"Menschen im Bergbau" – Perspektiven auf Oral History, Industriekultur und Vermittlung

Ort
digital (Bochum)
Veranstalter
Theresa Hiller / Marcel Mierwald, Ruhr-Universität Bochum; Stefan Moitra, Deutsches Bergbau-Museum Bochum; Katarzyna Nogueira, Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, Bochum
Datum
07.05.2021 - 08.05.2021
Von
Lukas Greven / Kristopher Muckel, Lehr- und Forschungsgebiet Didaktik der Gesellschaftswissenschaften, RWTH Aachen

Ruhrgebiet, (Steinkohlen-)Bergbau, Industriekultur und Oral History stehen für historisch Interessierte zu Recht in einem assoziativen Zusammenhang. Denn die Geschichte der Oral History als Medium, Methode und (interdisziplinärer) Forschungsansatz ist im deutschen Sprachraum insbesondere durch das LUSIR-Projekt Lutz Niethammers historisch eng mit dem nordrhein-westfälischen Industriezentrum verbunden.[1] Vor dem Hintergrund des Erfahrungsreservoirs zur Geschichtsschreibung mit Oral History im Ruhrgebiet nahmen rund 100 Diskutant:innen an der Tagung online teil und wandten sich Fragen nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Oral History zu. Den Leitfragen der Tagung nach den Potenzialen und Grenzen der Oral History für die Zeitgeschichte, für geschichtskulturelle und -unterrichtliche Vermittlungs- respektive Lehr-Lern-Prozesse und nach zukünftigen Handlungsfeldern der Oral History näherten sich die Vortragenden und Diskutant:innen dabei in den fünf Panels durch Zugriffe aus verschiedenen Perspektiven und gespeist durch Erfahrungen in unterschiedlichen Praxen der Oral History. Die Tagung war mit einleitenden Vorträgen, zwei Podiumsdiskussionen, einem Workshop und einer Abschlussdiskussion interaktiv sowie kommunikativ gestaltet.

Einführend stellten die Organisator:innen mit Blick auf die bisherigen Ergebnisse des 2014 initiierten Projekts „Menschen im Bergbau“ heraus, dass eine multiperspektivische Auswahl von 84 Interviews sowohl zum Zwecke einer geschichtswissenschaftlichen als auch -kulturellen Verwendung aufgenommen worden sei. In zuletzt genannter Verwendung könnten die Interviews dabei, so BÄRBEL BERGERHOFF-WODOPIA (Essen) in ihrem Grußwort, auch der Vermittlung von für die Industriekultur des Ruhrgebiets ihrer Einschätzung nach kennzeichnenden und für das demokratische Miteinander wesentlichen Werten dienen.

Im ersten von drei einleitenden Vorträgen, die sich der Oral History aus zeitgeschichtlicher, geschichtskultureller und geschichtsdidaktischer Perspektive zuwandten, rekapitulierte LINDE APEL (Hamburg) zunächst die Geschichte der Oral History mit einem Fokus auf den deutschsprachigen Raum. Sie entwarf ein Bild der Oral History als Medium, Methode und Forschungsfeld, dessen Entfaltung eng mit der Alltagsgeschichte verbunden sei, da sie in ihrer stark biografiegeschichtlichen Ausrichtung den Blick auf die Subjekte (des Alltags) freigemacht habe und in der Geschichtsschreibung essenziell auf diese angewiesen sei. In dieser großen Bedeutung der Subjektivität erkannte Apel auch einen der Hauptgründe für die Schwierigkeiten der Oral History bei der Etablierung in der Geschichtswissenschaft seit den späten 1970er-Jahren. Heute könne sie jedoch als etabliert verstanden werden, auch wenn Apel für einen stärkeren Einbezug in die geschichtswissenschaftliche Ausbildung im weiteren Sinne plädierte. Der Figur des/der Zeitzeug:in sei es dabei gelungen, sich von der Oral History als komplexem Forschungszugriff zu lösen, wobei sie auf geschichtskulturelle Resonanz in Medien und insbesondere Museen getroffen sei. Zur Geschichte der Arbeit, so schloss Apel ihre Überlegungen ab, könne die Oral History in Form narrativer Interviews dann einen Beitrag leisten, wenn sich Forschende für die sich wandelnden Deutungen und Bedeutungen von arbeitsbezogenen Erfahrungen in nationaler und internationaler Perspektive interessierten.

