Historikertag 2014: Alte Geschichte

Von
Lennart Gilhaus / Jennifer Juliane Stracke, Institut für Geschichtswissenschaft, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Besprochene Sektionen:

Verlierer in der „Konkurrenz unter Anwesenden“. Agonalität in der politischen Kultur des antiken Rom
Veni, vidi, vici. (Re)präsentation von Sieghaftigkeit in der Antike
Institutionalisierung von Konkurrenz im archaischen Griechenland

Vorbemerkungen
„Immer schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten.“ Dieser Aphorismus Berthold Brechts hat zwar sicher keine unumschränkte Gültigkeit, bewahrheitet sich aber gerade für die quellenarme Epoche der Antike immer wieder. So ist es insbesondere für die altertumswissenschaftliche Forschung sehr schwer, die „Verlierer“ überhaupt in den Blick zu nehmen. Das Oberthema „Gewinner und Verlier“, das sich der 50. Historikertag gesetzt hatte, bot also die Möglichkeit, durch die Betrachtung von Misserfolg und Scheitern die Funktionsweise antiker politischer und gesellschaftlicher Strukturen neu zu betrachten und damit auch alte Positionen zu überdenken. Der Querschnittsbericht will zeigen, inwiefern in den drei althistorischen Sektionen ein Perspektivwechsel vollzogen wurde und sich aus den Sektionen, die der Historikertag 2014 präsentierte, neue Forschungstrends ableiten lassen.

Überblick über die Sektionen
Die von Karl-Joachim Hölkeskamp (Köln) geleitete Sektion „Verlierer in der ‚Konkurrenz unter Anwesenden‘. Agonalität in der politischen Kultur des antiken Rom“ fügt sich in eine nun mehr als 25 Jahre intensive Erforschung der politischen Kultur der römischen Republik und des frühen Prinzipats ein, zu der alle Vortragenden maßgebliche Beiträge beigesteuert haben. Entsprechend stellte KARL-JOACHIM HÖLKESKAMP in seiner Einführung die von der „Neuen Politikgeschichte“ herausgearbeiteten Merkmale der politischen Kultur Roms zunächst kurz vor. Als zentral stellte er dabei das Prinzip der jährlichen Wahlen zur Reproduktion von Status und Rang heraus, das zwangsläufig Wahl-Verlierer produzierte, zumal bis in die späte Republik kaum alternative Möglichkeiten zur Erlangung von symbolischem Kapital geschaffen wurden. Vor diesem Hintergrund wäre daher zu fragen, wie Verlieren akzeptabel gemacht wurde, etwa durch die Annuität der Ämter, die Erhöhung von Stellenzahlen (etwa bei der Prätur) und die Möglichkeit zur mehrfachen Bewerbung ohne Gesichtsverlust. Daneben betonte er auch die Wichtigkeit, das Aufkommen alternativer Karrieremuster in der späten Republik und der frühen Kaiserzeit genauer zu erforschen.

HANS BECK (Montreal) griff in seinen Vortrag zunächst die Bedingungen der politischen Konkurrenz nach dem Hannibalkrieg auf. In dieser Zeit sei erstmals eine Einschärfung von Regeln zur Besetzung der honores festzustellen, die Wettbewerbsgleichheit zwischen den nobiles herstellen sollte. Damit reagierte der Senat auf einen erhöhten Druck von Bewerbern, deren Zahl in den 190er- und 180er-Jahren deutlich zugenommen hatte. Allerdings hätten diese Maßnahmen nur kurzfristig Erfolg gezeitigt, weil aufgrund der zunehmenden ökonomischen Diversifikation der senatorischen Elite und des individuellen Wettbewerbsdenkens Ausnahmeregelungen bald (wieder) deutlich zunahmen.

Die Entstehung konkurrierender Felder der Distinktion neben der politischen Karriere in der späten Republik und dem frühen Prinzipat nahm ELKE STEIN-HÖLKESKAMP (Duisburg-Essen / Siegen) in den Blick. Schon in den ausgehenden Jahren der Republik gab es Senatoren, die ganz auf eine Karriere verzichteten oder ihre Karriere abbrachen und sich so der politischen Konkurrenz entzogen. Unter anderem die Tätigkeiten als Redner oder als Literat entstanden in dieser Zeit als akzeptable Lebensmodelle und neue Handlungsfelder, die durch volatile Hierarchien gekennzeichnet waren und in denen Leistung und Rang nicht direkt messbar waren, sodass Niederlagen im Gegensatz zum politischen Feld nicht unmittelbar sichtbar wurden.

