-Umwelt-Verhältnisses anknüpfend, stellte Brüggemeier für die BRD die Umweltdebatte Anfang der 1980er-Jahre als Hinwendung zu einer umweltgeschichtlichen Wissenschaft heraus. Hier waren es Veröffentlichungen aus unterschiedlichen Disziplinen (Historiker, Geographen, Anthropologen), die vornehmlich die Lösung des Umweltdilemmas in den Vordergrund ihrer historischen Aufarbeitung stellten: Die vorherrschenden erkenntnisleitenden Fragestellungen waren, so Brüggemeier, die nach möglichen Ursachen, Weichenstellungen oder Sackgassen der Umweltkrise. Zur Lösung dieser Fragen forderten diese frühen Schriften ein interdisziplinäres Übereingehen der Geistes- und Naturwissenschaften, deren erklärtes Ziel nicht primär eine umweltgeschichtliche, sondern eine ökologische Sicht bei gleichzeitiger Kritik an der anthropologischen Orientierung sein sollte - die Zeitgenossen setzten die methodische wie theoretische Messlatte somit recht hoch an. In der Umsetzung allerdings sollte man den Ansprüchen nicht gerecht werden. Über programmatische Texte kam diese frühe deutsche Umweltgeschichte nicht hinaus. In der Folgeentwicklung nahm das anfänglich recht breite thematische, zeitliche und disziplinäre Spektrum etwas ab, und auch eine frühe Skepsis an der Umsetzbarkeit umweltgeschichtlichen Themen, wie von Brüggemeier für den gemeinsam mit Thomas Rommelspacher erarbeiteten umweltgeschichtlichen Teil des "Ruhrgebiet-Handbuchs" [5] dargelegt, war hier noch zu verzeichnen. Während in diesen Anfangsjahren der umweltgeschichtlichen Forschungen vor allem einzelne Stoffe und ihre Umwelteinwirkungen, einzelne Regionen oder Konflikte untersucht wurden, ist in den letzten Jahren eine Konzentration auf die Neuere und Neueste Geschichte und ihre Methodik eingetreten. Fokus ist dabei das 18. Jahrhundert sowie die Neuere Zeitgeschichte. Nach Brüggemeier war es vor allem diese Geschichtswissenschaft, die sich dem zuvor oft pessimistisch bewerteten "Umwelt-Issue" mit kritischer Distanz näherte: Mittels der klassischen Quellenkritik wurden Fragen der Wahrnehmung, der Mentalitäten, des politischen wie des medialen Raums aufgearbeitet, wobei "professionelle Distanz" den Weg zur kritischen Reflektion aktueller und früherer Umweltdebatten eröffnete. In der Ausbildung der Disziplin Umweltgeschichte kam gerade unter den Historikern der Frage nach Zäsuren und Kontinuitäten des Umweltzustands und deren gesellschaftlicher wie politischer Rezeption besondere Bedeutung zu. Indes ist in den letzten Jahren die natürliche Umwelt und ihre Veränderung in den Hintergrund des Forschungsinteresses gerückt, wie die Veröffentlichungslage zur deutschen Umweltgeschichte belegt. Abschließend behandelte Brüggemeier das Selbstverständnis der deutschen Umweltgeschichte. Hier resümierte er, dass zu Anfang nicht vorrangig historisch-geisteswissenschaftliche Techniken zum Einsatz kamen, sondern Einflüsse aus einer Vielzahl an Disziplinen in die Entwicklung der Umweltgeschichte eingingen. Mit dem Schlagwort der Interdisziplinarität seien aber bislang primär Alleingänge Einzelner verbunden, die auf verschiedene geistes- und naturwissenschaftliche Methoden zurückgegriffen hätten. Eine institutionalisierte Forschung nach unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen sei nicht gegeben. Folglich besäße die Umweltgeschichte ein Problem des Selbstverständnisses: Zwar wurde ein interdisziplinärer Ansatz in den vergangenen Jahren vielfach postuliert und aufgegriffen, jedoch nicht weiter vorangetrieben. Über dieses Problem hinaus stelle sich auch die Frage nach der Notwendigkeit einer übergeordneten umweltgeschichtlichen Theorie und Methode. Der Versuch, wie etwa Anfang der 1980er-Jahre, die "Ökologie" als eine Art "Leitwissenschaft der Umweltgeschichte" zu etablieren, sei nicht nur aus Gründen des beschriebenen Interdisziplinaritätsproblems schon im Ansatz gescheitert. Brüggemeier stellte zur Diskussion, ob die Umweltgeschichte überhaupt eine übergeordnete Methodik benötige. Seines Erachtens sei der Wissensstand im Vergleich zu den 1980er-Jahren durch stetiges Wachstum nun so umfangreich, dass die Eingrenzung in das Korsett einer dominierenden Methode fragwürdig erscheine.

