Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz

Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz

Veranstalter
Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) an der Universität Bielefeld Tagungsleiter: Klaus-Michael Bogdal Klaus Holz Matthias N. Lorenz
Veranstaltungsort
ZiF
Ort
Bielefeld
Land
Deutschland
Vom - Bis
31.01.2007 - 02.02.2007
Von
Matthias N. Lorenz

Nach den „Feuilletonschlachten“

ZiF-Tagung zu „Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz?“

Einladung zu öffentlicher Lesung mit Robert Schindel und zu Podiumsdiskussion

Unter Leitung der Germanisten Klaus-Michael Bogdal und Matthias N. Lorenz (beide Bielefeld) und des Soziologen Klaus Holz (Villigst) findet am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld vom 31. Januar bis zum 2. Februar 2007 eine Tagung zu dem brisanten Thema „Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz?“ statt. Zu den Referenten zählen so prominente Experten wie der Literaturwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma (Hamburg), der Historiker Wolfgang Benz (Berlin) und der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik (Frankfurt/M.).

In jüngster Zeit ist die Frage, ob ästhetische Texte hinsichtlich eines Antisemitismusvorwurfs analysierbar sind, nicht nur zu einem zentralen Problem sowohl der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung avanciert, sondern auch breit und kontrovers in den deutschsprachigen Feuilletons thematisiert worden. Die Antisemitismusdebatten um Martin Walser (1998, 2002, 2005) etwa haben hinreichend deutlich gemacht, dass hier ein erheblicher Klärungsbedarf von allgemeinem Interesse besteht. Derartige, oft politisch motivierte und polemisch geführte 'Feuilletonschlachten' haben das Problem eines Literarischen Antisemitismus nach Auschwitz jedoch weitgehend unterkomplex verhandelt.

Die Arbeitsgemeinschaft soll diese wichtige Frage zum einen auf ein internationales wissenschaftliches Niveau jenseits tagesaktueller Aufgeregtheiten heben und darüber hinaus als Forschungsfeld in der interdisziplinären Antisemitismusforschung etablieren helfen.

Im Rahmen der Tagung wird zu zwei öffentlichen Veranstaltungen eingeladen. Am Donnerstag, dem 1. Februar, findet um 20.15 Uhr in der Universitätsbibliothek eine Lesung des Schriftstellers Robert Schindel statt. Der Eintritt ist frei. Den Abschluss der Tagung bildet am Freitag, dem 2. Februar, um 17.00 Uhr im ZiF eine Podiumsdiskussion mit Wolfgang Benz und Robert Schindel, moderiert von Klaus-Michael Bogdal.
Weitere Informationen unter:
http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2007/01-31-Bogdal.html

Bei inhaltlichen Fragen:
Dr. Matthias N. Lorenz, E-Mail: Matthias.Lorenz@uni-bielefeld.de
Bei Anfragen zur Tagungsorganisation:
Tagungsbüro des ZiF, Fon: +49 521 106 2768; Fax: +49 521 106 6024; E-Mail: Marina.Hoffmann@uni-bielefeld.de

Programm

PROGRAMM

Mittwoch, 31.01.07

13.30 Begrüßung durch den geschäftführenden Direktor des ZiF, den Rektor der Universität und die Tagungsleiter
Einführung: Klaus-Michael Bogdal (Bielefeld)

14.00 (Sektion 1 – „Muster des Antisemitismus“)
Klaus Holz (Villigst): Gemeinschaft vs. Gesellschaft
Werner Bergmann (Berlin): „Störenfriede der Erinnerung“. Zum Schuldabwehr-Antisemitismus in Deutschland

16.15 (Sektion 1)
Andrea Geier (Marburg): Kontinuitäten/Diskontinuitäten. Kulturkritik und Antisemitismus nach 1945
Michael Zimmermann (Essen): Antiziganismus - ein Pendant zum Antisemitismus? Überlegungen zu einem bundesdeutschen Neologismus

18.15 (Sektion 2 – „‚Wer spricht?’ und andere Probleme der Literaturwissenschaft“)
Mark H. Gelber (Beer-Sheva): Literarischer Antisemitismus: Wandlungen und Kontinuitäten eines Begriffs
Mona Körte (Berlin): „Judaeus ex machina“. Technik oder Demontage eines literarischen Antisemitismus?

Donnerstag, 01.02.07

9.00 (Sektionen 2/3)
Florian Krobb (Maynooth): Was bedeutet literarischer Antisemitismus im 19. Jahrhundert? Ein Problemaufriss
Yahya Elsaghe (Bern): Spuren von Auschwitz in Thomas Manns Erzählwerk

11.15 (Sektion 3 – „Fallstudien“)
Hans-Joachim Hahn (Leipzig): Lektüreschwierigkeiten mit dem „Judenproblem“ in der deutschen Nachkriegsliteratur: Wolfgang Weyrauch, Kurt Ziesel, Luise Rinser
Anat Feinberg (Heidelberg): Vom bösen Nathan und edlen Shylock: Überlegungen zur Konstruktion jüdischer Bühnenfiguren in Deutschland nach 1945

14.30 (Sektion 3)
Michael Hofmann (Paderborn): Literarischer Antisemitismus? H.W. Richter in der Gruppe 47
Jan Philipp Reemtsma (Hamburg): Ist Max Frischs „Andorra“ antisemitisch (wie Georg Kreisler behauptet hat)?

16.45 (Sektion 3)
Willi Jasper (Potsdam): Holocaust-Travestie, falsche Identitäten und die Grenzen der „Zeugenschaft“
Matthias N. Lorenz (Bielefeld): Literatur und ‘political correctness’ (Bernhard Schlink)

20.15 Lesung von Robert Schindel in der Universitäts¬bibliothek. Eintritt frei.

Freitag, 02.02.2007

9.00 (Sektion 3)
Micha Brumlik (Frankfurt/Main): „Guter Jude, böser Jude“. Gerhard Zwerenz’ wohlwollende Kontraste
Janusz Bodek (Frankfurt/Main): Fassbinder ist kein Shakespeare und Shylock kein Überlebender des Holocaust

11.15 (Sektion 3)
Norbert Otto Eke (Paderborn): Im „deutschen Zauberwald“. Konfigurationen antisemitischer Zerrbilder bei jüdischen und nicht-jüdischen Autoren der deutschsprachigen Gegenwarts¬literatur
Arnold Heidsieck (Los Angeles): Roth, Styron, Bellow: Die Darstellung von Antisemitismus und seiner Beziehung zur deutschen Geistesgeschichte in jüdischen und nichtjüdischen amerikanischen Romanen

14.30 (Sektionen 3/2)
Gilad Margalit (Haifa): Günter Grass, die Juden und der jüdische Staat
Christina von Braun (Berlin): Schrift und Oralität in den jüdischen und den christlichen Traditionen

17.00 Podiumsdiskussion mit Robert Schindel und Wolfgang Benz im ZiF. Moderation: Klaus-Michael Bogdal

Kontakt

Matthias N. Lorenz

Universität Bielefeld

matthias.lorenz@uni-bielefeld.de


Redaktion
Veröffentlicht am
14.01.2007
Klassifikation
Epoche(n)
Region(en)
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
Sprache der Ankündigung