Eliten und Elitenkritik vom 19. bis zum 21. Jahrhundert

Ort
digital
Veranstalter
Archiv für Sozialgeschichte; Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn
Datum
29.10.2020 - 30.10.2020
Von
Jessica Erdelmann, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH)

Um sich der Frage zu nähern, wie das Verhältnis zwischen Eliten und Elitenkritik beschrieben und analysiert werden könnte, veranstaltete das Archiv für Sozialgeschichte (AfS) zur Vorbereitung des 61. Bandes in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Autorentagung im Online-Format. In einem Auftaktvortrag begründete THOMAS KROLL (Jena) für die AfS-Redaktion, warum es sich angeboten habe, unter den vielen virulenten Gegenwartsfragen „Eliten und Elitenkritik“ als Schwerpunktthema auszuwählen. Der Blick auf die Geschichte der historischen Elitenforschung zeige, dass die Auseinandersetzung mit den Eliten jeweils unterschiedliche Phasen gesellschaftlicher Umbrüche spiegele. Vor dem Hintergrund, dass Kritik an Eliten vor allem in den letzten 20 Jahren zu einem gesellschaftlichen Dauerbrenner geworden sei, biete die geplante Publikation die „Chance, die Aktualität einer modernen Sozialgeschichte der Eliten unter Beweis zu stellen“.

Die anschließenden Beiträge über Eliten aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur vermittelten einen Eindruck von der Komplexität dieses Forschungsvorhabens. Als vorläufiger Arbeitsbegriff galt die Definition von Eliten als Personengruppen, die „zumeist, aber nicht nur der vermögenden Oberschicht“ angehören und „auf unterschiedlichen Ebenen von Staat, Gesellschaft und Kultur und Politik bestimmend in die Entscheidungsprozesse einer Gesellschaft eingreifen“.

Daran anknüpfend plädierte PETER IMBUSCH Imbusch (Wuppertal) dafür, den Begriff der Eliten in Anlehnung an die Definition von Ursula Hoffmann-Lange nur auf die „zahlenmäßig relativ kleine Gruppe der mächtigsten Personen“ zu beschränken.[1] Im Gegensatz zu anderen Personengruppen zeichne sich diese durch ihre „institutionalisierte Macht“ aus, „gesamtgesellschaftlich bedeutsame Entscheidungen“ maßgeblich beeinflussen zu können. Die im internationalen Vergleich singuläre deutsche sozialwissenschaftliche Erforschung der sozialen Milieus, Lagen und Lebensstile zeichne eine bemerkenswerte „Machtvergessenheit“ aus.[2] Um die sozialen Ungleichheiten und gesellschaftlichen Regressions- und Oligarchisierungstendenzen der letzten 20 Jahre abbilden und einordnen zu können, sei eine Analyse der wechselseitigen Prägungen von „Verhaltensweisen, Machtpotenzialen und Interessen von Eliten“ und der jeweiligen institutionalisierten Strukturen notwendig.

Die Frage nach der Rolle von Eliten bei der Etablierung, Stabilisierung, Nutzung oder auch Infragestellung sozialer Ordnungen reflektierten die Vortragenden mit unterschiedlichen Fragestellungen und Methoden. Die Auswirkungen von veränderten Rahmenbedingungen auf die Konstituierung von Eliten standen bei einer Reihe von Vorträgen im Fokus. Inwiefern und in welchem Ausmaß sich die Rekrutierung von Eliten in der Übergangsperiode von einer Feudalgesellschaft zu einer bürgerlichen Gesellschaft unter dem Einfluss imperialer Großmächte veränderte, untersuchten TAMÁS SZEMETHY (Budapest) am Beispiel der Nobilitierung in Ungarn unter der Herrschaft der Habsburger und VALENTINA DAL CIN (Venedig) am Beispiel von Italien unter Napoleonischer Herrschaft. Anhand von Bewerbungsschreiben für den Verwaltungsdienst des Napoleonischen Regiments in Italien zeigte Dal Cin, dass Verwaltungsadel und aufstrebende bürgerliche Schichten darin zunehmend ihre fachlichen Kompetenzen und Erfahrungen im Verwaltungsdienst herausgestellt hätten, um ihren Nutzen für dieses Regiment unter Beweis zu stellen. Die hohe Bedeutung der Professionalisierung und der Bürokratisierung für die Konstituierung von Funktionseliten deutete sich also schon im Übergang von einer Adelsaristokratie zu einer bürgerlichen Gesellschaft an.