In seinem Beitrag "From the Enlightment to the Age of Greenery: How Britain Discovered that her Environment Had a History" entwickelte Prof. Christopher Smout (University of St Andrews) das Bild der britischen Umweltgeschichte mit Beginn der Aufklärung, wobei er den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die Entwicklung seit dem Viktorianischen Zeitalter bis hin zu den 1970er-Jahren legte. Smout verdeutlichte, dass die Aufklärung in Großbritannien, genau wie in anderen europäischen Ländern, die Erkenntnis einer Geschichte der Umwelt evozierte, deren Gehalt gerade die Zeitgenossen des Viktorianischen Zeitalters beschäftigte. Das Ergebnis dieser frühen Bemühungen war die Entwicklung einer "Umweltgeschichte" im Sinne der physischen Geographie, die oftmals mehr die Entwicklung der Umwelt über Jahrtausende hin betrachtete, denn über Jahrhunderte. In diesem Kontext bildeten Historiker und Archäologen Techniken aus, die der Untersuchung des Klimas, der Vegetation sowie der Umweltelemente Luft-Wasser-Boden dienten. Die Geschichte der Umwelt wurde zu diesem Zeitpunkt noch als historische Beschreibung der Umwelt verstanden. Sie entsprach einer systematisch-naturwissenschaftlichen Naturgeschichte - plakativ also einer "Environmental History of the British Museum". Parallel zur Fortentwicklung der Naturgeschichte hin zur Ökologie wuchs das Interesse der Viktorianischen Wissenschaftler an der Geschichte einzelner Spezies und der Artengemeinschaft in einer vom Menschen dominierten Welt. Diese Tradition der "Species History" setzte sich noch bis weit in das 20. Jahrhundert fort, wie die mit umweltgeschichtlicher Perspektive auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg betriebene Vogelgeschichte verdeutlicht. Besonders die US-amerikanischen Einflüsse der 1960/70er-Jahre sah Smout als Wendemarke: Das Aufkommen eines politisch und gesellschaftlich inspirierten "Umweltschutzes" Anfang der 1970er veranlasste nun Historiker, die Ursachen für diese veränderte Haltung der Menschen gegenüber der Natur zu erforschen. Andere Wissenschaftler, so etwa Wirtschaftshistoriker und Humangeographen, prüften unter diesen Einflüssen nochmals ihr Quellenmaterial im Lichte von Umweltbewusstseins- und -interessensfragen. Smout betonte, dass das in den 1970ern einsetzende explosionsartige amerikanische Interesse an einer anthropozentrischen Umweltgeschichte die britische Umweltgeschichtsschreibung stark beeinflusst habe. Ihrer nahmen sich nun nicht mehr nur die Naturwissenschaften an. Nach 1970 waren es vor allem auch die Historiker, die etwa die Ressourcen und die dortigen menschlichen Eingriffe unter umwelthistorischen Gesichtspunkten studierten. Im Ergebnis liegt heute eine mannigfaltige, lebhafte und interdisziplinäre britische Umweltgeschichte vor, die trotz alledem noch bruchstückhaft und relativ heterogen in ihrer Methodik und Theorie sei. Aus diesem Grund forderte Smout zum Abschluss seines Referats, dass eine fruchtbare Umweltgeschichte auf dem Nährboden dieser historischen Wurzeln beruhen müsse: von den angewandten Naturwissenschaften eines physischen Geographen bis hin zum modellhaften Ansatz eines Sozialwissenschaftlers.

