Rückkehr aus dem Exil – Katholische Tendenzen und Trends in der Kultur der Weimarer Republik

Rückkehr aus dem Exil – Katholische Tendenzen und Trends in der Kultur der Weimarer Republik

Veranstalter
Prof. Dr. Florian Bock (Bochum) und Dr. Moritz Strohschneider (Tübingen)
Veranstaltungsort
Petersen-Bibliothek, Goethe- und Schiller-Archiv Weimar
Gefördert durch
Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung
PLZ
99425
Ort
Weimar
Land
Deutschland
Vom - Bis
31.08.2022 - 02.09.2022
Von
Florian Bock, Katholisch-Theologische Fakultät, Ruhr-Universität Bochum

Die Kultur der Weimarer Republik interessierte sich in besonderem Maße für solche religiösen Ideen, von denen man sich Hilfe bei der Lösung der zahlreichen sozialen, kulturellen, politischen oder wirtschaftlichen Probleme der Gegenwart versprach. Dabei rückte gerade die römisch-katholische Kirche nach dem Ersten Weltkrieg neu in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, wie nicht zuletzt zahlreiche Konversionen zeigen.

Rückkehr aus dem Exil – Katholische Tendenzen und Trends in der Kultur der Weimarer Republik

Das große Faszinationspotential der katholischen Konfession beruhte – so die These – auf dem Umstand, dass in „der“ katholischen Tradition – im Gegensatz zum Protestantismus – sowohl die Modernisten als auch die Fortschrittsgegner Anknüpfungspunkte für ihre jeweiligen Weltanschauungen finden konnten: Der Kampf gegen Pluralismus und Individualismus oder für Europa und den Pazifismus, die Sehnsucht nach einer ständischen Gesellschaftsorganisation oder die Bereitschaft zur politischen Partizipation in der Republik ließen sich gleichermaßen im Rückgriff auf katholische Argumente begründen. Diese „Entdeckung“ des Katholischen schlug sich in ganz unterschiedlichen Wissensbereichen nieder und prägte vielfältige gesellschaftliche Semantiken und Praktiken in Literatur, Kunst, universitärer Wissenschaft, Politik und Sozialleben. Die Tagung wird diese Faszination im interdisziplinären Gespräch untersuchen und so einen bisher unterschätzen Bereich der Kulturgeschichte der Weimarer Republik erhellen. Ihr Untersuchungszeitraum beginnt mit dem Jahr 1918, da das Ende der preußisch-protestantischen Monarchie den Katholikinnen und Katholiken das Gefühl vermittelte, einen politisch-kulturellen Neuanfang versuchen zu können. Er endet mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933, die eine explizit anti-christliche Politik verfolgten und so das gesellschaftliche Koordinatensystem dramatisch verschoben.

Programm

Mittwoch, 31. August 2022

ab 14.15 Uhr Begrüßungskaffee

15.00 Uhr Moritz Strohschneider / Florian Bock: Eröffnung der Tagung: Einführung in das Thema

15.30 Uhr Magnus Lerch (Köln): Rückkehr aus dem Exil – Wiederkehr der Tradition? Zur Strittigkeit von Kontinuität und Bruch im Katholizismus der Weimarer Republik

16.15 Uhr Thorsten Voß (Wuppertal): Zwischen Ressentiment, Agitation und Kulturkampf. Die Rhetoriken katholischer Essayistik in der Weimarer Republik: Hugo Ball, Theodor Haecker, Carl Schmitt und Martin Spahn

17.00 Uhr Kaffeepause

17.15 Uhr Friedrich Vollhardt (München): 1924/25: Eine Momentaufnahme zum Kulturprogramm der Zeitschrift „Hochland“ in der Mitte der 1920er-Jahre

18.15 Uhr Abendvortrag: Almut-Barbara Renger (Berlin): Buddhismusrezeption zur Zeit der Weimarer Republik (1918–1933) und ihre Wegbereitung in Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien, Europa und Nordamerika

20.00 Uhr Gemeinsames Abendessen

Donnerstag, 01. September 2022

09.00 Uhr Lea Lerch (Tübingen): „Konservative Revolution“ und Katholizismus bei Paul Ludwig Landsberg (1901–1944)

09.45 Uhr Gabriel Rolfes (Chemnitz): „… diesen Frontwechsel in jenen größeren Zusammenhang einzubauen, den das Schlagwort ‚Rückkehr aus dem Exil‘ meint.“ – Walter Dirks’ journalistisches Programm einer katholisch-sozialistischen Verständigung als Phänomen katholischer Erneuerung zwischen Kulturkampf und Republik

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Stefan Gerber (Jena): „Bürger, aber nicht Bürgen“. Willy Hellpachs politische Konfessionssoziologie in der Weimarer Republik

11.45 Uhr Daniel Weidner (Halle): Hermann Broch und die katholische Romantik. Essayistik, Diskursmischung, Hybridisierung

12.30 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr Tim Lörke (Berlin): Konkurrierende Herrschaftsformen. Die Frage demokratischer Legitimität in Hugo von Hofmannsthals Der Turm

14.45 Uhr Gabriela Wacker (Tübingen): Diplomat des Christentums. Zur Paul Claudel-Rezeption in Deutschland

16.00 Uhr Nachmittag zur freien Verfügung für Gespräche, Austausch oder den gemeinsamen Besuch eines Museums

20.00 Uhr Gemeinsames Abendessen

Freitag, 02. September 2022

09.00 Uhr Sabine Gruber (Tübingen): Romantik-Rezeption als (Wieder-)Entdeckung des Katholischen? – Das von Franz Dessauer und Paul Pattloch geplante Brentano-Museum in Aschaffenburg

09.45 Uhr Thomas Pittrof (Eichstätt): „Nun der Verlag. Einen katholischen Verlag bekommen wir dafür nicht. Einen Diederichschen will ich nicht.“ Positionierungsprobleme katholischer (Religions)Intellektueller im Kulturkatholizismus der 1920er- und 1930er-Jahre

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Thomas Ruster (Dortmund): „Rechts stehen und links denken“. Kapitalismus- und Kirchenkritik bei Alfons Maria Knoll

11.45 Uhr Moritz Strohschneider / Florian Bock: Abschluss, Resümee

13.00 Uhr Gemeinsamen Essen

Redaktion
Veröffentlicht am
01.08.2022
Autor(en)
Beiträger
Klassifikation
Epoche(n)
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
Sprache der Ankündigung