Politikwissenschaftliche Bildforschung - eine Skizze

Von
Benjamin Burkhardt, Universität Gießen


Abb.1: Das Brandenburger Tor als 'Bühnenbild' einer politischen Protestinszenierung. Foto: BiPolAr

Politik und Theater
Politik kommt zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer mehr in der Welt des Theaters an.[1] Eine ganze Reihe standardisierter Metaphern macht das sehr deutlich: Kollektiv verbindliche Entscheidungen werden auf und hinter der öffentlichen Bühne getroffen. Der Bundeskanzler wird seiner Rolle gerecht - oder auch nicht. Interne Richtungskämpfe in einer Parlamentsfraktion bringen Protagonisten und Antagonisten hervor. Wahlsiege werden zu "Happy Ends" stilisiert, Wahlniederlagen entfalten (hoffentlich) kathartische Wirkungen und Parteitage folgen ausgeklügelten Dramaturgien. Die Rede vom Theater ist nicht nur metaphorisch gemeint. Politik wird tatsächlich theatral inszeniert; das geschieht bereits seit Jahrtausenden: "In diesem Sinne wird Politik also seit jeher dargestellt und visualisiert - einen unschuldigen Naturzustand [...] gab es nie."[2] Das öffentliche Bewusstsein dafür ist aber insbesondere in den vergangenen Jahren stark gewachsen.

Politikwissenschaft ist die systematische Beschäftigung mit der Herstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen.[3] Wenn sich Strukturen, Prozesse und Gestaltungsaufgaben der solchermaßen definierten Politik verändern bzw. wenn ihr Paradigma neu definiert wird, kann das die ihr zugeordnete Disziplin nicht unberührt lassen. Der "pictorial turn" der 1990er Jahre wirkt deshalb auch auf die Politikwissenschaft - allerdings nur sehr langsam. Insbesondere Andreas Dörner, Marion G. Müller und Dietmar Schiller haben diesbezüglich Grundlagenarbeit geleistet.[4] Die Wissenschaft von der Politik hat die enge Bindung ihres Gegenstandes an visuelle Kommunikation (die schon vor dem "pictorial turn" bestand) zwar sehr lange ignoriert. Doch seit zwei Jahrzehnten verdichten sich die sporadischen Ansätze politikwissenschaftlicher Bildforschung. Dabei ist es immer ein transdisziplinäres Geschäft, wenn politische Bilder wissenschaftlich erforscht werden. Kunstgeschichte, Medienwissenschaften, Semiologie und Psychologie sind nur einige der Disziplinen, die bei der Analyse visueller politischer Kommunikation ins Spiel kommen. Auch die Trennung politikwissenschaftlicher und geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen lässt sich in diesem Rahmen nur künstlich aufrecht erhalten. Die folgenden Ausführungen sollen skizzenhaft andeuten, wie visuelle politische Kommunikation bisher erforscht wurde und inwiefern digitale Datenbanken bei dieser Forschung helfen können.

