Mythen und Politik im 20. Jahrhundert. Deutsche - Slowaken - Tschechen

Mythen und Politik im 20. Jahrhundert. Deutsche - Slowaken - Tschechen

Veranstalter
Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission
Ort
Mojmírovce (bei Nitra)
Land
Slovakia
Vom - Bis
15.03.2006 - 19.03.2006
Deadline
30.06.2005
Von
Prof. Dr. Dieter Langewiesche

Die Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission wird vom 15. bis 19. März 2006 eine Tagung durchführen, auf der die Mythen untersucht werden soll, mit denen Deutsche, Slowaken und Tschechen versucht haben, die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts zu deuten. Mythos wird in diesem Konzept nicht als ein manipulatives Instrument oder als falsches Bewußtsein verstanden, sondern als eine besondere Form der Weltdeutung.

Zu den Kernaufgaben nationaler Mythen gehören, wie die neuere Forschung in einer Vielzahl von Studien gezeigt hat, Inklusion und Exklusion mittels Normierung von Selbst- und Fremdbildern. Mythen dienen also dazu, Gruppenidentitäten zu stiften oder in kritischen Zeiten zu bewahren. Ihre Fähigkeit, Orientierung zu bieten, setzt allerdings eine Werte-Polyvalenz voraus, die Mythen zum Konsens jenseits konkreter politischer Streitfragen befähigt. Diese Offenheit sichert Mythen dagegen, kurzfristig an Erfolg oder Mißerfolg empirisch überprüft zu werden, erschwert es jedoch, sie als eindeutige Handlungsanweisung zu lesen. Diese Aneignungs- und Deutungsleistungen der Mythen und zugleich deren zeitspezifischen politischen Verwendungen sollen auf der Tagung erörtert werden.

Im Mittelpunkt stehen Mythen der Deutschen, Slowaken und Tschechen; vergleichende Studien sind erwünscht.
Wer zu diesem Themenfeld forscht, wird gebeten bis ENDE JUNI 2006 ein Exposé von ca. zwei Seiten in deutscher, slowakischer oder tschechischer Sprache per Email an einen der Organisatoren der Tagung einzureichen:
PhDr. Edita Ivanickova (Bratislava) histivan@savba.sk
Prof. Dr. Dieter Langewiesche (Tübingen) dieter.langewiesche@uni-tuebingen.de
Doc. PhDr. Alena Míšková (Praha) amiskova@hotmail.com.

Programm

Folgende Themenbereiche sind vorgesehen:

I. Gründungsmythen im frühen 20. Jahrhundert
Hier soll es vorrangig darum gehen, wie Mythen im Umfeld des I. Weltkrieges umgedeutet oder auch neue ‚erfunden’ wurden, um die neue nationalpolitische Situation zu verarbeiten: Zerfall der Habsburgermonarchie, Bildung der Nachfolgestaaten; Ende des ersten deutschen Nationalstaates, Entstehung der parlamentarischen Republik. Was bedeuten diese grundstürzenden Ereignisse mythenpolitisch und für das Mythenarsenal?

II. Mythenarsenal und Mythenpolitik in der Zeit der faschistischen Regime
Auch hier geht es um Umdeutungen und Neukonstruktion von Mythen. Wer ist daran beteiligt? Mythenkonkurrenz in der Diktatur? Ziele in den (mehrdeutigen) Mythen und Versuche, sie politisch zu instrumentalisieren. Gewaltpotential: was ändert sich hier? Entnationalisierung von Mythen durch Rasse-Mythen?

III. Mythen im getrennten Europa nach 1945
Das Ende des II. Weltkrieges, die Neubildung von Staaten und die Blockbildung zwingen erneut dazu, Mythen zu überprüfen, umzubilden oder auch neue zu entwickeln. Diese Prozesse sollen hier im Mittelpunkt stehen.

IV. Mythen im ‚neuen Europa’
Hier wäre zu untersuchen, was die Entwicklungen seit den ‚Wenden’ für den Mythenhaushalt der drei Untersuchungsgesellschaften bedeuten. Welche Mythen werden – verändert - weitergeführt? Welche entstehen neu? Rückwärtsgewandte Mythen? Zukunftsmythen? Europamythen?

Kontakt

Dieter Langewiesche

Universität Tübingen
Wilhelmstr. 36
72074 Tübingen

dieter.langewiesche@uni-tuebingen.de


Redaktion
Veröffentlicht am
24.05.2005
Klassifikation
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