Wie sich von oben induzierte Systemumbrüche auf die Konstituierung spezifischer Eliten im 20. Jahrhundert auswirkten, untersuchte NATALI STEGMANN (Regensburg) am Beispiel der polnischen Mitarbeiter und Delegierten der 1919 in Genf gegründeten Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO). HELMUT FEHR (Bubenreuth) skizzierte Überlegungen zum konflikthaften Elitenwandel in Ungarn, Polen und Tschechien, der die bekannten Konfliktlinien der politischen Soziologie „durch neue Spaltungstendenzen“ in Form einer „Wiederbelebung von Autoritarismus“ und „Empfindungen halb-charismatischer Politiker und Führerkult“ überlagere.

Den „Paradoxien und Dilemmata“ des Elitenaustauschs in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR widmeten sich auch andere Referenten. ARND BAUERNKÄMPER (Berlin) arbeitete mit Blick auf die Eliten auf dem Lande heraus, dass eigentumspolitische Eingriffe insbesondere den Vorstandsvorsitzenden der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zugutegekommen seien. Gleichzeitig verdecke dieser strukturelle Elitenwechsel „subkutane Kontinuitäten“ in Gestalt andauernder Beziehungen zwischen enteigneten und nach Westdeutschland geflohenen Gutsbesitzern und früheren Landarbeitern und ihren Familien bis teilweise in die 1990er Jahre.[3] Beim Aufbau des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten seien dagegen kaum Kontinuitäten zu konstatieren.

BJÖRN HOFMEISTER (Berlin) zeigte am Beispiel der Diplomaten, dass die Vorgabe der politischen Führung, bürgerliche Führungsschichten durch Anwärter aus der Arbeiterschaft zu ersetzen, nach einer durch Personalmangel und Improvisation geprägten Phase zur Neukonstruktion einer exklusiven, primär männlichen Funktionselite geführt habe. Diese Verwaltungselite sei Ergebnis einer Professionalisierung der Ausbildung für den diplomatischen Dienst seit den 1960er Jahren, deren Absolventen und Absolventinnen im Vergleich zur übrigen Bevölkerung eher durch Leistung und Expertise und als durch höhere Einkommen hervorgetreten seien.

Die Frage nach der Rolle von Institutionen bei der Konstituierung von Eliten untersuchte MARKO KREUTZMANN (Jena) am Beispiel der Gesandten beim Bundestag des Deutschen Bundes, die dort für ihre spätere Karriere nützliche Beziehungen knüpfen und erste Berührungspunkte mit den Methoden der Konsensfindung, des Interessenausgleichs und der Versachlichung politischer Entscheidungen erlebten. Welches Konfliktpotenzial dagegen in einer demokratisch verfassten Gesellschaft herrschen konnte, wenn Funktionseliten um Einfluss rangen, zeigte der Vortrag von NIKOLAI WEHRS (Konstanz) über den britischen Civil Service. Die sich bereits seit den 1960er Jahren artikulierende Kritik an der elitären Sozialstruktur und der praktizierten Überlegenheit der Verwaltungselite in der Whitehall gegenüber der politischen Klasse in Westminster habe zu einer „Etablierung von Negativstereotypen“ geführt, die für die „Ausweitung parteipolitischer Einflusszonen“ im 21. Jahrhundert genutzt worden seien.

Weitere Vorträge legten einen Schwerpunkt auf die sozialen und kulturellen Praktiken der Vernetzung nach innen und der Abgrenzung nach außen sowie auf die legitimierende Rolle von Fremd- und Selbstbildern. ANNIKA HASS (Paris/Frankfurt am Main) widmete sich der Vernetzung transkultureller, ausschließlich männlicher Eliten am Beispiel des exquisiten Gabinetto Vieusseux in Florenz, das für Mitglieder des Bürgertums und Teile der adeligen Oberschicht eine literarische „Plattform des gemäßigten Liberalismus“ geboten habe. Ein ähnliches Phänomen der Selbstvergewisserung durch die Stabilisierung von Beziehungen und Netzwerken zu anderen Eliten analysierte OLGA SPARSCHUH (München) am Beispiel der Vergabe von Ehrentiteln in Berlins. Der Blick auf die Vergabepraxis zeige seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine „Tendenz zur gesellschaftlichen Öffnung“ und seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine zur Internationalisierung.