Ansätze zur Erforschung politischer Bilder
Bis weit in die 1990er Jahre hinein wurden Bilder durch PolitikwissenschaftlerInnen kaum erforscht.[5] Doch eine Wurzel der Analyse politischer Bildwelten im deutschen Sprachraum reicht zurück in die 1980er Jahre. In seiner Habilitationsschrift beschäftigte sich der Landauer Politikwissenschaftler Ulrich Sarcinelli mit Wahlkampfkommunikation. Dabei plädierte er für die grundlegende "Differenzierung zwischen Herstellung und Darstellung von Politik, also zwischen Politikerzeugungs- und Politikvermittlungsprozessen."[6] Ohne konkret auf Bilder einzugehen, hatte Sarcinelli damit die Basis für die Anerkennung der ästhetisch-symbolischen Dimension von Politik gelegt. Häufig wurde und wird den jeweiligen EntscheidungsträgerInnen nämlich ihre Selbstinszenierung vorgeworfen. Aber Politik gibt es nicht "an sich": Wo kollektiv verbindliche Entscheidungen hergestellt werden, da müssen sie auch kommuniziert werden. Parteitage können ebenso wie Protestaktionen nur dann politische Wirkung entfalten, wenn sie öffentlich wahrgenommen werden. Herstellungspolitik und Darstellungspolitik sind also die beiden Seiten einer Medaille. Unterdessen gibt es in der Nachfolge Sarcinellis einige Arbeiten, die sich mit der Herstellung und Darstellung visueller politischer Kommunikation (insbesondere im Zusammenhang mit Wahlen) beschäftigen.[7] Momentan nehmen Journalismus und Wissenschaft neben Wahlkämpfen übrigens insbesondere Kriege zum Anlass dafür, die politischen Implikationen von (Un-)Sichtbarkeit zu thematisieren. Egal ob als entscheidende Beweismittel im Kosovo oder als Produkte der US-amerikanischen Zensur im Irak: Bilder haben für die öffentliche Wahrnehmung bewaffneter Konflikte, aber auch für deren tatsächlichen Verlauf, heute entscheidende Bedeutung. Dabei ist es keineswegs immer an erster Stelle die Politikwissenschaft, welche die politischen Implikationen visueller Kommunikation systematisch analysiert. Ein Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen der Beschleunigung der Bilder im digitalen Zeitalter und militärischer Taktik hat insbesondere die Bildmedien-Kritik des Philosophen Paul Virilio geschaffen.[8]

Ein weiterer Philosoph, der wichtige Anregungen zur Erforschung visueller politischer Kommunikation außerhalb der Politikwissenschaft gegeben hat, war Michel Foucault. Er fokussierte insbesondere die Dimension des Blicks, indem er sich mit den historischen Bedingungen der Sichtbarkeit in Gefängnisbauten auseinander setzte.[9] Auf diesen Vorarbeiten fußt die Theorie der englischsprachigen "Visual Culture", die sich seit einigen Jahren mit kulturellen Überformungen der Sichtbarkeit beschäftigt. In Deutschland wird dieser Ansatz insbesondere von Tom Holert vertreten; er untersucht die Zusammenhänge von Macht, Wissen und Sichtbarkeit. Holert ist kein Politikwissenschaftler, doch die "Beobachtung gesellschaftlicher Interaktionen, an denen Bilder beteiligt sind", die er sich zum Ziel setzt, sollte eigentlich ein zentrales Anliegen der Politologie sein.[10] Ganz anders als Foucault und die typischen VertreterInnen der "Visual Culture" hat sich ferner Siegfried Frey mit den politischen Auswirkungen des menschlichen Blicks befasst. Ihm ging es um "Die Macht des Bildes" aus psychologischer Sicht.[11] Frey entwickelte ein Notationssystem zur Analyse nonverbaler Schlüsselreize - so konnte er belegen, dass die Körpersprache von Politikern für deren Rezeption von höchster Bedeutung ist.

