Neostoizismus – seine Bedeutung für Hof und Höfling

Neostoizismus – seine Bedeutung für Hof und Höfling

Veranstalter
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt, wissenschaftliche Leitung Peer Schmidt und Alexander Thumfart
Veranstaltungsort
Schloss Friedenstein
Ort
Gotha
Land
Deutschland
Vom - Bis
05.10.2007 - 06.10.2007
Deadline
25.05.2007
Von
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Jenseits der konfessionellen Orientierungen, die mit ihren Kontroversen, Lagunen und Konversionen den Glauben und das religiöse Leben bestimmten, suchten die intellektuellen, bürokratischen und höfischen Eliten des ausgehenden 16. und 17. Jahrhunderts nach einer ethisch-moralischen Orientierung, die sich „klassischer“ Werte versicherte und über das politisch-religiös wetterwendische und fragile Alltagsgeschäft hinaus Gültigkeit beanspruchen konnten.

In jener Rezeption der Stoa, wie sie namentlich von Justus Lipsius vertreten wurde, fanden die Eliten einen überkonfessionell gültigen orientierenden Wertekatalog. In allen christlichen Lagern wurde etwa die Politica des Lipsius eifrig gelesen, die mit ihren Ratschlägen der Affektkontrolle und individuellen Selbstherrschung in schwierigen oder – wie die Zeitgenossen meinten – „Eisernen Zeiten“ hervortrat. In politisch-konfessionell aufgewühlten Konfliktkonstellationen sorgten sich katholische und protestantische Fürsten gleichermaßen um ihre „Reputation“, da in ihrem Handeln oft politische gegen religiöse Maximen abzuwägen waren. Höflinge und Hofparteien versuchten ihrerseits, den Unbilden des politischen Alltagsgeschäftes und höfischer Intrigen mit „ataraxia“ und einer „Kunst der Selbstsorge“ zu begegnen. Auch in Literatur und Kunst begegnet die Verarbeitung dieser neostoizistischen Ideale (Rubens). Nicht zuletzt wurde die Theologie selbst, wie die Schriften des spanischen Jesuiten Baltasar Gracián zeigen, hiervon deutlich berührt.

Auch wenn die mit dem Neostoizismus engverbundene Problematik der Selbst- und Sozialdisziplinierung in ihrer Breitenwirkung in der Frühen Neuzeit umstritten ist, so ist doch die Frage zu stellen, wie sich die Eliten bei Hofe und in Hofnähe in ihrem Verhalten und politischen Denken, ihren Selbsteinschätzungen und Wahrnehmungsmustern von solchen stoizistischen Affektnormativen leiten ließen, wie sie sie z. B. in Selbstzeugnissen verarbeiteten.
Der Workshop lädt dazu ein, neuere Forschungen auf dem Gebiet der Hofkultur und des höfischen Verhaltens im Spiegel des Neostoizismus und damit zumindest normativ geforderter Affektkontrolle vorzustellen und zu diskutieren. Dies soll in interdisziplinärer Perspektive geschehen. Der Call-for-Papers richtet sich vornehmlich, wenn auch nicht ausschließlich an Doktoranden und Habilitanden aus den Sozial- und Kulturwissenschaften.

Vorschläge von max. 2 Seiten werden bis zum 25.05.2007 an peer.schmidt@uni-erfurt.de erbeten.
Die Reise- und Aufenthaltskosten für die Referentinnen und Referenten werden vom Forschungszentrum Gotha übernommen.

Programm

Kontakt

Miriam Rieger

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

0361-737 44 25
0361-737 44 29
miriam.rieger@uni-erfurt.de

www.uni-erfurt.de/forschungszentrum-gotha/
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Veröffentlicht am
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Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
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