Schweizerische Geschichtstage 2019: Ressourcen

Von
Lukas Becker, Historisches Seminar, Universität Zürich

Besprochene Sektionen:

Pursuing Private Goals, Negotiating Constraints. Non-State Actors, Wealth and Colonialism(s) in African History

Kapital, Krieg und Konsum. Natürliche Ressourcen und weltweite Ungleichheiten im Zeitalter der Territorialisierung

Connection to the Grid. Distributive Justice and Energy Wealth

Agricultural transformations and notions of wealth: Human and natural resources in the age of Development

How digital is the future of public history? (Panorama)

Ein italienischer Bauarbeiter schiesst auf einen deutschen Polizisten in Deutsch-Südwestafrika, der Südthunfisch erhält ein brandneues Markenimage und Bürger der Stadt Reykjavik beschweren sich über den fehlenden Anschluss an das neue öffentliche Heizsystem. Drei Geschehnisse, welche sowohl geographisch, zeitlich und scheinbar auch inhaltlich relativ weit auseinanderliegen und trotzdem verbunden sind und gerade durch ihre Weitläufigkeit die Komplexität ihres zugrundeliegenden Konzepts aufzeigen. Es geht, soviel vorausgesagt, um Ressourcen. Unweigerlich verbunden mit dem Hauptthema dieser fünften Geschichtstage und doch keineswegs nur im Sinne eines natürlichen Reichtums zu verstehen. Denn falls es eine Erkenntnis der folgenden Panels gab, dann das Ressourcen ein Spannungsfeld sind, auf dem symbolische und materielle Werte ausgehandelt, angestrebt und dargestellt werden.

Die Reise durch diese konzeptuelle Welt begann in Afrika. ANDREAS GREINER (Zürich) verwies zu Beginn auf die Grundfrage dieses Panels, welches den Möglichkeiten der Lebensführung im kolonialen System nachging. Als erstes stieg KAI HERZOG (Basel) ein, welcher sich mit der Situation der Minenarbeiter im unteren Teil des Flusses Oranje, nahe der Grenze zum heutigen Namibia beschäftigte. Sein Fokus lag dabei auf dem Zeitraum zwischen 1880 und 1903, in dem eine zunehmende Landübernahme weißer Siedler zu beobachten war, welche die ansässige afrikanische Bevölkerung in abhängige Lohnarbeitsverhältnisse trieb. Dies setzte sie zwar größerer Willkür, Ausbeutung und meistens auch Gewalt aus, doch Herzog betonte hier auch, dass ihnen durch die Stellung als Minenarbeiter eine gewisse agency gegeben wurde, um sich gegen die Verhältnisse zu wehren. Fernab von den zutage geförderten Mineralien, so Herzog, war es für diese Minenarbeiter die Arbeit selbst, welche zu einer komplexen und wertvollen Ressource wurde, um sich im kolonialen System zu behaupten.

Geographisch und zeitlich unweit davon entfernt berichtete WILLIAM LYON (Berlin) über die Situation von migrierten Arbeitern während dem Kolonialkrieg von 1904 bis 1908 in Deutsch-Südwestafrika, welcher im Genozid an den Herero und Name enden sollte. Der Kriegssituation geschuldet waren zu dieser Zeit vermehrt Arbeiter aus dem angrenzenden Südafrika, aber auch aus Europa und hierbei vor allem aus Italien angeheuert worden – sogar einige Schweizer sollen sich darunter befunden haben. Diese Arbeiter waren jedoch sehr begrenzt über die Realitäten der Kriegssituation vor Ort informiert worden und aufgrund der schlechten Versorgungslage und der chaotischen Zustände kam es oft zu Streiks und Auseinandersetzungen. Unter anderem soll es so weit gekommen sein, dass gewisse Arbeiter an etwas litten, was laut Lyon heute wohl als posttraumatische Belastung identifiziert werden würde. So kam es auch, dass ein italienischer Arbeiter, der, überfordert von der Situation nahe des Kriegsgeschehens, eine Versetzung gefordert hatte, mitten im Transit in scheinbarer Verwirrung einen deutschen Polizisten anschoss. Insgesamt konnten sich jedoch die europäischen Arbeiter oftmals mit ihren Forderungen nach besseren Bedingungen behaupten und der Krieg insgesamt katalysierte eine zunehmende Hinwendung zu ausländischen Arbeitern, was zu einer zunehmenden Durchmischung führte. Aufgrund der unterschiedlichen Herkünfte dieser Arbeiter sprach Lyon dann zu dieser Zeit auch von einer flexibleren Verhandlung, was die Position von "race" anging. Je nach Ort und aufgrund der verbesserten Lage der Arbeiter insgesamt, konnten sich so auch afrikanische Arbeiter mehr Rechte einfordern und ihre Position stärken.