Auch die vielleicht wichtigste Strömung der Erforschung politischer Bilder hat ihre Wurzeln außerhalb der Politikwissenschaft, nämlich in der Kunstgeschichte. Urväter der "Politischen Ikonografie" sind Aby Warburg und Erwin Panofsky. Martin Warnke hat deren Ansätze in Richtung einer Geschichte der Abbildung von Herrschaft weiter entwickelt; und insbesondere jüngere Vertreter der "Politischen Ikonografie" haben politische Bilder dann interdisziplinär erforscht.[12] Hilfreich waren dabei wohl auch die Arbeiten am "Bildindex zur politischen Ikonografie", der im Hamburger Warburg-Haus durch eine Bibliothek ergänzt wird. Die Politikwissenschaft hat dagegen bisher nahezu überhaupt kein eigenes Instrumentarium zur Kategorisierung und Analyse visueller Kommunikation. In diesem Zusammenhang gibt es viel vom Hamburger Index bzw. von der "Politischen Ikonografie" insgesamt zu lernen, insbesondere was motivische Traditionen und den Blick über die allerjüngste Vergangenheit hinaus angeht. Die Politikwissenschaft muss also nicht "bei Null" anfangen, wenn es um politische Bilder geht. Einer ihrer wichtigsten Vertreter der vergangenen Jahrzehnte, Klaus von Beyme, hat mit seiner Skizzierung einer "Kunstpolitologie" denn auch ganz bewusst an Panofsky und dessen SchülerInnen angeknüpft. So ist es als Aufforderung an die Politikwissenschaft zu lesen, sich für kunsthistorische Methoden zu öffnen, wenn von Beyme schrieb: "Jede Wissenschaft kann zur Hilfswissenschaft einer anderen Disziplin werden. Darin liegt keine Degradierung, sondern eine Erhöhung durch die Anerkennung der Relevanz des eigenen Fachs für das jeweils andere."[13] Allerdings war sein Ansatz deutlich begrenzt, indem er sich nur mit Kunst beschäftigte. Nicht-ästhetische Bilder blieben in diesem Konzept außen vor. Trotzdem kann man von Beyme gemeinsam mit der zur "Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft" gehörigen Arbeitsgruppe "Film und Politik/Visuelle Politik" als Kronzeugen dafür betrachten, dass es in der Politikwissenschaft mittlerweile Ansätze für eine Zusammenarbeit mit der Kunstgeschichte gibt.[14] Eines der jüngsten Beispiele der Verquickung kunsthistorischer und politologischer Fragestellungen lieferte Ende Oktober 2003 eine Leipziger Tagung, die sich mit "Visual Culture in the Service of the State" befasste.[15]

Die vollständige Aufzählung aller relevanten Forschungen zur visuellen politischen Kommunikation ist hier nicht mein Ziel. Verwiesen sei jedoch auf den ausführlichen Literaturüberblick zur visuellen Kommunikation, den Marion G. Müller kürzlich vorgelegt hat.[16] Wichtig ist jedenfalls die Auflösung etablierter methodischer Grenzen im Prozess des Forschens: Semiotische Ansätze können die politikwissenschaftliche Bildforschung selbstredend ebenso bereichern wie medienhistorische oder archivkundliche Studien.[17] Den transdisziplinären Kooperationen sind hier keine Grenzen gesetzt - nur muss die Politikwissenschaft ihre besonderen Stärken in solche Projekte viel mehr als bisher mit einbringen. Diese methodischen Kernkompetenzen liegen weniger auf Seiten der Analyse von Bildinhalten. Weitaus eher sind sie im Bereich der Herstellung öffentlich verbindlicher Entscheidungen zu suchen. Politikwissenschaft kann und sollte also Fragen der folgenden Art stellen bzw. beantworten: Wie werden Bilder in unserer Gesellschaft politisiert? Wer entscheidet über öffentliche (Un-) Sichtbarkeit? Wann, wo und warum verändern Bildmedien die Strukturen, Prozesse und Gestaltungsaufgaben von Politik? Was ist Darstellungspolitik heute?

"BiPolAr" - ein Experiment
Noch immer befindet sich die Politikwissenschaft im Anfangsstadium, wenn es darum geht, an visueller Kompetenz zu gewinnen. Eine von dem Politologen Claus Leggewie geleitete Arbeitsgruppe an der Justus-Liebig-Universität Gießen will nun bei diesem "Wandel durch Annäherung" helfen. Im Folgenden möchte ich kurz das Projekt vorstellen, an dem ich selbst mitarbeite und von dem ich hoffe, dass es weitere Experimente ähnlicher Art inspirieren könnte: Gemeinsam mit Studierenden versuchen wir, im Rahmen eines Lehrforschungsprojekts Schlüsselbereiche und "Schlüsselbilder" der visuellen politischen Kommunikation digital zu speichern.[18] Derzeit besteht unsere Sammlung aus etwa 800 Dateien. Zugleich versuchen wir, eine kleine Plattform zur visuellen politischen Kommunikation aufzubauen (http://www.bipolar.uni-giessen.de).[19] In diesem Rahmen haben wir beispielsweise eine kurze, annotierte Auswahlbibliografie erstellt. Denkbar wäre auch, einschlägige Texte oder visuelle Präsentationen auf der Seite zu publizieren. Wir stehen in jeder Hinsicht noch am Beginn unseres Experiments.

