Cover
Titel
The Yosemite Book. New York, 1868


Autor(en)
Whitney, Josiah Dwight
Erschienen
Oakland 2003: Octavo
Anzahl Seiten
1 CD-ROM
Preis
$25.00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Markus Sehlmeyer, Heinrich Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften - Alte Geschichte -, Universität Rostock

Bislang in Europa kaum bekannt sind die Reproduktionen wertvoller Drucke aus dem Hause Octavo. Beginnend mit dieser Rezension sollen einige neuere CD-ROMs dieses Verlages vorgestellt werden. [1] Bevor es um die Besonderheiten der Publikationsreihe gehen soll, zunächst einige Bemerkungen zu Josiah Whitney und der Geschichte des Yosemite-Nationalparks.

Erst im Jahr 1851 wurde das Yosemite-Valley bei militärischen Maßnahmen gegen Indianer „entdeckt“. Die beeindruckenden Felsmassive in der Sierra Nevada wurden schnell Ziel von Touristen wie auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ihre Entstehung wurde von den Geologen John Muir (1838-1914) und Josiah D. Whitney (1819-1896) unterschiedlich beurteilt. Doch es soll hier nicht um geologische Fragen gehen. Beide Gelehrte waren sich nämlich darin einig, dass das Territorium besonders schützenswert sei. Aus späterer Sicht mag Whitney mehr für den Erhalt des Territoriums getan haben, obwohl Muirs Thesen zur Geologie des Yosemite-Valley sich durchsetzten. Das liegt daran, dass Whitney als staatlicher Geologe angestellt und mit der Anfertigung eines California State Survey betraut wurde. Nach ersten Forschungen in den Jahren 1861-63 plante Whitney in der Folgezeit eine umfassende Publikation über das seit 1864 im öffentlichen Besitz befindliche Gebiet. Dieses reich mit Schaubildern und Fotografien ausgestattete Buch, „The Yosemite Book“ (1868) liegt auf der CD-ROM vor, wobei einige nützliche Erläuterungen und Materialien beigegeben sind. Zunächst einige generelle Bemerkungen.

Der Octavo-Verlag sieht seine Aufgabe darin, wertvolle alte Drucke von der Zeit der Inkunabeln bis ins 19. Jahrhundert zu konservieren. Zu diesem Zwecke werden die Bücher aus Beständen US-amerikanischer Bibliotheken in hoher Auflösung digitalisiert. Für den Zweck der Publikation werden die Bilder „heruntergerechnet“, d.h. so verkleinert, dass sie auf eine CD-ROM passen. Bei manchen Büchern ist auch eine Ausgabe mit den hochauflösenden Aufnahmen separat erhältlich. [2] Das digitale Faksimile ist der zentrale Bestandteil der Octavo-CD-ROMs, die jeweils eine umfangreiche pdf-Datei enthalten. Der Besitz des (kostenfreien und weit verbreiteten) Acrobat Reader wird dabei vorausgesetzt. Weil ein pdf mehrere hundert Megabyte groß sein kann, empfiehlt sich die Kopie der Datei auf die Festplatte. Hinzu kommen editorische und inhaltliche Vorbemerkungen. In manchen Fällen ist auch eine Transkription enthalten, die die Lektüre erleichtert und manchmal sogar mit paralleler Übersetzung versehen ist. Das Abbildungsmaterial des zugrunde liegenden Buches ist in vielen Fällen besonders aufbereitet, z.B. in Form von sensitiven Karten oder vergrößerten Details. Dieses Konzept soll im Folgenden am Beispiel der Yosemite-CD-ROM erläutert werden. Nach der Titelseite erscheint das Inhaltsverzeichnis, das sich wie folgt gliedert:
- Commentary (Jim Snyder)
- Binding and Collation; Provenance
- Book Images (The Yosemite Book)
- Transcription
- Interactive Maps; Supplementary Photographs and Maps
- The Bancroft Library
- Octavo: About This Edition; Visual Guide to Octavo Editions