Die zweite Sektion "Ressourcen und Nachhaltigkeit" leitete Angus Winchester (Lancaster University) mit seinem Beitrag "Common Land in Upland Britain: Tragic Unsustainability or Utopian Community Ressource?" ein. Im Zentrum der Betrachtung stand dabei der Diskurs um die Annahme, dass Gemeingut im Kern nicht nachhaltig sei, da es durch individuelle Profitgier zerstört oder überbeansprucht werde. Verschiedene Forschungsarbeiten hätten diese Annahme anhand zeitgenössischer Beispiele der öffentlichen Ressourcen bereits mit dem Ergebnis hinterfragt, dass gerade kommunale Entscheidungen der Ressourcennutzer Nachhaltigkeit erzielen könnten. Der Vortrag behandelte am Beispiel der nordenglischen Hügellandschaft den Umgang mit der öffentlichen Ressource des Gemeindelands (Allmende) vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Winchester dokumentierte anhand des gesetzlichen und institutionellen Rahmens der Landnutzungsrechte - vornehmlich Zugang und Verwendung des Gemeindelandes - den langfristigen Wandel dieser Ressourcennutzung. Dabei betrachtete er diese Ressourcenfrage durch eine Art "kulturelle Linse" - die Interaktion zwischen Gesellschaft und Umwelt(ressource) stand im Mittelpunkt seiner Fragestellung. In seinen Ausführungen kam der Referent zu dem Ergebnis, dass die kulturelle Perzeption des englischen Hochlands in den vergangenen achthundert Jahren zwei große Veränderungen erfahren habe: einerseits im Spätmittelalter vom feudalherrschaftlichen Jagdforst (Wild und Holz) zum gemeinschaftlichen Weideland; andererseits im 19. Jahrhundert von der lokalen Ressource "Land" zum national gehüteten Landschaftsbild. Diese Wahrnehmungswechsel, die sich gleichzeitig im Wandel des gesetzlichen und institutionellen Rahmens widerspiegelten, mündeten innerhalb der Jahrhunderte in neue Muster des Ressourcenverbrauchs. Während es im Mittelalter das vorrangige Ziel war, das Einkommen des Feudalherrschers durch die Errichtung von Viehfarmen und den Verkauf von Grasungsrechten zu steigern, ging im 16. Jahrhundert der direkte Zugriff der Feudalgewalt zurück. Die in den nordenglischen Hügellanden angesiedelten Farmgemeinden mit ihren gemeinschaftlichen Nutzungsrechten lenkte nun eine gutherrschaftliche Gerichtsbarkeit, die, in dem Versuch für alle Nutzer einen gerechten Zugang und eine nachhaltige Nutzung der Hügelbeweidung zu ermöglichen, eine Folge von differenzierten und ausgeklügelten Statuten ausbildete. Der Zusammenbruch der gutherrschaftlichen Gerichte im 18. Jahrhundert und die Einfriedung vieler Hügelgemeinschaften im 19. Jahrhundert hinterließ, in einem Zeitalter des Wahrnehmungswandels, des zunehmend beherrschenden Anliegens von öffentlichem Zugang für Freizeit und Erholung sowie des Schutzes fragiler Ökosysteme, ein Gemeindeland ohne klares Führungsprinzip. Deshalb ließe sich argumentieren, so Winchester abschließend, dass gerade die Bewirtschaftungsversuche des Gemeindelands im gesetzlichen Schwebezustand seit dem 18. und 19. Jahrhundert zum zügellosen Umgang mit der Ressource Land sowie zur Ausbildung nicht-nachhaltiger Muster des Ressourcenverbrauchs beisteuerten.

