Wo steht die Technikgeschichte? Chancen und Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Wo steht die Technikgeschichte? Chancen und Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Veranstalter
Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG)
Veranstaltungsort
Universität Salzburg
Ort
Salzburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
23.05.2008 - 25.05.2008
Deadline
30.09.2007
Von
Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG)

Call for papers – Wissenschaftliche Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte 2008
(Datum: 23. – 25. Mai 2008, Ort: Universität Salzburg, Institut für Geschichte)

Wo steht die Technikgeschichte?
Chancen und Herausforderungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Technik stellt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts längst nicht mehr nur als eine Materialisierung lebloser Artefakte dar. Die letzten Jahrzehnte haben vielfältige neuartige Technisierungsformen sowohl auf der Anbieter- als auch auf der Nutzerseite hervorgebracht:

- Neue Informationstechniken – vom Chat über das e-business bis hin zu Vorstellungen zum e-government – haben gesellschaftliche Strukturen reorganisiert.
- Die aufkommenden Biotechnologien haben traditionelle Grenzen von Gewordenem und Gemachtem in Frage gestellt.
- Die fortschreitende Tertialisierung postindustrieller Gesellschaften ist mit einschneidenden technischen Wandlungsprozessen verbunden.

Der Technikgeschichte kommt als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft die Aufgabe zu, solche Prozesse mittels historischer Kontextualisierung zu reflektieren. In einer von Technik durchdrungenen Gesellschaft sehen sich zudem universitäre Lehre und Forschung wie auch die technikhistorischen Museen aufgefordert, der Öffentlichkeit Orientierungswissen zur Technikentstehung und –entwicklung zu geben. Um diese Ziele zu fördern, widmet sich die Jahrestagung 2008 der Gesellschaft für Technikgeschichte – wie zuletzt 1995 in Schlaining – einer zukunftsgerichteten Bestandsaufnahme des Themenfeldes:

Zum einen soll es darum gehen, Herausforderungen und Chancen der technikhistorischen Forschung abzustecken, die sich aus den oben beschriebenen Umbrüchen ergeben. Erfordern diese eine inhaltliche Neudefinition technikhistorischen Orientierungswissens – beispielsweise mit Blick auf spezifische soziale und ökologische Probleme, die aus dem Einsatz neuer Technologien resultieren? Kann die technikhistorische Reflexion gleichzeitig selbst Leitlinien für die Technikgestaltung entwickeln? Auf methodischer Ebene arbeitet die Technikgeschichte aufgrund der sozialen, politischen und kulturellen Dimension technisch-wissenschaftlicher Entwicklungen seit langem disziplinenübergreifend. Wie wäre diese Ausrichtung weiter zu entwickeln? Ausdrücklich erwünscht sind hier auch Vortragsvorschläge von KollegInnen aus benachbarten Disziplinen, die ihre Erwartungen an Inhalte oder Methoden der technikhistorischen Forschung formulieren.

Diskutiert werden soll zum anderen, wie sich die Technikgeschichte als Disziplin den veränderten Bedingungen stellt, unter denen Wissen in der akademischen Forschungslandschaft produziert und vermittelt wird: Wird Forschung zunehmend auf europäischer Ebene begutachtet, bewilligt und finanziert, muss auch die Technikgeschichtsforschung ihre Betrachtungsräume auf transnationaler Ebene abstecken. Dies kann neue Fragestellungen und methodische Ansätze befördern. Zudem können technikhistorische Themen gerade im Rahmen der Modularisierung von Lehrangeboten und der Reform von Studiengängen ihre Anschlussfähigkeit zu anderen geistes-, sozial-, ingenieur- und naturwissenschaftlichen Disziplinen beweisen. Berichte über praxisnahe Erfahrungen der letzten Jahre auf diesem Feld sind ebenso erwünscht wie konzeptionelle Entwürfe.

Die Vorträge der Jahrestagung sollten sich an folgenden Fragestellungen orientieren:

- Welche neuen Forschungsfelder haben sich in den letzten zehn Jahren für die Technikgeschichte ergeben bzw. werden in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen? (z.B. sachliche Felder wie Biotechnologie, Nanotechnologie, Umwelttechnik etc.; räumliche Erweiterungen wie Kolonialtechnik, Schwerpunktverschiebungen z.B. von der Produktionstechnik zur Technik in Dienstleistungsbereichen; Fokussierung auf bestimmte historische Phasen bzw. Epochen wie Frühe Neuzeit, Nationalsozialismus, Kalter Krieg). Welche Forschungsfelder haben an Bedeutung verloren und wären gegebenenfalls zu reaktivieren?
- Welche Theorien und Methoden haben sich für die technikhistorische Forschung als fruchtbar erwiesen (Systemtheorie, Theorie reflexiver Modernisierung, Actor-Network-Theory, Semiotik etc.)? Welche sollten zukünftig stärker gewichtet werden?
- Wo liegen Schnittstellen und Kooperationsmöglichkeiten der Technikgeschichte mit anderen geistes-, sozial-, ingenieur- und naturwissenschaftlichen Disziplinen? Wie kann die Technikgeschichte das Wissen um historische Zusammenhänge in die Ingenieur-, Agrar- und Lebenswissenschaften einbringen? Was können und sollen die HistorikerInnen gleichzeitig von den IngenieurInnen lernen?
- Welche neuen Chancen und Herausforderungen ergeben sich für die Vermittlung technikhistorischen Wissens im Rahmen der universitären Lehrangebote, in den Museen und Medien? Welche Kooperationsmöglichkeiten gibt es dabei und wie kann offensiv mit Kommerzialisierungszwängen umgegangen werden?
- Wie kann die Zusammenarbeit zwischen der universitären Forschung und den technikhistorischen Museen als Produktions- und Vermittlungsinstanzen technikhistorischen Wissens gestärkt werden?
- Welche Potenziale eröffnet die Nutzung der IT-Technologien, die mit den "traditionellen" Medien technikhistorischen Arbeitens (gedruckte Publikationen, Ausstellungen, etc.) nicht abgedeckt werden können?
- Wie ist es um Selbstverständnis und Fremdwahrnehmung der Technikgeschichte als historische Disziplin bestellt?
- Welche Möglichkeiten europäischer und internationaler Kooperationen stehen der Technikgeschichte offen und wären verstärkt zu nutzen?

Mit dieser – durchaus offenen – Liste wollen wir zu einer Bestandsaufnahme ebenso wie zur Beschreitung neuer Wege anregen. Abstracts für Vortragsvorschläge (max. 500 Wörter), Kurzlebenslauf und Publikationsverzeichnis sollen bis 30. September 2007 an den Programmausschuss der Gesellschaft für Technikgeschichte gerichtet werden:

Frank Dittmann: f.dittmann@deutsches-museum.de
Marcus Popplow: popplow@tu-cottbus.de
Heike Weber: weber@ifs.tu-darmstadt.de

Programm

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Redaktion
Veröffentlicht am
30.07.2007
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