Liberalismus und Bildung

Liberalismus-Kolloquium 2024: Liberalismus und Bildung

Veranstalter
Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (Konferenzsaal Baum Reiter & Collegen, Berlin)
Ausrichter
Konferenzsaal Baum Reiter & Collegen, Berlin
PLZ
10117
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Findet statt
In Präsenz
Vom - Bis
14.11.2024 - 15.11.2024
Deadline
08.11.2024
Von
Wolther von Kieseritzky, Public History / Archiv des Liberalismus, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Das Liberalismus-Kolloquium 2024 befasst sich mit dem Beziehungsgeflecht von "Bildung" und "Liberalismus". Seine Bildungskonzepte verstand der politische Liberalismus als ein Emanzipationsversprechen. Bildungserwerb und der damit verbundene soziale Status entwickelten sich zum Schlüssel gesellschaftlicher Teilhabe und wurden eine der Voraussetzungen politischer Macht. Im Kolloquium sollen liberale Deutungsmodelle und deren gesellschaftspraktische Wirkungen diskutiert werden.

Liberalismus-Kolloquium 2024: Liberalismus und Bildung

„Bildung“ und „Liberalismus“ sind sowohl in der Theorie als auch in der politischen und gesellschaftlichen Praxis eng aufeinander bezogen. Aus liberaler Perspektive ist „Bildung“ zunächst ein entscheidendes Medium des individuellen Aufstiegs – und in der Folge dann auch des gesellschaftlichen Fortschritts. Seine Bildungskonzepte verstand der politische Liberalismus als ein Emanzipationsversprechen. Bildungserwerb und der damit verbundene soziale Status entwickelten sich zum Schlüssel gesellschaftlicher Teilhabe und wurden eine der Voraussetzungen politischer Macht.

Damit erfährt „Bildung“ eine doppelte Zweckbestimmung: Sie begründet einerseits, universal verstanden, das Freiheitsversprechen und die Selbstverwirklichung des Menschen, sie bestimmt andererseits als notwendiger Kompetenzerwerb den Zugang zur Mitgestaltung politischer Ordnung. Der Diskurs über „Bildung“ und deren konkrete Ausgestaltung in Gesellschaft und Staat berührt wesentlich die Entscheidung über Machtverteilung, Gerechtigkeit und Gleichheit.

Daraus ergeben sich in historischer Perspektive zentrale Fragen für das Verhältnis von Liberalismus und Bildung:

1. Wie entwickelt sich aus liberaler Sicht das Verhältnis von Wissen, Bildung und Macht? Für Wilhelm von Humboldt ist Bildung „die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“.
- Wie steht es mithin um die Implementierung liberaler Bildungsideale in politischer Theorie und gesellschaftlicher Praxis? Inwieweit und in welcher Form nutzten Liberale ihre politische Macht zur Durchsetzung ihrer Bildungsmodelle? Bedeutete dies langfristig wirksame Pfadabhängigkeiten?

2. Liberale Deutungsmodelle besaßen – mindestens im 19. Jahrhundert – erheblichen Einfluss und gesellschaftspolitische Prägekraft. Damit sind Reichweite und institutionelle Ausgestaltung liberaler Bildungspolitik angesprochen:
- Wer war „Gegenstand“ liberaler „Bildung“ und Bildungspolitik? Wer galt als „bildungsfähig“, wer nicht und warum?
- Wer erhält Zugang zu Bildung, welche Rollen- und Geschlechterbilder sind damit verknüpft?
- Wann entsteht liberale Bildungspolitik und welchem Zweck dient diese in der jeweiligen Konstellation?

Im Kolloquium soll diesen Fragen in mehreren Sektionen nachgegangen werden: Bildung als (gesellschafts-)politisches Emanzipationsversprechen, das Problem von Inklusion und Exklusion sowie die Rolle der Bildungspolitik vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Programm

Donnerstag, 14.11.

13:30 Uhr: Begrüßung

14:00 – 14:30 Uhr:
Einführung: Liberale Bildung: Kernideen und Konflikte (Johannes Giesinger, St. Gallen)

14:30 – 15:30 Uhr:
Sektion I: Die Rolle der Bildung im liberalen Gesellschaftsmodell

Bildungsreform zwischen Selbstentfaltung und Staatsaufbau (Humboldt, Preußen) (Michael Maurer, Jena)

Bildungspolitik in liberalen Reformbestrebungen des Vormärz und der Revolution 1848/49 (Hans-Christof Kraus, Passau)

16:00 – 17:30 Uhr:
Sektion II: Bildung als Aufstiegsversprechen: Inklusion und Exklusion im Kaiserreich

Adolph Diesterweg – liberale Pädagogik im 19. Jahrhundert (Horst F. Rupp, Würzburg)

Liberale Konzepte von Volksbildung und Erwachsenenbildung (Hans-Georg Fleck, Bad Honnef)

Gärtnern als Bildungsprojekt um 1900. Elvira Castners Gartenbauschule für bürgerliche Frauen (Mette Bartels, Kassel)

Abendveranstaltung:
19:30 Uhr
Podiumsdiskussion: Bildungspolitik als Demokratiepolitik?
(Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, Tilman Allert, Frankfurt a.M.), Anne C. Nagel, Gießen)
Moderation: Thomas Clausen (Berlin)
anschließend Verleihung des Wolf-Erich-Kellner-Preises 2024

Freitag, 15.11.

9:00 – 10:30 Uhr
Sektion III: Vom Kaiserreich zur Republik

Bildung und Erziehung im Werk Friedrich Naumanns (Frank-Michael Kuhlemann, Dresden)

Carl Heinrich Becker als Kulturpolitiker in der Weimarer Republik (Sabine Mangold-Will, Wuppertal/Friedrichsruh)

Re-Education – Erziehung zur Demokratie? Liberale Bildungspolitik der Wiederaufbauzeit (Fabian Poetke, München)

11:00 – 12:30 Uhr
Sektion IV: Bildungspolitik in der Bundesrepublik

„Bildung ist Bürgerrecht“. Liberaler Bildungsaufbruch in den 1960er und 70er Jahren (Wolther von Kieseritzky, Berlin/Potsdam)

Bildungsaufstieg? Aktuelle Bildungsverläufe und soziale Ungleichheit (Madeleine Floiger, Potsdam)

Wissenschaftsfreiheit und ihre Gefährdungen: aktuelle Überlegungen (Tilman Allert, Frankfurt a.M.)

Schlusswort:
Bildung im liberalen Gesellschaftsmodell: Kontinuitäten und Bruchlinien

Kontakt

Dr. Wolther von Kieseritzky
Public History/Archiv des Liberalismus
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Karl-Marx-Str. 2, 14482 Potsdam
E-Mail: wolther.von-kieseritzky@freiheit.org

https://www.freiheit.org/de/adl