Die Fotografie und ihre Institutionen: Netzwerke, Sammlungen, Archive, Museen

Die Fotografie und ihre Institutionen: Netzwerke, Sammlungen, Archive, Museen

Veranstalter
von Dr. Anja Schürmann (KWI Essen), Dr. Kathrin Yacavone (Universität zu Köln)
Veranstaltungsort
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)
PLZ
45128
Ort
Essen
Land
Deutschland
Vom - Bis
23.06.2022 - 24.06.2022
Deadline
11.01.2022
Von
Miriam Wienhold, Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Die Fotografie und ihre Institutionen: Netzwerke, Sammlungen, Archive, Museen

Tagung im Rahmen des Forschungsprojektes „Formen und Formate der fotografischen Institutionalisierung“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), Donnerstag und Freitag, 23. und 24. Juni 2022, organisiert von Dr. Anja Schürmann (KWI Essen) und Dr. Kathrin Yacavone (Universität zu Köln).

Photography and its Institutions: Networks, Collections, Archives, Museums

A conference based upon the research project “Forms and Formats of Photography’s Institutionalisation” at the Institute for Advanced Study in the Humanities Essen (KWI), Thursday and Friday, 23 and 24 of June 2022, organised by Anja Schürmann (KWI Essen) and Kathrin Yacavone (University of Cologne).

Die Fotografie und ihre Institutionen: Netzwerke, Sammlungen, Archive, Museen

Die Institutionalisierung bezeichnet einen Prozess, in dessen Verlauf Handlungen sowie die Handelnden selbst in ihrem Verhalten typisiert, normiert und damit auf längere Zeit festgeschrieben werden. Gleichzeitig werden die (nicht-menschlichen) Objekte in ihrer Erscheinung, Rezeption und Deutung durch diesen Prozess mitgeprägt. Im aktuellen Debattenkontext zur Gründung und Funktion eines bundesdeutschen Fotoinstituts widmet sich die Tagung den historischen, politischen, soziologischen, ästhetischen und fotohistorischen Diskursen zur Institutionalisierung der Fotografie als Medium, kulturelle und soziale Praxis, sowie als Kunstform, Dokument und Technik. Aus verschiedenen kulturkritischen Perspektiven und unter Berücksichtigung diverser Methodenansätze und Praxisbezüge sollen die Formen und Formate, die Logiken und Traditionen der Klassifizierung, Sammlung, Ausstellung, Konservierung, Archivierung und des Verkaufs fotografischer Bilder beleuchtet werden. Ausgangspunkt sind dabei nicht in erster Linie einzelne Bilder, monografische Werkgruppen, Genres (Porträt, Landschaft, etc.) und Gattungen (Kunstfotografie, Werbe- und Wissenschaftsfotografie), sondern es soll umgekehrt gefragt werden, wie die diversen Praktiken im Umgang mit Fotografie diese Kategorien (mit)geprägt haben und inwiefern sie historischen und kulturellen Wandlungen und Wertverschiebungen unterliegen, die an Institutionalisierungsfragen gebunden sind (ohne doch gänzlich in ihnen aufzugehen). Den zeitlichen und geografischen Rahmen soll Deutschland ab 1945 bilden, wobei komparatistische Perspektiven, die internationale Vergleiche ziehen, willkommen sind.

Um diese Problematiken in der zweitägigen Tagung zu erörtern, freuen wir uns auf Beitragsvorschläge aus den Bereichen der Fotogeschichte und -theorie, den Kultur- und Medienwissenschaften, der Kunstgeschichte und den Sozialwissenschaften, sowie aus der Praxis des Kuratierens, Sammelns und Archivierens der Fotografie. Fallstudien zu Sammlungslogiken einzelner Institutionen sind ebenso willkommen wie Vorschläge zu (kultur)historischen Übersichten. Sie können sich an den folgenden Fragen und Themen orientieren, müssen jedoch nicht auf diese beschränkt sein:

– Welche Initiativen auf individueller (Gernsheim, Krauss, Honnef, Eskildsen u.a.), kollaborativer (DGPh, Deutscher Fotorat), privater (z.B. photokina, Deutsche Börse Photography Foundation) und nationaler Ebene haben versucht, die Fotografie (als Kunstform) zu institutionalisieren? Und wie und warum waren sie erfolgreich oder scheiterten?
– Inwieweit wirkte sich die Legitimation der Fotografie als bildende Kunst (in den 1970er Jahren) auf die Bewertung anderer Arten von Fotografie (z.B. dokumentarische fotojournalistische, Amateur- und Werbe-Fotografie) in solchen Initiativen aus?
– Wie verhalten sich öffentliche, private, kommerzielle oder philanthropische Galerien, oder auch Privatsammlungen zu etablierten Museen in ihrem Umgang mit der Fotografie? Werden Sammlungsprinzipien übernommen, wenn beispielsweise eine Privatsammlung in ein öffentliches Museum oder Archiv wandert? Was passiert mit Nachlässen im Kunsthandel (z.B. Ronkholz/VAN HAM)?
– Welche Rolle spielt die Digitalisierung in jüngeren Initiativen und welchen Einfluss hat sie auf institutionelle Fragen von bestehenden Sammlungen und Archiven der Fotografie?
– Inwiefern wirkt sich die Materialität der Fotografie (analog/digital, in Fotoalben oder Fotobüchern) auf ihre Institutionalisierung aus? Oder auch: inwiefern erneuern, verschieben, aktualisieren digitale Bilder analoge Sammlungslogiken?
– Wie lassen sich die Spannungen zwischen (impliziten oder expliziten) institutionellen Sammlungskriterien für die Fotografie und den vielfältigen alltäglichen Gebrauchsweisen des Mediums Fotografie analysieren?
– Wie unterscheiden sich die Praktiken der Klassifizierung, Sammlung und Archivierung von Fotografie in der DDR und der BRD? Und wie wurden diese Unterschiede nach der Wiedervereinigung verhandelt?
– Welchen Einfluss haben Kunstakademien und fotografische Ausbildungsstätten auf die Institutionalisierung der Fotografie?
– Inwiefern stehen Netzwerke und bildjournalistische Fachgesellschaften und Agenturen, oder auch Festivals und ‚pop-up‘-Aktivitäten den publizistischen und sammelnden Institutionen der Fotografie ergänzend oder konträr gegenüber?
– Welche kulturpolitischen Weichenstellungen befördern oder verhindern ‚grass-roots‘-Initiativen zur Etablierung der Fotografie als eigenständiges Medium und welche Rolle spielt die Digitalisierung in diesem Zusammenhang?
– Aus internationaler und komparatistischer Perspektive, wie stellt sich die historische und gegenwärtige Situation in Deutschland im Vergleich zu anderen (europäischen) Ländern dar?
– Und schließlich: was ist das Verhältnis zwischen der fotografischen Historiografie/der Fototheorie und den Formen und Formaten der Institutionalisierung der Fotografie?

Beitragsideen für 20-minütige Vorträge können in Abstracts von ca. 400 Wörtern, ergänzt um kurze biografische Angaben (max. 100 Wörter) bis zum 10. Januar 2022 per Mail an fototagung2022@gmail.com eingesendet werden. Rückfragen können ebenfalls an diese Adresse gerichtet werden.

Rückmeldungen erfolgen gegen Ende Januar 2022.

Wir planen, die Tagung vor Ort am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen zu veranstalten. Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen. Arbeitssprachen während der Tagung sind Deutsch und Englisch. Im Anschluss an die Tagung ist eine Publikation geplant.

Photography and its Institutions: Networks, Collections, Archives, Museums

A conference based upon the research project “Forms and Formats of Photography’s Institutionalisation” at the Institute for Advanced Study in the Humanities Essen (KWI), Thursday and Friday, 23 and 24 of June 2022, organised by Anja Schürmann (KWI Essen) and Kathrin Yacavone (University of Cologne).