Der Titel der Datenbank lautet "BiPolAr". Er verweist auf die beiden Pole Bildwissenschaft/Politikwissenschaft sowie auf die Elemente "Bilder", "Politik" und "Archivierung". Während insbesondere die Kunstgeschichte über eine lange Tradition institutioneller Bildspeicherung (Diatheken etc.) verfügt, fehlen der Politikwissenschaft solche Instrumente bisher nahezu vollständig. Als Gegenargument könnte man anführen, dass unendlich viele Bildsammlungen politische Implikationen aufweisen und damit indirekt "politische Bildarchive" sind. Ich halte diese Sichtweise auch für richtig und beschäftige mich deshalb im Rahmen meiner Promotion mit "Politischen Bildern und Archivpolitik" von digitalen Sammlungen wie etwa der "Lost Art Internet Database" (http://www.lostart.de) oder dem "Kolonialen Bildarchiv" der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main (http://www.stub.bildarchiv-dkg.uni-frankfurt.de). Aber "BiPolAr" füllt doch eine Lücke: Es handelt sich dabei nämlich um eine Sammlung, die speziell im Bereich der politikwissenschaftlichen Lehre und zur Gewinnung einer Klassifikation politischer Bilder eingesetzt werden soll. Bisher hat in diesem Bereich nur die "Politische Ikonografie" (die aber eher kunsthistorisch orientiert ist) Pionierarbeit geleistet und mit ihrer "Warburg Electronic Library" (http://www.welib.de) gezeigt, dass digitale Sammlungen politischer Bilder für die Forschung sehr inspirierend sein können.[20] Ein Projekt alleine wird den allgemeinen Mangel an politikwissenschaftlicher Bildkompetenz jedoch nicht beheben können. Das Ziel muss auch hier multiperspektivische Forschung sein.

"BiPolAr" wird als Experiment immer im Status des "work in progress" verbleiben. Sichten, Sammeln und Verwerfen sind wichtige Techniken zum Aufbau bildwissenschaftlicher Kompetenz. "Kennerschaft" heißt das in der Kunstgeschichte. Unsere Arbeit mit der Datenbank wirft täglich neue Probleme auf; genau darin steckt jedoch der Gewinn des Projekts. Es schärft den Sinn aller Beteiligten für archivwissenschaftliche, für technologische und nicht zuletzt für bildwissenschaftliche Probleme. Insbesondere die Frage der Katalogisierung beschäftigt uns immer wieder. So versuchen wir im Wintersemester 2003/2004 in Zusammenarbeit mit unseren Studierenden, die visuelle Dimension politischer Rituale besser erfassen zu lernen. Immer wieder ist es der menschliche Körper, der uns dabei als politischer Bildträger ins Auge springt. Das gilt nicht nur für DemonstrantInnen, die sich mit Peace-Zeichen bemalen, sondern beispielsweise auch für die Begrüßungszeremonien höchster staatlicher RepräsentantInnen oder für den berühmten Kniefall Willy Brandts. Es ist denn auch kaum möglich, Elemente der Körpersprache und des politischen Rituals voneinander zu trennen. Vielleicht sollte man die Körpersprache deshalb eher als Untereinheit des Rituals begreifen - eine Überlegung, die fundamentale Auswirkungen auf die Struktur unseres Bildkataloges hätte. Transdisziplinäre Fertigkeiten und Terminologien sind bei der Klärung solcher Probleme unabdingbar, denn immer wieder kommt es zum Konflikt zwischen politikwissenschaftlichem Wunschdenken und informationstechnischer Machbarkeit. Für avancierte technische Lösungen fehlen uns die finanziellen Spielräume. Datenbanken wie die unsere können jedoch auch im Rahmen knapper Ressourcen insbesondere dazu dienen, Kategoriensysteme zur Erfassung politischer Bilder zu entwickeln. Wer Bilder erforschen möchte, wird dabei zwangsläufig zum Sammler. Und wo große Bildmengen auflaufen, müssen diese auch geordnet werden - fast automatisch ergibt sich eine "Schubladifizierungs"-Strategie. Solche Katalogisierungen sind jedoch nicht statisch zu denken, sondern unterliegen ebenso wie die gesamte visuelle Kommunikation beständigen Änderungen.