Mit einem gewissen Zeitsprung sprach dann BRIAN NGWENYA (Bern) von den "Kuyedza" in den letzten Jahren der britischen Besatzung des heutigen Zimbabwes in den 1950er- bis frühen 1970er-Jahren. Hierbei handelte es sich um Vereinigungen von Frauen der kolonialen Polizeikräfte, unter anderem auch die afrikanischen Frauen europäischer Polizisten. Anhand der Funktion dieser Vereinigung zeichnete Ngwenya ein komplexes Bild der Machtausübung einer späten Kolonialmacht. So war die "South African Police Force" stets zu einem großen Teil von afrikanischen Mitgliedern besetzt, was eine Herausforderung für die koloniale Administration darstellte. Denn auf der einen Seite repräsentierte die Polizei die Hierarchie des kolonialen Systems, auf der anderen Seite musste der Dienst für nichtweiße Mitglieder "attraktiv" gemacht werden. Dies mündete in der Zusprache gewisser Privilegien für Mitglieder der Polizei und deren Angehörigen, was diesen ein komfortableres Leben im kolonialen System verschaffte. Hierbei wurden laut Ngwenya die Widersprüche einer kolonialen Verwaltung zwischen der sozialen Kontrolle und dem Sicherheitsbedürfnis wie auch der ethnischen Hierarchie und der notwendigen Integration deutlich dargestellt und wiederum zeigte sich Arbeitskraft als eine Ressource an sich, um im komplexen Gefilde einer Kolonie eine gewisse agency zu erlangen.

Das nächste Panel, welches von CHRISTOF DEJUNG (Bern) organisiert wurde, wechselte den Fokus etwas und näherte sich dem Thema der natürlichen Ressourcen. Hier sollte es um das Zeitalter der Territorialisierung zwischen 1860 und 1970 gehen und das Verhältnis von Ressourcen und Territorien genauer betrachtet werden. Bei allen drei Beiträgen handelte es sich um Einstiegspräsentationen zu neuer Forschung.

Den Einstieg machte dabei NADIN HÉE (Berlin) welche die Bedeutung des Thunfischs für die Territorialisierung Japans aufzeichnete. Sie zog dabei einen großen Bogen durch die gesamte moderne Geschichte Japans bis hin zu den jüngsten Konflikten um die Senkaku-Inseln und hielt fest, wie solche territorialen Konflikte oftmals anhand des Thunfischfangs ausgefochten wurden. Hée betonte die wichtige strategische und symbolische Rolle, welcher der Thunfisch sowohl für das japanische Imperium als auch für den modernen japanischen Staat spielte, wobei er sowohl als natürliche Ressource und dann aber auch als ein symbolisches Kapital diente, als eine Betonung der maritimen Identität Japans. Gerade aufgrund der Dekolonialisierung verschiedener Inselgruppen in der Nähe von Japan und des Inkrafttretens der 200 Meilen großen exklusiven ökonomischen Zone, war Japan, so Hée, nun umso mehr darauf angewiesen, anhand des Thunfischfangs die Ansprüche des Landes auf die Nutzung weitgehender Gebiete zu untermauern. Dies erfolgte seit der Nachkriegszeit auch zunehmend über verschiedene Werbekampagnen, wie zum Beispiel ein "rebranding" des vorher wenig verzehrten und nun sehr begehrten Südthunfisches. Laut Hée ist der Thunfisch somit stets beides, eine Ressource an sich, aber auch ein symbolisches Kapital, dass der Unterstreichung einer homogenen japanischen Identität dient und somit weitgehendere Ansprüche auf Territorien möglich machen soll.