Der für diese Sektion geplante Beitrag von Prof. Wolfram Siemann (Universität München) zum Thema "Das Ende des ‚hölzernen Zeitalters' - Probleme der Umweltgeschichte vor dem Hintergrund der ökologischen Revolution" entfiel leider. An seiner statt kommentierte Brüggemeier die Probleme der Umweltgeschichte hinsichtlich des Themenkomplexes der Nachhaltigkeit. Brüggemeier sah gerade in der Begriffsdefinition von "Nachhaltigkeit" eine Schwierigkeit, die sich z.T. aus dem inflationären Gebrauch dieses Terminus speise. Ursprünglich aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts stammend, sei man durch die Ausweitung des Begriffs vor das Problem gestellt, das "nachhaltige Wirken" historischer Gesellschaften in seiner historischen Realität zu greifen. Einen besonderen Faktor mache dabei das Bezugssystem der Nachhaltigkeit aus: Veränderungen und Größenzuwächse, so etwa der Faktor Bevölkerungszuwachs bei Malthus [6], müssten aus historischer Perspektive relativ betrachtet werden. So führte er an, dass etwa Großbritannien sich in den Nachkriegsjahren ab 1945 nicht autark ernähren konnte, es aber trotzdem möglich gewesen sei, Jahr für Jahr eine wachsende Bevölkerung zu ernähren - sprich: nicht nur die Frage der Definition von Nachhaltigkeit sei entscheidend, sondern auch die Bezugsgröße. In der Frage der inhaltlichen Abgrenzung von Nachhaltigkeit verwies Brüggemeier auf die heute gängige Definition des Brundtland-Berichts von 1987. Diese Definition münde jedoch eindeutig, so Brüggemeier, in technischem Fortschritt. Um den Begriff der Nachhaltigkeit habe sich aus den genannten Gründen schnell eine komplexe Debatte entwickelt, die in ihrer Intensität weiterhin anhalte.

Prof. Bill Luckin (University of Bolton) leitete mit seinen Ausführungen zum Thema "Unending Debate? Town, Country and Industry in Modern Britain" in die dritte Sektion "Industrialisierung und Verschmutzung" über. Die von Luckin dargelegte Kontroverse beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Wahrnehmung von und den Gegensätzen zwischen jenen Raum-, Umwelt- und Wirtschaftskategorien, die zusammengenommen die "erste Industrienation" begründeten und deren Ausgestaltung beeinflussten. Der Vortrag konzentrierte sich auf die Identifikation von Schlüsselkonzepten und historischen Debatten in diesem Feld seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Luckin unterschied hier zwischen Realität und sprachlichen wie repräsentativen Ausschmückungen, wie sie etwa in der Stadtplanung und der Großstadtfeindlichkeit zu Tage traten. War es wirklich der Fall, dass sich in dieser Periode wirkungsmächtige großstadt- und industriefeindliche Charakterzüge entfalteten? Waren Unternehmer und Planer wirklich so besessen von der Idee des "rus in urbe", der Verbindung von Stadt- und Landleben, wie es die vorherrschende Meinung der Geschichtswissenschaft ist? Bei der Beantwortung dieser und weiterer Fragen wurde klar, dass verschiedene Mythen die Debatte bestimmten, beispielsweise der Mythos einer "unberührten ‚Countryside'". Dieser kam besonders in der Wahrnehmung der Suburbanisierung, des ‚Greenbelt'-Programms sowie des ‚Town and Country Planning Acts' von 1947 zum Tragen. So stellte Luckin treffend fest, dass es sich bei der ‚Countryside' um eine Neuerfindung der Stadtplaner der 1940er-Jahre handelte. In der Diskussion um die (planerischen) Werte von Stadt und Landschaft nahm London mit seinem Greenbelt-Programm eine Vorreiterrolle ein. Gerade aber das Beispiel Londons ließe bei genauerer Betrachtung Probleme deutlich hervortreten, so etwa das geregelte und kontrollierte "Eindringen" der Städte in die umliegende Landschaft als Folge der Suburbanisierung. Durchweg reflektierte Luckin in seinem Beitrag das Aufkommen der Großstadtfeindlichkeit ab den 1920/1930er-Jahren, indem er zeitgenössische Literatur einer Prüfung unterzog. Ebenso analysierte er die Rolle des ‚National Trusts' und des ‚Council for Protection of Rural England'. Im Resümee benannte er die 1940er-Jahre und die beschriebene Neuerfindung der ‚countryside' als den entscheidenden Moment in der Interaktion und Akkommodation von Industrie, Stadtplanung und Landwirtschaft.