The term ‘institutionalisation’ refers to a process in and through which things, people, actions, and relationships are typified, standardised, and thereby fixed for a longer period; in the process the appearance, reception and interpretation of the physical objects which are part of institutions are shaped and defined. In the context of the current debate surrounding the foundation and possible functions of a Federal German Photography Institute, the conference is dedicated to the historical, political, sociological, aesthetic and photo-historical discourses on the institutionalisation of photography as a medium, a cultural and social practice, as well as an art form, document and technology. The forms and formats, as well as the traditions and practices, of the classification, collection, exhibition, conservation, archiving and sale of photographic images will be examined from various cultural-critical perspectives and taking into account diverse methodological approaches, both theoretical and practical. The starting point is not primarily individual images, monographic groups of works, modes (portrait, landscape, etc.) or genres (art photography, advertising and scientific photography), but rather the question of how various practices in dealing with photography as an art and medium have (co-)shaped these categories and to what extent they are subject to historical and cultural value shifts and changes that are tied to issues of institutionalisation (without being completely absorbed by them). The temporal and geographical focus of the conference will be Germany since 1945, while comparative perspectives, drawing international comparisons between different (European) countries, are equally welcome.

To discuss these and related issues during the two-day conference, we are inviting proposals for contributions from the perspectives of photographic history and theory, cultural and media studies, art history, history and sociology, as well as from specialists in the institutional curation, collection and archiving of photography. We are seeking contributions in the forms of case studies on specific collections and their history of institutionalisation as well as broader cultural-historical and systematic overviews of the topic. Contributions may address the following specific questions and themes, but are not limited to them:

– Which initiatives on an individual (Gernsheim, Krauss, Honnef, Eskildsen et al.), collaborative (DGPh, Deutscher Fotorat), private (e.g. photokina, Deutsche Börse Photography Foundation) and national level have attempted to institutionalise photography (e.g., as an art form)? And how and why did they succeed or fail?
– To what extent did the legitimisation of photography as fine art (in the 1970s) affect the evaluation of other types of photography (e.g. documentary, photojournalistic, amateur and advertising photography) in such initiatives?
– How do public, private, commercial or philanthropic galleries, or even private collections compare to established museums in their treatment of photography? Are collection criteria adopted when, for example, a private collection moves to a public museum or archive? What happens to photographic estates when they enter the art market (e.g. Ronkholz/VAN HAM)?
– What role does digitisation play in recent initiatives and what influence does it have on institutional issues involving existing collections and archives of photography?
– To what extent does the materiality of photography (analogue/digital, photo albums or photo books) affect its institutionalisation? Or: to what extent do digital images renew, shift or update the logics and principles of analogue collections?
– How can the tensions between (implicit or explicit) institutional criteria for collecting photography and the multifaceted ways in which the medium is used in our everyday lives be analysed?
– How did the practices of classifying, collecting and archiving photography differ in East and West Germany? And how were these differences negotiated after the reunification?
– What influence do art academies and institutions providing practical photographic training have on the institutionalisation of photography, more broadly?
– To what extent are networks and photojournalistic societies and agencies, or festivals and pop-up activities, complementary or contrary to the established institutions of photography?
– Which cultural-political frameworks and policies promote or prevent grass-roots initiatives to establish photography as a medium in its own right, and what role does digitisation play in this context?
– From an international and comparative perspective, how does the historical and current situation in Germany compare to other (European) countries with respect to these dynamics?
– And finally: what is the relationship between photographic historiography and/or the theory of photography, and the forms and formats of the institutionalisation of photography?

We invite proposals (in English or German) for 20-minute presentations. Abstracts of approximately 400 words, including a short biography (of max. 100 words) should be submitted by Monday 10 January 2022 by e-mail to fototagung2022@gmail.com. Any queries should also be directed to the conference organizers using this address.Notification of acceptance will be sent out by the end of January 2022.

We plan to hold the conference on site at the Institute for Advanced Study in the Humanities Essen. Travel and accommodation costs will be covered. The languages of the conference will be English and German. After the conference, a publication is planned.

Kontakt

Anja Schürmann & Kathrin Yacavone
fototagung2022@gmail.com

https://www.kulturwissenschaften.de/
Redaktion
Veröffentlicht am
24.11.2021
Klassifikation
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