Wie sich der Einfluss von Eliten operationalisieren lässt, zeigten ZSUZSANNA KISS (Budapest) am Beispiel der in Ungarn besonders einflussreichen „Wissenseliten“ der Zwischenkriegszeit und MICHAEL A. STREBEL (Lausanne) am Beispiel der größten Städte in der Schweiz zwischen 1890 und 2020. Beide identifizierten mithilfe des Positionsansatzes Personen, die mehrere Posten in einflussreichen Institutionen besetzten, um diese anschließend mit sozialgeschichtlichen Parametern zu verorten. Als wichtiges Zwischenergebnis der gemeinsam mit Baptiste Antoniazza und André Mach erarbeiteten Langzeitstudie über die Elitennetzwerke in der Schweiz zeichnete sich ab, dass sich diese Netzwerke zunächst auf die lokale Ebene konzentrierten und sich anschließend auf nationaler Ebene auszubreiten begannen, bevor sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts „verschwunden“ seien. Dies spreche aber nicht für das Verschwinden dieser Netzwerke in Gänze, sondern lasse sich vielmehr, auch in Anlehnung an die Ergebnisse von Sparschuh über die „Ehreneliten“, als transnationale Ausdehnung deuten.

Während hier vor allem die Vernetzung im Mittelpunkt stand, widmete sich LUKAS RATHJEN (Zürich) am Beispiel von Publizisten, Wissenschaftlern und Künstlern in der Bundesrepublik nach 1945 den ausgrenzenden Auswirkungen einer spezifischen Praxis der Gesprächsführung von Eliten. Anders als von den Besatzungsmächten mit dem Reeducation-Programm als demokratische Schule für den Interessenausgleich verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen ursprünglich angelegt, hätten diese „Gesprächseliten“ die Forderungen nach einer neuen Kommunikationskultur dazu genutzt, um in Gesprächsrunden, Rundfunk und Fernsehen eine habituell ausschließende „Praxis des Gesprächs“ zu etablieren. In seiner performativen Wirkung sei diese Gesprächspraxis als „elitäres Projekt“ zur Begrenzung des Demokratisierungs- und Emanzipationsprozesses zu verstehen, weil diese rhetorischen Techniken und Strategien „gerade die Zurückhaltung von Ergebnissen“ zum Ziel gehabt und Angehörigen anderer Schichten lediglich die Rolle als Publikum zugewiesen haben. Nicht-Eliten fungierten in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit und in den 1950er Jahren als Teil der „Masse“, als Objekte von Zuschreibungen und Erziehungsmaßnahmen.

Dass eine abgrenzende elitäre Praxis weitere kommunikative und performative Verarbeitungsformen in anderen Bereichen der Kultur hervorrufen konnte, deutete sich im Beitrag von MARCO SWINIARTZKI (Jena) über die norwegische Black-Metal-Szene an. Er plädierte für eine popkulturelle Erweiterung der Eliten-Diskussion, um dem Einfluss innerhalb einer „stilistisch-exklusiven, international agierenden“ Musikszene Rechnung zu tragen, die sich insbesondere durch eine „emotional-performative Ästhetisierung und Distinktion“ als Elite inszenierte und sich aufgrund der zunehmenden „Verschmelzung von Sub- bzw. Gegenkulturen mit bürgerlich-kapitalistischen Arbeits- und Vermarktungsvorstellungen einer rein subkulturellen Deutung“ entzogen habe.

JAKOB FESENBECKH (Paris/Heidelberg) lenkte die Aufmerksamkeit darauf, welche Dynamik diese Strategien entfalten konnten, wenn Eliten sich durch Demokratisierungs- und Emanzipationsbestrebungen von unten bedroht fühlten. Am Beispiel der im Umfeld des faschistischen Parti populaire français (PPF) organisierten Ingenieure zeigte er, auf welche Weise technische Eliten in Frankreich 1936 auf die großen Streiks in den Fabriken reagierten und in welchem Ausmaß sich diese Legitimationsstrategien auf programmatische Vorstellungen von Politik und Souveränität auswirkten. Die technische Intelligenz habe die „Krise der klassisch-parlamentarischen Souveränität“ mit einem eigenen „Ordnungskonzept“ beantwortet, das für das autoritäre Herrschaftsprojekt des Vichy-Systems eine bedeutende Rolle eingenommen habe. Um wirtschaftliche Entwicklungen in sozialen Krisen dauerhaft zu sichern, seien zur politischen Mobilisierung der industriellen Zwischenschichten und Entpolitisierung der traditionellen Arbeiterbewegung spezifisch auf Ingenieure und Manager zugeschnittene Kompetenzen wie „technisch-organisatorisches Wissen“ und „Führungsbegabung“ betont worden. Diese seien zulasten politisch-demokratisierender Ausdrucksformen gegen marxistisch-orientierte Gewerkschaften und parlamentarische Arbeitervertretungen als legitime „Ausdrucksformen politischer Souveränität“ in Stellung gebracht worden. Diese Umdeutung sei deshalb als „Ausdruck der Politisierung und Radikalisierung von bürgerlichen oder neubürgerlichen Schichten“ zu deuten, die zu einer intensivierten „Verflechtung wirtschaftlicher und administrativer Macht“ geführt habe.