An diese Ausführungen anschließend, den Blick auf die Ära der Zeitzeug:innen jedoch in alle drei zeitlichen Dimensionen erweiternd, referierte STEFFI DE JONG (Köln) zur Geschichte der Zeitzeug:innen als einer medialen Entwicklung von der Französischen Revolution bis zur digitalen Gegenwart und Zukunft. Indem sie herausstellte, dass in jeder Zeit die jeweils neuesten Medien als zielführend erachtet worden seien, Erinnerungen festzuhalten und in die Zukunft zu tradieren, erläuterte sie, wie Zeitzeug:innen zu populären Figuren der Erinnerungskultur geworden sind. Dabei unterstrich sie den Begriff des/der Zeitzeug*in als einen, der, obwohl inzwischen überhistorisch erscheinend, erst eine kurze Geschichte habe und für den deutschen Sprachraum kennzeichnend sei. Als Figur allerdings, so argumentierte de Jong in Abweichung von Martin Sabrow und Norbert Frei,[2] seien sie bereits mit der Revolution von 1789 verbunden. Unter Bezug auf die gegenwärtige Tendenz zur Digitalisierung videografierter Zeitzeug:inneninterviews und die Möglichkeit rein digitaler Zeitzeug:innenschaft mit Virtual Reality und Augmented Reality stellte sie kritisch heraus, dass diese Formate zwar eine völlig neue, da stärker vernetzende Verarbeitung von Zeitzeug:inneninterviews ermöglichten und die Interviews einem breiten Publikum bereitstellten. Jedoch eröffnete die digitale Bereitstellung von Interviews diese zugleich einer revisionistischen Vernutzung; vor allem aber nähmen die Zeitzeug:innen in immersiven Formaten den Rezipienten die für Kritik notwendige analytische Distanz.

Anschließend an diese wissenschaftsgeschichtlichen Überlegungen problematisierte CHRISTIANE BERTRAM (Konstanz) einleitend eine Dichotomisierung von Interviewpartner:innen, die sie der Oral History als geschichtswissenschaftlichem Ansatz zuwies, und Zeitzeug:innen als geschichtskulturellen Figuren, die vor allem der Bezeugung und Deutung eines Ereignisses dienten. Bertram schlug alternativ ein Kontinuum von Zeitzeug:innenschaften („Helden“, „Opfer“, „Alltagszeitzeug:innen“) vor, die für historisches Lernen und Erkennen je spezifische Beiträge leisteten. Während Bertrams erste Interventionsstudie zur Wirkung von unterrichtlicher Zeitzeug:innenarbeit auf die Entwicklung historischer Kompetenzen mit „Held:innen“ der Friedlichen Revolution, so u.a. nach einem Beitrag zur Förderung der Sachkompetenz von Geschichtslernenden fragte,[3] sei die derzeit laufende Studie „Generation 1975 – Mit 14 ins neue Deutschland“ mit „Alltagszeitzeug:innen“ am Beitrag der geschichtsunterrichtlichen Arbeit mit Zeitzeug:innen zur Förderung der Orientierungs- und Reflexionskompetenz interessiert.[4] Anschließend an die Ergebnisse der erstgenannten Interventionsstudie, die u.a. zeigte, dass Lernende, die den Zeitzeug:innen live begegneten, bei Fragen zur Epistemologie schlechter abschnitten, allerdings zugleich motivierter waren, sei ein Instrument entwickelt worden, mit dem die diffuse „Aura“ von Zeitzeug:innen der empirischen Erfassung im Rahmen der aktuellen Studie zugänglich gemacht werden soll.[5]

