Pfarreien im Mittelalter. Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn im Vergleich

Pfarreien im Mittelalter. Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn im Vergleich

Veranstalter
Dr. Nathalie Kruppa, Max-Planck-Institut für Geschichte, Germania Sacra, Dr. Leszek Zygner, und Polnische Historische Mission, Göttingen
Veranstaltungsort
Max-Planck-Institut für Geschichte, Hermann-Föge-Weg 11
Ort
Göttingen
Land
Deutschland
Vom - Bis
30.11.2006 - 02.12.2006
Von
Nathalie Kruppa

Die Grundlagen der Pfarreiorganisation reichen auf spätantike Grundlagen zurück. Während im griechischen Osten die Pfarrgewalt vom Diözesanbischof über Chorbischöfe verbreitet wurde, war im lateinischen Westen eher die Landkirche, die „Urkirche“, die mit Pfarrern, die ebenfalls direkt vom Bischof eingesetzt wurden, das Fundament des Pfarreiwesens. Zu den ältesten Rechten der Pfarrer gehörten die Taufe, die Eucharistie und die Erteilung des Bußsakraments in Vertretung des Bischofs. Ab dem 6. Jahrhundert lassen sich Pfarrsprengel als kleinste Verwaltungseinheit innerhalb der kirchlichen Hierarchie nachweisen. Im 12. Jahrhundert war die Entwicklung der Pfarrorganisation in ländlichen Gebieten im alten Europa im Wesentlichen abgeschlossen. Für die Länder des jüngeren Europas (Polen, Tschechien, Ungarn) gilt dies nur im Sinne der Großpfarreien. In diesen Ländern begann der Prozeß der Entstehung der eigentlichen Pfarrorganisation mit den kleinen Pfarrsprengeln erst ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. In den Städten – besonders den bischöflichen –, wo die Situation ein wenig anders war, erfolgte der Abschluß im folgenden Jahrhundert. Hier spielte die Pfarrei zunächst neben der Kathedralkirche sowie den Kloster- und Kollegiatskirchen eine untergeordnete Rolle. Eine ähnliche Sonderrolle hatten auch die Klosterpfarreien, d.h. die den Klöstern und Stiften inkorporierten Pfarreien. Einige Orden waren zudem in der Seelsorge tätig, so die Bettelorden, aber auch z.B. die Prämonstratenser.
Grundlage der Pfarreiorganisation waren die von der Forschung sogenannten „Urpfarreien“, die im Zuge des Ausbaus des Pfarrwesens ihre herausragende Stellung zu verlieren drohten. Vielfach wurden sie aber zur Dekanats- oder Archidiakonatskirchen umgewandelt und nahmen so eine Mittlerposition zwischen der Diözesanleitung und den einzelnen Pfarreien ein. Im Spätmittelalter war die Pfarreidichte weit ausgeprägt, in einigen Diözesen kam auf fast jedes Dorf eine Pfarrkirche, in größeren Ortschaften oder Städten waren es mehrere. Die Besetzung der Pfarreien erfolgte unterschiedlich, je nach rechtlichem Stand, entweder direkt vom Bischof, durch die Patronatsherren oder durch Wahl der Gemeindemitglieder, trotzdem unterlag sie weiterhin den Regelungen des kanonischen Rechts. Die gläubigen Laien standen unter Pfarrzwang, d.h. die Mitglieder der Gemeinde hatten sich mit all ihren Anliegen, aber auch mit ihren Zehntzahlungen und Stolgebühren, ausschließlich an ihre Pfarrkirche zu halten. Zu den Aufgaben des Pfarrers gehörte neben der Erteilung der Sakramente die Predigt, die Armenfürsorge und das Begräbnis, sowie in vereinzelten Fällen auch kirchliche Strafgewalt.
Bei der von dem Max-Planck-Institut für Geschichte – Germania Sacra – und der Polnischen Historischen Mission veranstalteten Tagung wollen wir uns mit der mittelalterlichen Pfarrei als Grundlage des christlichen Lebens befassen. Neben einem einführenden Überblick über die historische Forschung zu diesem Thema in den Ländern Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn, sollen einzelne Aspekte (siehe unten) des umfassenden Gegenstands beleuchtet werden. Ein Vergleich der Entwicklung in den genannten Ländern ist eines der Ziele der Tagung.