Die Auswirkungen der zunehmenden Verflechtung von wirtschaftlicher und administrativer Macht im Zuge der Neoliberalisierung konnte man dem Beitrag von ALINA MARKTANNER (Köln) entnehmen, die am Beispiel der Unternehmensberater und -beraterinnen der Frage nachging, wie sich in der Bundesrepublik Inhalte und Konnotationen von Selbst- und Fremdbildern von Eliten von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis Anfang des 21. Jahrhunderts veränderten. „Kritischere Konnotation“ habe das von Unternehmensberatungen zum Zwecke der Kundenakquise entworfene Bild einer Leistungs- und Qualitätselite vor allem im Zuge der wohlfahrtsstaatlichen Einschränkungen der Agenda 2010 erhalten, als eine Vielzahl vor allem US-amerikanischer Beratungsfirmen an der Umsetzung der Hartz-Reformen mit der Umgestaltung der Bundesanstalt für Arbeit zur Bundesagentur für Arbeit mitwirkten. Die sich durch diese Reformen verschärfenden sozialen Ungleichheiten hätten einige Leitmedien und Teile der Sozialwissenschaften dazu veranlasst, Beratungsfirmen als „demokratisch nicht legitimierte Akteure in Politik und Verwaltung“ zu kritisieren. Auch die bis in die Gegenwart reichenden, nicht ordnungsgemäß durchgeführten Ausschreibungen von Beratungsverträgen hätten ein „schlechtes Licht auf die Beraterbranche“ geworfen. Dessen ungeachtet würden Unternehmensberatungen jedoch nach wie vor „als besonders befähigte Ansprechpartner für Wirtschafts- und Politikfragen“ gelten.

MARC BUGGELN (Augsburg) näherte sich den Verflechtungen von Wirtschaft und Staat aus einer anderen Perspektive. Am Beispiel der Steuerpolitik der letzten 200 Jahre ging er in einem breiten transnationalen Vergleich der Frage nach, wie sich politische Systeme auf die Ausgestaltung von Eigentumsordnungen und Umverteilungssystemen auswirkten. Er zeigte, dass die Steuersysteme in Demokratien lange Zeit „deutlich progressiver“ ausfielen als in Diktaturen. Die mit Ronald Reagan und Margaret Thatcher eingeführte Senkung des Spitzensteuersatzes in den 1980er Jahren habe jedoch auch auf andere Länder erhebliche Effekte gehabt, die bis zu diesem Zeitpunkt eine andere Politik zur Besteuerung der Vermögenseliten betrieben hatten. Auf der Grundlage einer allgemeinen Akzeptanz einer neoliberalen Wirtschaftspolitik seien die progressiven Wirkungen der Steuerpolitik in einer Demokratie deutlich abgeschwächt worden. Der Wechsel von kommunistischen zu neoliberalen Wirtschaftssystemen habe deshalb auch in den osteuropäischen Ländern zu erheblichen demokratiegefährdenden Verwerfungen geführt.

In der Abschlussdiskussion der Tagung wurden vor allem zwei Aspekte kritisch angemerkt. Zum einen sei der Begriff der Eliten durch seine vielseitige Verwendung eher unscharf geblieben. Zum anderen handele es sich bei den Ergebnissen um „kulturgebundene Vorstellungen“ über Eliten, die sich vor allem auf die Länder des globalen Nordens konzentriere. Für ein umfassendes Verständnis müsse jedoch auch der globale Süden berücksichtigt werden, dessen Länder andere Rekrutierungsmuster, Vorstellungen und Praktiken von Eliten greifbar machen würden und eine Neubewertung der Rolle von Eliten des globalen Nordens nach sich ziehen können. Auf diese Weise lasse sich auch untersuchen, wie sich das Verhalten von Eliten und deren transnationale Netzwerke auf globaler Ebene auswirkten.