Ich hoffe mit meinen kurzen Bemerkungen klar gemacht zu haben, dass "BiPolAr" uns zu einem ausgesprochen produktiven Meta-Blick auf die politische Bilderwelt zwingt. Man sieht nicht, was man nicht weiß: Gerade deshalb wäre der Ausgang der Politologie aus ihrer selbst verschuldeten Blindheit so wichtig. Bild-Datenbanken könnten dabei helfen.

Benjamin Burkhardt studierte Geschichte, Fachjournalistik, Politikwissenschaft und Kunstgeschichte in Gießen und Cheltenham von 1997 bis 2002. Seit 2000 ist er Stipendiat der Studienstiftung, seit 2002 Empfänger eines Promotionstipendiums. Seine Dissertation wird von Prof. Dr. Claus Leggewie betreut.

[1] Sehr deutlich wird dies beispielsweise in Grunert, Manfred u.a., Der Körper als Darstellungsmittel. Die theatrale Inszenierung von Politik am Beispiel Benito Mussolinis, in: Fischer-Lichte, Erika u.a.(Hgg.), Verkörperung, Tübingen 2001, S. 171-198. Dieser und ähnliche Texte (siehe etwa Fußnote 2) basieren auf den Thesen in Goffman, Erving, Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag, 7.Aufl, München 1991.
[2] Leggewie, Claus, Fischer syne Fru und des Kanzlers neue Kleider. Inszenierungen des Politischen - Politik als Theater?, in: Streeck, Ulrich (Hg.), Erinnern, Agieren und Inszenieren. Enactments und szenische Darstellungen im therapeutischen Prozess, Göttingen 2000, S. 233.
[3] Eine Standortbestimmung der Politologie leistet Mols, Manfred, Politik als Wissenschaft. Zur Definition, Entwicklung und Standortbestimmung einer Disziplin, in: Lauth, Hans-Joachim u.a. (Hgg.), Politikwissenschaft. Eine Einführung, 3. Aufl., Paderborn 2001, S. 25-66.
[4] Bedeutend sind in diesem Zusammenhang beispielsweise Dörner, Andreas, Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft, Frankfurt am Main 2001 sowie Müller, Marion G., Politische Bildstrategien im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 1828-1996, Berlin 1997 und Schiller, Dietmar, Brennpunkt Plenum. Die Präsentation von Parlamenten im Fernsehen, Wiesbaden 2002. Den Begriff des "pictorial turn" in den Kulturwissenschaften prägte insbesondere Mitchell, W.J.T., Picture Theory. Essays on Verbal and Visual Representation, Chicago 1994.
[5] Aufgegriffen wurde diese Problematik höchstens ausnahmsweise, etwa bei Münkler, Herfried, Politische Bilder, Politik der Metaphern, Frankfurt am Main 1994.
[6] Sarcinelli, Ulrich, Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1987, S. 66. Sarcinelli entwickelte seine Thesen in kritischer Auseinandersetzung mit der Analyse expressiv-zeichenhafter Politikanteile in Edelman, Murray, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt am Main 1976.
[7] Typische Beispiele für solche Studien finden sich beispielsweise in den Sammelbänden Willems, Herbert (Hg.), Die Gesellschaft der Werbung. Kontexte und Texte. Produktionen und Rezeptionen. Entwicklungen und Perspektiven, Wiesbaden 2002 und Sarcinelli, Ulrich (Hg.), Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Beiträge zur politischen Kommunikationskultur, Bonn 1998. Im erstgenannten Buch wird insbesondere die persuasive Seite der Politik beleuchtet (beispielsweise von Ludgera Vogt), der zweite betrachtet ausführlich die Wechselwirkungen zwischen politischer Kommunikation und Massenmedien.
[8] Wichtig wurde in diesem Zusammenhang unter anderem Virilio, Paul, Krieg und Fernsehen, München 1993. Ein Beispiel für die ungebrochene Aktualität des Themas ist Rötzer, Florian, Wartainment. Der Krieg als Medienspektakel, in: Kunstforum 165 (Juni - Juli 2003), S. 38-63.
