Wie deutsch ist Jiddisch (Tikvah Institut gUG)

"Wie deutsch ist Jiddisch?" (Tikvah Institut gUG)

Veranstalter
Tikvah Institut gUG
Veranstaltungsort
Konrad-Adenauer-Stiftung, Tiergartenstr. 35, Großer Saal
Gefördert durch
Bundesministerium des Inneres, für Bau und Heimat; Konrad-Adenauer-Stiftung; Hertie-Stiftung; Amadeu Antonio Stiftung; Staatsministerium Baden-Württemberg Beauftragter gegen Antisemitismus
PLZ
10785
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
24.10.2021 - 25.10.2021
Deadline
18.10.2021
Von
Ulf Plessentin, Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES), Ruhr-Universität Bochum

Welche Beziehung hat das Jiddische zum Deutschen? Ist die deutsche Rechtsprechung, die das Jiddische aus dem deutschen Sprach- und Kulturkreis ausschließt, haltbar? Wie beurteilt die Sprachwissenschaft das Verhältnis von jüdischer Minderheiten- zur Umgebungssprache? Welche Gemeinsamkeiten gibt es mit dem Hebräischen und anderen Sprachen? Diese und weitere Fragen sollen in der zweitägigen Fachtagung von internationalen Wissenschaftler:innen erörtert werden.

"Wie deutsch ist Jiddisch?" (Tikvah Institut gUG)

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war “Loschen Aschkenas” (= Sprache Deutschlands) oder “Teitsch” (= Deutsch) als Bezeichnung für die herkömmliche Muttersprache‚ das ‘Mameloschn’, der aschkenasischen Jüdinnen und Juden üblich. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung ‘Yiddish’ durch.

Der Bundesgerichtshof hat die Frage, ob die jiddische Sprache als deutsche Sprache anzusehen sei, stets dahingehend beantwortet, dass Jiddisch nicht Deutsch sei und als Sprache der Ostjuden den Zugang nur zur jüdischen Kultur, nicht aber zur deutschen Kultur eröffnete. Ähnliches urteilten die deutschen Sozialgerichte.

Diese Rechtsauffassung hatte und hat weitreichende Folgen: Manche Opfer des Nationalsozialismus wurden von Leistungen des Bundesentschädigungsgesetz und jüdische Zuwanderer:innen aus der Sowjetunion vom Fremdrentengesetz ausgeschlossen. Den Gerichten war, wenn man die entsprechenden Urteilsbegründungen liest, offensichtlich nicht bewusst, dass das Jiddische neben z. B. Ladino, Tad etc. nur eine unter mehreren profanen jüdischen Alltagssprachen war.

Aber welche Beziehung haben das Deutsche und das Jiddische? Wie beurteilt die Sprachwissenschaft das Verhältnis von jüdischer Minderheiten- und Umgebungssprache in den verschiedenen Sprachräumen? Welche Sprachstruktur und welches Vokabular haben Jiddisch und Deutsch gemeinsam? Welche Gemeinsamkeiten gibt es mit Hebräisch und anderen Sprachen? Was folgt aus den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden für die Definition des sprachwissenschaftlichen Verhältnisses?

Ziel dieser öffentlichen Fachtagung ist es, die vielfältigen Verbindungen zwischen dem Jiddischen und dem Deutschen zu erörtern. Dabei wird auch einen Blick auf das Jiddische als Gegenstand von Sprachpolitik in Deutschland, in der Sowjetunion oder Israel geworfen.

Es gilt, die gängigen Zuschreibungen und Fremdschreibungen in kritisch zu hinterfragen: Lässt sich Jiddisch tatsächlich aus dem deutschen Sprach- und Kulturkreis ausschließen, wie das die deutsche Rechtspraxis bisher getan hat? Müssen Begriffe wie 'Kultur', 'Sprache', 'Dialekt', 'Identität' nicht multidirektionaler und historisch dynamischer betrachtet und diskutieret werden?

Die Fachtagung ist öffentlich. Aufgrund der Pandemie kann es zu eingeschränkten Bedingungen für Besucher:innen kommen (Anzahlbeschränkung im Veranstaltungsraum, 3-G-Regeln u. ä.).

Interessierte melden sich bitte unter https://wie-deutsch-ist-jiddisch.de/anmeldung/ an.

Fachtagung im Rahmen des Festjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" #2021jlid

Kooperationspartner der Veranstaltung:
Käte Hamburger Kolleg "Dynamiken der Religionsgeschichte" (CERES/Ruhr-Universität Bochum); Amadeu Antonio Stiftung; Centrum Judaicum Berlin

Programm

U. a. mit:
Delphine Bechtel (Paris), Volker Beck (Berlin/Bochum), Alexander Beider (Paris), Michael Blume (Stuttgart), Csaba Földes (Erfurt), Elvira Grözinger & Karl E. Grözinger & (Potsdam), Felix Klein (Berlin), Steffen Krogh (Aarhus) Andreas Nachama (Berlin), Albrecht Plewnia (Mannheim), Rachel Rojanski (Providence, RI), Lea Schäfer (Düsseldorf), Andreas Schmitges (Halle a. d. Saale), Bernard Spolsky (Ramat Gan), Daria Vakhrushova (Düsseldorf), und Yiddish Summer Weimar

Das aktuelle Programm wird hier https://wie-deutsch-ist-jiddisch.de/programm/ veröffentlicht.

Kontakt

Tikvah Institut gUG
Postfach 613132
10942 Berlin

info@tikvahinstitut.de

https://wie-deutsch-ist-jiddisch.de/