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A. Epple: Relationale Geschichtsschreibung: Gegenstand, Erkenntnisinteresse und Methode globaler und weltregionaler Geschichtsschreibung

Von
Angelika Epple, Geschichte, Universität Bielefeld

Der Begriff „Außereuropa“ trägt die spannungsreiche Geschichte der „area studies“ in ihrer spezifisch deutschen Variante in sich: Er markiert eine doppelte Differenz. Zum einen unterscheidet er explizit zwischen Europa und allen anderen Weltregionen, die nur in Negation bestimmt und somit vereinheitlicht werden. Zum anderen weist der Begriff auch eine Differenz bezüglich der international üblichen Bezeichnung „area studies“ auf, insofern in Deutschland die Erforschung der europäischen Geschichte bis heute nicht den „area studies“ zugeschlagen wird.

Die Herausgeberinnen und Herausgeber dieses Forums heben in ihrer Einleitung überzeugend hervor, warum der Begriff „Außereuropa“ innerhalb der bundesrepublikanischen Geschichtswissenschaft strategisch dennoch wichtig und durchaus erfolgreich war. Da sich die disziplinäre Lage in den letzten Jahren deutlich verändert hat, werfen sie grundlegende Fragen auf: Hat das Aufkommen der Globalgeschichte die doppelte Differenz aufgelöst? Sollte am Begriff der „area studies“ festgehalten werden?

Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten. Weder ist Globalgeschichte ein geschützter Begriff, noch werden die Begriffe „area studies“, „area histories“ oder „weltregionale Geschichtsschreibung“ einheitlich verwendet. Lassen sie sich überhaupt klar voneinander unterscheiden? Wie in der Einleitung zu diesem Forum ausgeführt, sind disziplinäre Einteilungen in politische Bedingungen der Wissensproduktion eingebunden. Das trifft auf die „area studies“ in ganz besonderem Maße zu. Daher möchte ich zunächst die Historizität der Einteilung in Subdisziplinen innerhalb ihrer politischen Entstehenskontexte thematisieren und dann einen Vorschlag entfalten, was unter globaler oder weltregionaler Geschichtsschreibung verstanden werden kann (I). Im Anschluss diskutiere ich drei Thesen zu ihrem Verhältnis in Folge des spatial turns (II). Das Hauptanliegen des Essays ist es, zunächst die Gemeinsamkeiten von globaler und weltregionaler Geschichtsschreibung bezüglich ihres Gegenstandes, ihres Erkenntnisinteresses und ihrer Methode aufzuzeigen, um anschließend die Abgrenzung umso deutlicher hervortreten zu lassen.

Historizität der Wissensproduktion und ihre politischen Entstehensbedingungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Subdisziplinen zu definieren und damit von anderen abzugrenzen. Eine Möglichkeit besteht darin, die Subdisziplin durch ihren vermeintlich eindeutig identifizierbaren Gegenstand zu bestimmen. Der historisch arbeitende Politikwissenschaftler James W. Ceaser ist sich z.B. sicher, dass sich von einem „metaphysical“ oder „symbolic America“ ein „real America“ unterscheiden lasse. Das „symbolic America“ sei von zahlreichen europäischen Denkern seit dem 18. Jahrhundert diskursiv konstruiert worden. Er selbst stellt dagegen das „real America“: „by which I mean the country where we live, work, struggle, and pray and where we have forged a system of government that has helped to shape the destiny of the modern world.“[1] Die Definition des „real America“ geht hier eine ähnliche Allianz ein, wie wir es von der klassischen Nationalgeschichte kennen: Der Gegenstand wird einerseits als gegeben aufgefasst („the country“), andererseits wird untersucht, wer oder was zu der Bildung des Gegenstandes beigetragen hat. Der Gegenstand wird also zugleich handlungsorientiert („work, struggle, and pray“) definiert. Obwohl sich seine ideengeschichtliche Studie mit dem „symbolic America“ beschäftigt, geht es ihm darum zu zeigen, dass damit das „real America“ eher verdeckt als entschlüsselt würde, es sich also um reine Zuschreibungen handele. Ähnlich ging auch die klassische Nationalgeschichte vor, die einerseits die Nation als gegeben annimmt, andererseits ihren Gegenstand aber auch politisch überformt. Das Spannungsverhältnis zwischen diesen beiden Bestimmungen wird dabei nicht reflektiert.

Als gegeben setzt auch die Gesellschaftsgeschichte ihren Gegenstand voraus, wenn sie mit der Gesellschaft eine geschlossene Einheit adressiert. Das gilt auch dann, wenn Gesellschaft – etwas ambitionierter – als eine Einheit entworfen wird, die in Beziehungen zu anderen Einheiten steht und die durch diese Beziehungen selbst geprägt wird. Wer überwiegend die Beziehungen zwischen Gesellschaften betrachtet, setzt den Akzent auf die „internationale Geschichte“ und versteht darunter entweder die Beziehung zwischen unterschiedlichen Gesellschaften oder, eingeschränkter, die Beziehung zwischen unterschiedlichen (National-) Staaten. Wer eher die Prägung von Gesellschaften durch die Wechselbeziehungen analysiert, wird vielleicht den Begriff der „transnationalen Geschichte“ bevorzugen. Hier wird, wie wir gleich genauer sehen werden, der Gegenstand nicht als gegeben angesehen. Unabhängig von der jeweiligen Spielart liegt jedoch allen diesen Definitionen die Vorstellung zugrunde, der inhaltlich bestimmte Gegenstand mache die Subdisziplin.

Eine andere Möglichkeit der Definition besteht in der methodischen Unterscheidung. So lässt sich z.B. eine sozialgeschichtliche von einer mikrogeschichtlichen, eine geschlechtergeschichtliche von einer wirtschaftsgeschichtlichen Herangehensweise unterscheiden. Eine spezifische Methode der weltregionalen oder der globalen Geschichte wird bisher nicht proklamiert, zumal sich area histories in die interdisziplinär konzipierten area studies fügen und daher mit einem ganzen Baukasten an Methodensets hantieren.

Eine dritte Möglichkeit ist die Abgrenzung einzelner Subdisziplinen über das zugrundeliegende Erkenntnisinteresse. Wer sich für soziale Ungleichheit interessiert, wird andere Fragen stellen als jemand, der das Verhältnis von Wissen und Macht erforschen möchte. Die Spielarten der Globalgeschichte oder transnationalen Geschichte, die ihren Gegenstand nicht als gegeben voraussetzen, sondern als über Beziehungen hervorgebracht, setzen stark auf diese Art der Definition. Globalgeschichte wird dann verstanden als eine Fragerichtung.[2] Globalgeschichte beansprucht dann nicht, als eigene Subdisziplin zu gelten, sie ist dann, wie eine undogmatisch verstandene Weltgeschichte, keine „Bindestrichgeschichte“, die ein eigenes Forschungsfeld mit einer eigenen Terminologie für sich beansprucht. Sie ist vielmehr zu verstehen als eine „besondere Betrachtungsweise“, die sich mit anderen sehr gut verbinden lässt.[3]

Für nachhaltige Einteilungen in unterschiedliche Disziplinen und Subdisziplinen ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Definitionsweisen entscheidend. Erkenntnisinteresse, Gegenstand und Methode bedingen sich entweder gegenseitig oder sie überlagern sich. Nicht nur in Deutschland wurden nach diesen Prinzipien Lehrstühle mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Förderprogramme eingerichtet. Manchmal kamen neue hinzu (z.B. Geschlechtergeschichte), manchmal wurden sie wieder verdrängt (z.B. Geschlechtergeschichte). Auf den ersten Blick erscheint die Einteilung zwar umstritten, aber unproblematisch.