In der ersten Podiumsdiskussion wandten sich GABRIELE VOSS (Witten), ALEXANDER VON PLATO (Hagen), MARTIN ROSSWOG (Lindlar) und JUTTA DE JONG (Wuppertal) – Pionier:innen der Oral History im Ruhrgebiet – Fragen nach den Inhalten, Methoden sowie Motivationen ihrer Projekte zu, um die Chancen und Grenzen von Oral History und Zeitzeug:innenarbeit in unterschiedlichen Handlungsfeldern zu diskutieren. Dabei stellte von Plato heraus, dass das Ruhrgebiet für die Forscher:innengruppe um Lutz Niethammer zum einen von besonderem Interesse gewesen sei, weil es sich unter anderem paradigmatisch für politische Entwicklungen im Deutschland der Nachkriegszeit (vor allem die „Sozialdemokratisierung“ der Nachkriegsgesellschaft) gezeigt habe. Das Ruhrgebiet habe zum anderen die Möglichkeit geboten, Arbeiter:innen eine Stimme zu geben, die für die Geschichtsschreibung bis dahin kaum bedeutsam gewesen sei. De Jong betonte, dass die Methode der Oral History im alltagsgeschichtlichen Zugriff zudem die Möglichkeit geboten habe, die Frauen der Bergarbeiter in ihrer Organisation des alltäglichen Familienlebens in den Blick zu bekommen und so zusätzlich zu einer Demokratisierung der Geschichtsschreibung beizutragen. Voss problematisierte anschließend, dass die damals Befragten den Begriff „Geschichte von unten“ als ihrem Selbstverständnis zuwiderlaufend empfunden hätten. Das besondere Potential durch Oral History, Menschen eine Stimme zu geben, deren Perspektive sonst unterrepräsentiert bliebe, machte sie auch darin aus, dass in den Interviews Tabus wie Gewalt thematisiert worden seien. Eine besondere Schwierigkeit erkannte Rosswog aufgrund eigener Projekterfahrungen in der (geschichtskulturellen) Aufbereitung der Interviews, da den Erzählungen dadurch eine bestimmte Deutung zugeschrieben werde. Von Plato hielt dagegen, dass diese durch bewusste Perspektivierung abgemildert werden könne.

Den zweiten Tagungstag eröffneten THERESA HILLER und MARCEL MIERWALD (Bochum) mit einem Workshop zum MiBLabor,[6] einer digitalen Lernplattform, auf der die lebensgeschichtlichen Interviews, die in der ersten Projektphase von „Menschen im Bergbau“ entstanden sind, didaktisch für den schulischen und außerschulischen Einsatz aufbereitet bereitgestellt werden. Das Hauptaugenmerk des Workshops lag auf den Lernpotenzialen für Schüler:innen, die sich aus der Verbindung von unterschiedlich langen Ausschnitten aus videografierten Zeitzeug:inneninterviews mit anderen Quellen sowie methodischen Übungen auf einer responsiven digitalen Lernplattform ergeben. Dazu erprobten die Teilnehmenden exemplarisch das für die Jahrgangsstufe 10 vorgesehene Modul „Gelungene Integration? Türkische Gastarbeiter im Ruhrbergbau“. Trotz einiger Kritik, die sich u.a. auf das Bewertungssystem der Website für die Lernendenantworten sowie die aus geschichtsdidaktischer Sicht nicht unproblematische Vorgabe der historischen Frage[7] im Beispielmodul bezog, fiel das Feedback zum Modul positiv aus. Als besondere Stärken der Website wurden der konsequent multiperspektivische Zugriff auf die Problemstellung, die schlüssige Materialauswahl sowie das explizite Methodentraining hervorgehoben, woraus aus Sicht der Teilnehmenden das Potenzial der Lernplattform für den schulischen Geschichtsunterricht resultiere, das in der engen wechselseitigen Verknüpfung inhaltlicher und methodischer Zugriffe auf die besondere Quellengattung der Zeitzeug:inneninterviews liege.

