Cover
Titel
Das Alte Rom. Virtuelle Tour durch die berühmtesten Bauwerke - im Originalmodell von damals bis heute


Herausgeber
N., N.
Erschienen
Anzahl Seiten
1 DVD-ROM
Preis
€ 69,90
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Dr Detlef Fechner, Seminar für Alte Geschichte, Universität Hamburg/ Gymnasium Ernestinum, Celle

Bei der dem Rezensenten vorliegenden DVD-ROM-Version [1] handelt sich um die deutsche Version einer ursprünglich von Altair4 Multimedia als „Ancient Rome Tour“ für den italienischen Markt mit Unterstützung des MEDIA-Programms der Europäischen Union hergestellten Produktion. Über eine Online-Schaltfläche können neue Beiträge aus dem Internet heruntergeladen werden. Die wissenschaftliche Beratung lag bei der Ecole francaise de Rome, der Sopraintendenza archeologica di Roma und dem Museo della civilta Romana. In seiner Anlage läßt es sich mit schon etwas älteren CD-ROMs vergleichen [2], ist aber ungleich besser strukturiert und navigierbar, und es verfügt über eine wesentlich größere Informationsfülle.

Nach einem simulierten Flug über das antike Rom der Kaiserzeit öffnet sich das Hauptmenue mit einem Bild des kaiserzeitlichen Rom. Insgesamt sind die Phasen Gründungszeit, Königszeit, Republik, Augusteische Zeit, Kaiserreich, Spätantike verfügbar. Über die Lemmata Stadtentwicklung, Geschichte, Kunst und Rekonstruktion sind ausdruckbare Basisartikel zu den jeweiligen Zeitabschnitten und Themen abrufbar, wobei in den Text Links zu zusätzlichen Informationen z.B. über die genannten Personen (Kaiser, Feldherren) und/oder Orte (z.B. Jerusalem, Dakien, Milvische Brücke) eingebaut sind. Über die am linken Rand befindliche Liste "Monumente" können einzelne konkrete Gebäude direkt aufgerufen und zunächst im Stadtbild sichtbar gemacht werden, über "Gebäudearten" an der rechten oberen Seite z.B. Amphitheater, Basiliken, Brücken, Aquaedukte zunächst in ihrer Lage im Stadtbild geklärt, dann aber ebenfalls auch direkt aufgerufen werden. Wird ein Gebäude aufgerufen, erscheinen die Schaltflächen "Lage", "Stadtviertel", "Monument", "Tafeln" und "Rekonstruktion". "Lage" verdeutlicht die geographische Position im Stadtbild und bietet eine kleine Abbildung, "Stadtviertel" integriert das jeweilige Gebäudeensemble in seine Umgebung und beschreibt kurz das betreffende Viertel, "Monument" gibt eine Beschreibung im historischen Zusammenhang, "Tafeln" zeigt entweder Rekonstruktionsvorschläge oder Abbildungen z.B. aus Zeichnungen des 19. Jahrhunderts, „Rekonstruktion“ beschreibt kurz den Grabungsbefund.

Von den ebenfalls ausdruckbaren Texten aus sind wiederum vertiefende Informationen zu einzelnen Namen und Begriffen erschließbar (Beispiel: vom Text "Tempel des Jupiter Capitolinus" in der Schaltfläche "Rekonstruktion" zu "Vitruvius", "tuskischer Stil", "Kapitelle", "Stirnziegel"). Die gebotenen Informationen sind für Einsteiger wohl ausreichend, eine Diskussion etwa von Forschungsergebnissen findet jedoch in der Regel nicht statt, antike Quellen werden teilweise angegeben, Werke der modernen Forschung oder weiterführende Literaturhinweise jedoch nicht. Fachsprache und deutscher Sprachgebrauch sind in den meisten Fällen korrekt oder doch akzeptabel, aber nicht hundertprozentig sicher, was z.T. auf fehlender Sachkenntnis bei der Übersetzung beruhen mag (Beispiel aus dem Text "Tempel des Jupiter Capitolinus": "Elemente..., die in einen anderen zeitgenössischen Zusammenhang" gehören: "Kapitelle und Säulensockel, StirnziegelN"; dazu die ergänzende Information "Stirnziegel": "StirnziegelN sind ein Schmuckelement... ". Abgesehen von der wiederholten grammatikalischen Fehlerhaftigkeit wird der erforderliche Fachbegriff „Akroter“ nirgends verwendet. Es wäre sinnvoll gewesen, auch für die deutsche Version eine wissenschaftliche Beratung beizuziehen.