ANDREAS KLINGENBERG (Köln) betonte in seinem Vortrag hingegen das Festhalten an der hergebrachten Rangordnung der senatorischen Elite im Prinzipat, führte dann aber aus, dass die Bedingungen aristokratischer Konkurrenz sich unter den Voraussetzungen der Kaiserzeit aber deutlich veränderten. So bildete der populus nicht mehr den neutralen Raum der Entscheidung über die Ämtervergabe, sondern Personalentscheidungen wurden im zunehmenden Maße im Senat und vom Kaiser selbst getroffen. Unter diesen Voraussetzungen nahmen die von Elke Stein-Hölkeskamp beschriebenen Kompensationsbemühungen und alternativen Lebensmodelle gerade in der frühen Kaiserzeit in erheblichem Maße zu.

In seinem Kommentar zu den Vorträgen hob MARTIN JEHNE (Dresden) zunächst die Probleme bei der Auseinandersetzung mit „Wahlverlierern“ hervor. So seien einmalige Verlierer bei Wahlen in der Republik durchaus gut fassbar, Aussteiger, Karriereabbrecher und andere Persönlichkeiten, die sich nicht (mehr) der Wahl-Konkurrenz aussetzen wollten, aber nur in sehr begrenztem Maße. Dementsprechend sei es eine offene Frage, wie viele Bewerber einen zweiten oder gar dritten Anlauf auf den Konsulat wagten, wie viele Senatoren sich gar nicht erst versuchten den Konsulat zu erreichen und ob Senatoren häufig ihre Karriere vorzeitig beendeten. Die Aussteiger, deren Zahl vermutlich unter der sich verschärfenden Konkurrenz des ersten Jahrhunderts v. Chr. deutlich zunahm, wertete EGON FLAIG (Rostock) als Grund für die Entstehung neuer Handlungsmuster. Wie schon Pierre Bourdieu betont habe, seien diese als innovativer Sektor der Gesellschaft zu werten, da sie aufgrund ihres Scheiterns gezwungen seien, ihre bisherigen Handlungsmuster zu verändern und zu hinterfragen, um in ein neues Sinnsystem einzutreten. Gerade durch Verlierer könne Devianz zur Alternative werden.

Die zweite Sektion „Veni, vidi, vici. (Re)präsentation von Sieghaftigkeit in der Antike“ unter Leitung von Volker Menze (Budapest) befasste sich mit der Erinnerungs- bzw. Darstellungskultur herrschender Personen antiker Gesellschaften hinsichtlich ihrer Siege (und Niederlagen) in einem vom Hellenismus bis zur Spätantike reichenden Zeitraum. Den dazugehörigen Leitfragen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der (Selbst-)Darstellung des Siegers und der Präsentation der Sieghaftigkeit sowie nach übergreifenden Konzepten in dieser Darstellung näherten sich die Vortragenden auf unterschiedlichen Wegen; auch wurde Wert darauf gelegt, neben Schriftquellen auch die Archäologie, Numismatik, Epigraphik und Papyrologie miteinzubeziehen.

VOLKER MENZE begann die Sektion mit einem einführenden Vortrag zum Thema „Staat, Regierung, Repräsentation und Akzeptanz. Einleitung zur aktuellen Forschungsdiskussion“. Hierbei ging es vor allem um die Darstellung von Sieghaftigkeit als Legitimation und inwiefern der persönliche Erfolg für Herrscher der Antike maßgeblich war. Diese Repräsentation zielte auf einen Dialog mit dem Volk, in dem auch etwaige Niederlagen als erfolgreich vermittelt werden mussten (bspw. im Fall von Ramses II. oder Domitian). Dabei handelte es sich bei den Adressaten keineswegs um eine homogene Gruppe, unterschiedliche Bedürfnisse galt es zu beachten, unterschiedliche normative Systeme zu bedenken. Auch die Außenwelt war von Belang, so war etwa die Wirkung auf Verbündete nicht unerheblich. Die dem engeren Kreis zugehörigen philoi oder amici waren zwar an den Autokraten gebunden, mussten von ihm jedoch auch eingebunden werden. Elementar waren auch die Fragen nach Kriegen oder nach dem Umgang mit Besiegten.