Zum Thema „Zeitzeug:innenschaft im Ruhrgebiet heute“ diskutierten JANA GOLOMBEK (Dortmund), BEATE SCHLANSTEIN (Köln) sowie ULRICH KIND (Herne). Golombek erläuterte die Schwierigkeiten im Umgang mit Zeitzeug:innen und Zeitzeug:inneninterviews in der musealen Praxis. Gerade wenn Interviews speziell für Ausstellungen erstellt würden, in denen sie nie alleinstünden, sondern immer bloß ein Aspekt in der Gesamtkonzeption und in einen Chor der Stimmen eingebettet seien, sei es eine kaum zu erfüllende Anforderung für die Besuchenden, die Zeitzeug:innengespräche einer umfassenden Kritik zu unterziehen.[8] Dem Umgang mit der Vielstimmigkeit der Oral History widmete sich auch Schlanstein in Bezug auf das Fernsehen und den Einsatz von Zeitzeug:innen im historischen Dokumentarfilm. Sie betonte, dass dem Einsatz von Ausschnitten aus Zeitzeug:inneninterviews im Film nur sehr selten eine wissensvermittelnde Funktion zukomme. Vielmehr würden die individuellen Perspektiven der Zeitzeug:innen genutzt, um den Zuschauenden einen emotionalen Zugriff auf die Gesamterzählung des Films zu ermöglichen.[9] Von der Pflicht zur medialen Repräsentation befreit, so betonte Kind, sei das von ihm initiierte und geleitete Schulfach „Kohlengräberland“[10] darauf ausgerichtet, Schüler:innen eine ganzheitliche Begegnung mit Zeitzeug:innen zu ermöglichen,[11] die ihren Wert insbesondere aus dem persönlichen Austausch zwischen den Generationen gewinne.[12] Demgemäß läge im Projekt ein besonderer Fokus darauf, Lernende über mehrere Jahre hinweg zu involvieren, sodass diese einerseits methodisch voneinander lernten, andererseits aber auch enge persönliche Bindungen zu den Zeitzeug:innen aufbauten, um dadurch geradezu selbst zu Zeug:innen der Zeitzeugnisse zu werden. In der Podiumsdiskussion konnte ein vielschichtiges Bild gegenwärtiger Anwendungsfelder, Funktionalisierungs- sowie Rezeptionsweisen der Oral History entworfen werden, wobei die Diskutierenden offen mit den Schwierigkeiten umgingen, die aus deren Einsatz in ihrem jeweiligen Bereich hervorgehen. Damit offenbarte sich neuerlich eine Differenz zwischen der geschichtskulturell präferierten und geschichtswissenschaftlich sowie -didaktisch gewünschten Verwendung der Oral History als Medium und Methode, wobei jedoch die geschichtsdidaktisch wesentliche Frage nach der für historisches Lernen notwendigen Distanz zwischen Zeitzeug:innen und Lernenden kaum Berücksichtigung fand.

Zwei Leitkommentare bestimmten den Verlauf der von MICHAEL FARRENKOPF (Bochum) moderierten Abschlussdiskussion. ACHIM SAUPE (Potsdam) rekapitulierte die Entwicklung der Oral History und kritisierte deren Selbsteinengung auf einen aus seiner Sicht fachlich nicht begründeten Wahrheitsbegriff, der in dieser Form in anderen Bereichen der Geschichtswissenschaft nicht mehr vertreten und angestrebt werde, sondern, gerade in der Geschichtsdidaktik, durch ein System von Triftigkeiten abgelöst worden sei, mittels dessen sich die Qualität historischer Aussagen im Kontext spezifischer Orientierungsansprüche beschreiben ließe.[13] Darüber hinaus müsse im Zuge der Auflösung klassischer gesellschaftlicher Milieustrukturen der Anspruch der Oral History, „Geschichte von unten“ zu erzählen, vor dem Hintergrund in Frage gestellt werden, dass „unten“ zu einer Zuschreibung werde, die vielleicht schon immer von akademischem Dünkel gezeugt hätte und spätestens in einer sich hinsichtlich Lebensverläufen und -entwürfen diversifizierenden, da individualisierenden Gesellschaft auf ihre Nützlichkeit zu hinterfragen wäre.