Der Kommentar von Jim Snyder umfasst 14 Bildschirmseiten im Querformat, die zweispaltig gefüllt sind. Zunächst fällt die angenehme, wohl illustrierte Gestaltung der Bildschirmseiten auf. Der Inhalt enttäuscht nicht: Snyder bietet reichhaltige Informationen über die Beteiligten des California Geological Survey und über die historischen Begleitumstände. Der Fotograf Carleton Watkins und der Landvermesser Charles Frederick Hoffmann werden gesondert behandelt. Die Illustrationen sind von so hoher Qualität, dass sie auf 200-300 Prozent vergrößert werden können. Hierbei handelt es sich keinesfalls um Material aus dem Buch, sondern additive Porträts der Beteiligten oder die Karte Hoffmanns, die man heute im Yosemite Museum bewundern kann. Geologische oder naturhistorische Besonderheiten des späteren Nationalparks können freilich nur gestreift werden. Spätere Editionen werden kurz vorgestellt, eine Bibliografie rundet die Einführung ab. Es folgen Bemerkungen der Herausgeber zur Einbandgestaltung und zum Vorbesitzer François-Louis-Alfred Pioche (1818–72).

Das Digitalisat des wertvollen Buches - nur 250 Exemplare wurden hergestellt - wird in Farbe dargeboten. Da es sich um ein großformatiges Buch handelt, ist das Lesen am Bildschirm nur seitenweise möglich, z.B. auf einem 17 Zoll Monitor bei 1024x768 Auflösung in einer Vergrößerung von 125-150 Prozent. Die Lektüre des Textteils von 116 Seiten am Bildschirm dürfte auf die Dauer ermüden. Zu diesem Zweck ist eine seitenidentische Transkription beigegeben, in der man auch suchen kann. Beim Ausdruck sind diese Seiten im A4-Hochformat druckbar, was sehr lesefreundlich ist.

Die Bebilderung liegt zum Teil mehrfach vor. Das Digitalisat umfasst die 28 Originaltafeln mit Fotos, die überwiegend von dem perfektionistischen Carleton Watkins stammen. In der Einleitung von Snyder erfährt man, dass er für seine Kameraausrüstung und Platten 6 Mitarbeiter und 20 Maultiere benötigte. Da die Fotos im Buch querformatig gedruckt sind, hat man hinter der Transkription die Fotos ein weiteres Mal hochformatig wiedergegeben, so dass die Betrachtung leichter fällt. Die Karten wurden in interaktive Grafiken überführt: Besonders markante Punkte sind nummeriert; klickt man diese Nummern an, so öffnen sich Fotos, die die betreffenden Örtlichkeiten zeigen - eine elegante technische Lösung. Die heutigen technischen Möglichkeiten erlaubten es auch, ein Panorama aus mehreren Fotografien zu montieren. 6 zusätzliche, farbige Karten runden das Angebot ab. Sie stammen aus dem Nationalpark bzw. dem Touristenführer von 1872. Informationen zu der von Hubert Howe Bancroft (1832–1918) gestifteten Bibliothek geben wichtige wissenschaftshistorische Hinweise zur Erforschung des „Wilden Westens“. Abschließend werden die editorischen Prinzipien der Reproduktionen von Octavo erläutert, was sehr vorbildlich ist, da Zielsetzung und Reproduktionstechnik erklärt werden. Die Funktionen des Acrobat Readers werden am Beispiel einer CD-ROM vorgeführt.

Die Produktphilosophie der Octavo-Reproduktionen kann am Ende nur gelobt werden. Der Verlag hat mitgedacht, was man bei der praktischen Arbeit merkt. So ist ein „state of art“ für die digitale Reproduktion von Büchern geschaffen worden. Das hier als Beispiel genommene Buch von Whitney verdient darüber hinaus die größere Aufmerksamkeit, die ihm dieses doch recht preiswerte digitale Medium verschaffen wird.

Anmerkungen :
[1] In den letzten Jahren sind u.a. Reproduktionen von Werken von Galilei, Dürer oder Kepler erschienen. Zu den jüngsten Veröffentlichungen zählt die prachtvolle Aldine mit Colonnas Hypnerotomachia Poliphili, die demnächst in H-Soz-u-Kult rezensiert werden wird.
[2] Der Hersteller gibt dazu folgende Auskunft: „The Research Facsimile is to provide the highest digitalization quality of the book's images for extensive research purposes. Each image is a separate digital image file in JPEG format; this significantly increases the cost of production. In the case of the Yosemite Book, the Research Facsimile is US$350 comparable to the Digital Edition cost of US$25. Also, Research Facsimiles to do not include the features of the Digital Editions such as a commentary, searchable transcriptions, provenance, etc.“

Redaktion
Veröffentlicht am
20.11.2004
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