Aus ganz unterschiedlicher Richtung wurden diese trennscharfen Abgrenzungsversuche der Subdisziplinen immer wieder in Frage gestellt. Die Bemerkungen bezüglich einer undogmatischen Definition von Welt- oder Globalgeschichte wiesen bereits in diese Richtung. Seit den 1980er-Jahren ging die Infragestellung der disziplinären Abgrenzungen mit den sogenannten turns einher, die quer zu den traditionsreichen Einteilungen z.B. auf die sprachliche (linguistic turn) oder kulturelle (cultural turn) Verfasstheit jeglicher gesellschaftlicher Bereiche hinwiesen. Die Sozial- und Gesellschaftsgeschichte kam als Nachfolgerin einer dem nationalen Paradigma unterworfenen Geschichtsschreibung in die Kritik, die internationale Geschichte galt als Verlängerung der am nationalen Paradigma orientierten Diplomatiegeschichte und damit ebenfalls als „old school“ (transnational turn). Die Infragestellungen führten zu weniger trennscharfen Definitionen und zur Ausweitung der jeweiligen Subdisziplinen. Aus Wissenschaftsgeschichte wurde die Geschichte des Wissens, aus Wirtschaftsgeschichte die Geschichte des Wirtschaftens, aus der klassischen Politikgeschichte die Geschichte des Politischen usw. Es ließen sich zahlreiche Belege dafür finden, wie problematisch die Unterscheidung und die eindeutige Definition von Subdisziplinen geworden sind. Der zweite Blick auf die entsprechenden Einteilungen macht die Sache also kompliziert.

Dies gilt in ganz besonderem Maße für die weltregionale und die Globalgeschichte. Und dies aus zwei Gründen: Da beide Begriffe einen geographischen Index haben, wurden sie auf ganz besondere Art und Weise von dem spatial turn ergriffen. Der spatial turn gründet in der Annahme, dass sich „Raum“ nicht über seine geographische Bestimmung hinreichend beschreiben lässt. Verstärkt durch die Diskussionen um Globalisierungsprozesse (und die damit verbundenen veränderten Raumvorstellungen) seit den 1970er-Jahren, und befeuert durch das Ende des Blockdenkens in den späten 1980er-Jahren (und dem damit verbundenen Ende des „Container-Denkens“), ist der spatial turn eine Variante des Konstruktivismus und überträgt die Erkenntnisse des cultural turn auf das Verständnis von „Raum“.[4]

Interessanterweise gehen auch klassische Autoren, wie z.B. der erwähnte Ceaser einen Schritt in diese Richtung, wenn er das „real America“ als ein Land beschreibt, das sich durch das Handeln seiner Bewohner bestimmen lasse. Allerdings macht er sich die Konsequenzen seiner Auffassung nicht klar: An die Stelle eines vorgefundenen Untersuchungsgegenstandes treten dann nämlich folgerichtig die Akteure, die den „Raum“ durch „räumliche Praktiken“[5] und räumliche Imaginationen erzeugen. Um „Raum“ jenseits seiner geographischen Koordinaten bestimmen zu können, genügt es nicht, nur den Handlungsraum (bei Lefebvre die alltäglichen Routinen und Erfahrungen) zu analysieren. Handlungen sind an Vorstellungen (bei Lefebvre die Repräsentationen des Raumes, im Gegensatz zu den Räumen der Repräsentation) gebunden. Daher spielen die Imaginationen dieses Raumes eine ganz besondere Rolle. Die von Ceaser eingeforderte Trennung in ein „real“ und ein „symbolic America“ ist also gerade nicht einzuhalten. Analytisch lassen sich Handlungen und Vorstellungen jedoch unterscheiden. Sie können getrennt voneinander untersucht und anschließend aufeinander bezogen werden. Der Geschichtsschreibung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Historiker/innen sind Experten darin, zu untersuchen, wie im Kontext spezifischer Machtverhältnisse historische Akteure durch ihr Handeln und mit ihren – freilich nicht frei erfundenen, aber imaginierten – Geschichten Raum als vorgestellten Handlungsraum hervorbringen. Arjun Appadurai, einer der wichtigsten Vordenker, wenn es um die Neukonzeption von „Raum“ und „Ort“ unter den Bedingungen der Globalisierung geht[6], brachte das neue Raumverständnis in einem wichtigen Aufsatz schon in der Überschrift auf den Punkt: „How histories make geography“. Einen der Kerngedanken fasst er folgendermaßen zusammen: „We must get away from the notion that there is some kind of spatial landscape against which time writes its story. Instead, it is historical agents, institutions, actors, powers that make the geography.“[7]

Wie sehr sich ein neues Raumverständnis durchgesetzt hat, zeigt sich in der „Verflüssigung“ geschichtswissenschaftlicher Themen seit der Jahrtausendwende. Diasporaforschung, Migrationsstudien, aber auch die Untersuchungen von Warenflüssen, Wissenzirkulation etc. erlebten einen Aufschwung. Diese Studien verdeutlichen, dass der spatial turn sowohl mit einer Verschiebung historischer Themen als auch mit der Überwindung des nationalen Paradigmas in der Geschichtswissenschaft Hand in Hand ging: Ein neues Erkenntnisinteresse führte zu einem neuen Verständnis des Gegenstandes. Die Verschiebungen von Erkenntnisinteresse und Gegenstandsdefinition sind dabei jedoch keineswegs ausschließlich mit innerwissenschaftlichen Gründen zu erklären. Vielmehr sind sie von gesellschaftspolitischen bzw. von globalen Machtverhältnissen und den politics of knowledge production geprägt.

Selbst eine kursorische Entstehungsgeschichte der sogenannten area studies legt von diesem Wechselverhältnis ein beredtes Zeugnis ab: Am Anfang stand die Ausdifferenzierung der westlichen Universitätslandschaften im 19. Jahrhundert. Die Bedeutung von lokalen Machtkämpfen und Interessenskonflikten, die bei allen Professionalisierungsbemühungen von großer Bedeutung sind, können hier nicht weiter verfolgt werden. Bezüglich globaler Machtverhältnisse lässt sich jedoch sagen, dass die Unterscheidung zwischen den Gegenstandsbereichen der Anthropologie und der Geschichtswissenschaft, mithin die Unterscheidung in Gesellschaften „mit“ und „ohne“ Geschichte[8] grundlegend war. Sie hatte eine lange Halbwertszeit. Die Entstehung der area studies ist daher eng mit den sogenannten Kolonialwissenschaften verbunden.[9]