Mit dem Vortrag "Industrialisierung und städtische Umwelt in Deutschland" lenkte Prof. Dieter Schott (TU Darmstadt) den Blick von Großbritannien zurück nach Deutschland. Der Beitrag setzte sich schwerpunktmäßig mit der Frage auseinander, wie sich die Industrialisierung auf die Städte und deren Umwelt in Deutschland zwischen den Jahren 1850 und 1914 auswirkte. In diesem Kontext nahm Schott einerseits allgemeine Wirkungen der Industrialisierung sowohl in stadträumlicher wie transportwirtschaftlicher Perspektive in Betracht. Andererseits richtete er sein Augenmerk auf die zeitgenössischen Angebote bei der Industrialisierung des Stadtkörpers, welche die Funktionsweise der deutschen Städte der Jahre 1870 bis 1914 transformierten. So untersuchte Schott die Perzeption und Problemdiagnose jener Zeit, nämlich dass die "Krise der städtischen Umwelt" als Problem der städtischen Hygiene erfasst wurde. Hier interpretierten die Zeitgenossen die Problemlösung einer Hygienisierung der Stadt als technische und kulturelle Aufgabe. Ein weiteres Element, dass die Praxis der Stadtplanung zunehmend charakterisierte, war die ab 1890 aufkommende Vorstellung der Separation von Industrie und Wohnbezirk. Dabei legte Schott das Gewicht seiner Ausführungen auf die planerisch-technischen Aspekte, die diese Politik begleiteten. Zwei Fragen waren für ihn von entscheidender Bedeutung: Die Frage nach den "Umwelteffekten" der Industrialisierung für die Städte und deren Umwelt sowie die Frage nach dem durch die Industrialisierung bereitgestellten technologischen Angebot zur Bewältigung der städtischen Problemlagen. Bei der Untersuchung der Umwelteffekte lenkte der Vortrag den Blick auf die Umweltverschmutzung (Emissionen), die Transportrevolution (Eisenbahn, Dampfschifffahrt) und die Veränderung der städtischen Topographie (Öffnung der Städte über die Bahnhöfe, innerstädtische räumliche Trennung und Segregation durch Eisenbahntrassen). Dass die Stadtkrise als Hygienekrise verstanden wurde, belegte Schott in der Beantwortung der Frage nach den technischen Lösungsansätzen der Industrialisierung. In einem deutsch-britischen Vergleich wurde hier auf die durch Edwin Chadwick (1800-1890) vorangetriebene öffentliche Gesundheitspflege (Public Health) verwiesen, die sich in Großbritannien bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in der Hygienisierung der Städte mittels Technisierung der Wasserbe- und -entsorgung äußerte. Eine vergleichbare Entwicklung hingegen sollte sich in Deutschland erst Ende des 19. Jahrhunderts einstellen. Dabei betonte Schott, dass der Begriff der "Hygiene" der Zentralbegriff im deutschen Reformdiskurs um 1900 war. Die Folgen der technischen Hygienisierung in Deutschland wurden als ein Input/Output-Modell vorgestellt. Ebenso kam auch der Doppelcharakter industrieller Stadttechnik zur Sprache - so etwa das Beispiel der Gaswerke, die zwar durch die Gasbeleuchtung eine Verbesserung der Lichtverhältnisse im städtischen Bereich bewerkstelligten, zugleich aber hochgefährliche Emissionen in die Stadtluft entließen. Ferner griff Schott Einflüsse und Auswirkungen der Großstadtkritik und des deutschen Bürgertums auf: Lebensreform und Stadtpolitik waren an dieser Stelle von Interesse. Die Leitidee der räumlichen Trennung der Industrie- und Wohnbezirke, die Stadtplanung als Instrument dieser Leitidee sowie die Faktoren für die Verlagerung der Industrie in die städtischen Randbezirke (industrielles Wachstum in den Jahren 1895 bis 1914, Interventionspolitik der lokalen Behörden) rundeten den Beitrag Schotts ab, womit sich gegen Ende des Referats ein facettenreiches Bild der städtischen Umweltentwicklungen der Jahre 1870 bis 1914 präsentierte.