GREGOR WEBER (Augsburg) setzte in seinem Beitrag „Siegen, Verlieren, Kompensieren. Darstellungsmodi von Sieghaftigkeit und Misserfolg im frühen Hellenismus“ den Schwerpunkt auf die rituelle und monumentale Repräsentation von Siegen und Erfolgen unter Einbeziehung von drei zentralen Aspekten: das Verhalten des Siegers, das Verhältnis von Sieg und Sieghaftigkeit zueinander sowie die jeweiligen Darstellungsmodi. Weber kam zu dem Schluss, dass die Darstellung sowohl von Sieghaftigkeit als auch von Einzelsiegen nicht so bedeutend war wie der Euergetismus des Monarchen. Auch bedeutete eine Niederlage nicht unbedingt das Ende der Ambitionen; die Kompensation erfolgte durch die Anbindung an die aktuelle Tradition sowie die Besinnung auf vergangene Erfolge. In beiden Fällen – ob nun Sieg oder Niederlage – handelte es sich um eine Inszenierung für den eigenen Anhang. Unterlegene Gegner konnten wechseln, ebenso aber auch die Kommunikationsformen.

STEFAN PFEIFFER (Halle-Wittenberg) stellte in seinem Beitrag „‘…nachdem er sich den gesamten Rest bis nach Baktrien untertan gemacht hat‘. Ptolemaios III. und die Rückeroberung des Alexanderreiches“ ein Beispiel für Sieghaftigkeit im Kontext mit Legitimationsstrategien der hellenistischen Herrscher vor. Dabei stellte er heraus, dass die Selbstinszenierung des Königs mit Attributen des Herakles oder mittels Ehrendekreten nicht primär auf dessen militärische Leistung abzielte, sondern vielmehr die dynastische Herkunft, die Abstammung von Dionysos und Herakles sowie die Wohltätigkeit maßgeblich waren.

Im Beitrag von SANDRA SCHEUBLE-REITER (Halle-Wittenberg) stand das militärische Verdienst der Feldherren im Mittelpunkt. Dargelegt wurde hier das Verhältnis von Augustus zu seinen erfolgreichen Feldherren, die im römischen Reich, in dem der persönliche militärische Erfolg zur Legitimation erheblich beitrug, dem princeps durchaus politisch gefährlich werden konnten. Scheuble-Reiter legte hier das Augenmerk auf die Vorgehensweise des Augustus, um die dignitas der Sieger im Felde nicht zu beschneiden, sie aber zeitgleich auf seine eigene Person zu projizieren.

MATTHIAS HAAKE (Münster) widmete sich dem Thema „Siegreiche Kaiser und kaiserliche Sieghaftigkeit. Die Siegesinszenierung siegreicher Kaiser zwischen konkretem Ereignis und ontologischem Zustand im 3. Jh. n.Chr.“ Im Gegensatz zum vorherigen Beitrag lag hier der Schwerpunkt auf der Zentralität von Sieg und Sieghaftigkeit des princeps, sichtbar anhand von Bauwerken und langen Inschriften, die die Triumphe aufzählten, die auch eine Hierarchie innerhalb der Tetrarchie deutlich machten.

Den Abschluss bildete VOLKER MENZE mit seinem Beitrag zu einer religiösen Komponente von Sieghaftigkeit: „In hoc signo victor eris. Die Christianisierung des Sieges in der Spätantike“. Hier ging es um den Kaiser als christlichen Feldherrn. Der Bezug auf Gottes Unterstützung der Herrschaft wurde durch die Christianisierung vorangetrieben und ließ selbst Christus am Kreuz zum Symbol für Sieghaftigkeit erscheinen. Militärdienst und Christsein empfand Tertullian zwar noch als gegensätzlich, Augustinus und Johannes Chrysostomos betrachteten den Krieg auf Gottes Befehl hin jedoch als legitim.