Die von Saupe vorgebrachte Kritik am wiederkehrenden Narrativ der sogenannten bergmännischen Werte, die im Grußwort noch thematisiert wurden, deren Dekonstruktion jedoch unabdingbar sei, thematisierte im zweiten Kommentar auch JULIANE CZIERPKA (Bochum), die nachdrücklich eine Ausweitung der Oral History im Ruhrgebiet über ihre „Bergbaububble“ hinaus forderte. Dies sei unerlässlich, um einerseits auch die Geschichten all jener zu erfassen, die das System Bergbau exkludiert habe oder die sich von diesem abgewandt hätten. Andererseits müsse das Bild, das die Oral History im Ruhrgebiet von der Montanindustrie zeichne, ohne Einbezug der Außenperspektive zwangsläufig unvollständig bleiben. Daneben forderte Czierpka die Vernetzung der verschiedenen Oral-History-Projekte der Region sowie die technisch, finanziell und personell aufwendige Archivierung der gesammelten Zeitzeug:inneninterviews, die von den Teilnehmenden mit Blick auf die Historizität der eigenen Wissenschaft intensiv und kontrovers diskutiert wurde.

Die Tagung hat die Entwicklung der Oral History im Ruhrgebiet im Speziellen und in der Geschichtswissenschaft, -kultur und -didaktik im Allgemeinen umfassend beleuchtet. Das Format mit einführenden Vorträgen und Diskussionsrunden erwies sich als zielführend, die Vielzahl von Perspektiven und einander entgegenlaufenden Ansprüche offenzulegen, mit denen sich diejenigen konfrontiert sehen, die sich Oral History als Medium und Methode in Geschichtswissenschaft, Geschichtskultur und Geschichtsunterricht zuwenden. Aus geschichtsdidaktischer Perspektive wurden hochinteressante und -aktuelle Möglichkeiten des unterrichtlichen Einsatzes digitalisierter Zeitzeug:innengespräche aufgezeigt, wobei dieser Themenbereich sicherlich insbesondere dann, wenn belastbare Daten zur Nutzung des MiBLabors vorliegen, weiterer Diskussionen bedarf, die für das Fach auch über den Bereich der Oral History hinaus im Hinblick auf Chancen und Grenzen des historischen Lernens im Digitalen von großem Interesse sein dürften.

Konferenzübersicht:

Bärbel Bergerhoff-Wodopia (Vorstand der RAG-Stiftung, Essen): Grußwort

Theresa Hiller, Marcel Mierwald (beide Ruhr-Universität Bochum), Stefan Moitra (Deutsches Bergbau-Museum Bochum), Katarzyna Nogueira (Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, Bochum): Einführung

Keynotes

Linde Apel (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg): Oral History, Zeitgeschichte und die Geschichte der Arbeit

Steffi de Jong (Universität zu Köln): Die Ära der/des Zeitzeug:in in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Christiane Bertram (Universität Konstanz): Mit Menschen sprechen. Zeitzeug:innen und Inter-viewpartner:innen im Geschichtsunterricht

Podiumsgespräch I

Gabriele Voss (RuhrFilmZentrum e.V., Witten), Alexander von Plato (FernUniversität Hagen), Martin Rosswog (freier Fotograf, Lindlar), Jutta de Jong (Historikerin, Wuppertal): Rückblicke auf Oral History im Ruhrgebiet – Inhalte, Methoden und Motivationen

Workshop
Theresa Hiller, Marcel Mierwald (beide Ruhr-Universität Bochum): Digitales Lernen mit Zeitzeug:innen. Das Projekt MiBLabor

