Qualitätsmessung: Stellungnahme des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD) zum Pilotprojekt des Wissenschaftsrates "Forschungsrating in den Geisteswissenschaften"

Von
Simone Lässig, Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD) - Die Schriftführerin

Stellungnahme des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD) zum Pilotprojekt des Wissenschaftsrates „Forschungsrating in den Geisteswissenschaften“

Der VHD würdigt grundsätzlich das Bemühen des Wissenschaftsrates, die Geisteswissenschaften in Deutschland zu fördern. Anerkennung findet dabei das Anliegen, die Fachverbände aktiv bei der Verständigung über disziplinäre Standards zu beteiligen und in gemeinsamer Arbeit disziplinspezifische Kriterien für Forschungsqualität zu erarbeiten. Dem geplanten Rating kann der VHD gleichwohl nicht zustimmen. Die Mehrheit der historischen Institute und Seminare, die zu dieser Frage Stellung genommen haben, äußert substanzielle Bedenken. Zu den wichtigsten Argumenten gehören die unklaren Kriterien und die nicht absehbaren Konsequenzen eines Ratings, das als Pilotprojekt mit explorativem Charakter konzipiert ist und dessen Repräsentativität und Reichweite daher gar nicht exakt bestimmt werden kann. Abgesehen davon wurden Fragen der Gewinnung von geeigneten Gutachtern, des zeitlichen Mehraufwandes, der ungenügenden Berücksichtigung von Standorten und von Spezifika der Teildisziplinen innerhalb der Geschichtswissenschaft aufgeworfen wie auch die Schwierigkeit betont, die sich aus der konzeptionellen Ausdifferenzierung des Faches ergibt.

Die Historikerinnen und Historiker Deutschlands sind sich ihrer Verantwortung bewusst, gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft über ihr Tun abzulegen. Sie stellen sich seit langem Bewertungen und erkennen auch an, dass der Wissenschaftsrat nach Wegen sucht, um derzeit dominierenden allgemeinen Evaluationen fachspezifische Verfahren der Bewertung wissenschaftlicher Leistung entgegenzusetzen. In Zusammenarbeit mit anderen Fachverbänden und dem Wissenschaftsrat wird sich der Verband der Historikerinnen und Historiker deshalb in angemessener Form an der Suche nach geeigneten Konzepten und an ergebnisoffenen Diskussionen über die Möglichkeit der Entwicklung und Messung von Qualitätsstandards in den Geisteswissenschaften beteiligen.

Berlin, 3. Juli 2009

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Kontakte:
Prof. Dr. Werner Plumpe
Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (Vorsitzender)
c/o Goetheuniversität Frankfurt am Main, Historisches Seminar
Grüneburgplatz 1, D-60629 Frankfurt am Main
Tel: 069/798-32615; 32613
Fax: 069/798-32614
<w.plumpe@em.uni-frankfurt.de>

Prof. Dr. Simone Lässig
Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (Schriftführerin)
c/o Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung
Celler Str. 3, D-38114 Braunschweig
Tel.: +49 (0)531 123103-217 oder: 59099-52
Fax: +49 531 59099-99
<vhd@gei.de>

Zitation
Qualitätsmessung: Stellungnahme des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD) zum Pilotprojekt des Wissenschaftsrates "Forschungsrating in den Geisteswissenschaften", in: H-Soz-Kult, 07.07.2009, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-1172>.
Redaktion
Veröffentlicht am
07.07.2009
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