Überzeugend zeichnet Claudia Derichs nach, wie Westeuropa und die USA ausgehend von dieser globalen Zweiteilung zu Produzenten von theoretischen Ansätzen wurden (und bis in die 1990er-Jahre auch blieben), die in allen anderen Weltregionen angewandt und bestenfalls überprüft wurden.[10] Die formierende Phase erlebten die area studies in Zeiten des sogenannten „Kalten Krieges“[11], als das Interesse daran wuchs, mehr über die Gegner oder, denkt man an die transatlantischen Studien, die Verbündeten zu wissen. Wie stark die Begriffe der westlichen Akademia von der Unwucht internationaler Machtverhältnisse geprägt sind, zeigt sich, so Claudia Derichs, nicht zuletzt in der Epochenbezeichnung „Kalter Krieg“. Der „Kalte Krieg“ sei nur für diejenigen „kalt“ gewesen, die zufälligerweise in Europa oder Nordamerika lebten. Für Menschen in Vietnam, Mittelamerika oder im südlichen Afrika dagegen, sei der Krieg ziemlich „heiß“ gewesen.[12] Die Frage nach dem Zusammenhang von gesellschaftlichen Kontexten und globalen oder auch nationalen Machtverhältnissen, die eine bestimmte Wissensproduktion befördern und andere behindern, ist so alt, wie die Selbstreflexion innerhalb der area studies. Der Zusammenhang von „US Hegemony and the rise of Latin American Studies 1898-1968“[13] beispielsweise ist seit vielen Jahren Ausgangspunkt der Selbstreflexion und Gegenstand der Forschung. Anders sieht dies innerhalb der deutschen Wissenschaftslandschaft aus. Die Entstehung der Afrikawissenschaften und die institutionell bedingte Wissensproduktion geriet innerhalb der deutschen Akademia erst innerhalb der letzten zehn Jahre in den Blick.[14] Die area studies sind mit ihrer Einteilung der Welt in Regionen Ausdruck globaler Machtverhältnisse, da sie – siehe „Kalter Krieg“ – auf einer euro- bzw. US-zentrischen Weltsicht beruhen. Dies gilt auch für akademische Netzwerke, wie die Latinamerican Studies Association (LASA), die sich gegen eine US-amerikanische oder westeuropäische Instrumentalisierung wehrten.[15] Seit den 1990er-Jahren und mit dem Ende des Kalten Krieges, so kann man diese Überlegungen mit den oben ausgeführten disziplinären Veränderungen verbinden, hat sich das machtpolitisch inspirierte Erkenntnisinteresse – und nur auf dieses beziehen sich die Überlegungen – geändert. Eine Welt, die sich nicht mehr einfach in zwei Teile einteilen lässt, die als polyzentrisch, unübersichtlich und in Bewegung befindlich verstanden wird, kann nicht mit dem theoretischen und methodischen Instrumentarium erfasst werden, das der überwiegenden Mehrheit der Menschen die Rolle der „Theorie-Konsumenten“ zuschreibt.

Die „Provinzialisierung Europas“ hat daher längst über die damit verbundene thematische Schwerpunktverschiebung hinaus Theorie und Methode unserer Wissenschaft erfasst. Zwar drückt sich in der Selbstbezeichnung von Theorien und Methoden als „Jenseits des Eurozentrismus“, „Southern Theory“, „Border Thinking“ oder „Southeast Asian Perspectives“ aus[16], wie sehr Europa und die USA ein „silent reference“[17] bleiben. Aber werden diese Ansätze und Diskussionen innerhalb der europäischen area studies nicht stärker rezipiert, dann steht zu befürchten, dass aus der begrüßenswerten „Provinzialisierung Europas“ eine berechtigte Marginalisierung europäischer Forschung entsteht. Die Zeiten, in denen Selbstgenügsamkeit möglich war, sind endgültig vorbei. Um dieser unreflektierten Selbstgenügsamkeit ein Bewusstsein der eigenen „Provinzialität“ entgegenzusetzen, sollten sich die „European Studies“ auch in der deutschen Wissenschaftslandschaft etablieren. Dies ermöglichte eine echte „De-kolonialisierung“ wissenschaftlicher Begriffe. Sie ist ausgesprochen anspruchsvoll und verlangt ein hohes Maß an Selbstreflexivität. Sie stößt zudem an Grenzen und dies nicht nur, weil die eigene Expertise von Historiker/innen ebenfalls begrenzt ist. Machtkonstellationen, an denen wir selbst mitschreiben, lassen sich erst mit dem distanzierten Blick der Nachkommen erkennen.

III Drei Thesen zu Gegenstand und Verhältnis: von weltregionaler und globaler Geschichte nach dem spatial turn
Aus diesen Vorüberlegungen ergeben sich für die Verhältnisbestimmung von weltregionaler und Globalgeschichte drei Thesen, die ich im Folgenden diskutieren möchte. Ausgangspunkt ist die erste These, der zufolge eine bestimmte Spielart der Globalgeschichte eine besondere Antwort auf den spatial turn darstellt. Sie stellt zunehmend Verflechtungsbeziehungen ins Zentrum der Analyse. Mit dieser inhaltlichen Verschiebung ist sie Teil einer größeren Bewegung, die das ganze Fach (Geschichtswissenschaft), aber auch interdisziplinäre Bereiche wie die area studies erfasst hat.

Es ist jedoch an der Zeit, einen Schritt weiterzugehen. Die zweite These stellt daher die Notwendigkeit zur Diskussion, dass (Global-)Historiker/innen erneut eine Verschiebung vornehmen und statt der Analyse der Relationen zwischen Einheiten die Frage nach der Erzeugung dieser Einheiten durch Relationen ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen sollten. Aus einer Geschichte der Relationen wird dadurch eine relationale Geschichte.[18] Da diese Akzentverschiebung eine Folge des spatial turn ist, würde sie auch die Weltregionalgeschichtsschreibung erheblich verändern.

Die Genealogie der Geschichte von Weltregionen oder des Globalen würde dann zu einem Thema, das andere Schwerpunkte der jeweiligen Studien stets begleitete. Das „making of“ der Weltregionen oder des Globalen sollte zwar keinesfalls ausschließliches Thema, der historisch motivierte Zuschnitt des analysierten Gegenstands sollte jedoch stets mitbedacht werden. Die dritte These lautet daher, dass sich sowohl weltregionale als auch globale Geschichte selbstreflexiv und selbstkritisch auf die Erzeugung des eigenen Gegenstandes beziehen sollten. Diese Selbstreflexion sollte auf ein neues Fundament gestellt werden, indem die Hervorbringung des eigenen Forschungsgegenstandes selbst als relationale Geschichte thematisiert wird.

1. Globalgeschichte stellt eine besondere Antwort auf den spatial turn dar und ist Ausdruck einer größeren Bewegung
David Armitage äußerte vor einigen Jahren in einem Interview die Auffassung, Historiker müssten heutzutage stets mit einer „global audience“ rechnen und sich zudem dafür rechtfertigen, wenn sie keine explizit transnationalen, internationalen oder globalen Projekte verfolgten.[19] Beides seien Anzeichen, dass Historiker/innen heutzutage in gewisser Hinsicht alle Globalhistoriker/innen seien. Wie in der Einleitung zu diesem Forum erwähnt, möchte ich diese Sicht einerseits in Frage stellen, ihr andererseits auch zustimmen.

Gegen Armitages Befund kann man zweierlei einwenden: Erstens zielt universitäre Wissenschaft per definitionem immer schon auf eine universelles und in diesem Sinne globales Publikum. Historiker mit Wissenschaftsanspruch waren in diesem Sinne also schon immer Globalhistoriker. Zweitens, und meines Erachtens wichtiger, hat zu diesem vermeintlich globalen Publikum realiter immer nur ein kleiner Teil Zugang. Dies hat sowohl machtpolitische und wirtschaftliche als auch disziplinäre Gründe und ist insofern Ausdruck der oben erwähnten politics of knowledge production. Es ist eine Frage der globalen Machtverhältnisse, wer zu der „scientific community“ gehört und wer nicht. Daran hat auch das Internet nichts geändert, auch wenn es den Zugang für ein vermeintlich globales Publikum eröffnet hat. Computer und Lizenzen für Zeitschriften sprengen das Budget von Bibliotheken und Privatpersonen. In weiten Teilen Lateinamerikas, Asiens, Afrikas ist eine Literatur- oder Quellenrecherche jenseits von „google books“ nur an teuren Eliteuniversitäten möglich. Hinzu kommen disziplinäre In- und Exklusionsmechanismen, auf die ich oben schon abgehoben habe. Dabei geht es nicht nur um die Unterscheidung zwischen wissenschaftlicher und populärer Geschichtsschreibung, also zwischen Profis und Amateuren, sondern auch um die Hierarchisierung des immer unüberschaubareren Feldes: Wem wird welche Position innerhalb der „community“ zugeschrieben? Welche Stimmen werden gehört und welche nicht? Wer darf nur zuhören und wer darf sprechen? Wer ist, um Claudia Derichs Formulierung aufzugreifen, Produzent und wer Konsument von Theorien? Was sind zentrale Themen und was gilt als periphere Fragestellung?

