Welche Geschichte formt die Gegenwart? Erinnerungskultur sechzig Jahre nach Kriegsende

Welche Geschichte formt die Gegenwart? Erinnerungskultur sechzig Jahre nach Kriegsende

Veranstalter
Evangelische Akademie zu Berlin (Ludwig Mehlhorn); Internationale Gesellschaft „Memorial“ (Arsenij Roginskij); Deutsch-Russischer Austausch (Stefanie Schiffer); Heinrich-Böll-Stiftung (Thomas Handrich)
Veranstaltungsort
Evangelisches Johannesstift Berlin/Hotel Christophorus-Haus, Schönwalder Allee 26, 13587 Berlin (Spandau)
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.10.2004 - 24.10.2004
Von
Grabinski, André

9. Deutsch-Russische Herbstgespräche
Welche Geschichte formt die Gegenwart? Erinnerungskultur sechzig Jahre nach Kriegsende

In jeder Generation wird die Geschichte neu durchgearbeitet – ein Prozess, der die Vergangenheit auf Ereignisse und Erfahrungen befragt, was im kollektiven Gedächtnis bewahrt werden sollte. Das Geschichtsbild prägt in hohem Maße die Identität von Nationen und Gesellschaften.

Im kommenden Jahr jährt sich zum 60. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges. Aus diesem Anlass wollen wir uns bei den diesjährigen Herbstgesprächen mit den in diesem Zusammenhang für den deutsch-russischen Dialog relevanten Fragen befassen.

Wie hat sich die Erinnerung an den Krieg (oder die Verdrängung dieser Erinnerung) in unseren Ländern in diesen sechzig Jahren verändert? In welcher Weise wirken sich die Geschichte sowie ihre Bilder und Mythen auf die politische Kultur aus? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Dialog von Russen und Deutschen? Wie lassen sich verschiedene Geschichtsbilder aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen in den verschiedenen Generationen und ethnisch-nationalen Gruppen miteinander ins Gespräch bringen? Können wir aus der Geschichte Orientierung für die ethische Urteilsbildung gewinnen?

Wir stellen diese Fragen vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen: neoimperiale Tendenzen in der russischen Politik, Unsicherheit über die politische Rolle Deutschlands; Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Substanz durch Nationalismus und Antisemitismus; populistische Stimmungen und Verschwörungstheorien, die allzu simple Lösungen für komplexe Problemzusammenhänge versprechen.

Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern aus Russland und der Ukraine diskutieren. Dazu laden wir herzlich ein.

Simultanübersetzung Deutsch-Russisch wird gewährleistet.

Programm

Freitag, 22. Oktober 2004
ab 17 Uhr Anmeldung

18.00 Uhr Abendessen

19.00 Uhr Begrüßung und Einführung in die Thematik
Ludwig Mehlhorn, Katja Petrowskaja

19.15 bis Die Vergangenheit verändert sich

21.30 Uhr Der Blick auf die Geschichte von Krieg und Terror in Deutschland und Russland
Arsenij Roginskij (Memorial Moskau)
Prof. Dr. Ulrich Herbert (Universität Freiburg)
Moderation:
Dr. Elisabeth Weber (Heinrich-Böll-Stiftung)

Samstag, 23. Oktober 2004
8.30 Uhr Frühstück (für Übernachtungsgäste)

9.30 Uhr Neue Rolle – alte Muster
Instrumentalisierung der Geschichte, außenpolitische Optionen und gesellschaftliche Leitbilder
Dr. Gasan Gusejnov (Deutsche Welle, Bonn)
Ralf Fücks (Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin)
Maria Lipman (Carnegy Centrum, Moskau)
Moderation:
Ludwig Mehlhorn (Evangelische Akademie)

11.00 Uhr Kaffeepause

11.30 Uhr Verantwortlich für die Geschichte?
Ein Dialog der jungen Generation
Freiwillige des Deutsch-Russischen Austauschs, Stipendiaten der Heinrich-Böll-Stiftung
Moderation:
Elfie Siegl (Journalistin)

