All Quiet on the Genre Front? Zur Praxis und Theorie des Kriegsfilms.

All Quiet on the Genre Front? Zur Praxis und Theorie des Kriegsfilms.

Veranstalter
Fachbereich Medienwissenschaft Universität Marburg: Heinz-B. Heller, Burkhard Röwekamp, Matthias Steinle
Veranstaltungsort
Sitzungssaal 01, Biegenstr. 12
Ort
Marburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.09.2005 - 23.09.2005
Deadline
20.09.2005
Von
Fachbereich Medienwissenschaft, Universität Marburg

Das Kriegsfilm-Genre scheint lebendig wie nie. Von blockbustern wie "Saving Private Ryan" über filmische Materialschlachten à la "Black Hawk Down" bis zu quotenträchtigen Fernsehgroßproduktionen im Stil von „Band of Brothers“: Der erzählte Krieg hat Konjunktur, zumindest im Bereich des Spielfilms. Anders in der medienwissenschaftlichen Filmpublizistik. Während sich Historiker und Politologen längst auf das Thema eingeschossen haben (u.a. G. Paul: Bilder des
Krieges - Krieg der Bilder. Paderborn 2004; Machura/Voigt [Hg.]: Krieg im Film. Münster 2005), kommt die medienwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen nur langsam in Fahrt. Selbst in populären Genre-Anthologien hat der Kriegsfilm (noch) keinen Platz gefunden. Grund genug, sich im Rahmen eines Arbeitsgesprächs mit den filmhistorischen Grundlagen des Genres sowie Problemen seiner theoretischen Modellierung auseinander zu setzen.

Im Mittelpunkt der Diskussion um den Kriegsfilm stehen zunächst Fragen nach Regelhaftigkeiten im Hinblick auf Typisierungen, Ikonographien, wiederkehrende Themen und Erzählmuster: Welche Darstellungskonventionen haben sich für semantische Komplexe wie Traumatisierung, Tod/Sterben, Gewalt/Grausamkeit, Täter/Opfer, Politik/Moral/Ethik oder Männlichkeit/Weiblichkeit eingeschliffen? Welche Verschiebungen der Grenzen des Darstellbaren bzw. von Bildtabus lassen sich beobachten? Wann und unter welchen Bedingungen verschieben sich diese Grenzen? Welche Rolle spielen realhistorische bzw. -politische Zusammenhänge wie historische Kriege oder Konflikte zwischen Nationen?

Jenseits dieser genrepragmatischen und filmhistorischen Überlegungen gilt die Aufmerksamkeit zugleich der paradoxen Grundsituation des Kriegsfilms: Kriegsfilme verdichten ihre Erzählungen kriegerischer Sinnzerstörungen mit Hilfe von Formen hochgradig konventionalisierter, narrativ vermittelter Sinnproduktion. Das wirft insofern Probleme auf, als narrative Sinnproduktion und erzählter Sinnverlust in einem eigentümlichen Spannungsverhältnis stehen. Vor allem in so genannten Anti-Kriegsfilmen wird diese strukturelle Widersprüchlichkeit zum Problem. Davon ausgehend erschließen sich weitere Problemfelder: Welche Funktionen erfüllen Kriegsfilme in kulturellen Zusammenhängen? Wie gestaltet sich etwa das Verhältnis von Mobilisierungsfunktion und Effektabfuhr, Kritik und Unterhaltung, ästhetischem Widerstand und Vergnügen? Worin unterscheiden sich staatliche und kommerzielle Produktionen in der Bearbeitung der Kriegsthematik? Wie verhält sich die Dokumentarfilm- zur Spielfilmproduktion? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich unter diesen Voraussetzungen die Verbindung aus historischer Praxis und historischer Poetik des Kriegsfilms methodisch-theoretisch modellieren?

Mit diesem Fragenkatalog ist ein Projekt umrissen, das über die historische Bestandsaufnahme hinaus auf Aspekte wissenschaftlicher Modellierungen im Hinblick auf filmische Verfahren und Funktionen des Kriegsfilms abzielt. Im Zentrum steht dabei die Thematisierung des modernen Krieges. Vor diesem Hintergrund sollen die Arbeitsgespräche das ins Visier nehmen, was in der bisherigen Forschung zur Problematik des Kriegsfilm-Genres nur unzureichend reflektiert und
systematisiert ist.

Programm

Donnerstag, 22.9.2005

10.00 Begrüßung / Einführung

10.30 – 11.15 Thomas Klein / Marcus Stiglegger
Motive und Genese des Kriegsfilm-Genres

11.15 – 12.00 Hans-Jürgen Wulff
ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT: Ein Kriegsfilm zwischen den Fronten

12.00 – 13.30 Mittagspause

13.30 – 14.15 Detlef Kannapin
Wandlungen der Kriegsdarstellungen im osteuropäischen Kino 1945-1989 – Ein Überblick

14.15 – 15.30 Stefan Reinecke
Der Vietnamkriegsfilm und was davon übrig blieb

15.30 – 16.00 Pause

16.00 – 16.45 Bodo Traber
Vietnam in und outside Hollywood: Michael Verhoevens O.K. vs. Brian De Palmas CASUALTIES OF WAR

16.45 – 17.30 Thomas Koebner
Inszenierung einer Feldschlacht. Multiperspektivität und Massenregie in einer Standardsituation des Schreckens

17.30 – 18.15 Peter Riedel
Die Metastasen des Krieges. Grundprobleme einer Perspektivierung des Kriegsfilms

Freitag, 23.9.2005

9.30 – 10.15 Knut Hickethier
Krieg und Nachkrieg – Der Krieg als Initiation für eine neue Zeit

10.15 – 11.00 Angela Krewani
Der männliche Körper und sein Anderes

11.00 – 11.15 Pause

11.15 – 12.00 Bernd Kiefer
"Kriegsgewinnler Film"? Der Krieg, die ästhetische Phantasie und die Frage nach dem Kriegsfilm

12.00 – 13.30 Mittagspause

13.30 – 14.15 Burkhard Röwekamp
"Peace Is Our Profession" – Zur Paradoxie von Antikriegsfilmen

14.15 – 15.00 Matthias Steinle
Lachbomben - Zur Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit von Krieg und Burleske

15.00 – 15.45 Heinz-B. Heller
Groteske Konstruktionen des Wider-Sinns. Krieg und Komik seit den 1960er Jahren

Kontakt

Elisabeth Faulstich

Philipps-Universität Marburg
Fb 09
Wilhelm-Röpke Str. 6A
35032 Marburg

06421/2824634
06421/2826989
fauli@staff.uni-marburg.de

http://www.uni-marburg.de/medienwissenschaft/kriegsfilm/
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Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
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