Globalgeschichten, Weltgeschichten, Zivilisationsgeschichten, Universalgeschichten werden heute wie vor 300 Jahren überwiegend von einer sozial, kulturell, professionell und vor allem weltregional eng begrenzten, männlich dominierten Personengruppe verfasst, die über klare Ein- und Ausschlussmechanismen verfügt. Die „große Gattung“ genoss und genießt immer noch großes Ansehen innerhalb der Zunft. Dass sie dabei auch viel Kritik erntet, steht dazu nicht im Gegensatz, im Gegenteil. Selbst in Zeiten eines übersteigerten Nationalismus stand Weltgeschichtsschreibung nicht im Abseits, da sie sich sehr gut mit imperialistischen oder faschistischen Herrschaftsansprüchen vertragen kann. Weltgeschichten gibt es nicht ohne politische Agenda und diese kann eben sehr unterschiedlich aussehen. Meist in Vergessenheit geraten ist z.B., dass Leopold von Rankes letztes Werk seine zweibändige Weltgeschichte war.

Dennoch ist Armitage auch zuzustimmen. Unter dem Begriff der „Globalgeschichte“ firmiert auch ein Ansatz, der sich sowohl gegen eine vermeintlich überregional daherkommende Weltgeschichte als auch eine Geschichtsschreibung stellt, die nationale oder Gesellschaftsgeschichte aus sich selbst heraus erklären möchte. Globalgeschichte reagiert damit auf die Herausforderungen des spatial turn. Globalgeschichte trat als transnationale oder Verflechtungsgeschichte in kritischer Absicht an. Indem sie geographische Begrenzungen als hinderlich für den Erkenntnisprozess ausweist, argumentiert sie nicht politisch, sondern professionell: transnationale Verflechtungsgeschichte ist aus qualitativen Gründen vorzuziehen. Dennoch lässt sich eine dahinter verborgene politische Agenda auch hier nicht leugnen. Globalgeschichte zeigt, wie der nationale bias überwunden werden kann, sie widmet sich der Bedeutung des vermeintlich Peripheren und ermöglicht dadurch nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch gänzlich neue Erklärungsmuster. Kolonien und Metropolen werden dann nicht mehr getrennt analysiert, sondern innerhalb eines Forschungszusammenhanges untersucht, wie dies Frederik Cooper und Ann Laura Stoler vor vielen Jahren angemahnt haben.[20]

Die auf den spatial turn gefundenen Antworten, also die Überwindung des nationalen Paradigmas, des „Containerdenkens“ und der Aufschwung der Verflechtungsgeschichte fügen sich, meist ohne dies zu reflektieren, in eine sehr viel grundlegendere theoretische Auseinandersetzung, die auch in ganz anderen Zusammenhängen (z.B. im Übergang von der Frauen- zur Geschlechtergeschichte) geführt worden ist: Wie lässt sich der Untersuchungsgegenstand fassen, wenn er nicht mehr einfach nur „gefunden“ werden kann, wenn also der Untersuchungsgegenstand nicht mehr als gegeben und wenn er in Folge nicht als aus sich selbst heraus erklärbar angesehen wird? Die Antwort der Verflechtungsgeschichte lautet: in den Beziehungen zwischen den vermeintlich nur vorgefundenen Gegenständen. Die Untersuchungsgegenstände können demnach nicht „gefunden“ werden, weil sie als solche gar nicht vorhanden sind. Pointiert gesagt, heißt dies: Erst die Beziehungen zu anderen Entitäten bringt den Untersuchungsgegenstand hervor. Nicht eine einzelne Nation oder eine einzelne Gesellschaft, sondern deren transnationale Beziehungen rücken damit ins Zentrum des Interesses. Bezüglich der area studies wurde daher von Annand Yang und anderen bereits 2005 ein transregionaler Forschungsansatz eingefordert.[21] Diese Bewegung erfasste nicht nur die Welt(-regional)- und Gesellschaftsgeschichte, sondern auch die Geschichte kleinerer Einheiten. Der Begriff der locality studies beispielsweise verweist genau auf diese Überzeugung der Globalgeschichte nach dem spatial turn. Ein einzelner Ort kann nur über seine Beziehungen zu anderen Orten, genauer: über die Beziehungen, die von Menschen unter anderem durch Migration, Waren, Ideen zu anderen Orten hergestellt werden, gefasst werden.

Damit sich derartige Verflechtungsgeschichten, die ja gerade nicht den ganzen Globus als vorgegebene Einheit zum Gegenstand gewählt haben, damit sie sich dennoch als „Globalgeschichten“ eigenen Rechts ausweisen konnten, wurde die Definition der Subdisziplin in das Erkenntnisinteresse verlegt.[22] Globalgeschichte musste – in dieser Definition – daher nicht weltumfassend sein, sondern vielmehr ihren Gegenstand global perspektivieren. Zwar blieb ein gewisses Unbehagen mit dieser Definition bestehen, schließlich weist sie eine zirkuläre Struktur auf, aber es lassen sich diesem Ansatz hervorragende Bücher zuordnen. Nicht immer wurde der Ansatz explizit als Globalgeschichte oder transnationale oder Verflechtungsgeschichte bezeichnet, aber dennoch kann als kleinster gemeinsamer Nenner empirischer Globalgeschichten jenseits der rein synthetisierenden Gattung festgehalten werden, dass sie erstens ihren Gegenstand nicht über eine rein geographische Kartographie bestimmen und zweitens, dass die Verflechtungsbeziehungen zwischen verschiedenen Orten oder Regionen analysiert werden. Häufig stehen Handelsbeziehungen[23], Waren[24], Unternehmen[25], kulturelle Mittler, Forschungsreisende und Literaten[26] im Zentrum der Studien.

Diese Form der globalen Verflechtungsgeschichte wurde allerdings in Studien vorweggenommen, die sich selbst eher den area studies zugeordnet hätten. Dies gilt nicht nur für die meist in der Genealogie verschwiegene Studie von W.E.B. Du Bois zu Beginn des 20. Jahrhunderts[27], sondern auch für deutlich jüngere Studien aus den 1970er- bis 1990er-Jahren wie Sidney Mintz’ Arbeit zum Zucker[28], oder die Studie von Peter Linebaugh und Marcus Rediker zu einer sozialen Bewegung der outlaws, Vertriebenen, Versklavten zwischen Europa, Afrika und den Amerikas[29] oder zum „Black Atlantic“ von Paul Gilroy – um nur einige wenige beispielhaft zu nennen.[30]

Dieser Befund verdeutlicht zweierlei: Erstens teilen weltregionale und Globalgeschichten Trends, von der die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen betroffen sind. In diesem Falle: Der Trend statt in sich geschlossener Entitäten (z.B. einer Nation) den Beziehungen zwischen Entitäten (z.B. transnationale Beziehungen) den Vorrang zu geben. Und zweitens lassen sich weltregionale und Globalgeschichte kaum noch voneinander unterscheiden. Dies deutet auf eine definitorische Schwäche hin. Weder „das Globale“ noch die unterschiedlichen Weltregionen werden fassbar.