Durch den großen Zeitraum der betrachteten Systeme, die auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Voraussetzungen basierten, konnten Beständigkeit und Wandel in der Darstellung von Sieg und Sieghaftigkeit eingehend betrachtet und analysiert werden.

Die dritte Sektion (unter Leitung von Gunnar Seelentag (Frankfurt am Main) und Jan B. Meister (Berlin)) mit dem Obertitel „Institutionalisierung von Konkurrenz im archaischen Griechenland“ beleuchtete eingehend den Aspekt der Rivalität um Sieghaftigkeit auf verschiedenen Feldern.

Den ersten Vortrag hielt GUNNAR SEELENTAG über „Gewinn und Verlust im ‚Spiel‘ um die Macht. Ämter als kontrollierte Prominenzrollen in der Archaik“, der sich vor allem anhand von Inschriften der Frage nach Institutionalisierungsprozessen und der gesetzlichen Regulierung widmete. So zeigten Inschriften die Beschränkungen der persönlichen Macht der handelnden Akteure, die Auferlegung von Pflichten und Zuständigkeiten sowie eine Konturierung des Aufgabenbereiches. Dass die übernommenen Aufgaben erfüllt bzw. die Kompetenzen nicht überschritten wurden, wurde unter anderem durch eine breitere Teilhabe der Mitglieder des demos kontrolliert, der hier als „dritte Instanz“ zur Konkurrenz der elitären Entscheider fungierte. Seelentag sah hier die eindeutige Tendenz zur partizipatorischen Konkurrenz, die der positionellen vorgezogen wurde; letztere konnte vorteilhafter für das einzelne Individuum sein, brachte jedoch den Nachteil mit sich, dass im Falle einer Niederlage diese auch von Dauer sein konnte. Fand die Konkurrenz stattdessen innerhalb bestimmter Regeln und Bedingungen statt, begrenzte dies zwar den eigenen Vorteil, schuf aber auch die Möglichkeit der Teilhabe für einen größeren Personenkreis. Langfristig führte diese Form der Konkurrenz, so Seelentag, zu kollektiv besseren Ergebnissen.

Dem Aspekt des Scheiterns in Konkurrenzsituationen widmete sich JAN B. MEISTER mit seinem Vortrag „Schlechte Verlierer? Devianz als Strategie archaischer Eliten“; anhand der Episode um den Athener Hippokleides, der im Wettkampf um die Tochter des Tyrannen Kleisthenes von Sikyon unterlag und daraufhin der Niederlage die Anerkennung verweigerte („Das kümmert Hippokleides nicht“) baute er die These auf, dass es Konkurrenz auf verschiedenen Feldern gab, die keiner Hierarchie unterlagen und somit gegeneinander ausgespielt werden konnten. Der Ehrgeiz der epischen Heroen, überall der Beste zu sein, war aufgrund seiner Unerreichbarkeit zum Scheitern verurteilt; unterschiedliche Felder der Konkurrenz erlaubten jedoch den Versuch der Kompensation bzw. die Abwertung des Feldes, in dem man unterlegen war. Diese Geltungskonkurrenz förderte, so Meister, deviantes Verhalten, da die Formen der Konkurrenz in diesen Feldern nicht fest institutionalisiert waren.

TANJA ITGENSHORST (Reims) betrachtete in ihrem Vortrag „Gewinner im Geiste. Die politischen Denker der archaischen Zeit“ die agonale Grundhaltung der Denker, die Merkmale politischen Denkens und das recht ambivalente Verhältnis zur Gesellschaft, zu der sie einerseits gehörten, und andererseits distanziert gegenüberstanden. Dabei spielte die Eigendarstellung als Gewinner gegenüber Konkurrenten eine wesentliche Rolle. Niederlagen im intellektuellen Bereich galt es zu überdecken, aber gerade durch die fehlende Institutionalisierung der Konkurrenz auf diesem Feld war dies möglich.