Der nächste Beitrag von INES PRODÖHL (Bergen) beschäftigte sich mit der Rolle von Fett und Öl als eine Ressource im Ersten Weltkrieg. Wie Prodöhl ausführte, handelte es sich hierbei um einen der wichtigsten und in der Forschung noch sehr wenig beachteten Rohstoffe der damaligen Zeit. Fette und Öle dienten als Schmierstoffe, als Seife, als petrochemische Produkte, als wasserdichte Stoffe und noch vieles mehr und waren zentral für den Ausgang des Krieges. Denn aufgrund der Abhängigkeit Europas vom Import von tropischen Fetten waren die Mittelmächte schon sehr früh einem erheblichen Ressourcenmangel ausgesetzt, welcher laut Prodöhl vor allen anderen Faktoren die Kriegsmaschine der Mittelmächte erheblich schwächte und den Ausgang des Krieges auf Seiten der Entente einleitete. Eine besondere Herausforderung dieser Ressource, so Prodöhl, ist dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Gegenständen der "Commodity Chain Analysis" nicht einfach linear von Anfangs- zu Endprodukt verfolgbar sei, sondern dass sich die Stoffe stetig wandelten, vermischt und verarbeitet wurden. Dies sollte aber auch eine Chance geben, einen Einblick in die komplexen Systeme globaler Handelsströme zu erhalten.

Abschliessen berichtete MORITZ VON BRESCIUS (Bern) über sein Forschungsprojekt zum synthetischen Zeitalter, dessen Beginn er auf ungefähr 1840 bezifferte. Sein Hauptinteresse waren dabei die Widersprüche und die Gegenbewegungen jener Zeit. Laut Brescius löste die synthetische Herstellung von Materialien schon schnell Fantasien einer Überwindung der Natur aus und die Begeisterung machte nicht einmal vor Versuchen halt, künstlichen Pfeffer herzustellen (laut Brescius und Zeitgenossen ein äußerst unangenehmes Substitut). Schnell standen sich auch zwei Lager gegenüber, welche im Anbruch dieser Entwicklungen unterschiedliche Chancen sahen. Erhofften sich die einen von der "Befreiung von der Tyrannei der Rohstoffe" eine zukünftige Vermeidung von Konflikten, da nun keine Kriege wegen Rohstoffen mehr geführt werden müssten, konzentrierten sich die anderen eher auf die Versprechungen der Autarkie, die militärische Kraft eines Landes zu stärken. Vor allem in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, welches sich nun nicht mehr auf ein System der Ressourcenbeschaffung aus eigenen Kolonien verlassen konnte, sah Brescius eine große Welle der Begeisterung, welche das Versprechen die Kolonien durch die heimische Fabrik zu ersetzen auslöste und somit die Position Deutschlands wieder stärken sollte.

Wiederum in eine andere Richtung zog nun das von MONIKA GISLER (Zürich) organisierte Panel zu "Energy Justice" als einem neuen Analysekonzept. Hierbei sollte es vor allem darum gehen, inwiefern anhand der Energieversorgung ein Gefühl der Gerechtigkeit hergestellt oder eingefordert wird und wie dies der historischen Untersuchung dienen könnte.

Den Einstieg sollte hierbei PAUL JOSEPHSON (Waterville) machen, doch aufgrund seiner Abwesenheit wurde sein Vortrag von FELIX FREY (Bern) vorgetragen. Josephson basierte seine Untersuchungen auf einem Vergleich der Bemühungen der von der US Regierung unter Roosevelt im Rahmen des New Deals durchgeführten Energiereform mit einem Fünfjahresplan unter Stalin in der UDSSR. Während die USA hierbei laut Josephson den Bau großer Staudämme und Energieprojekte damit begleitete, zeitgleich im Rahmen der "Rural Energy Agency" die Elektrifizierung auch auf dem Land rapide voranzutreiben und Energie als ein gesamtheitliches Symbol von Demokratie, Teilhabe und Fortschritt bewarb, machte die Sowjetunion eine andere Entwicklung durch. Hier betonte Josephson, dass das Kernanliegen der großen sowjetischen Energieprojekte stets die Versorgung der staatlichen Infrastruktur war und alle Bemühungen nur der Staatsmacht zukamen. Während "Energy Justice" somit schon in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in den USA ein zu beobachtendes Konzept war, kann, so Josephson, in der Sowjetunion davon keinesfalls die Rede sein.