13.00 Uhr Mittagessen

15.00 Uhr Arbeitsgruppen

AG 1: Geteilte Erinnerungen
Das Geschichtsbild in verschiedenen Nationen und Ethnien
Dr. Viola B. Georgi (Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin, Berlin)
Alexander Cherkasow (Memorial Moskau)
Moderation:
Stefanie Schiffer (Deutsch-Russischer Austausch)

AG 2: Der Krieg im Krieg
Imperiale Vorherrschaft versus nationale Selbstbehauptung in Ostmitteleuropa
Dr. Bernhard Chiari (Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam)
Myroslav Marynovych (Stellvertretender Rektor der Ukrainischen Katholischen Universität, Lviv)
Moderation:
Jens Siegert (Heinrich-Böll-Stiftung Moskau)

AG 3: Generationswechsel: Erinnerungskultur auf dem Prüfstand
Vermittlung der Geschichte und ethische Urteilsbildung
Dr. Mathias Heyl (Leiter Pädagogische Dienste, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück)
Jelena Zubkowa (Lehrerin, Monchegorsk)
Moderation:
Jelena Zhemkowa (Memorial Moskau)

18.00 Uhr Abendessen

19.00 Uhr Der Krieg im neuen russischen Film
Präsentation von Ausschnitten
Sonntag, 24. Oktober 2004

8.30 Uhr Frühstück (für Übernachtungsgäste)

9.30 Uhr Morgenandacht

10.30 Uhr Die Zukunft der Vergangenheit
Welche Erinnerung kann Demokratie fördern?
Abschließendes Podium:
Lew Gudkow (Levada Centrum, Moskau)
Prof. Dr. Karl Schlögel (Universität Viadrina, Frankfurt/Oder)
Irina Scherbakowa (Memorial Moskau)
Richard Wagner (Schriftsteller, Berlin)
Moderation:
Gerd Poppe (Heinrich-Böll-Stiftung)

12.30 Uhr Mittagessen und Ende der Tagung

18.00 Uhr Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt
Historisches Gedächtnis und politische Symbolik
Fragen an Staat und Gesellschaft sechzig Jahre nach Kriegsende
Dr. Gasan Gusejnov (Deutsche Welle, Bonn)
N.N.
Irina Scherbakowa (Memorial Moskau)
Myroslav Marynovych (Stellvertretender Rektor der Ukrainischen Katholischen Universität, Lviv)
Moderation:
Elfie Siegl (Journalistin)
Anschl. Empfang

Tagungsbeitrag (mit Verpflegung)
mit Übernachtung im EZ 90,– EUR
ohne Übernachtung 50,– EUR
Ermäßigter Tagungsbeitrag (mit Verpflegung)
mit Übernachtung im EZ 70,– EUR
ohne Übernachtung 30,– EUR

Abendveranstaltung
in der Französischen Friedrichstadtkirche 9,– EUR / ermäßigt 5,– EUR
für Teilnehmer(innen) der Tagung kostenfrei
Die Ermäßigung gilt für Arbeitslose und Studierende (bis 35 Jahre).
Wir erbitten den Tagungsbeitrag zu Beginn der Tagung (bar/Scheck).

Abmeldung
Ihre Anmeldung betrachten wir als verbindlich. Erreicht uns Ihre Abmeldung später als vier Tage vor Tagungsbeginn, müssen wir Ihnen Ausfallgebühren von 30 Prozent berechnen. Melden Sie sich garnicht oder erst während der Tagung ab, erheben wir den vollen Tagungsbeitrag.

Kontakt

Anmeldung:
wird bis zum 6. Oktober 2004 erbeten.
Tagungssekretariat
Ina Gloede
Evangelische Akademie zu Berlin
Charlottenstr. 53/54, 10117 Berlin
Tel.: 030 / 203 55 – 507
Fax: 030 / 203 55 – 550
E-Mail: gloede@eaberlin.de

Wir senden Ihnen keine weitere Bestätigung. Sofern Sie keine Absage von uns erhalten, sind Sie fest angemeldet.

www.eaberlin.de
Redaktion
Veröffentlicht am
01.10.2004