[9] Foucault, Michel, Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, 2. Aufl., Frankfurt am Main 1977.
[10] Holert, Tom, Bildfähigkeiten. Visuelle Kultur, Repräsentationskritik und Politik der Sichtbarkeit, in: Ders. (Hg.), Imagineering. Visuelle Kultur und Politik der Sichtbarkeit, Köln 2000, S. 14-33, hier S. 33. Eine gelungene Einführung in die "Visual Culture" bietet Mirzoeff, Nicholas, An Introduction to Visual Culture, London 1999. Den oben erwähnten Zusammenhang von Krieg und Bild erkunden aus Sicht der "Visual Culture" Holert, Tom; Terkessidis, Mark, Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert, Köln 2002.
[11] Frey, Siegfried, Die Macht des Bildes. Der Einfluss der nonverbalen Kommunikation auf Kultur und Politik, Bern 1999.
[12] Als zentrale Programmschrift dieser Schule vgl. Forschungsstelle Politische Ikonografie (Hg.), Bildindex zur politischen Ikonografie, Hamburg 1993.
[13] Beyme, Klaus von, Die Kunst der Macht und die Gegenmacht der Kunst. Studien zum Spannungsverhältnis von Kunst und Politik, Frankfurt 1998, S. 9f.
[14] Vgl. beispielsweise Hofmann, Wilhelm (Hg.), Die Sichtbarkeit der Macht. Theoretische und empirische Untersuchungen zur visuellen Politik, Baden-Baden 1999.
[15] Ein Tagungsbericht (unter anderem war auch Klaus von Beyme anwesend) findet sich unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=349 (27.01.2004).
[16] Müller, Marion G., Grundlagen der visuellen Kommunikation, Konstanz 2003. Das Buch ist auch für Studierende angenehm lesbar und deutlich aus der Perspektive der "Politischen Ikonografie" geschrieben. Eine Rezension erschien auf H-Arthist: http://www2.h-net.msu.edu/reviews/showrev.cgi?path=184171057086441 (27.01.2004).
[17] In diesem Sinne sollten Bücher wie etwa Dörner (wie Anm. 4) oder Kittler, Friedrich, Optische Medien, Berlin 2002 eigentlich zum Kanon der Erforschung politischer Kommunikation gehören; und auch ein Essay wie Bruhn, Matthias, Bildwirtschaft. Verwaltung und Verwertung der Sichtbarkeit, Weimar 2003, der bewusst gegen alle traditionellen Wissenschaftsgrenzen verstößt, ließe sich dann in diese Reihe eingliedern.
[18] Das hier angesprochene Konzept des "Schlüsselbildes" weicht von dem prominenten Modell ab, das von Ludes, Peter, Schlüsselbild-Gewohnheiten. Visuelle Habitualisierungen und visuelle Koordinationen, in: Knieper, Thomas; Müller, Marion G. (Hgg.), Kommunikation visuell. Das Bild als Forschungsgegenstand - Grundlagen und Perspektiven, Köln 2001, S. 64-78 entworfen wird. Uns geht es insbesondere um Bilder, die für kollektive Gedächtnisse zentral sind. Über terminologische Alternativen wie "Ikone" oder "Schlagbild" (Warburg) debattieren wir momentan.
[19] Aus urheberrechtlichen Gründen ist die Bild-Datenbank allerdings nur per Passwort für Forschende und Studierende zugänglich.
[20] Recht eng mit dem Projekt verzahnt ist beispielsweise der Sammelband Beuthner, Michael u.a. (Hgg.), Bilder des Terrors - Terror der Bilder? Quantität und Qualität der Medienbilder des 11. September, Köln 2003.

Zitation
Politikwissenschaftliche Bildforschung - eine Skizze, in: H-Soz-Kult, 23.01.2004, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-386>.
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Veröffentlicht am
23.01.2004
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