Mit einem kürzeren Zeitsprung begann dann ODINN MELSTED (Innsbruck) seine Ausführungen zu der Einführung von kommunaler Fernwärme in Reykjavik ab den 1970er-Jahren. Dabei handelte es sich um ein Projekt der Stadt, welche Alternativen zu der bisher dominanten auf individueller Basis beruhenden Wärmeversorgung mit Kohle suchte. Die Lösung war dabei die Nutzung von Geothermie. Diese konnte im Umfeld der Stadt gewonnen und dann mittels Fernwärme den angeschlossenen Häusern zugebracht werden. Damit wurde auch ein Wandel angestoßen weg von einer individuellen Versorgung mit Wärme hin zu einer kommunalen, und die Stadt bewarb ihr neues Unternehmen damit, die neue Fernwärme im Vergleich zu Kohle als gesund und sauber zu vermarkten. Zu Beginn waren dafür nur einige Viertel für ein Pilotprojekt ausgewählt worden. Schnell jedoch wurden dann aber Forderungen der Bürger anderer Stadtteile wach, welche ebenso einen Anschluss an das neue Netz forderten. Der Inhalt dieser Beschwerdebriefe stellten auch den Schwerpunkt von Melsteds Arbeit dar und in ihnen erkannte er ein markantes Bedürfnis der Bevölkerung, dass die Stadt gesamthaft gleichberechtigt versorgt werden sollte. In diesen Briefen, so Melsted, sei ein klares Bedürfnis nach "Energy Justice" sichtbar. Da kommunale Fernwärme auch in anderen Ländern und vor allem in denen des nördlichen Europas ein prägender Faktor der Energielandschaft ist, sah Melsted hier auch weitere potentielle Forschungsfelder in diesem nach wie vor unterrepräsentierten Gebiet.

Zum Abschluss präsentierte dann Felix Frey noch sein eigenes Projekt bezüglich des Wandels im Energienetz der besetzten Halbinsel Krim zwischen 2014 und 2018. Hierbei betonte er vor allem die politische Natur von Energieinfrastruktur. Wie er festhielt, war das ukrainische Energienetz zur Sowjetzeit noch fest an das russische angebunden und ein integraler Teil davon. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erfolgte dann eine zunehmende Abschottung der Ukraine auf ihr eigenes Energienetz und auch die Krim war ab diesem Zeitpunkt abhängig vom ukrainischen Festland für deren Energieversorgung. Mit dem Anschluss an Russland musste somit ein sehr schnelles und teures Projekt angestoßen werden, um die Halbinsel an das russische Netz anzuschliessen. Hierbei verwies Frey darauf, dass es Russland trotz des immensen Kostenaufwands wichtig war dies voranzutreiben, um auch bei der Bevölkerung der Halbinsel den eigenen Anspruch auf das Territorium zu stärken. Der Zugang zu Energie diente hier als Symbol für die schützende Staatsmacht.

In ihrem abschließenden Kommentar stellte dann Monika Gisler einige Fragen zum vorgebrachten Konzept der "Energy Justice". Ihr ging es vor allem darum, inwiefern dieses eher normative, sozialwissenschaftliche Konzept nun auf die Geschichtswissenschaften anzuwenden ist und wie eine Verbindung zu anderen Konzepten in der Vergangenheit hergestellt werden kann. Als ein großes Problem fiel vor allem auch auf, dass alle drei Projekte ihren Fokus relativ stark auf die Nation beziehungsweise auf Governance und große Top-Down Projekte gerichtet hatten. Wie andere Konzepte von "Energy Justice" aussehen könnten, blieb somit noch unbeantwortet.

Nebst diesen konkreten Panels schimmerte das Thema Ressourcen stets in veränderter Form auch noch in weiteren Veranstaltungen durch. So berichtete RAHEL WUNDERLI (Bern) innerhalb eines Panels zu "agricultural transformations" über die Handhabung von gemeinsam Land, den sogenannten "commons", im Kanton Uri während des 20. Jahrhunderts. Hierbei erhalten die Alpweiden und Waldflächen die Rolle als wichtigste Ressourcen, welche traditionell oft gleichmäßig verteilt wurden. Wie Wunderli nun ausführte, kam, ausgelöst durch Druck von Oben, eine zunehmende Aufteilung des Landes in Gange, was zu einer Konzentration des Landes in die Hände weniger reicher Betriebe führte. Diese Abwendung von gemeinsamem hin zu individuellem Besitz führte, so Wunderli, auch zu markanten Änderungen im sozialen Leben und änderte das Verständnis von Land und Wirtschaft.

Ein kontemporärer Aspekt des Themas Ressourcen kam schließlich auch in einem Panorama zu digitaler Geschichte zur Sprache. In dieser Diskussion zur digitalen Präsenz in der Öffentlichkeit, ergab sich schnell, wie entscheidend Aufmerksamkeit als Ressource ist, was sich in der Anzahl Personen ausdrückt, die ein Video anschauen oder einen Artikel online lesen. Wie FLORIAN WITTIG (Berlin) und ALWYN COLLINSON (London) mit ihren Projekten auf Youtube und Twitter aufzeigten, wandelt sich solche Aufmerksamkeit schnell durch vermehrte Präsenz, Förderung und vor allem Werbeeinnahmen in Geld um. Die Fähigkeit, anhand von Videos, Tweets und Artikeln genügend Aufmerksamkeit zu generieren scheint somit im digitalen Zeitalter zu einem entscheidenden Faktor zu werden. Wie qualitätsfördernd die Hinwendung zu dieser Ressource jedoch ist, bleibt zweifelhaft.