Der Frage nach Sieg und Niederlage und ihren archäologischen Belegen in Gräbern ging ADAM RABINOWITZ (Austin) in seinem Beitrag „Winners in This World or the Next? Burials and Political History in Late Archaic Sicily and South Italy“ nach. Er setzte Grabfunde aus Taras und Himera in Verbindung zur politischen Ereignisgeschichte und stellte die Divergenzen heraus. So ließen die Grabfunde auf ein erfolgreiches Mitglied der lokalen Elite schließen, was jedoch in politischer Hinsicht nicht den realen Begebenheiten entsprach. Stattdessen spiegelten die Grabbeigaben den Erfolg im sportlichen Bereich wider; so war eine Darstellung als Sieger trotz der politischen Niederlage möglich.

ELKE STEIN-HÖLKESKAMP (Duisburg-Essen / Siegen) fasste die Sektion abschließend zusammen und kommentierte die einzelnen Beiträge. Sie betonte, dass es sich bei der Archaik um eine dynamische Epoche und nicht nur einfach um die Vorgeschichte der klassischen Zeit handelte. So könnten auch die Formen und Felder von Konkurrenz nicht einheitlich zusammengefasst, geschweige denn hierarchisiert werden. Auch die Frage nach der Elite und den Bedingungen der Zugehörigkeit zu einer solchen wurde hier noch einmal diskutiert. Dem materiellen Reichtum kam eine wichtige Rolle zu, der aber nur notwendige Bedingung für die Zugehörigkeit zur Elite war. Entscheidend blieb der Einsatz des ökonomischen Kapitals auf den verschiedenen Feldern der Konkurrenz. Festzuhalten ist, dass in dieser Sektion durch den Fokus auf Geltungskonkurrenz und die Institutionalisierungsmechanismen eine neue Perspektive auf die Archaik ermöglicht wurde.

Neue Forschungstrends?
Die drei althistorischen Sektionen umfassten einen Zeitraum von der griechischen Archaik bis zur Spätantike und konzentrierten sich vor allem auf die (Re-)Produktion von Status und die Legitimation der herrschenden Personen. Damit knüpften alle Sektionen an Diskussionen der „Neuen Politikgeschichte“ an, welche die sozialen und kulturellen Bedingungen politischen Handelns in den Fokus ihres Interesses genommen hat. Während diese Forschungsrichtung in der Alten Geschichte insbesondere anhand der Römischen Republik ausgearbeitet wurde, wurde die griechische Archaik in den letzten Jahren von der Forschung eher vernachlässigt. Insbesondere wurden in den Sektionen die Kriterien der Zugehörigkeit zur Elite und der Umgang mit Misserfolg diskutiert. Die unterschiedlichen Beiträge stellten heraus, dass die Eliten und Herrscher zu jeder Zeit darum bemüht waren, ihre Sieghaftigkeit herauszustellen, gleichzeitig aber auch Niederlagen erträglich zu machen. Allerdings lassen sich zu allen Zeiten, insbesondere unter politisch instabilen Verhältnissen, auch deviante Verhaltensweisen feststellen, mit denen man sich der Konkurrenz und damit möglichen Misserfolgen entziehen wollte. Gerade diese „Verlierer“ seien damit auch Motor für die Veränderung der Verhaltensweisen gewesen, wenn weitere Personen ihrem Vorbild folgten. Misserfolg setzt Herrscher und Mitglieder von Eliten also im besonderen Maße unter Druck, die institutionalisierten Handlungsmuster zu überdenken und lässt damit die konstruierenden Merkmale des Habitus umso deutlicher hervortreten. Diese Betrachtungsweise ermöglicht auch dem modernen Forscher, die politische Kultur antiker Gesellschaften genauer zu analysieren.

Eine neue Forschungsrichtung ließ sich in den althistorischen Beiträgen des 50. Historikertages nicht fassen. Vielmehr wurde ein mittlerweile gut etablierter Forschungstrend fortgesetzt und dabei zeitlich und thematisch ausgeweitet. Der Blick auf Verlieren und Misserfolg machte insbesondere auf die Ambivalenzen der politischen Kultur(en) und ihre Wandelbarkeit aufmerksam. Inwiefern sich dieser Trend fortsetzen wird, ist nicht absehbar, doch zeigte sich, dass die „Neue Politikgeschichte“ noch immer Innovationspotential bietet.

Zitation
Historikertag 2014: Alte Geschichte, in: H-Soz-Kult, 11.12.2014, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-2572>.