Demokratie- und Diktaturforschung im 20. und 21. Jahrhundert: Individuum und Organisation in autoritären und demokratischen Gesellschaftsordnungen

Demokratie- und Diktaturforschung im 20. und 21. Jahrhundert: Individuum und Organisation in autoritären und demokratischen Gesellschaftsordnungen

Veranstalter
Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden e. V.
Veranstaltungsort
Dresden (planned as a hybrid event)
PLZ
01069
Ort
Dresden
Land
Deutschland
Vom - Bis
16.05.2022 - 17.05.2022
Deadline
10.02.2022
Von
Linda Fleck, TU Dresden

Demokratie- und Diktaturforschung im 20. und 21. Jahrhundert: Individuum und Organisation in autoritären und demokratischen Gesellschaftsordnungen

Im 2. Doktorandenforum des Hannah-Arendt-Instituts steht das Thema “Individuum und Organisation in autoritären und demokratischen Gesellschaftsordnungen” im Fokus.

Call for Papers "Democracy and Dictatorship Research in the 20th and 21st Century: Individual and Organisation in Authoritarian and Democratic Social Orders" - 2nd PhD Forum of the Hannah Arendt Institute for Research on Totalitarianism at the TU Dresden e. V.

The 2nd Doctoral Students' Forum of the Hannah Arendt Institute will focus on the topic "Individual and Organisation in Authoritarian and Democratic Social Orders".

Demokratie- und Diktaturforschung im 20. und 21. Jahrhundert: Individuum und Organisation in autoritären und demokratischen Gesellschaftsordnungen

Die Doktorandenforen des HAIT widmen sich dem Spannungsfeld der Demokratie- und Diktaturforschung im 20. und 21. Jahrhundert. Nachdem zuletzt die Methoden, Theorien und Perspektiven Gegenstand des Forums waren, wird dieses Mal der Herrschaftsalltag in den Blick genommen werden. Wir wollen uns diesem Aspekt über die Biographie- und Organisationsforschung zuwenden. Für unser Doktorandenforum laden wir dafür Nachwuchswissenschaftler:innen ein, die in diesen Bereichen forschen, ihre Projekte vorzustellen. Wir wollen dabei sowohl die Mikroebene betrachten, z.B. durch die Perspektive von Mitgliedern in Massenorganisationen, als auch die Makroebene, z.B. durch die Darstellung von Ministerien und Führungspositionen. Wir hoffen, dass wir auf diese Weise das Verhältnis von Individuum und Organisation gemeinsam ausleuchten können, und anhand von theoretischen Erörterungen und konkreten Fallbeispielen aus Historie und Gegenwart über dieses Spannungsfeld in einen Austausch treten können.

Wie prägten/prägen Individuen die Organisationen, in denen sie aktiv waren/sind, welche Spielräume hatten/haben sie? Und auf welche Weise formten/formen Organisationen die in ihnen aktiven Individuen? Lassen sich eigen-sinnige Handlungen der verschiedenen Akteure erkennen oder aber auch Resistenzen gegenüber Einflüssen und Herrschaftspraktiken?
Diese Fragen beschränken sich selbstverständlich nicht auf den Nationalsozialismus und die DDR, sondern sind an die gesamte Bandbreite der Gesellschaften des 20. und 21. Jahrhunderts anschlussfähig.

Im Geiste des letzten interdisziplinär angelegten Doktorandenforums des HAIT sollen auch diesmal Nachwuchswissenschaftler:=inen verschiedener geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen Punkte in den laufenden Dissertationsprojekten austauschen. Wie können die Wechselwirkungen zwischen Individuum und Organisation beschrieben werden? Bewähren sich die jeweils erprobten Beschreibungen und Fokussierungen aus der Politik- Sozial- und Alltagsgeschichte, so dass eine neue Entfachung des Streits über das Individuum unnötig erscheint? Oder ist es notwendig, die Frage nach der Wirkmächtigkeit des Individuums neu zu stellen? Lässt sich dadurch der Blick auf Gruppen und Gesellschaften erweitern? Ist es aufgrund neuer Quellen, Methoden, Theorien und technischen Möglichkeiten gar geboten, das Wirken des Individuums in Organisationen und das Verhältnis von Individuum und Organisation neu zu beschreiben und zu untersuchen? Falls dem so ist: aus welchen Gründen und mit welchen Ansätzen sollte dies geschehen? Folgende Aspekte sollen dabei für das Forum als Leitthemen dienen:

Kontinuitäten und Brüche
An historischen Wendepunkten lassen sich Wechselwirkungen zwischen Individuen und Organisationen beobachten - Was ist entscheidend bei der Diktaturdurchsetzung beziehungsweise Demokratisierung? Inwieweit hatten Individuen (im Rahmen ihrer persönlichen Handlungsspielräume) Einfluss auf die Neugestaltung von Organisationen in sich verändernden Gesellschaften aus? Oder konnten neue Organisationen ganz im Gegenteil auch die Individuen und ihre Anschauungen im Hinblick auf neu entstehende Gesellschaftsformen prägen? Dieser Aspekt lässt sich nicht nur auf das Feld staatlicher Organisationen beschränken, sondern ganz im Gegenteil auch auf Parteien, Wirtschaft, Freizeitbereiche sowie Kultur- und Sportorganisationen ausweiten.

Unterschiede und Gemeinsamkeit zwischen Stadt und Land, Großstadt und Provinz
Der Einfluss von Organisationen auf das Leben der Bevölkerung kann erheblich zwischen Stadt und Land variieren. In beiden Räumen gleichmäßig Bedeutung zu erlangen, stellt Organisationen vor große Herausforderungen. Erreichen staatliche oder parteiliche Organisationen auch ländliche Regionen oder haben lokale Organisationen, wie z. B. Vereine, einen größeren Einfluss in der Provinz? Oder bietet der anonyme urbane Raum dem Individuum eher Möglichkeiten sich dem Zugriff von Organisationen zu entziehen?

Verhältnis Führung und Untergebene
Was macht eine Organisation und ihre Abläufe effektiv und funktionierend? Hier lassen sich verschiedene Führungsstile der Leitungsebene betrachten als auch die Suborganisation der “Untergebenen”. Welche Rolle spielt der Geschlechteraspekt dabei? Dies lässt sich auf wirtschaftliche Organisationen, wie Unternehmen, Betriebe etc., und ihre Leitungsebenen sowie die Angestellten und deren mögliche Zugehörigkeit zu Gewerkschaften oder Verbundenheit mit den Betriebsräten übertragen. Aber natürlich kommen hier auch andere Organisationen wie Parteien, mit ihrer Führungsebene und der “Basis”, als auch große Sportvereine mit ihrer Vereins- bzw. Geschäftsführung und den Mitgliedern und Fangruppierungen in Betracht.

Internationale Perspektive
Die Fragen und Komplexe die bisher aufgeworfen wurden, sollen sich ausdrücklich nicht auf den deutschen Raum beschränken. Dabei bieten sich die verschiedenen staatssozialistischen Gesellschaften Osteuropas an, aber natürlich auch das faschistische Italien sowie das franquistische Spanien. Hier können die Organisationen und die in ihnen wirkenden Individuen sowohl im Übergang von der Demokratie in die Diktatur als auch umgekehrt betrachtet werden. Die Betrachtung außereuropäischer Gesellschaften sind ebenfalls erwünscht.

Wir laden alle Nachwuchsforscher:innen ein, die sich in ihren Arbeiten mit Biographie-und Institutionsgeschichte im weitesten Sinne beschäftigen, zusammenzukommen, und über die hier skizzierten Fragestellungen ins Gespräch zu kommen und in Austausch zu treten.

Das HAIT Doktorandenforum versteht sich als interdisziplinär ausgerichtete Tagung. Wir laden Doktorandinnen und Doktoranden aus den Geschichts- und Politikwissenschaften sowie ihren Nachbardisziplinen ein, zu dem Thema “Organisation und Individuum”, Aspekte aus ihren laufenden Dissertationsprojekten als Beiträge einzureichen.

2nd Doctoral Students' Forum of the Hannah Arendt Institute

The HAIT's doctoral forums are dedicated to the field of tension of democracy and dictatorship research in the 20th and 21st centuries. After the methods, theories and perspectives were the subject of the last forum, this time we will focus on the everyday life of rule. We want to address this aspect through biographical and organisational research. For our doctoral students' forum, we are inviting young academics who are researching in these areas to present their projects. We want to look at both the micro level, e.g. through the perspective of members in mass organisations, and the macro level, e.g. through the presentation of ministries and leadership positions. We hope that in this way we can jointly illuminate the relationship between the individual and the organisation, and enter into an exchange about this field of tension through theoretical discussions and concrete case studies from history and the present.