Wie sich in den Veranstaltungen gezeigt hat, ist der Begriff Ressourcen keineswegs einfach zu fassen und beinhaltet eine Vielzahl von Bedeutungen, Akteuren und Diskursen. So sah man Beispiele, in denen die eigene Arbeit eine gewisse emanzipatorische Komponente bot, dann aber auch wieder die klassische Vorstellung einer Ressource als symbolisches und reales Kapital im Dienste eines Staates oder einer Gesellschaft, und dann auch wieder abstrakte Ressourcen. Diese Ressourcen stehen aber auch nie eigenständig und abgetrennt da, sondern dienen stets in ihrer Anhäufung einem weiteren Zweck. Stets verortet in einem komplexen Machsystem bedeutet die Anhäufung einer Ressource mal monetären Gewinn, mal symbolischen Machtgewinn, dient dann aber mitunter auch der Untermauerung eines Anspruches auf völlig andere Reichtümer. Wie in allen Panels abzulesen war, erhalten Ressourcen ihre Bedeutung aber erst durch ihre Interaktion mit Menschen. Sie sind es, die ihnen schlussendlich ihren Wert zuweisen und diesen aushandeln. Ressourcen und die mit ihnen verbundene Vorstellung von Reichtum sind somit stets auch Geschichten über menschliche Vorstellungen von Macht und menschliche Schicksale, die in dieses Kontinuum eingebunden sind.

Konferenzübersicht:

Pursuing Private Goals, Negotiating Constraints. Non-State Actors, Wealth and Colonialism(s) in African History

Kai Herzog (Basel): Prospects, Dispossession and Everyday Violence: African Farm, Mine and Domestic Workers within the Expanding Settler Colonial Sphere of the Lower Orange River Border Region, c. 1880–1903

William Blakemore Lyon (Berlin): Global Migrant Labor in Namibia during the Herero and Namaqua Genocide, 1904–1908

Brian Ngwenya (Basel): Kuyedza: African Police Wives Homecraft Club, Identity and Politics in Late Colonial Zimbabwe

Kapital, Krieg und Konsum. Natürliche Ressourcen und weltweite Ungleichheiten im Zeitalter der Territorialisierung
Leitung: Christof Dejung (Bern)

Nadin Hée (Berlin): Thunfisch im "territorialen Zeitalter". Die politische Ökonomie eines transimperialen Ozean-Regimes

Ines Prodöhl (Bergen): Schmierstoff der Moderne. Der Rohstoff Fett im Ersten Weltkrieg

Moritz von Brescius (Bern): Gummi im "synthetischen Zeitalter". Wissenschaft und die Modifikation der Natur in autoritären Regimes

Connection to the Grid. Distributive Justice and Energy Wealth
Leitung: Monika Giseler (Zürich)

Paul Josephson (Watterville): Electricity for the Masses: Energy Justice for Stalin and Roosevelt

Odin Melsted (Innsbruck): Distribution (In)justices: The Case of District Heating Utilities

Felix Frey (Bern): Disruptions. Energy Supply in Post-Annexation Crimea, 2014–2018

Agricultural transformations and notions of wealth: Human and natural resources in the age of Development
Leitung: Corinne A. Pernet (Genf)

Amalia Ribi Forclaz (Genf): From War to Wealth? The United Nations Relief and Rehabilitation Administration and its agricultural reconstruction missions in Southern Europe, 1943–47

Michelle Sollai (Genf): Tractors, Hybrid Seeds and Loaded Guns: Agrarian Transformation and "Entrenched Development" in Fascist-occupied Ethiopia (1938–1941)

Rahel Wunderli (Bern): Zwischen Kollektiv, Familie und Individuum – Reichtum im Kontext bäuerlicher Körperschaften im Kanton Uri (20. Jhd.)

How digital is the future of public history? (Panorama)
Leitung: Antoine Acker (Zürich)

Francoise Briegel (Genf); Alywn Collinson (London); Gesine Krüger (Zürich); Florian Wittig (Berlin)

Zitation
Schweizerische Geschichtstage 2019: Ressourcen, in: H-Soz-Kult, 03.08.2019, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-4823>.