Mit seinem Kommentar zu "Key Stages in the Protection of the UK Environment in the Last 150 Years" führte Christopher Smout stellvertretend für Ian Simmons in die vierte und letzte Sektion - "Die Umwelt schützen" - ein. Dabei nahm er vorweg, dass im britischen Denken Natur- und Landschaftsschutz zwei getrennte Kategorien darstellten, was sich auch in ihrer Institutionalisierung zeige. So verfolgte Smout in seinen Ausführungen zwei Linien ab Mitte des 19. Jahrhunderts: die des ‚Landscape Protection Movement' und die der ‚Nature Conservation'. Ersteres war geprägt durch den Blick romantisierender Intellektueller, der auch heute noch bei der Betrachtung der ‚Countryside' vorherrsche. Aber auch Erholungssuchende der Arbeiterklasse traten in dieser Bewegung als Wanderer und Wochenendtouristen erstmals im 19. Jahrhundert in Erscheinung. Der Zweiklang von schwärmerischen Intellektuellen und naherholungssuchenden Arbeitern formte das Rückgrat der Landschaftsschutzbewegung, wohingegen der Naturschutz sich bereits seit dem Viktorianischen Zeitalter auch als Wissenschaft verstand, wie die Aktivitäten von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Gesellschaften belegen. Folge war eine spezifische Sicht der Natur beider Professionen: Im Gegensatz zum Naturschutz postulierte der romantisierende Landschafts(bild)schutz, dass die Landschaft jedem "gehöre" und damit für jedermann zugänglich sein müsse, der ihre Schönheit erkenne und sich für sie interessiere. Beide Bewegungen bildeten getrennt voneinander wirkungsmächtige Organisationen aus: Für die ‚Landscape Protection' sind der ‚National Trust' (gegr. 1895) im Bereich der (Natur)Denkmalpflege sowie das ‚Council for Preservation of Rural England' (gegr. 1926) für den Bereich des Landschaftsschutzes - v.a. bei den Aspekten der Nahherholung und der Stadtentwicklung - zu nennen. Mit der ‚Royal Society for the Protection of Birds' (RSPB), die sich als Reaktion auf die Federmode des ausgehenden 19. Jahrhunderts 1889 gründete, institutionalisierte sich ein schlagkräftiges Instrument des Naturschutzes, welches schon frühzeitig internationale Ansätze verfolgte. Spezifische Aktionsmuster waren beim ‚National Trust' besonders Landkäufe aus Privatfinanzierung, wohingegen die Naturschützer primär auf die Verankerung ihrer Forderungen in der Gesetzgebung abzielten. Weitere Schlüsselperioden erkannte Smout in den 40er-, 60er- und 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Landschaftsschutz der 1940er-Jahre begriff nun neben der "Öffnung" der Landschaft für die interessierte und naherholungssuchende Bevölkerung die (Umwelt)Bildung als Zielvorstellung. Hinzutraten neuartige Aktionsformen, wie etwa Baumpflanzungen, die auch erstmals die Mittelklasse einbanden. So spiegelte der ‚National Parks and Access to the Countryside Act' von 1949 diese erste große Perzeption des Landschaftsschutzes und seiner Forderungen wider. Die konkrete Umsetzung vollzog sich jedoch im Rahmen des ‚Town and Country Planning Acts' von 1947 und war deshalb in seiner Wirkung entsprechend begrenzt. Erst die 1960er-Jahre und der steigende Druck auf die ‚countryside' - zum einen in Form chemischer Pestizide, zum anderen in Gestalt eines "Freizeitdrucks" durch zunehmende Zahl und Mobilität der Freizeit- und Naherholungssuchenden - ließen die "Umwelt" endgültig zum Thema des öffentlichen Interesses aufsteigen. Da die Mittelkasse der Thematik aufgeschlossen gegenüberstand, erhöhte sich der politische Handlungsdruck. Infolge nahmen Anfang der 1970er-Jahre auch die Konservativen "Umwelt" als eigenständiges politisches Handlungsfeld an. Über diese Aspekte hinaus betrachtete Smout in einem Ausblick noch weitere Entwicklungen der 1980/90er-Jahre, so etwa im Bereich der Flora-Fauna-Habitat-Ausweisungen (FFH-Richtlinie).