How did/do individuals shape/shape the organisations in which they were/are active, what leeway did/do they have? And in what way did/do organisations shape/form the individuals active in them? Can self-serving actions of the various actors be discerned or also resistances to influences and practices of domination?
Of course, these questions are not limited to National Socialism and the GDR, but can be applied to the entire spectrum of societies in the 20th and 21st centuries.

In the spirit of the HAIT's last interdisciplinary doctoral students' forum, young researchers:=ines from various disciplines in the humanities and social sciences will once again exchange points in their ongoing dissertation projects. How can the interactions between individuals and organisations be described? Do the tried and tested descriptions and focal points from political, social and everyday history prove their worth, so that a new ignition of the argument about the individual seems unnecessary? Or is it necessary to pose the question of the effectiveness of the individual anew? Can this broaden the view of groups and societies? Do new sources, methods, theories and technical possibilities make it necessary to re-describe and re-examine the impact of the individual in organisations and the relationship between the individual and the organisation? If so, for what reasons and with what approaches should this be done? The following aspects should serve as guiding themes for the forum:

Continuities and breaks
At historical turning points, interactions between individuals and organisations can be observed - What is decisive in the implementation of dictatorships or democratisation? To what extent did individuals (within the scope of their personal room for manoeuvre) influence the reshaping of organisations in changing societies? Or, on the contrary, could new organisations also shape individuals and their views with regard to newly emerging forms of society? This aspect cannot be limited to the field of state organisations, but on the contrary can also be extended to political parties, the economy, the leisure sector as well as cultural and sports organisations.

Differences and similarities between town and country, big city and province
The influence of organisations on the life of the population can vary considerably between urban and rural areas. Achieving equal importance in both spaces poses major challenges for organisations. Do governmental or party organisations also reach rural areas, or do local organisations, such as associations, have a greater influence in the province? Or does the anonymous urban space offer individuals more opportunities to escape the grip of organisations?

Relationship between leadership and subordinates
What makes an organisation and its processes effective and functioning? Here we can look at different leadership styles of the management level as well as the sub-organisation of the "subordinates". What role does gender play in this? This can be applied to economic organisations, such as companies, businesses, etc., and their management levels as well as the employees and their possible affiliation to trade unions or attachment to works councils. But of course, other organisations such as political parties, with their management level and the "grassroots", as well as large sports clubs with their club or management and the members and fan groups also come into consideration here.

International perspective
The questions and complexities that have been raised so far are explicitly not to be limited to the German area. The various state-socialist societies of Eastern Europe, but of course also fascist Italy and Francoist Spain, are obvious examples. Here, the organisations and the individuals working in them can be considered both in the transition from democracy to dictatorship and vice versa. Consideration of non-European societies is also encouraged.

We invite all young researchers whose work deals with biographical and institutional history in the broadest sense to come together and discuss and exchange ideas on the issues outlined here.

The HAIT Doctoral Forum is an interdisciplinary conference. We invite doctoral students from the fields of history and political science as well as their neighbouring disciplines to submit contributions on the topic of "Organisation and the Individual" from their current dissertation projects.

Kontakt

Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme am HAIT-Doktorandenforum haben, bitten wir Sie uns einen Beitragsvorschlag (maximal 500 Wörter) und einen kurzen CV (maximal 75 Wörter) bis zum 10. Februar 2022 an die folgende Kontaktadresse zu senden:: anselm.meyer@mailbox.tu-dresden.de

Nach dem Ablauf der Deadline werden alle Einreichungen gesichtet und es erfolgt eine Rückmeldung am 28. Februar 2022.
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If you are interested in participating in the HAIT Doctoral Forum, please send us a proposal (maximum 500 words) and a short CV (maximum 75 words) by 10 February 2022 to the following contact address: anselm.meyer@mailbox.tu-dresden.de.

After the deadline, all submissions will be reviewed and feedback will be provided on 28 February 2022.

Redaktion
Veröffentlicht am
14.01.2022
Beiträger