Nationalsozialismus und internationale Öffentlichkeit

Nationalsozialismus und internationale Öffentlichkeit

Veranstalter
Benno Nietzel (Univ. Bielefeld); Norman Domeier (Univ. Stuttgart)
Veranstaltungsort
Universität Bielefeld
PLZ
33615
Ort
Bielefeld
Land
Deutschland
Vom - Bis
28.09.2022 - 29.09.2022
Deadline
31.10.2021
Von
Benno Nietzel, Bielefeld; Norman Domeier, Stuttgart/Prag

Die geplante Konferenz zum Thema "Nationalsozialismus und internationale Öffentlichkeit" soll die Geschichte des Nationalsozialismus in transnationaler und globalgeschichtlicher Perspektive beleuchten und mit neueren Ansätzen der Kommunikations- und Mediengeschichte verbinden.

Nationalsozialismus und internationale Öffentlichkeit

In den vergangenen Jahren ist die historische Forschung zunehmend dazu übergegangen, die Geschichte des Nationalsozialismus in transnationalen und globalgeschichtlichen Bezügen neu zu verorten. Dabei wird erkennbar, wie intensiv NS-Deutschland in internationale Wahrnehmungs-, Deutungs- und Transferprozesse eingespannt war, die es gleichzeitig aktiv mit zu prägen suchte. Transnationale Medienberichterstattung, Öffentlichkeitsarbeit, Kulturdiplomatie und Propaganda waren zentrale Faktoren dieser Entwicklungen. In der geplanten Konferenz sollen diese Forschungstendenzen aufgegriffen und mit Ansätzen einer lange stark nationalzentriert, in jüngster Zeit aber zunehmend transnational geöffneten Kommunikations- und Mediengeschichte verknüpft werden. In bisherigen globalgeschichtlichen Sichtweisen auf das Zeitalter von Faschismus und Zweitem Weltkrieg erschien der Nationalsozialismus, etwa im Gegensatz zum italienischen Faschismus, wesentlich weniger global orientiert und von einem geringen internationalen Sendungsbewusstsein getrieben. Der Blick auf die Auslandsmedienpolitik zeigt aber, dass transnationales massenmediales Engagement ein wesentlicher Teil der politischen Praxis des Nationalsozialismus war. Diese richtete sich etwa auf internationale Nachrichtenagenturen und ihre Netzwerke, deutsche Medienarbeit im Ausland lief aber auch über geheime Kanäle ab. Diese begann nicht erst 1933 und schloss in vielerlei Hinsicht an die Erfahrung des Ersten Weltkriegs an, in dem die deutsche Niederlage vermeintlich zu großen Teilen der weitgehend negativen Stimmung gegenüber dem Kaiserreich in der internationalen Öffentlichkeit geschuldet war.

Ausgangsüberlegung der geplanten Konferenz ist es demnach, dass das NS-Regime alles andere als ein geschlossener Propagandastaat wurden, sondern höchst aktiv versuchte, sowohl die internationale öffentliche Meinung zu beeinflussen als auch (Des-)Information und Propaganda gegen andere Bevölkerungen einzusetzen. Die Wahrnehmung des Nationalsozialismus im Ausland war aber natürlich nicht einfach ein Produkt deutscher Propaganda- und Öffentlichkeitsarbeit, sondern hing von spezifischen Rezeptionskontexten ab und konnte dynamischen Prozessen der Brechung und Projektion unterliegen. Auch formierten sich in vielen Ländern der Welt antifaschistische und andere Akteure und Bewegungen, die ein kritisches Bild der NS-Diktatur in der Öffentlichkeit zeichneten und deren Wahrnehmung im Ausland ebenfalls prägten. Gleichzeitig war die deutsche Medienöffentlichkeit in erheblichem Maße durch die internationale Berichterstattung beeinflusst, nicht nur weil die Deutschen im Verlauf des Krieges auf Sendungen ausländischer Rundfunksender auswichen und internationale Zeitungen nach wie vor kursierten, sondern auch weil das Regime selbst sich in ständigem Dialog mit ausländischen Medien befand und das Publikum an dieser Auseinandersetzung teilhaben ließ. Die Beiträge der Konferenz sollen solche Kommunikationsprozesse über nationale und kulturelle Grenzen hinweg in den Blick nehmen und dabei immer auch die Brüche, Übertragungsschwierigkeiten, Missverständnisse und Fehlwahrnehmungen herausarbeiten, die mit solchen Prozessen einhergehen. Die Konferenz möchte Antworten auf die Frage liefern, welches Bild die Welt von NS-Deutschland besaß, wie dieses sich nach Außen präsentierte und wie es von anderen wahrgenommen wurde. Darüber hinaus soll danach gefragt werden, in welches international verflochtene Öffentlichkeitsumfeld sich die deutsche Bevölkerung seit 1933 gestellt sah und wie das NS-Regime, offen wie verdeckt, bis 1945 auf dem globalen Medienmarkt agierte. Die Konferenz zielt damit auch darauf, der aktuellen Diskussion um zwischen- und innerstaatliche Informationskriege und organisierte transnationale Medienkampagnen eine historische Tiefendimension zu verleihen.

Beiträge aus folgenden Themenbereichen sind besonders willkommen:

- mediale Berichterstattung und Diskussionen über NS-Deutschland in nationalen und transnationalen Öffentlichkeiten
- transnationale Dimensionen des innerdeutschen Medien- und Propagandasystems
- Akteure und Netzwerke transnationaler Medienarbeit: Journalisten, Auslandskorrespondenten, Medienmacher, Nachrichtenhändler, Propagandisten, Diplomaten
- Praktiken, Wirkungen und Rezeptionen deutscher Auslandspropaganda und Kulturdiplomatie seit 1933
- öffentliche Repräsentationen des NS-Regimes im Ausland; Gegen-Repräsentationen und ihre Akteure, Protest, Kritik
- Kulturaustausch und Medienkooperation zwischen den Achsenmächten
- ökonomische Verflechtungen international agierender Medienkonzerne und faschistischer Regime
- (mediale) Materialität transnationaler Wahrnehmungsprozesse: Texte, Bilder, Fotos, Klang, Sinneswelten etc.
- internationale Berichterstattung über NS-Verfolgungsmaßnahmen und Verbrechen im In- und Ausland, die deutsche Kriegführung sowie die NS-Völkermordpolitik und ihre öffentliche Resonanz
- diachrone Vergleiche und Einordnungen: psychologische Kriegsführung, Propaganda, Kulturdiplomatie im 20. Jahrhundert

Konferenzsprachen sind deutsch und englisch. Interessent:innen werden gebeten, einen Themenvorschlag von 400–500 Wörter und einen kurzen CV an: benno.nietzel@uni-bielefeld.de zu senden. Deadline ist der 31.10.2021.

Eine Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten wird angestrebt.

Kontakt

E-Mail: benno.nietzel@uni-bielefeld.de
E-Mail: norman.domeier@hi.uni-stuttgart.de