Allerdings zeigt gerade die Schaltfläche "Rekonstruktion" auch die eigentliche Stärke des Mediums: Über den VR-Button (VR = „Virtual-Reality-Panorama“) läßt sich eine Außen- wie Innenbesichtigung der ausgewählten Gebäude durchführen. Hierbei sind einerseits sowohl selbständige Erkundungen zu Fuß wie auch teilweise VR-Flugsimulationen möglich, andererseits auch gleichsam "geführte" Besichtigungstouren, in die als Hörtext dargebotene Zitate aus antiken Berichten (z.B. Livius, Cassius Dio, Ovids Fasten zum Tempel des Jupiter Capitolinus, Plinius nat.hist., Vitruv) über das betreffende Monument - allerdings ohne genaue Stellenangabe - recht gut integriert sind und die das Dargestellte für den interessierten Laien wesentlich besser verständlich machen. Diese VR-Rekonstruktionen bieten eine plausible und auch fachlich angemessene Visualisierung des Objekts und eignen sich daher durchaus auch für Unterrichtszwecke. Sie sind anregend und ermuntern den Interessierten wohl zu weiterer Beschäftigung mit dem Thema. Schade nur, daß hierzu keine Hinweise gegeben werden.

Unter dem Eröffnungsbild und der Epochenleiste befindet sich eine weitere Schaltfläche, über die zentrale Themen- und Gebäudekomplexe und ihre VR-Rekonstruktionen direkt angesteuert werden können: Hütten auf dem Palatin, Domus Aurea, Portiken und Exedren des Augustusforums, Kolosseum, Domus Flavia, Tempel des Jupiter Capitolinus, Basilika Sankt Peter, Caracallathermen, Hadriansmausoleum (man erwartet hier als gängige Bezeichnung eigentlich Engelsburg), Basilica Aemilia und Pompeius-Theater. Es ergibt sich ein etwas gespaltenes Bild: Recht anschaulich werden etwa beim Thema „Hütten auf dem Palatin“ mit Hilfe von Zitaten klassischer Stellen aus Properz, Tibull, Ovids Fasten und Livius Elemente der Sagen des frühen Rom mit Bildern einer möglichen Rekonstruktion kombiniert, anhand von Vitruv die Bauphasen einer Hütte und die Entwicklung früher Siedlungen dargestellt. Etwas dürftig ist der „Rundgang“ durch die Domus Aurea ausgefallen, da nur ein Raum erkundbar ist, wenn auch Stellen aus Tacitus und Sueton die Anlage plastisch schildern. Gut gelungen und aspektreich erscheint die VR-Rekonstruktion des Augustusforums: einerseits kann das Forum an sich rundum betrachtet werden, andererseits die Cella des Mars-Ultor-Tempels und die Portiken und Exedren auf dem Augustusforum. Insofern ist der Titel allerdings ungünstig gewählt und spiegelt nur einen Teil des Abrufbaren. Auch die mit Texten versehenen Darstellungen des heutigen Zustands lassen die gewesene Gegenwart plastisch vor Augen erscheinen. Weniger passend ist beim Thema Caracalla-Thermen die diesbezügliche Zuordnung von Seneca- und Martialzitaten über das Badeleben, da die avisierte Zielgruppe diese vermutlich direkt auf die Caracallathermen bezieht und ihr die historische Diskrepanz nicht auffallen dürfte. Hier wären einleitende Bemerkungen, die Text und Bild in ihre Zusammenhänge einordnen, angebracht gewesen.

Diese Auswahl einiger auf der DVD-ROM behandelter Gebäude und Themen muß ausreichen. Insgesamt läßt sich folgendes Fazit ziehen: Wenn auch manches noch verbessert werden kann (etwa Ergänzung um weiterführende Hinweise, Zuordnung Text - Bild, Umfang des zur Verfügung gestellten Materials), so erhält der interessierte Nichtfachmann doch eine Fülle von brauchbaren Informationen, vielfach wird er sicher in „Staunen“ versetzt, und dies ist doch der Anfang des Strebens nach Wissen [3]. Produzenten und Mitarbeiter haben ein Werk geschaffen, das einem breiteren Kreis den ersten Zugang zum antiken Rom sicherlich einfacher macht, wenn auch der beträchtliche Preis dem etwas im Wege steht.

Anmerkungen:
[1] Die DVD-ROM ist für die Betriebssysteme Win98, WinMe, Win2000 und NT geeignet und erfordert mind. eine Taktfrequenz von 300 MHz sowie 50 MB Festplattenspeicher. Auf DVD-Laufwerken, die älter als ca. anderthalb Jahre sind, ist sie u.U. nicht lesbar. Es existiert ebenfalls eine Version auf 3 CD-ROMs von Systhema. Seit Anfang November 2002 wird sie in Zusammenarbeit mit National Geographic vertrieben als Kombiversion von einer DVD-ROM und 3 CD-ROMs. Der Inhalt aller Versionen ist nach Auskunft des Verlags identisch.
[2] Z.B. mit der "Pompei Virtual Tour" (de Agostini, Novara 1995) oder mit "Roma Duemila Anni Fa" (Sacis, Roma 1998). Vergleichbar wäre hinsichtlich der multimedialen Möglichkeiten, insbes. der 3D-Rekonstruktionen auch das zwar thematisch wesentlich enger gefaßte, dafür aber fünfsprachige (Griechisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch) "The Athenian Acropolis", Athen (Exodus S.A. & Compupress S.A.) 1998.
[3] Vgl. Aristoteles Metaphysik I, 2, 982b10ff.

Redaktion
Veröffentlicht am
15.11.2002
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