2. Die Geschichte der Relationen sollte in eine relationale Geschichtsschreibung überführt werden und so die Frage nach der Einheit des Untersuchungsgegenstandes neu beantworten.
Um weltregionale und globale Geschichte klarer voneinander unterscheiden zu können, ist es an der Zeit, einen Schritt weiter zugehen. Statt der Analyse der Relationen zwischen zwei Einheiten, sollte auch die Frage nach der Hervorbringung der Einheiten behandelt werden. Dies hat auch mit einer veränderten Situation innerhalb der Disziplin der Geschichtswissenschaft zu tun. Die nationale Methodologie, von der auch die Gesellschaftsgeschichte zutiefst geprägt war, ist nicht mehr state of the art. Diejenigen, die heutzutage globale Verflechtungsgeschichte betreiben, müssen realisieren, dass der Globalgeschichte der kritische Abgrenzungspunkt längst verloren gegangen ist. Armitage weist darauf hin: Nicht wer Verflechtungs-, transnationale oder internationale Geschichte betreibt, muss sich rechtfertigen, sondern diejenigen, die eine derartige Geschichte nicht betreiben. Vermutlich wollte Armitage darauf gar nicht so stark abheben, aber aus seiner (bereits fünf Jahre alten Aussage!) lässt sich schließen: Was unter „mainstream“ verstanden werden muss, hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Längst steht das nationale Paradigma, sei es nun inhaltlich oder methodisch verstanden, nicht mehr im Zentrum des Feldes. Vielmehr sind es die Verflechtungsgeschichten, die transnationalen Beziehungen und das Revival der internationalen Geschichtsschreibung, die in die Mitte des Faches der Geschichtswissenschaft vorgerückt sind – auch wenn sich dies in den aktuellen Stellenausschreibungen noch nicht niederschlagen mag.

Die Position im Zentrum, das lehrt die eigene Geschichte der Globalgeschichte, ist zugleich eine prekäre. Erkenntnisfortschritt in der Geschichtswissenschaft hat unterschiedliche Ursachen. Zwar ist die Geschichtswissenschaft immer in die Politiken der Wissensproduktion und somit in machtpolitische Strukturen eingebunden (vgl. Epochenbezeichnung „Kalter Krieg“), Erkenntnisfortschritt lässt sich gegenüber den eigenen „peers“, aber auch gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit nicht mit veränderten politischen Rahmenbedingungen begründen. Vielmehr wird Erkenntnisfortschritt auf neue empirische Befunde oder methodische und theoretische Kritik am bisherigen Vorgehen zurückgeführt, die neue und bessere (im Sinne von „überzeugendere“) historische Einsichten erbracht hätten. Meist verweisen die beiden Ursachen aufeinander. Wer eine neue theoretische Ausrichtung einfordert, stößt auf neue empirische Befunde.

Dieses Zusammenspiel lässt sich derzeitig sehr gut beobachten. Es zeichnet sich ab, dass parallel zu der globalen Verflechtungsgeschichte, die eine nationale Engführung überwinden will, die Forderung immer lauter wird, Geschichtsschreibung zur Stärkung von nationalen oder imperialen Traditionen einzusetzen. Begründet wird eine solche Forderung gerade nicht mit politischen Motiven, sondern mit einer theoretischen Neuausrichtung. Wenn seit einigen Jahren in Großbritannien Stimmen laut werden, dass es bezüglich British India Zeit sei, das „apologising“ zu beenden[31], dann findet diese Forderung einen Widerhall in historischen Darstellungen durch revisionistische Historiker wie Niall Ferguson.

Auch die Globalgeschichte ist in dieses Konglomerat von disziplinärer Fortschrittsrhetorik und politischer Agenda verwoben. Möchte sie ihre kritische Funktion als Korrektiv der weltgesellschaftlichen Verwerfungen und Asymmetrien weiterführen, sollte sie sich dessen bewusst sein, dass sie längst im Zentrum des Faches angekommen ist. Zugleich hat sich aber jenseits und innerhalb der wissenschaftlichen Diskussion eine wirkmächtige Art und Weise revisionistischer Geschichtsschreibung etabliert, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut und meist ein deutlich größeres Publikum erreicht.

In dieser Situation erscheint es besonders dringlich, dass sich die Globalgeschichte der angesprochenen Definitionsschwäche zuwendet. Sie muss genauer bestimmen, was jenseits der Zentrifugalkräfte der Relationen ihr Gegenstand ist. Die populären Geschichtsschreibungen weisen nämlich auf ein Manko hin, das die Verflechtungsgeschichten häufig (wenn auch keinesfalls immer!) kennzeichnet: Sie interessieren sich nicht für die Herstellung von Einheiten, sie lösen sie stattdessen in Konstruktionen auf. Die Zielrichtung von Verflechtungsgeschichten ist es zu zeigen, dass die Einheiten nicht vom Zentrum, sondern von der Peripherie her zu denken sind. Dabei lösen sie, willentlich oder nicht, große Zentrifugalkräfte aus. Globalgeschichte entzieht sich dem Wunsch nach der Herstellung und Bestätigung erfundener nationaler oder weltregionaler oder auch dörflicher Traditionen.

Dabei bedarf es nur einer leichten Akzentverschiebung der Verflechtungsgeschichte, die den theoretischen Erkenntnisse des spatial turns verpflichtet bleibt, um die Herstellung von Einheiten besser erklären zu können, wie dies die Nationalgeschichts- oder die Gesellschaftsgeschichtsschreibung getan haben bzw. tun. Der Gedanke, dass Einheiten durch die Relationen, die sie eingehen, hervorgebracht werden, ist einer der Grundgedanken der Verflechtungsgeschichte. Während bisher die Relationen in Form von Verflechtungen, Flows und Zirkulationen im Vordergrund standen, sollten nun auch die derartig hervorgebrachten Einheiten analysiert werden. Räume, verstanden als Handlungsräume, gestalten sich über Verflechtungsbeziehungen aus. Eine nur oberflächliche Analyse der Beziehung der beiden Amerikas im ‚langen’ 19. Jahrhundert zeigt, wie sich infolge der Dekolonialisierung und der Monroe Doktrin die Verbindungen zu Europa veränderten und wie zunehmend andere, inneramerikanische Bezugspunkte wie z.B. der Panamerikanismus in den Vordergrund rückten und so den Austausch zwischen den beiden Hemisphären verstärkten.