Programm

Donnerstag, 30.11.2006
09.15-09.30 Nathalie Kruppa, Leszek Zygner (Göttingen), Begrüßung
09.30-10.00 Enno Bünz (Leipzig), Forschungsüberblick
10.00-10.30 Eva Doležalová (Prag), Forschungsüberblick
10.30-11.00 Diskussion
11.15-11.45 Leszek Zygner (Göttingen), Forschungsüberblick
11.45-12.15 Aron Petneki (Miskolc-Egyetemváros), Forschungsüberblick
12.15.12.45 Diskussion
14.00-14.30 Heike-Johanna Mierau (Stuttgart), Pfarreien in der Diözese Freising im frühen Mittelalter
14.30-15.00 Libor Jan (Brünn), Die Anfänge der Pfarrorganisation in Böhmen und Mähren
15.00-15.30 Diskussion
15.45-16.15 Piotr Plisiecki (Lublin), The parochial network and the tithes system in medieval Cracow diocese
16.15-16.45 Petr Elbel (Brünn), Besetzung der Pfarreien in der Diözese Olmütz durch die päpstliche Kurie im Spätmittelalter
16.45-17.15 Diskussion

Freitag, 01.12.2006
10.00-10.30 Nathalie Kruppa (Göttingen), Klösterliche Pfarreiinkorporationen und Patronatsrechte im Bistum Hildesheim
10.30-11.00 Andrzej Radziminski (Thorn), Pfarreien und Pfarrgeistlichkeit im Deutschordensstaat Preußen
11.00-11.30 Diskussion
11.45-12.15 Marek Derwich (Breslau), Klosterpfarreien im mittelalterlichen Polen
12.15.12.30 Diskussion
14.00-14.30 Aleš Porízka (Prag), Rolle und Funktion der Archipresbyter in Tschechien im 11. und 12. Jahrhundert. Ein Vergleich
14.30-15.00 Ernö Marosi (Budapest), Pfarrkirchen im mittelalterlichen Ungarn im Spannungsfeld der beharrenden Kräfte der Gesellschaft und zunehmender Bildungsansprüche
15.00-15.30 Diskussion
15.45-16.15 Izabela Skierska (Posen), Die Finanzen der Pfarrer im spätmittelalterlichen Polen
16.15-16.45 Sabine Arend (Heidelberg), Lokale Pfründenbesetzungen in der Diözese Konstanz
16.45-17.15 Diskussion

Sonnabend, 02.121.2006
9.00-9.30 Söhnke Thalmann (Hannover/Göttingen), Ablaßbriefe als pfarreigeschichtliche Quelle
9.30-10.00 Jan Hrdina (Prag), Pfarrkirchen auf der Suche nach päpstlichen Ablässen. Mitteleuropäische Pfarrkirchen als Empfänger von Papstablässen in der Zeit des Großen Abendländischen Schismas (1378-1415). Ein Vergleich
10.00-10.30 Diskussion
11.00-11.30 Judit Majorossy (Budapest), Confraternitas in Pressburg
11.30-12.00 András Vizkelety (Budapest), Die „Fraternitas XXIV plebanorum civitatum regalium“ in den königlichen Städten in Oberungarn und ihr Buchbestand
12.00-12.45 Gabriela Signori (Konstanz), Dikussion und Abschlußdiskussion

Kontakt

Nathalie Kruppa
Max-Planck-Institut für Geschichte, Hermann-Föge-Weg 11
37073 Göttingen
(49)551/4956143
(49)551/4956170
Kruppa@mpi-g.gwdg.de


Redaktion
Veröffentlicht am
15.11.2006
Klassifikation
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Englisch, Deutsch
Sprache der Ankündigung