Dr. Kai F. Hünemörder (Universität Göttingen) beschäftigte sich mit "Vom ‚Pritzelkram' zur ‚europäischen Umweltpolitik': Meilensteine des deutschen Naturschutzes vom Kaiserreich bis zur umweltpolitischen Wende am Beispiel Schleswig-Holsteins (1908-2005)". Anhand von vier Schlüsselperioden zeichnete Hünemörder die Entwicklung des deutschen Naturschutzes am Beispiel Schleswig-Holsteins nach, wobei er der Positionierung der Akteure zu den wechselhaften gesellschaftlich-politischen Verhältnissen des Landes besondere Beachtung schenkte. Als erste Schlüsselperiode des deutschen Naturschutzes definierte der Referent die Zeit von 1906 bis 1914, wobei er auf die Arbeit Friedemann Schmolls verwies [7]. Hünemörder hob hervor, dass die zeitgenössisch-radikale Kritik an der Naturschutzbewegung als "Pritzelkram" die Sicht auf bereits bestehende, gute Verbindungen des Naturschutzes zu Staat, Wirtschaft und anderen Organisationen wie Bewegungen verstelle. Das Konzept des Naturschutzes sei das eines gesellschaftlichen Konsenses gewesen, die Methodik ein konservierender "Glasglockennaturschutz". Anhand des "Schleswig-Holsteinischen Provinzialkomittees für Naturdenkmalpflege" (gegr. 1909) verdeutlichte der Referent die Naturschutzmethode jener Phase: Man inventarisierte die Natur, warb mit Vorträgen um Mitglieder und errichtete in angekauften Gebieten Vogelschutzstationen. Nach dieser Skizze der Formierungsphase des Naturschutzes und seiner norddeutschen Netzwerke sowie eines Exkurses zur Entwicklung in der Weimarer Republik richtete Hünemörder sein Interesse auf die zweite Schlüsselperiode der Jahre 1933 bis 1945. Für die Zeit des Nationalsozialismus stellte der Referent im Allgemeinen die Anbiederung des Naturschutzes an den NS, die Aufhebung des Gegensatzes von "Natur und Technik" und den von den Naturschützern und Nationalsozialisten gelegten Schwerpunkt auf das "Schutzgut Wald" heraus. Das Reichsnaturschutzgesetz von 1935 wurde ebenso betrachtet wie die aufkommende Hoffnung der Naturschützer, durch den "starken Staat" seien nun weitreichende Ziele in greifbare Nähe gerückt - etwa durch die Möglichkeit einer entschädigungslosen Enteignung von Privatbesitz. Hünemörder mahnte an dieser Stelle aber an, die Forschung müsse erst klären, ob dieses Instrument wirklich umfassend im Dienste des Naturschutzes eingesetzt worden sei. Die Mikrosicht Schleswig-Holsteins wieder aufgreifend, wurden im NS-Kontext Moorschutz versus Autarkiepolitik und der Inselnaturschutz auf Sylt versus militärische Baumaßnahmen (Hauptflugplatz für die Einsätze gegen England) eingehender untersucht. Für eine endgültige Bilanz zur zweiten Phase der Jahre 1933 bis 1945 sei es nach Ansicht Hünemörders noch zu früh. Er betonte aber, dass eine Trennung zwischen Naturschutzkonzepten in den eroberten Ostgebieten und dem Altreich nicht möglich sei, da Naturschutz, im Rahmen des Vernichtungskrieges und der NS-Ideologisierung, auch in den eroberten und besetzten Gebieten als integrativer Bestandteil der Raumordnungsplanung praktiziert wurde. Als dritte Schlüsselperiode umriss die Studie die Phase von 1963 bis 1985, also die Zeit des umweltpolitischen Wandels und der "ökologischen Wende". Anhand der Politisierungsvorgänge um den "Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer" (1985) beleuchtete Hünemörder verschiedene Entwicklungsetappen:
- die Diskussionen der 1960er-Jahre um ältere Konzepte des großflächigen Wattenmeerschutzes;
- die Durchschlagskraft der Nationalpark-Idee der 1970er-Jahre, die sich auf das Engagement von Vorzeigenaturschützern wie Bernhard Grzimek stützen konnte;
- die zweite umweltpolitische Wende von 1985/86, in der sich die Durchsetzung des Projekts "Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer" wegen "parteipolitischen Gerangels" und ökonomischen Gegenwinds verzögerte.