Der Siebenjährige Krieg, der mit dem Pariser Friedensvertrag 1763 das Ende der spanischen Herrschaft in den Amerikas einläutete (auch wenn der Prozess noch bis 1898 dauern sollte), die französische einschränkte und – in globalgeschichtlicher Perspektive – die britische Kolonialherrschaft festigte, verdeutlicht die enge Verflechtung des Doppelkontinents mit Europa. Die Phase der Rebellion zwischen 1776 und 1825 erfasste neben Frankreich und den USA zahlreiche Latein- und Mittelamerikanische Gebiete. Sie führte zu zahlreichen Staatsgründungen, auf Haiti zu einer Sklavenrepublik und – eine Skurrilität der europäisch-amerikanischen Verflechtungsgeschichte – zur Gründung des letzten europäischen Kaiserreichs in Brasilien im Jahr 1822. Die jahrhundertealten Beziehungen brachen im 19. Jahrhundert nicht einfach zugunsten einer starken interkontinentalen Verflechtung ab. Vielmehr überlagerten sich unterschiedliche Verbindungs- und Abstoßungsbegriffe sowohl innerhalb der beiden Hemisphären als auch innerhalb Europas. Der auf den französischen Ökonomen Michel Chevalier zurückgeführte Begriff „Lateinamerika“ impliziert dabei eine Einheit, die bis heute die Vielheit und enormen internen Unterschiede verdeckt.[32]

In der US-amerikanischen Geschichtsschreibung zu der Geschichte der area studies lässt sich die Bewegung nachvollziehen, die von der Überwindung des Containerdenkens in den 1990er-Jahren hin zu einer Betonung der Verflechtungsbeziehungen führte und die nun eine erneute Wende erfordern. Die von postkolonialen Studien inspirierte und unter anderem von Amy Kaplan und Donald Pease initiierte Forschung der 1990er-Jahre zeigte, wie stark die Disziplin der American studies (verstanden als US-American studies) von der Vorstellung geprägt war, sie verbinde interne Differenzen und Vielfalt mit der Vorstellung einer in sich geschlossenen Einheit (also eines „Containers“). Stattdessen, so ihr Argument, sei jedoch die Vorstellung der eigenen Einheitlichkeit durch die Kontrastierung mit einem ebenfalls einheitlich konstruierten „Anderen“ erzeugt worden. Tatsächlich, so führt Pease aus, waren und sind die Begegnungen und Verflechtungsgeschichten jedoch von gegenseitiger Beeinflussung und Überlagerung geprägt, die mit dem „Othering“ nicht hinreichend beschrieben werden können.

Der Verflechtungsgeschichte wird immer wieder vorgeworfen, sie unterschätze globale Machtverhältnisse, indem sie auf gegenseitiger Beeinflussung bestehe. Dieser Vorwurf ist jedoch ein Kurzschluss. Wer auf Wechselwirkungen abhebt, behauptet nicht, dass die gegenseitige Beeinflussung auf Augenhöhe verlaufen wäre. Vielmehr ordnen z.B. Pease und Stoler die Phase zwischen 1898 und 1912, also die Phase der US-amerikanischen Expansion über den nordamerikanischen Kontinent hinaus, erstmals in den im 19. Jahrhundert entstehenden US-amerikanischen Imperialismus ein. Damit verdeutlichen sie, dass diese 14 Jahre des direkten Kolonialismus gerade keine Ausnahmesituation darstellten, sondern vor dem Hintergrund einer sehr viel länger andauernde Epoche der US-amerikanischen Großmachtpolitik eingeordnet werden müssen.[33]

Möchte man die notwendige Analyse gegenseitiger Beeinflussungen und machtpolitischer Asymmetrien weiterführen, dann muss das Augenmerk darauf gelegt werden, wie aus diesen Verflechtungen, die jeweiligen Einheiten als Konstruktionen hervorgehen. Den „geopolitischen Imaginarien[34], also den Vorstellungen von machtpolitischen bestimmten Weltregionen, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Sei es die vom Europäer Tocqueville in den 1830er-Jahren ins Spiel gebrachte „American Exceptionalism“[35] oder sei es die Konstruktion der USA als „anti-kolonial“, Vorstellungen, Zuschreibungen, Entwürfe, Idealisierungen gehen immer eine aussagekräftige Verbindung mit machtpolitischen Ansprüchen ein. Zwar sind Raumvorstellungen ständig im Fluss, zwar löst sich Europa auf, sobald man es von der Peripherie her erforscht, aber als vorgestellte Einheit war und ist Europa dennoch wirkmächtig.

So lassen sich die beiden ersten Thesen dahingehend zusammenfassen, dass weltregionale und globale Geschichte beide die grundlegende theoretische Verschiebung des spatial turn aufgreifen und Raumkonstrukte über die Relationen zwischen Räumen erforschen. In einem zweiten Schritt sollten sie darüber hinausgehend verstärkt auf die Konstruktion der Einheiten reflektieren, zwischen denen Relationen hergestellt werden. Die Relationen wirken zurück und bringen die Einheiten zwischen denen sie etabliert wurden auf neue Art hervor. Eine Geschichte der Relationen wird so zu einer relationalen Geschichtsschreibung. Im Grunde verändert dieses Geschichtsverständnis jegliche Art und Weise von Geschichtsschreibung.

3. Die Hervorbringung des eigenen Forschungsgegenstandes sollte als relationale Geschichte thematisiert werden.
Für die weltregionale und die Globalgeschichtsschreibung, so die dritte These, hat dies aber besondere Konsequenzen. Eine derartig relationale Geschichtsschreibung kann sich ganz unterschiedlichen Themen zuwenden, sie wird aber die Genealogie ihres eigenen Gegenstandes stets ebenfalls thematisieren müssen. Das „making of“ der Weltregionen oder des Globalen sollte also keinesfalls ausschließliches Thema sein müssen, aber wer die Geschichte Europas oder des Westens schreibt, wird sich stets fragen müssen, wie sich sein Gegenstand herausgebildet hat. Wer eine Weltregion nicht als etablierte, bestehende räumliche Kontaktzone auffasst, sondern den umgekehrten Weg geht und zunächst nach Verflechtungen fragt, die eine Zone intensivierten Kontaktes hervorbringt, wird zu ganz anderen weltregionalen Zuschnitten gelangen, als dies in Folge des „Kalten Krieges“ gesetzt wurde. Die transatlantischen Studien waren zunächst ein klarer Ausdruck des politisch motivierten Versuchs, Europa und die USA in Zeiten des „Kalten Krieges“ als Verbündete eng an einander heranrücken zu lassen. Für die bundesrepublikanische Nachkriegsgeschichte galt dies in ganz besonderem Maße. Der bereits erwähnte Literaturwissenschaftler Paul Gilroy setzte mit seiner Studie „The Black Atlantic: Modernity and Double Consciousness“ ein Fanal, das darauf abzielte, Afrikaner als wesentliche Player zwischen Europäern und Amerikanern des Südens und des Nordens allererst sichtbar zu machen.[36] An diese längst überfälligen Umdeutungen des transatlantischen Raumes knüpften zahlreiche spätere Studien an.[37] Trotz dieser Entwicklungen ist es karrieretechnisch immer noch schwierig, Studien durchzuführen, die Verflechtungsbeziehungen zwischen Weltregionen analysieren, wenn sie den eingespielten disziplinären Grenzziehungen der Nachkriegszeit zuwiderlaufen. Ob es sich dabei um Süd-Süd-Beziehungen handelt oder um Kontaktzonen zwischen Imperien, ob es Handelsrouten zwischen unterschiedlichen Kolonien betrifft oder chinesische Kontakte mit arabischen Ländern, derartige Untersuchungen sind bis heute viel zu selten. Ähnlich wie die immer wieder eingeklagte, aber für Qualifikationsarbeiten prekäre Interdisziplinarität kann die Untersuchung von Beziehungen zwischen unterschiedlichen Weltregionen, also von transregionalen Beziehungen, die nicht in etablierte Raster fallen, zu einem Scheitern an disziplinär geformten Karrieremustern führen. Aus diesem Grunde segeln diese Studien dann häufig unter der Flagge der Globalgeschichte.

