Wem gehoert der 17. Juni?

Wem gehoert der 17. Juni?

Veranstalter
Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
05.06.2003 - 06.06.2003
Deadline
31.05.2003
Von
Marianne Zepp, Ref. Zeitgeschichte Heinrich-Böll-Stiftung

WEM GEHÖRT DER 17. JUNI?

Neben der realgeschichtlichen Bedeutung, die der Aufstand der Bevölkerung am 17. Juni 1953 in der DDR hatte, erhielt dieses Ereignis einen geschichtspolitischen Bedeutung, der es zu einem zentralen Datum der deutschen Nachkriegsgeschichte werden ließ.

Der Aufstand war ein Schock für die führenden Kader der Parteiführung in der DDR und hatte den Ausbau des Macht- und Disziplinierungsapparates einen Totalisierungsschub zur Folge. Dem folgte die Deutung eines „von außen initiierten konterrevolutionären faschistischen Putsches“. Sie ließ offensichtlich eine wie auch immer geartete positive Interpretation und Überlieferung öffentlich nicht zu.

In der Wahrnehmung der westdeutschen Parteien war mit dem Aufstand das Ende der deutschen Teilung nahe. Es entstand die Vorstellung einer (fiktionalen) neuen deutschen Einheit, die in der Einrichtung eines nationalen Gedenktages, dem „Tag der Deutschen Einheit“, mündete. Aus Sicht der SPD waren es vor allem „Arbeiter mit sozialdemokratischen Anschauungen“ (Willy Brandt), die den Aufstand trugen. Sie sah ihn gleichsam als Bestätigung ihrer Wiedervereinigungspolitik seit 1949. Die Adenauerregierung betonte in der Folge des Aufstands verstärkt antikommunistische Aspekte sowie die Westintegration und gestaltete den „17. Juni“ als Zeichen einer Überlegenheit der westlichen Demokratien. Diese Deutung sollte sich in den nächsten Jahren verstetigen.

Die Ereignisse des 17. Juni 1953, aber auch ihre geschichtspolitischen Vereinnahmungen, werden im Rahmen des 50. Jahrestages ausgiebig diskutiert. Inwieweit darüber hinaus die offiziellen Interpretationsmuster die intergenerationellen „privaten“ Tradierungen beeinflussten und wie diese sich in den unterschiedlichen Zeitepochen der letzten 50 Jahre veränderten, soll bei dieser Tagung anhand eines Gesprächs über drei Generationen erörtert werden.

Die Tagung wird begleitet von der Präsentation von Ton- und Bilddokumenten und einer Präsentation der Videoinstallation zur Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Programm

Donnerstag, 5. Juni 2003

14.30 Uhr
Anmeldung

15.00 Uhr
Begrüßung und Einführung

15.30 Uhr
Der 17. Juni 1953 – Tondokumente
Manfred Rexin (angefragt)

16.30 Uhr
Podiumsgespräch
Drei Generationen – sechs Sichtweisen?
Der 17. Juni 1953
Erfahrungen aus Ost - und Westdeutschland

Erlebnisgeneration:
Klaus Staeck, Heidelberg
Herbert Priew, Halle

2. Generation:
Annette Leo, Berlin
Dorothee Wierling, Hamburg

3. Generation:
Ulrike Poppe, Berlin
Ulrike Allroggen, Berlin

18.30 Uhr
Abendessen

19.30 Uhr
Filmdokumente „Kein Tag der deutschen Einheit“
Thomas Flemming, Berlin
be.bra Verlag

Freitag, 6. Juni 2003

09.30 Uhr
keine situation (Videoinstallation)
Sebastian Fleiter, Kassel
Gedenkstätte Hohenschönhausen

10.00 Uhr
Wege zur Erinnerung
Der 17. Juni in der Geschichtspolitik der Bundesrepublik
Edgar Wolfrum, München

10.45 Uhr
Historisches Ereignis und Geschichtsbewusstsein
Der 17. Juni 1953 in der Erinnerung der Hennigsdorfer Stahlarbeiter
Annette Leo, Berlin

11.30 Uhr
Die westdeutsche Linke und der 17. Juni 1953
Heinz Suhr, Bonn

12.30 Uhr
Mittagspause

13.15 Uhr
Podiumsgespräch
Wem gehört der 17. Juni?

Ralf Fücks, Berlin
Bernd Faulenbach, Essen
Dorothee Wierling, Hamburg
Rainer Eppelmann, Berlin (angefragt)
Moderation:
Marianne Zepp, Berlin
Ref. Zeitgeschichte der Heinrich-Böll-Stiftung

14.45 Uhr
Ende der Veranstaltung

Anmeldung:
juni@boell.de

Kontakt

Heinrich-Böll-Stiftung
Marianne Zepp
Rosenthaler Straße 40/41
10178 Berlin

fon: 030/ 28 534-234
mail: zepp@boell.de

www.boell.de
Redaktion
Veröffentlicht am
21.05.2003
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