Land-Wirtschaft. Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf agrarische Arbeit

Land-Wirtschaft. Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf agrarische Arbeit

Veranstalter
Dr. Mareike Schildmann (Universität Bremen); Dr. Sandra Fluhrer (FAU Erlangen-Nürnberg); Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Dortmund
Veranstaltungsort
Fritz-Hüser-Institut, Dortmund
PLZ
44388
Ort
Dortmund
Land
Deutschland
Vom - Bis
06.03.2024 - 08.03.2024
Deadline
15.01.2023
Von
Dr. Mareike Schildmann, Universität Bremen

Die Tagung untersucht vor dem Hintergrund aktueller Problemlagen (globalisierter und kapitalisierter Agrarsektor, Subventionspolitik und Bauernproteste, Krieg, Ökologie und Klimawandel) aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive die kulturellen Codierungen und historischen Umbrüche bäuerlicher Arbeit von der Antike bis zur Gegenwart.

Org.: Dr. Sandra Fluhrer und Dr. Mareike Schildmann, in Kooperation mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Dortmund

Land-Wirtschaft. Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf agrarische Arbeit

Die Globalisierung, Digitalisierung und Technisierung von Arbeitsprozessen hat in der Gegenwart zu einem rasanten Wandel von Arbeitswelten geführt. Ein solcher Wandel ist jedoch keineswegs präzedenzlos; auch in der Vergangenheit haben gesellschaftspolitische, technologische, rechtliche und ökonomische Transformationsprozesse das Selbstverständnis und die Art und Weise von Arbeit immer wieder grundlegend verändert. Dies möchte die Tagung mit Blick auf jene Arbeit zeigen, die als die historisch älteste und scheinbar traditionsgebundendste gilt, die jedoch heute wie nie zuvor im Zentrum politischer, ökologischer und wirtschaftlicher Kontroversen steht: Die Landwirtschaft. Ausgehend von aktuellen Problemlagen (globalisierter und kapitalisierter Agrarsektor, Subventionspolitik und Bauernproteste, Krieg, Ökologie und Klimawandel) untersucht die Tagung aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive die kulturellen Codierungen und historischen Umbrüche bäuerlicher Arbeit von der Antike bis zur Gegenwart, von Hesiods und Vergils agrarischen Lehrgedichten über die landwirtschaftlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts, den sozialistischen Agrar-Experimenten des 20. bis zu den ökologischen Debatten des 21. Jahrhunderts. Fluchtlinien bilden dabei 1. die literarischen und künstlerischen Darstellungen bäuerlicher Arbeitspraktiken und Milieus, die auf ihre ambivalenten politischen, mythologischen und anthropologischen Implikationen sowie ihre wissens- und technikhistorischen Kontexte befragt werden sollen. 2. die Frage nach den dem Bäuerlichen zugeeigneten ästhetischen Traditionen und (Gattungs-)Konventionen, die sich mit einer Kunst des ländlichen Raums und des „nature writing“ seit der Antike verbinden.

Drei Schwerpunkte stehen im Zentrum der Tagung:

1. Politik der bäuerlichen Arbeit: Vor dem Hintergrund des Erstarkens agrarisch-politischer Protestkulturen, neuerer sozialpolitischer Theorien und aktueller Forschungen zur Geschichte der Arbeit stellt sich die Frage nach der politischen Codierung bäuerlicher Arbeit. Bäuerliche Arbeit ist jeher mit keiner homogenen oder stabilen Klassenzuordnung verbunden, ihre Codierung variiert je nach historischem Kontext, nach Funktion, Geschlecht, Milieu und sozialer Stellung. Welche rhetorischen und ästhetischen Mittel tragen zur sozialen und politischen Codierung bäuerlicher Arbeit bei? Wie und mit welchen Effekten wird dabei auf mythologische oder theologische Narrative zurückgegriffen? Wie und in welchem Modus (Kritik, Nostalgie, Affirmation etc.) reflektieren die Künste (historische) Übergänge und soziale Eigendynamiken agrarischer Wirtschaftsformen?

2. Praktiken und Techniken agrarischer Arbeit: Landwirtschaftliche Arbeit ist Kulturtechnik im ursprünglichen Sinne des Wortes. Cultura meint die Pflege, Bearbeitung und Bebauung des Bodens, die wiederum spezifische (Körper-)Techniken, (habituelles/überliefertes/erworbenes) Wissen und den Gebrauch von Instrumenten erforderlich macht. Wie ist das historische Verhältnis von Mensch, Körper(-techniken) und Maschine in der agrarischen Arbeit zu denken und wie wird dieses Verhältnis in der Literatur und den Künsten reflektiert? Welche Rolle spielen die Künste, ihre Medien und Gattungen sowie ästhetische Mittel für die Konstituierung und den Transfer agrarischen Wissens? Wie verhält sich die Literatur zur Ausnutzung und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen, Umwelt und Tier in der modernen Landwirtschaft?

3. Agrarische Arbeit und Krieg: Wie gegenwärtig der Ukraine-Krieg wieder vor Augen führt, sind Landwirtschaft und Kriegsführung eng miteinander verknüpft. Kriege hatten seit jeher einschneidenden Einfluss auf agrarische Arbeit. In der Antike waren die meisten Soldaten Bauern und die Kriege am Rhythmus der Feldarbeit ausgerichtet. In der Frühen Neuzeit und der Moderne wurden Kriege zum Verhinderer, aber auch Katalysator landwirtschaftlicher Produktion und Innovation. Wie und in welchem Rahmen werden die Zusammenhänge zwischen agrarischer Arbeit und Krieg näher reflektiert? Inwiefern können Interferenzen zwischen dichterischer und agrarischer Arbeit zu einem Gegenmodell zum Konnex von Krieg und Landwirtschaft werden?

Die interdisziplinäre Tagung richtet sich an Literatur- und Kulturwissenschaftler:innen, Kunsthistoriker:innen, Wissenschafts- und Technikhistoriker:innen. Sie wird organisiert von Dr. Sandra Fluhrer (FAU Erlangen-Nürnberg) und Dr. Mareike Schildmann (Universität Bremen) in Kooperation mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt und findet am 6. bis 8. März 2024 in Dortmund statt. Abstracts und Kurz-CV bitte bis zum 15. Januar 2023 an mschildm@uni-bremen.de und sandra.fluhrer@fau.de.

Kontakt

E-Mail: mschildm@uni-bremen.de
E-Mail: sandra.fluhrer@fau.de