Bei einer derartigen „Umetikettierung“ kann jedoch verloren gehen, was in der hier genannten dritten These eingefordert wird: Die Konstruktion des durch die Verflechtungen erzeugten Raumes wird häufig nicht thematisiert. Stellt dies wirklich einen Verlust dar? Meines Erachtens, ja. Die Folge ist nämlich ein Verzicht auf das Entschlüsseln von Kausalitäten. Dann werden zwar Verflechtungsbeziehungen empirisch aufgearbeitet, aber es lassen sich aus ihnen keine Rückschlüsse auf übergeordnete Prozesse oder Strukturen ableiten. Freilich kann sich das historische Erkenntnisinteresse mit dem Nachvollzug von Interaktionen begnügen, zumal wenn es sich um Beziehungen handelt, die bei der aktuellen disziplinären Einteilung der area studies aus dem Raster fallen. Wenn z.B. der Manila-Galeone-Handel im Pazifik der Frühen Neuzeit untersucht wird, dann ist das historisch insofern interessant, als es sich um untererforschte Handelsbeziehungen handelt, über die wir vieles noch nicht wissen.[38] Wir wissen unter anderem deshalb wenig darüber, weil Mexiko und die Philippinen zwei unterschiedlichen Weltregionen angehören, deren Beziehungen aus fächerpolitischen Gründen selten in den Blick genommen werden. Neue Erkenntnisse bezüglich des Vizekönigtums Neuspanien oder des spanischen Kolonialismus’ wird eine solche Rekonstruktion jedoch erst ermöglichen, wenn die Aussagen nicht bei den Beziehungen selbst stehen bleiben. Erst wenn sowohl Acapulco als auch Manila, wenn sowohl Mexiko als auch die Philippinen in neuem Licht erscheinen, erhält die Historizität von Handlungsräumen die notwendige Tiefenschärfe. Erst dann können verdrängte, aber wirksame Traditionslinien sichtbar und neue Funktionszusammenhänge oder Erklärungsmuster erkannt werden.

Abstrakter ausgedrückt heißt dies: Erst wenn Aussagen über Einheiten getroffen werden, zwischen denen Beziehungen erstens entstehen und die in einer paradoxen Bewegung zweitens durch diese Beziehungen hervorgebracht werden, erst dann geht die Geschichtsschreibung über reine Beschreibungen und Rekonstruktionen hinaus. Sobald Geschichtsschreibung den Anspruch hat, das Wie und/oder das Warum von Ereignissen zu erforschen, ist es notwendig, auf Einheiten zurückzugreifen, die einzelne Akteure und Verflechtungen übersteigen. Das führt zu einem neuen Verständnis der Hervorbringung dieser Einheiten – seien es Städte, Weltregionen oder auch Einheiten ohne geographischen Index. Es ist dann ein aussagekräftiges Ergebnis einer Studie, welcher Handlungsraum mit welchen Vorstellungen zu welcher Region oder inhaltlich begründeten Einheit verbunden wird. Die Genealogie (nicht die Genese!) von Regionen/Einheiten wird so zu einem zentralen Thema der jeweiligen Studien. Sowohl weltregionale als auch Globalgeschichte sollten sich in diese Bewegung des Faches Geschichtswissenschaft einfügen und sich selbstreflexiv und selbstkritisch auf die Erzeugung des eigenen Gegenstandes beziehen. Wie ich abschließend betonen möchte: Die Unterschiede zwischen Weltregionen und dem Globalen könnten auf Grundlage dieser theoretischen und methodischen Gemeinsamkeiten nicht größer sein.

III Fazit und methodischer Ausblick
Die theoretische Verschiebung des Gegenstandes von einer Geschichte der Relationen hin zu einer relationalen Geschichte ist Ausdruck eines veränderten Erkenntnisinteresses. Nicht nur die Flows oder die Zirkulation von Menschen, Ideen, Gütern, Finanzen und deren Verflechtungen interessieren, sondern auch das Erzeugen von imaginierten und real wirksamen geopolitischen Einheiten. Diese Veränderung von Gegenstand und Erkenntnisinteresse kann mit einer Methode nachgekommen werden, die den Relationen nachspürt und erforscht, wie sich durch die Relationen die Einheiten, zwischen denen die Relationen erzeugt werden, verändern. Da sich Relationen nicht selbst hervorbringen, sondern von jemandem geknüpft werden, stehen bei einer relationalen Geschichtsschreibung Akteure im Zentrum der Studien. Unabhängig davon, ob sie sich als weltregionale Studien oder als Globalgeschichten einordnen lassen, zeigen sie auf, wie über das Handeln und die Imaginationen von Akteuren Weltregionen als Handlungs- und Imaginationsräume bzw. wie das Globale als Handlungs- und Imaginationsraum allererst hervorgebracht werden. So weit die Gemeinsamkeiten. Je nach Gegenstand und Erkenntnisinteresse der jeweiligen Studie, stellen sich die Handlungs- und Imaginationsräume anders dar. Der Manila-Galeon-Handel kann als Globalgeschichte verfasst werden, wenn es darum geht, die weltweiten Auswirkungen des Kolonialismus en detail zu studieren. Er kann aber auch als weltregionale Geschichte verfasst werden, wenn es darum geht zu zeigen, wie sich Südostasien und das südliche Nordamerika gegenseitig beeinflussten und wie diese Beeinflussung die invention of tradition prägt. Ohne der Historizität der Wissensproduktion und ihren politischen Entstehensbedingungen entkommen zu können, werden sich das Globale der Globalgeschichte und die Weltregionen der weltregionalen Geschichte je nach Erkenntnisinteresse sehr unterschiedlich darstellen.

