Quellen der Judenräte im besetzten Polen

Quellen der Judenräte im besetzten Polen

Veranstalter
Freia Anders, Katrin Stoll, Karsten Wilke in Zusammenarbeit mit dem „Kolloquium zur Zeitgeschichte“ (Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey), Fakultät für Geschichtswissenschaften, Philosophie und Theologie, Abteilung Geschichte
Veranstaltungsort
Internationales Begegnungszentrum (IBZ) der Universität Bielefeld, Morgenbreede 35, 33615 Bielefeld
Ort
Bielefeld
Land
Deutschland
Vom - Bis
27.06.2007 - 28.06.2007
Website
Von
Freia Anders

Der durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" im Rahmen des Programms "Geschichtswerkstatt Europa" unterstützte Workshop ist Teil eines deutsch-polnisch-israelischen Gemeinschaftsprojekts zur Erforschung des Holocaust und seiner Rezeption. Er befasst sich mit der Geschichte der Judenräte und ihren Quellen. Zeitgenössische Quellen aus den Geheimarchiven der Ghettos ermöglichen es, die Perspektive der Opfer nachzuvollziehen. Im Zentrum stehen die Meldungen des Bialystoker Judenrats, ein beeindruckendes Zeugnis aus einem Ghetto im besetzten Polen.
Das Projekt knüpft an regionalgeschichtliche Arbeiten der Veranstalter an. Im sog. Bielefelder Bialystok-Prozess (1965-1967) verhandelte die Schwurgerichtskammer am Landgericht Bielefeld gegen Mitarbeiter der Dienststelle des „Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes für den Bezirk Bialystok“ (KdS). Die Angeklagten waren an der Deportation der jüdischen Bevölkerung aus den nordostpolnischen Ghettos in Bialystok und Umgebung in die Vernichtungslager beteiligt. Nur auf der Grundlage historischer Dokumente gelang es dem Gericht, den Angeklagten die Kenntnis von Ziel und Zweck der Deportationen nachzuweisen und die Täter der Beihilfe zum Mord schuldig zu sprechen. Dazu gehörten auch die Meldungen des Bialystoker Judenrats. Sie geben Einblicke in die Reaktionsweisen der jüdischen Ghettobevölkerung auf die deutsche Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und verdeutlichen eine große Bandbreite menschlichen Verhaltens angesichts der zunehmenden Gewissheit über den laufenden Massenmord. Ein Teil der Meldungen des Bialystoker Judenrats wurde für das Bielefelder Schwurgericht aus dem Jiddischen übersetzt.
Der Workshop setzt sich vergleichend mit der Geschichte der Judenräte in Bialystok, Warschau und Lodz auseinander. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung der von den Judenräten überlieferten Quellen. In der ersten Sektion geht es um Erforschung der Geschichte der Judenräte sowie um öffentliche Nachkriegsdebatten zu deren Rolle. Die Vorträge beschäftigen sich mit der Rezeption der Judenräte in Israel, Polen und der Bundesrepublik Deutschland. Die zweite Sektion beschäftigt sich mit dem Erkenntniswert jüdischer Quellen für die Geschichtsschreibung der Ghettos im besetzten Polen. Die dritte Sektion beleuchtet den Beweiswert der Judenratsmeldungen im Bielefelder Bialystok-Prozess, deren sprachliche Charakteristika und die Möglichkeiten der Vermittlung des Holocaust mittels dieser Quellen.

Programm

Mittwoch 27. Juni 2007

I. Rezeption und Historiographie

Einführung und Moderation: Freia Anders (Bielefeld)

9.00 Controversies on the Jewish Councils in the Jewish World (1945-2005)
Dan Michman (Jerusalem)

10.00 Holocaust-Debatten in Polen
Karol Sauerland (Warschau)

11.30 Kaffeepause

12.00 Täterschaft, das Verhalten der Opfer und Widerstand im Streit. Die Kontroverse um Hannah Arendts Prozessreport "Eichmann in Jerusalem“
Karsten Wilke (Bielefeld)

13.00 Mittagessen

II. Der Erkenntniswert jüdischer Quellen für die Geschichtsschreibung der Ghettos in Polen unter deutscher Besatzung I

Moderation: Katrin Stoll (Bielefeld)

14.30 Getto bialostockie w relacjach i ocenach mieszkancow Bialegostoku. [Das Bialystoker Ghetto in Berichten der Einwohner von Bialystok]
Adam Dobronski (Bialystok)

15.30 Powojenne procesy sadowe zrodlem do dziejow Zydow bialostockich w II wojnie swiatowej [Polnische Nachkriegsprozesse als Quelle zur Geschichte der Bialystoker Juden während des Zweiten Weltkriegs]
Jerzy Jan Milewski (Bialystok)

16.30 Kaffeepause

16.45 The Judenrat of Bialystok: Structure, Departments and Personnel
Sara Bender (Haifa)

18.15 Abendvortrag
The Emergence of the Ghetto Phenomenon in the Nazi Era: Answering Some Unasked Questions
Dan Michman (Jerusalem)

Donnerstag, 28. Juni 2007

III. Der Erkenntniswert jüdischer Quellen für die Geschichtsschreibung der Ghettos in Polen unter deutscher Besatzung II

Moderation: Karsten Wilke (Bielefeld)

9.00 New themes from the Ringelblum Archive: Morality in the Shadow of Death
Havi Ben-Sasson (Jerusalem)

10.00 Rivalry between Judenrat members and underground activists in the Warsaw Ghetto. Common and different features
Piotr Weiser (Warschau)

11.00 Kaffeepause

11.30 Das Tagebuch des Adam Czerniakow. Warschau 6. September 1939 - 23. Juli 1942
Andreas Ruppert (Detmold)

12.15 The Lodz Ghetto Chronicle – the crown jewel of Mordekhay Rumkowski’s propaganda?
Monika Polit (Warschau)

13.00 Mittagessen

IV. Die Meldungen des Bialystoker Judenrates

Moderation: Freia Anders (Bielefeld)

14.30 Anmerkungen des Übersetzers
Hans-Peter Staehli (Bern)

15.00 Charakteristika der Bialystoker Judenratsmeldungen
Joanna Furla-Buczek (Warschau)

16.00 Kaffeepause

16.30 On the judicial significance of Judenrat documents in the Bielefeld trial of former members of the KdS Bialystok (1965-1967)
Katrin Stoll (Bielefeld)

17.30 Jenseits der Zeitzeugen. Möglichkeiten der Vermittlung des Holocaust im Schulunterricht am Beispiel der Bialystoker Judenratsmeldungen
Hans-Wilhelm Eckhardt (Hameln)/Matthias Holzberg (Alfeld)

Kontakt

Freia Anders
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Universität Bielefeld, Universitätsstr. 25
33615 Bielefeld
0521-106-3228
0521-106-2966
fanders@uni-bielefeld.de


Redaktion
Veröffentlicht am
Autor(en)
Beiträger
Klassifikation
Epoche(n)
Region(en)
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Englisch
Sprache der Ankündigung