Cover
Titel
Methoden der Archäologie. Wie Wissenschaftler Fundstücke entschlüsseln – Ein Blick hinter die Kulissen des Rheinischen Landesmuseums Trier


Herausgeber
Rheinisches Landesmuseum Trier
Anzahl Seiten
1 DVD-Video, 1 Begleith. (15 S.)
Preis
4,80 €
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Patrick Reinard, Alte Geschichte, Universität Trier

Die vorliegende DVD bietet eine sehr gelungene Einführung in unterschiedliche Methoden und Arbeitstechniken der archäologischen Wissenschaft bzw. in verschiedene Grundwissenschaften der Altertumswissenschaft: unter anderem werden Archäobotanik, Dendrochronologie, Anthropologie, Ikonographie / Stilkunde, Epigraphik, Archäozoologie, Siegelkunde, Geoprospektion, Geomagnetik, Geoelektrik, Numismatik, Paläographie und Stadtarchäologie behandelt. Dabei soll kein Fachpublikum, sondern ein breites interessiertes Laienpublikum angesprochen und in die verschiedenen Disziplinen eingeführt werden. Für den schulischen sowie für den universitären Unterricht, dies darf vorab bemerkt werden, eignet sich die DVD sehr gut.

Die Benutzung der DVD ist sehr einfach, der Zugriff auf die Inhalte schnell, leicht und übersichtlich gestaltet. Der Benutzer hat im Menü die Möglichkeit zwischen „Methoden“ und „Schlüsselobjekten“ zu wählen. Klickt man auf „Methoden“, gelangt man zu einer Auswahlfläche, auf welcher die verschiedenen Grundwissenschaften durch ein Symbol auswählbar sind. Zu jeder Grundwissenschaft ist ein kurzer Dokumentarfilm abrufbar. Vor dem Film ist jedoch eine Seite eingefügt, auf welcher eine kurze, aber prägnant formulierte Definition der jeweiligen Disziplin zu lesen ist. Die Kurzfilme sind mit leichter Variation immer gleich aufgebaut und fokussieren sich thematisch stets auf einen ausgewählten Fund bzw. ein Exponat. Mittels dieser werden jeweils exemplarisch die verschiedenen Arbeitstechniken vorgestellt: z.B. ein trajanischer Aureus für die Numismatik, eine päpstliche Bulle für die Siegelkunde, ein Kopf des Kaisers Vespasian für die Porträtforschung oder die Brunnenhölzer des sogenannten Trierer Römersprudels für die Dendrochronologie. Die Fundobjekte sind gut ausgewählt und sehr zweckdienlich für die Veranschaulichung der allgemeinen Arbeitsschritte in den einzelnen Disziplinen. Der thematische Schwerpunkt ist fast gänzlich auf die Antike ausgerichtet.

Die Kurzfilme bestehen aus zwei verschiedenen Bestandteilen zwischen denen fließend gewechselt wird: 1. Kommentar durch einen Fachmann aus der jeweiligen Disziplin sowie 2. Kommentar durch einen „Erzähler“, während Funde und Arbeitstechniken im Bild vorgeführt werden. Insgesamt ist die Informationsdichte in den Filmen gut ausbalanciert, der Nutzer wird nicht mit Wissen und Details überfordert, sondern die Ausführungen sind jeweils sehr gut dosiert, werden kohärent und besonders für einen breiten Interessentenkreis verständlich präsentiert. Das verwendete Bild- und Grafikmaterial ist von hervorragender Qualität und hinsichtlich der Quantität der präsentierten Bilder auf ein gesundes Maß beschränkt. Der Benutzer wird nicht mit einer Bilderflut konfrontiert, sondern hat genug Zeit, um alle Details zu erfassen. Anhand des jeweiligen exemplarischen Fundobjekts wird stets versucht, von dem Einzelfund ausgehend die allgemeinen Aussagemöglichkeiten der verschiedenen Disziplinen vorzuführen. Nachdem man etwa kurz in die grundlegenden Arbeitstechniken der Archäozoologie eingeführt und über Thema und Inhalte der Disziplin orientiert wurde, wird darauf verwiesen, welche Aussage- und Analysepotenziale diese Disziplin anhand statistischer Auswertung in größeren Zusammenhängen bzw. für weiterführende historische Fragestellungen haben kann: hier werden z.B. die unterschiedlichen Schlachtalter von Rindern, Schafen / Ziegen und Schweinen durch grafische Darstellungen abgeglichen und die ersichtlichen Unterschiede bzw. die möglichen historischen Erkenntnisse im Kommentar erläutert.

Am Ende jedes Kurzfilms werden zwei bis drei kurze Sätze eingeblendet, die die wichtigsten Inhalte prägnant zusammenfassen. Der Nutzer gelangt im Anschluss automatisch wieder in das Auswahlmenü. Gelegentlich wechselt in den Filmen die Szenerie, sodass der Nutzer verschiedene Arbeitsstätten archäologischer Wissenschaft (Bibliothek, Ausgrabungsstätte, Labor, Museum, Archiv etc.), aber auch ganz unterschiedliche Arbeitsschritte (Fundreinigung, Restauration, Zeichnen, Lektüre etc.) kennenlernt. Die gewählte Szenerie ist mit dem Inhalt des Kommentars immer bewusst abgestimmt.

Nahverwandte Disziplinen wie etwa Geoprospektion, Geomagnetik und Geoelektrik können zwar im Auswahlmenü separat ausgewählt werden, jedoch werden sie immer gemeinsam in einem Kurzfilm präsentiert. Aufgrund der inhaltlichen Nähe ist dies nachvollziehbar. Vielleicht hätte man diese Disziplinen aber im Auswahlmenü auch gemeinsam durch ein Symbol darstellen oder die Symbole zumindest nebeneinander platzieren sollen, um hier Verwechselungen vorzubeugen.

Die zweite Wahlmöglichkeit im Hauptmenü ist mit „Schlüsselobjekte“ überschrieben. Über diesen Link kommt man zu einem Auswahlmenü aus Abbildungen der exemplarischen Fundobjekte, die für jede Grundwissenschaft / Disziplin ausgewählt wurden. Klickt man auf eine Abbildung gelangt man zu einer Seite, auf welcher in einem kurzen Text die wichtigsten Informationen zu dem jeweiligen Objekt präsentiert werden. Anschließend folgt der gleiche Film, der auch über den Link „Methoden“ zu erreichen ist. Der Nutzer nähert sich über „Schüsselobjekte“ also über das Bild, nicht über den anklickbaren Fachterminus an, unter welchem sich ein Laie vielleicht nicht in jedem Fall etwas vorstellen kann.

Schade ist, dass manche Grundwissenschaften, bspw. die Papyrologie, keine Berücksichtigung fanden. Dies liegt sicherlich daran, dass nur Disziplinen in der DVD vorgestellt werden, die auch am Rheinischen Landesmuseum Trier betrieben werden.

Abschließend muss man festhalten, dass die DVD eine sehr nützliche und gut konzipierte Einführung darstellt, die die Vielfalt wissenschaftlichen Arbeitens in der Archäologie sympathisch und allgemein verständlich, zugleich aber informativ und lehrreich präsentiert.