Film als Quelle und Historiofotie. An den Schnittstellen der audiovisuellen Erinnerungskultur

Film als Quelle und Historiofotie. An den Schnittstellen der audiovisuellen Erinnerungskultur

Veranstalter
Filmuniversität Babelsberg/Universität Bremen
PLZ
28359
Ort
Bremen
Land
Deutschland
Vom - Bis
16.09.2021 -
Deadline
31.10.2021
Von
Rasmus Greiner, Filmwissenschaft, Universität Bremen

Ausgehend von Hayden Whites (1988) Begriff der "historiophoty" sollen die Beiträge des Sammelbandes im Rahmen von Fallstudien zu einer Schärfung des Verständnisses von Filmen als Quelle oder audiovisuelle Historiographie sowie deren Stellung und Funktion innerhalb der audiovisuellen Erinnerungskultur beitragen.

Film als Quelle und Historiofotie. An den Schnittstellen der audiovisuellen Erinnerungskultur

Als audiovisuelle oder im engeren Sinne filmische Erinnerungskultur kann man das Geflecht der Beziehungen verstehen, die bewegte Bilder im Spannungsfeld von Geschichte und Erinnerung sowie deren medialen Umgebungen unterhalten. Filme bilden einerseits individuelle Erinnerungen nach und vermengen sich andererseits mit diesen, sodass sie in unsere Identitätsbildung eingreifen. Einzelne Filme können sich an sich selbst und an andere Filme erinnern, indem sie Material reproduzieren und neu kontextualisieren. Die Gesamtheit aller Filme wiederum ist heute ein fundamentaler und extrem lebendiger kultureller Gedächtnisspeicher der Menschheit. So gibt es eine Filmgeschichte, die beispielsweise als technische und ästhetische oder als ökonomische und politische erzählt werden kann, es gibt aber auch ein großes Korpus an Filmen, die entweder als historische Quelle von Interesse sind oder die als eine Form von Historiographie verstanden werden müssen. – Hayden White (1988) hat den relevanten Unterschied dieser audiovisuellen Historiographie zu geschichtswissenschaftlichen Publikationen mit seinem Begriff "historiophoty" markiert (freilich ohne ihn weiter zu definieren).

Innerhalb dieses Korpus' an Filmen sollen sich die Beiträge zu unserem Band bewegen und im Rahmen von Fallstudien zu einer Schärfung des Verständnisses von Filmen als Quelle oder Historiofotie sowie deren Stellung und Funktion innerhalb der audiovisuellen Erinnerungskultur beitragen. Als historische Quellen generieren Filme beispielsweise Vorstellungen über die Denk- und Verhaltensweisen sowohl der Film- als auch der Produktionszeit (die manchmal miteinander identisch sind). Als massenkulturelle Texte kultivieren sie wiederum, was Alison Landsberg eine »affektive Auseinandersetzung« mit der Vergangenheit nennt: Sie binden uns an ein Ereignis oder eine Person und fördern ein Gefühl der Intimität (Landsberg 2015). André Wendler gibt jedoch zu bedenken, dass Filme nicht einfach ›die Geschichte‹ aufrufen, sondern diese mit Hilfe bereits existenter Geschichtsbilder erzählen (Wendler 2014). Sie müssen »Schnittstellen schaffen, mit denen das komplexe Dispositiv ›Geschichtsfilm‹ an das nicht weniger komplexe Medienbündel ›Geschichte‹ andocken kann« (ibd., 19). Nach solchen Schnittstellen möchten wir in unserer Publikation fragen und dabei den engen Begriff der ›Geschichte‹ durch die audiovisuelle Erinnerungskultur (und damit das Spannungsfeld Geschichte, Erinnerung und Medien) ersetzen.

Inhaltlich liegt der Fokus des Sammelbandes sowohl auf der deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts als auch auf deutschen und europäischen Produktionen – womit ganz explizit sowohl fiktionale als auch dokumentarische und essayistische Formate gemeint sind. Diese Schwerpunktsetzung zielt nicht zuletzt auf die Beantwortung der übergreifenden Frage, inwiefern ein deutsches/europäisches Gegengewicht zum Hollywood Historical Film (Burgoyne 2008) skizziert werden kann. Hiermit verbundene Fragestellungen können unter anderem umfassen:

- Wie sinnvoll ist im deutschen/europäischen Zusammenhang die Verwendung eines Genrebegriffs (das Genre des historischen Films)
- Was zeichnet die deutschen/europäischen Ansätze aus? Kann man bestimmte Muster erkennen, gibt es originelle Errungenschaften?
- Welche Rolle spielen Familiengeschichte und -geschichten?

Wir begrüßen ausdrücklich Beiträge, die Perspektiven aus der Film- und Medienwissenschaft, der Zeitgeschichte und der Memory Studies in Bezug zueinander setzen.

Vorschläge für Artikel können bis zum 31.10.2021 an die Emailadresse film-history[at]uni-bremen.de gesendet werden und sollen einen Umfang von 500 Worten nicht überschreiten.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an die Herausgeber

Chris Wahl & Rasmus Greiner

Redaktion
Veröffentlicht am
17.09.2021
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