Anmerkungen:
[1] James W. Ceaser, Reconstructing America: The Symbol of America in Modern Thought, New Haven 1997, S.1.
[2] Vgl. z.B. Christopher Bayly u.a., AHR Conversation: On Transnational History, in: The American Historical Review 111,5 (2006), S. 1441-1464.
[3] Jürgen Osterhammel, Alte und neue Zugänge zur Weltgeschichte, in: ders. (Hrsg.), Weltgeschichte, Band 4, Stuttgart 2008, S. 9-32, hier S.10.
[4] Susanne Rau, Räume: Konzepte, Wahrnehmungen, Nutzungen, Frankfurt am Main 2013.
[5] Henri Lefebvre, Die Produktion des Raums, in: Jörg Dünne / Stephan Günzel, Raumtheorie: Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main 2006, S. 330-342.
[6] Arjun Appadurai, The Production of Locality, in: ders., Modernity At Large: Cultural Dimensions of Globalization, Minneapolis 1996.
[7] Arjun Appadurai, How Histories make Geographies, in: Transcultural Studies 1 (2010), S. 4-13.
[8] Eric R. Wolf, Europe and the People Without History, Berkeley 1982.
[9] Felix Brahm, Colonial Expertism and its Postcolonial Legacies, in: Matthias Middell (Hrsg.), The Routledge Handbook of Transregional Studies, London 2018 (forthcoming).
[10] Claudia Derichs, Knowledge Production, Area Studies and Global Cooperation, London 2017, S.11.
[11] Birgit Schäbler, Das Studium der Weltregionen zwischen Fachdisziplinen und der Öffnung zum Globalen: Eine wissenschaftliche Annäherung?, in: dies. (Hrsg.), Area Studies und die Welt: Weltregionen und neue Globalgeschichte 5, Wien 2007, S. 11-44, hier S.15.
[12] Derichs, Knowledge Production, S.7.
[13] Mark T. Berger, Under Northern Eyes: Latin American Studies and US Hegemony in the Americas 1898-1990, Bloomington 1995, S. 25-97.
[14] Vgl. dazu grundlegend: Felix Brahm, Wissenschaft und Dekolonisation. Paradigmenwechsel und institutioneller Wandel in der akademischen Beschäftigung mit Afrika in Deutschland und Frankreich, 1930–1970, Stuttgart 2010.
[15] Olaf Kaltmeier, Transnational Americas. Envisioning Inter-American Area Studies in Globalization Processes, in: ders. (Hrsg.), Transnational Americas: Envisioning Inter-American Area Studies in Globalization Processes, Tempe 2013, S. 1-14, hier S.6.
[16] Gloria Anzaldúa, Borderlands / La Frontera: The New Mestiza, San Francisco 1999; Sebastian Conrad / Shalini Randeria, Jenseits des Eurozentrismus: Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main 2002; Jean Comaroff / John L. Comaroff, Theory from the South: Or, how Euro-America is Evolving Toward Africa, in: Anthropological Forum 22,2 (2012), S. 113-131; Raewyn Connell, Southern Theory: The global dynamics of knowledge in social science, Michigan 2007; Beng Lan Goh, Southeast Asian Perspectives on Disciplines and Afterlives of Area studies in a Global Age, in: Zawawi Ibrahim (Hrsg.), Social science and knowledge in a globalising world, Selangor Kajang, Malaysia: Petaling Jaya 2012; Walter D. Mignolo, Local Histories/Global Designs: Coloniality, Subaltern Knowledges, and Border Thinking, Princeton 2000.
[17] Dipesh Chakrabarty, Provincializing Europe: Postcoloniality and the critique of history, in: Cultural Studies 6,3 (1992), S. 337-357, hier S. 337.
[18] Hierbei stütze ich mich auf Überlegungen aus dem Aufsatz Angelika Epple, Lokalität und die Dimensionen des Globalen. Eine Frage der Relationen, in: Historische Anthropologie. Kultur - Gesellschaft - Alltag / Themenheft: Lokalität und transnationale Verflechtungen 21,1 (2013), S. 4-25.
[19] Carolien Stolte, Itinerario to host online discussion with Prof. David Armitage, in: Cambridge Core Blog, 15.11.2011, <http://blog.journals.cambridge.org/2012/11/15/itinerario-to-host-on-line-discussion-with-prof-david-armitage/> (04.08.2017).
[20] Frederick Cooper / Ann Laura Stoler (Hrsg.), Tensions of empire: colonial cultures in a bourgeois world, Berkeley 1997.
[21] Vgl. Jerry H. Bentley u.a., Interactions: Transregional Perspectives on World History, Honolulu 2005.
[22] Christopher Bayly u.a., AHR Conversation: On Transnational History, S. 1441-1464.
[23] Christof Dejung, Die Fäden des globalen Marktes: eine Sozial- und Kulturgeschichte des Welthandels am Beispiel der Handelsfirma Gebrüder Volkart 1851-1999, in: Industrielle Welt, Bd. 85, Köln 2013; Ruben Quaas, Fair Trade: Eine global-lokale Geschichte am Beispiel des Kaffees, Köln 2015
[24] Giorgio Riello, Cotton: The Fabric that Made the Modern World, Cambridge 2013; Sven Beckert, King Cotton. Eine Geschichte des globalen Kapitalismus, 2. Aufl., München 2015.
[25] Emma Rothschild, The Inner Life of Empires: An Eighteenth-Century History, Princeton 2013; Angelika Epple, Das Unternehmen Stollwerck: eine Mikrogeschichte der Globalisierung, Frankfurt am Main 2010; Julia Laura Rischbieter, Mikro-Ökonomie der Globalisierung: Kaffee, Kaufleute und Konsumenten im Kaiserreich 1870-1914 (=Industrielle Welt 80), Köln 2011.
[26] Sanjay Subrahmanyam, Three ways to be alien: travails and encounters in the early modern world. The Menahem Stern Jerusalem lectures, Waltham, Mass. 2011; Natalie Zemon Davis / Gennaro Ghirardelli, Leo Africanus: ein Reisender zwischen Orient und Okzident, Berlin 2008; Ottmar Ette, TransArea: eine literarische Globalisierungsgeschichte (=Mimesis 54), Berlin 2012; Angelika Epple / Walter Erhart (Hrsg.), Die Welt beobachten: Praktiken des Vergleichens, Frankfurt am Main 2015.
[27] W. E. B. Du Bois, The souls of Black folk, Chicago 1903.
[28] Sidney W. Mintz, Sweetness and Power: The Place of Sugar in Modern History, New York 1986.
[29] Peter Linebaugh / Marcus Rediker, The Many-Headed Hydra: Sailors, Slaves, Commoners, and the Hidden History of the Revolutionary Atlantic, Boston 2000.
[30] Paul Gilroy, The Black Atlantic: Modernity and Double-Consciousness, Cambridge 1995.
[31] In kritischer Absicht siehe Stephen Howe, Imperial and colonial history, in: Making History, 2008, <http://www.history.ac.uk/makinghistory/resources/articles/imperial_post_colonial_history.html#resources> (04.08.2017).
[32] Michel Chevalier verwendete den Begriff „Lateinamerika“ selbst nicht, schrieb aber davon, dass Südamerika – wie Südeuropa – „katholisch und lateinisch“ sei. Erst der Kolumbianer José María Torres Caicedo führte in den 1850er-Jahren den Begriff „América latina“ ein. Vgl. hierzu: Sebastian Dorsch, Die „Yankee City“ São Paulo im verzeitlichten Atlantik: die Nerven- und Modernekrankheit Neurasthenie, in: Georg Fischer u.a. (Hrsg.), Brasilien in der Welt. Region, Nation und Globalisierung 1870-1945 (Globalgeschichte, Bd. 14), Frankfurt am Main 2013, S. 296-319, hier: S. 299f.; Stefan Rinke, Lateinamerika und die USA: eine Geschichte zwischen Räumen - von der Kolonialzeit bis heute (=Geschichte kompakt), Darmstadt 2012, S. 2.
[33] Amy Kaplan / Donald E. Pease, Cultures of United States Imperialism, Durham 1993.
[34] Angelika Epple / Kirsten Kramer, Globalization, Imagination, Social Space: The Making of Geopolitical Imaginaries, in: Fiar Forum for Inter-American Research 9,1 (2016), S. 41–63.
[35] Alexis de Tocqueville, Democracy in America, Bd. 2, London 1835.
[36] Gilroy, The Black Atlantic.
[37] Vgl. z.B. Jochen Meissner u.a., Schwarzes Amerika: Eine Geschichte der Sklaverei, München 2008; Sibylle Fischer, Modernity Disavowed: Haiti and the Cultures of Slavery in the Age of Revolution, Mona/Kingston 2004; Robert Stam / Ella Shohat, Race in Translation. Culture Wars around the Postcolonial Atlantic, New York 2012.
[38] Vgl. den Vortrag von Paula Park, The Spirit of the Manila Galleon: Latin America and the Shifting Tide of the Pacific Ocean, Wesleyan University and the Social Sciences in China Press Forum on “Globalization,” Middletown, CT, 18.-19. Mai 2017.

Zitation
A. Epple: Relationale Geschichtsschreibung: Gegenstand, Erkenntnisinteresse und Methode globaler und weltregionaler Geschichtsschreibung, in: H-Soz-Kult, 02.11.2017, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-4291>.