Der Erkenntniswert der Tagung lag vor allem darin, das Feld der Eliten und Elitenkritik vermessen und einen ersten Überblick über dessen Wandel über politische Herrschaftssysteme und ökonomische Ordnungssysteme hinweg gewonnen zu haben. Der Blick auf die Entwicklung über den langen Zeitraum vom 18. bis ins 21. Jahrhundert legte bemerkenswerte Kontinuitäten sowohl bei der Rekrutierung als auch in den sozialen und kulturellen Praktiken von Eliten offen. Gleichzeitig kristallisierten sich Verschiebungen und Unterschiede über die Rolle von Eliten bei der Herausbildung, Stabilisierung oder auch Infragestellung spezifischer sozialer Ordnungen im Wandel heraus, die nicht nur Rivalitäten zwischen Eliteformationen greifbar machten, sondern auch Einblick in die Anpassungsbereitschaft von Eliten an sich verändernde Rahmenbedingungen gewährten.

Konferenzübersicht:

Thomas Kroll (Jena): Eliten und Elitenkritik als Forschungsfeld

Peter Imbusch (Wuppertal): Eliteverständnisse. Eine historisch-soziologische Kritik des Elitenbegriffs

Tamás Szemethy (Budapest): „Verwässerte“ Elite? Prosopografische Untersuchung der neuen Aristokraten in Ungarn

Valentina Dal Cin (Venedig): Italian Elites under Napoleonic Rule. A Turning Point

Annika Haß (Paris/Frankfurt am Main): Europa in der Toskana. Soziale und kulturelle Praktiken transkultureller Eliten im Gabinetto Vieusseux in Florenz (1820–1861)

Marko Kreutzmann (Jena): Die Gesandten der Deutschen Bundesversammlung (1815–1866). Eine zwischenstaatliche Funktionselite zwischen Kritik und Integration

Natali Stegmann (Regensburg): Grenzgänger und Entsandte. Polnische Mitarbeiter und Delegierte bei der International Labour Organisation (ILO), 1919–1950

Nikolai Wehrs (Konstanz): Elitenherrschaft im Zeitalter der „Massendemokratie“. Der Civil Service und die politische Kultur Großbritanniens im 20. Jahrhundert

Jakob Fesenbeckh (Paris/Heidelberg): „Eine neue Ordnung der Führungskräfte“. Über Legitimationsstrategien technischer Eliten im Umfeld des faschistischen Parti populaire français (1936–1942)

Lukas Rathjen (Zürich): Gesprächseliten. Rhetorik als Elitenkompetenz in der frühen Bundesrepublik (1945–1968)

Michael A. Strebel Baptiste Antoniazza / André Mach (Lausanne): Getting Rid of their Ties. The Long-term Evolution of Elite Networks and Profiles in the Three Largest Swiss Cities, 1890–2020

Zsuzsanna Kiss (Budapest): Recruitment of University Professors. The Top of the Hungarian Elite of Knowledge during the Interwar Period

Olga Sparschuh (München): Ehreliten? Ehrenbürger, Ehrendoktoren und Honorarkonsuln in Berlin von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart

Arnd Bauerkämper (Berlin): Elitenwechsel auf dem Lande. Strukturelle Brüche und subkutane Kontinuitäten in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR, 1945–1990

Björn Hofmeister (Berlin): Elitenbildung zwischen Neukonstruktion und Professionalisierung. Diplomaten der DDR 1949–1990

Helmut Fehr (Bubenreuth): Elitenwechsel und Demokratisierungsprozess. Probleme der vergleichenden Elitenforschung Ostmitteleuropas

Alina Marktanner (Köln): Unternehmensberater nach dem Boom. Von Qualitäten- zu Geldelite?

Marc Buggeln (Augsburg): Die Besteuerung von Eliten in Demokratie und Diktatur

Marco Swiniartzki (Jena): Szene-Eliten. Selbststilisierung, soziale Praxis und postmoderne Ästhetisierung am Beispiel des Norwegian Black Metal (1984–1994)

Anmerkungen:
[1] Ursula Hoffmann-Lange, Eliten, Macht und Konflikt in der Bundesrepublik, Opladen 1992.
[2] Vgl. Peter Imbusch, Von Klassen und Schichten zu sozialen Lagen, Milieus und Lebensstilen – Von der Machtversessenheit zur Machtvergessenheit?, in: ders. (Hrsg.), Macht und Herrschaft. Sozialwissenschaftliche Theorien und Konzeptionen, 2., überarb. Aufl. Wiesbaden 2013, S. 399-426 (1. Aufl. 1998).
[3] Vgl. Ines Langelüddecke, Alter Adel – Neues Land? Die Erben der Gutsbesitzer und ihre umstrittene Rückkehr ins postsozialistische Brandenburg, Göttingen 2020.

Zitation
Tagungsbericht: Eliten und Elitenkritik vom 19. bis zum 21. Jahrhundert, 29.10.2020 – 30.10.2020 digital, in: H-Soz-Kult, 19.02.2021, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8884>.