Im Rahmen der 1986 einsetzenden und bis heute anhaltenden vierten Schlüsseletappe stellte Hünemörder schließlich die Frage, welche Auswirkung die Ausweitung der europäischen Zusammenarbeit in der EG/EU auf die norddeutsche Naturschutzpolitik habe, wobei er die Auseinandersetzungen um die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie als Indikator nutzte. Unter dem Aspekt "Legitimationsproblem" kam Hünemörder zu dem Schluss, dass immer mehr das Empfinden vorherrsche, die Entscheidungen im Naturschutz hätten sich stetig vom Ort und vom Objekt entfernt. Jedoch würden oftmals gerade die Naturschützer vergessen, dass sie selbst durch Lobbyismus gegenüber der EU und ihren Institutionen sozusagen "über Bande spielen" und appellieren.

Die verschiedenen Beiträge dieser Konferenz veranschaulichten, dass die Umweltgeschichte einen berechtigten Platz in der Geschichtsdisziplin als solches besitzt, da die Umwelt eine Schlüsselrolle in der Geschichte einnimmt. Die Beziehung Gesellschaft-Umwelt-Industrie erweiterte hier deutlich das Spektrum der bisherigen Arbeiten der Umwelthistoriker. Gerade die Frage, wie Umweltgeschichte betrieben wurde und werden sollte, weist aber noch Defizite auf. So stellte sich ein facettenreiches Bild dar: Internationale Ansätze sind vorhanden, müssten aber als vergleichende Studien weiter vorangetrieben werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Geschichtsforschung, anderen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften bedürfen ebenso einer Intensivierung. Die Notwendigkeit einer übergeordneten Methodik der Umweltgeschichte betrachtete der Großteil der Teilnehmer mit Skepsis. Als einziger Kritikpunkt ist anzumerken, dass zwar zu Beginn der Konferenz eine vergleichende deutsch-britische Vorgehensweise anvisiert, vielfach in den Beiträgen aber leider nicht eingelöst wurde. Zwar wurden wechselseitige deutsch-britische Einflüsse behandelt (v.a. Schott und Hünemörder sind hier zu nennen), eine exklusive Vergleichsstudie lieferte indes keiner der Referenten. Mit Spannung kann man deshalb den nachfolgenden Tagungsband der Prinz-Albert-Gesellschaft erwarten, stellte die Tagung doch fruchtbare Ansätze für die Weiterentwicklung der Umweltgeschichte in der Nachhaltigkeitsfrage, der Frage der Interdisziplinarität, der Methodik und auch der vergleichenden (Umwelt)Ländergeschichte bereit.

Anmerkungen:
[1] Prinz-Albert-Gesellschaft. Umwelt als Thema, in: Neue Presse, Coburg (9. Sept. 2005), S. 12.
[2] Vgl. http://www.eseh.org/home.html (12. Sept. 2005).
[3] U.a. Louis Pasteur, Marie Curie, Franklin D. Roosevelt, Winston Churchill und Francis Crick. Für eine Auflistung aller Preisträger siehe: http://www.rsa.org.uk/acrobat/albert_medallists.pdf (13. Sept. 2005).
[4] U.a. 1970: Sir Peter Scott 'for his work in the conservation of wild life', 1998: Baroness Warnock 'in recognition of her national and international influence on the fields of education, ethics, human fertility, environmental issues and philosophy' und 2003: Tim Smit 'for developing the Eden Project which has broken new boundries in tourism, ecology, education, enterprise and development partnership'.
[5] Franz-Josef Brüggemeier/Thomas Rommelspacher: Umwelt, in: Wolfgang Köllmann/Hermann Korte/Dietmar Petzina/Wolfgang Weber (Hg.): Das Ruhrgebiet im Industriezeitalter, Bd. 2, Düsseldorf 1990, S. 509-559.
[6] Vgl. dazu: Franz-Josef Brüggemeier: Tschernobyl, 26. April 1986. Die ökologische Herausforderung, München 1998, S. 34 ff.
[7] Friedemann Schmoll: Erinnerung an die Natur. Die Geschichte des Naturschutzes im Kaiserreich (= Geschichte des Natur- und Umweltschutzes, Bd. 2), Frankfurt/New York 2004.

Zitation
Tagungsbericht: Umwelt und Geschichte in Deutschland und Großbritannien. Environment and History in Britain and Germany, 09.09.2005 – 10.09.2005 Coburg, in: H-Soz-Kult, 11.10.2005, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-885>.