Mittwoch, 06. Juli 2022
Einführung und Keynotes:
Die Wissenschaftsforschungslandschaft in internationaler und nationaler Perspektive
Sarah de Rijcke, CWTS Leiden University
Julian Hamann, HU Berlin
Session 1: Innovationsforschung
Chair: Dietmar Harhoff, MPI für Innovation und Wettbewerb, München
Wissen entsteht nicht ausschließlich in Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichten – in Laboren der Industrie und in den Thinktanks der NGOs wird (u. a.) ebenfalls geforscht und Wissen geschaffen. Für diese Sektion sind konzeptionelle Beiträge gefragt, die die Rolle von Wissen im Kontext der Innovationsforschung und verwandter Felder (science of science, economics of science, innovation studies) thematisieren, den Stand der Forschung reflektieren und hinterfragen und neue Ansätze und Kooperationspotenziale aufzeigen. Inhaltlich werden Fragen zu den Akteuren und Prozessen der Wissensgenerierung und -nutzung sowie zur institutionellen und gesellschaftliche Organisation dieser Aktivitäten im Vordergrund stehen.
Session 2: Meta Research
Chair: Ulrich Dirnagl, Charité Berlin, und Anne Scheel, CWTS Leiden University
Meta Research (Meta Forschung) ist eine junge Wissenschaftsdisziplin, welche auf eine evidenzbasierte Verbesserung wissenschaftlicher Praxis abzielt. Meta Research untersucht, wie Wissenschaft durchgeführt und qualitätskontrolliert wird, wie deren Ergebnisse veröffentlicht und verifiziert werden, und nach welchen Maßstäben Projekte und Akteure in der Wissenschaft gefördert werden. Meta Research gewinnt international zunehmend an Bedeutung, da es wachsende Zweifel an der Effizienz von Forschung in einer Reihe von Disziplinen, insbesondere in der Biomedizin, der Psychologie, aber auch in der Ökonomie und den Sozialwissenschaften gibt. Eine aktuelle Herausforderung stellt derzeit eine Erweiterung der Anwendung von Meta Research auf die klassischen Naturwissenschaften sowie insbesondere die Geisteswissenschaften dar. Methodologisch ist Meta Research hochgradig interdisziplinär aufgestellt, und nutzt qualitative wie quantitative Ansätze, automatisierte und KI basierte Techniken. In Zukunft immer wichtiger werden interventionelle Studien sein, deren Untersuchungsgegenstand insbesondere Maßnahmen zur Verbesserung von Forschungsqualität sind.
Roundtable-Diskussion
Moderation: Julika Griem, KWI Essen
Donnerstag, 07. Juli 2022
Kurzinterviews zu Perspektiven aus der Praxis
Session 3: Science and Technology Studies
Chair: Ruth Müller, TU München, und Jörg Niewöhner, HU Berlin
Die Science & Technology Studies sind ein sozialwissenschaftliches Forschungsfeld, das untersucht, wie sich soziale, politische und kulturelle Normen und Strukturen auf wissenschaftliche Forschung und technologische Innovation auswirken und wie Forschung und Innovation ihrerseits wiederum Gesellschaft, Politik und Kultur beeinflussen. Die STS richten damit ihr Augenmerk auf die multiplen Austauschprozesse zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, und verstehen wissenschaftliche Wissensproduktion als einen intrinsischen Teil von Gesellschaft. Die großteils qualitativ-empirische Ausrichtung des Feldes erlaubt es, Sinnzusammenhänge nachzuvollziehen, wie etwas warum Forschende in den gegenwärtigen gesellschaftlichen und wissenschaftspolitischen Kontexten bestimmte Forschungsentscheidungen treffen, und wie sich wiederum das Wissen und die Technologien, die dabei entstehen, auf die Gesellschaft auswirken. Studien in der STS sind häufig darauf ausgerichtet, Wissen zu erzeugen, um Forschung und ihr Verhältnis zu Gesellschaft nachhaltig, verantwortlich und gerechtigkeitsorientiert zu gestalten.
Session 4: Szientometrie
Chairs: Sybille Hinze, CORe, Berlin University Alliance, und Isabella Peters, ZBW Kiel
Szientometrie erfreut sich ohne Zweifel großer Beliebtheit. Sie wird evaluativ verwendet, um Bewertungen auf unterschiedlichsten Ebenen vorzunehmen. Sie wird explorativ verwendet, um strategische und kreative Prozesse zu informieren oder allgemein Grundlagen für Selbst- und Fremdverständnisse zu Dynamiken und Strukturen der Wissenschaft herzustellen. Sie ist aus gutem Grund beliebt, steht jedoch auch in der Kritik. Insbesondere dann, wenn sie in Verdacht gerät, komplexe Sachverhalte zu selbstverständlich auf vereinfachte Metriken zu reduzieren. Dieser Kritik begegnet sie mit Einfriedungs- und Expansionstendenzen aber auch mit Neuerungen, die verwendeten Datenquellen als auch die methodischen Ansätze betreffend. Wie valide sind die Daten, wie zielgenau die Methoden? Welche Potenziale bieten sie und wie lassen sich neue Nutzungskontexte erschließen? Mit welchen Rückwirkungen auf das Wissenschaftssystem und die Forschungspraxen, intendierten und nicht-intendierten, ist zu rechnen? Wie können wir mit diesen umgehen? Gefragt sind Ideen, die in die Formulierung einer Forschungsagenda einfließen können.
Fazit und Ausblick