Podiumsgespräch II

Jana Golombek (LWL-Industriemuseum, Dortmund), Ulrich Kind (Erich-Fried-Gesamtschule, Herne), Beate Schlanstein (WDR-Fernsehen, Köln): Zeitzeugenschaft im Ruhrgebiet heute – Präsentationsformen und „Public Oral History“

Abschlussdiskussion

Michael Farrenkopf (Deutsches Bergbau-Museum, Bochum), Achim Saupe (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam), Juliane Czierpka (Ruhr-Universität Bochum)

Anmerkungen:
[1] Vgl. z. Bsp. Lutz Niethammer / Alexander von Plato (Hrsg.), „Die Jahre weiß man nicht, wo man die heute hinsetzen soll": Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet, Berlin 1983 (Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930–1960, Bd. 1).
[2] Vgl. Martin Sabrow / Norbert Frei (Hrsg.), Die Geburt des Zeitzeugen nach 1945, Göttingen 2012 (Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 14).
[3] Vgl. Christiane Bertram, Zeitzeugen im Geschichtsunterricht. Chance oder Risiko für historisches Lernen? Eine randomisierte Interventionsstudie, Schwalbach/Ts. 2017 (Geschichtsunterricht erforschen, Bd. 6).
[4] Vgl. Christiane Bertram, „Generation 1975 – Mit 14 ins neue Deutschland“: Blick vom Osten und Westen in die deutsche Teilungsgeschichte, in: Bürger & Staat (2020), H. 1/2, S. 81–88.
[5] Vgl. Lisa Zachrich u.a., Historical experiences: A framework for encountering complex historical sources, in: History Education Research Journal 17 (2020), H. 2, S. 243–275.
[6] Vgl. Stiftung des Ruhrgebiets (Hrsg.), MiB Labor. Lernplattform rund um die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Deutschland, https://miblabor.de/ (10.06.2021).
[7] Vgl. z. Bsp. Christian Heuer, Für eine neue Aufgabenkultur – Alternativen für historisches Lehren und Lernen an Hauptschulen, in: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 9 (2010), S. 79–97.
[8] Zur Problematik eines solchen „[v]ielstimmige[n] Gedächtnis[ses]“ vgl. Saskia Handro, Musealisierte Zeitzeugen. Ein Dilemma, in: Public History Weekly 2 (2014), H. 14.
[9] Vgl. Martin Sabrow, Der Zeitzeuge als Wanderer zwischen zwei Welten, in: Martin Sabrow / Norbert Frei (Hrsg.), Die Geburt des Zeitzeugen nach 1945, Göttingen 2012 (Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 14), S. 13–32, hier S. 22–25; Franka Maubach, Freie Erinnerung und mitlaufende Quellenkritik. Zur Ambivalenz der Interviewmethoden in der westdeutschen Oral History um 1980, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 26 (2013), H. 1, S. 28–52, S. 29.
[10] Ulrich Kind, Unterrichtsprojekt Kohlengräberland. Unterrichtsfach „Kohlengräberland“ an der Erich-Fried-Gesamtschule Herne, https://www.kohlengraeberland.de/unterrichtsprojekt/ (10.06.2021).
[11] Vgl. z. Bsp. Katalin Eszter Morgan, Wie eine deutsche Lerngruppe mit den traumatischen Erinnerungen von Shoah-Zeiteug:innen umgeht, in: Christoph Kühberger (Hrsg.), Ethnographie und Geschichtsdidaktik, Frankfurt a. M. 2021 (Geschichte unterrichten), S. 136–160.
[12] Vgl. z. Bsp. Gerhard Henke-Bockschatz, Oral History im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2014 (Wochenschau Geschichte), S. 10f.
[13] Vgl. Jörn Rüsen, Zeit und Sinn. Strategien historischen Denkens, Frankfurt am Main 1990, S. 87–92.

Zitation
Tagungsbericht: "Menschen im Bergbau" – Perspektiven auf Oral History, Industriekultur und Vermittlung, 07.05.2021 – 08.05.2021 digital (Bochum), in: H-Soz-Kult, 12.07.2021, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8994>.