H. Dannenberg: Die dt. Münzen d. sächs. u. fränk. Kaiserzeit

Cover
Titel
Die deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiserzeit.


Autor(en)
Dannenberg, Hermann
Erschienen
Berlin 2001: Winfried Bogon
Anzahl Seiten
Preis
€ 30,-
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Sebastian Steinbach, Humboldt-Universität zu Berlin

Seit dem Erscheinen des 1. Bandes im Jahre 1876 ist Hermann Dannenbergs "Die deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiserzeit" ein Standardwerk der deutschen Mittelalternumismatik geblieben. Mit diesem Buch, dem 1894, 1898 und 1905 noch 3 Ergänzungsbände folgen sollten, wurde die Grundlage für alles gelegt, was sich bis heute mit den Münzen des 9. bis 12. Jahrhunderts im ostfränkischen Reich beschäftigt und "Dbg." ist sicherlich das am häufigsten vorkommende Zitat in der Literatur zur Numismatik des frühen Mittelalters.

Hermann Dannenberg (1824-1905) war weder ein studierter Historiker noch Archäologe, sondern von Beruf Jurist. Sein Hauptinteresse galt jedoch zeit seines Lebens der Münzgeschichte und dabei insbesondere der des Mittelalters. So gehörte er als 19-jähriger Student und damit Jüngster zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Numismatischen Gesellschaft 1843. Eine umfangreiche private Sammlung, welche 1870 und 1892 in den Besitz des Münzkabinetts der damals Königlichen, heute Staatlichen Museen zu Berlin überging (zusammen 8077 Einzelexemplare), sowie Untersuchungen von diversen Schatzfunden auf dem Boden des Deutschen Reiches bildeten den Grundstock für sein literarisches Lebenswerk. Neben fachkundigen Kommentaren zu den einzelnen Objekten, die zum Teil bis auf den heutigen Tag nichts von ihrer Richtigkeit verloren haben, und den detailreichen Beschreibungen derselben, sind es vor allem die von Dannenberg selbst angefertigten Zeichnungen der Münztypen, die den Wert dieses Klassikers der mediävistischen Numismatik ausmachen. Er verstand es wie kaum ein Zweiter das Wesentliche eines Münzbildes zu erfassen und im höchsten Maße authentisch wiederzugeben. Damit sind seine Zeichnungen oftmals hilfreicher als Fotos, bei denen der Auswertbarkeit teilweise enge qualitative Grenzen gesetzt sind.

Nun hat Winfried Bogons Verlag für digitale Publikationen dieses für jeden Numismatiker unverzichtbare Werk als digitalen Reprint für den PC neu aufgelegt. Das einzige zu überwindende "Hindernis" bei der Betrachtung ist die Installation des Acrobat Readers auf dem jeweiligen Computer. Das Original in Form einer Leihgabe aus dem Münzkabinett Berlin wurde für die EDV-Verwendbarkeit hochauflösend eingescannt und in 12 Dateien gegliedert auf CD-ROM gebracht: 4 Dateien mit den Vorworten der einzelnen Bände, 4 Dateien mit den jeweiligen Textpassagen, sowie Dateien mit den Tafeln, bzw. Karten der Bücher. Letztere sind jeweils hochauflösend für eine optimale Betrachtung am PC-Bildschirm und in geringerer Auflösung für kürzere Ladezeiten und schnelle, aber hervorragende Druckergebnisse vorhanden.

Die Vorteile dieser digitalisierten Neuauflage liegen auf der Hand: Das Faksimile des Buches ist mit einer Textdatenbank hinterlegt, welche es ermöglicht, bestimmte Textpassagen zu suchen, zu kopieren und in andere Textverarbeitungsprogramme (z.B. Microsoft Word) zu exportieren. Die vielen Sonderzeichen besonders bei den Münzlegenden und die altertümliche Schreibweise beispielsweise der Münzstätten (Maestricht für Maastricht, etc.) erschweren jedoch die Suche des öfteren. Auch erweist sich das Lesen des Originals am Bildschirm auf die Dauer als anstrengend und ermüdend. Weiterhin gestaltet sich die Suche nach bestimmten Begriffen oftmals langwierig. Da das Gesamtwerk an die 1000 Seiten umfasst, lässt sich erahnen, wie oft z.B. ein Suchbegriff wie "Regensburg" angezeigt wird, bevor man zu den Typen der gleichnamigen Münzstätte, geschweige denn zum gewünschten Einzelobjekt gelangt. Eine Vorkenntnis des gedruckten Originals erleichtert die Suche erheblich oder ist gar unersetzlich.

Wirklich gelungen ist die Verarbeitung des Tafelteils, welcher es ermöglicht, die bereits erwähnten hervorragenden Zeichnungen Dannenbergs nicht nur vergrößert anzusehen, sondern auch verschiedene Abbildungen in unterschiedlichen Fenstern zu öffnen und vergleichend zu betrachten oder sie gar auszuschneiden und zu exportieren, um für private Zwecke eigene Arbeiten zu illustrieren.

Letztlich ist die digitale Neuauflage von Dannenbergs Meilenstein der Münzgeschichte in erster Linie sicherlich eine preiswerte Alternative für studentische Numismatiker oder zur Schonung des antiquarischen Originals und Verwendung bei der Internetrecherche bestens geeignet. Allerdings werden wissenschaftlich arbeitende Numismatiker auch weiterhin zur gedruckten Ausgabe greifen, welche im übrigen ebenfalls bei Winfried Bogon als Faksimile für etwa 250,- Euro zu erwerben ist. Für die Zukunft wäre eventuell eine in normalisierter neuer Rechtsschreibung gehaltene, fehlergelesene und durch Anmerkungen zum neuesten Forschungsstand ergänzte Ausgabe wünschenswert. Sollte dies aufgrund der zu leistenden Arbeit nicht gelingen, so bleibt uns immer noch die Betrachtung und Verarbeitung der Münzbilder aus Dannenbergs Feder.

Redaktion
Veröffentlicht am
12.12.2002
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