Neostoizismus – seine Bedeutung für Hof und Höfling

Neostoizismus – seine Bedeutung für Hof und Höfling

Veranstalter
Prof. Dr. Peer Schmidt, Prof. Dr. Alexander Thumfart
Veranstaltungsort
Schloss Friedenstein
Ort
Gotha
Land
Deutschland
Vom - Bis
15.02.2008 - 16.02.2008
Deadline
07.11.2007
Website
Von
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Jenseits der konfessionellen Orientierungen, die mit ihren Kontroversen, Lagunen und Konversionen den Glauben und das religiöse Leben bestimmten, suchten die intellektuellen, bürokratischen und höfischen Eliten des ausgehenden 16. und 17. Jahrhunderts nach einer ethisch-moralischen Orientierung, die sich unter den Bedingungen der Pluralität philosophischer Lehren „klassischer“ Werte versicherte und über das politisch-religiös wetterwendische und fragile Alltagsgeschäft hinaus Gültigkeit beanspruchen konnten.

In jener Rezeption der Stoa, wie sie namentlich von Justus Lipsius vertreten wurde, fanden die Eliten einen überkonfessionell gültigen, wenngleich nie unstrittigen orientierenden Wertekatalog. In allen christlichen Lagern wurde etwa die Politica des Lipsius eifrig gelesen, die mit ihren Ratschlägen der Affektkontrolle und individuellen Selbsbetherrschung in schwierigen oder – wie die Zeitgenossen meinten – „Eisernen Zeiten“ hervortrat und zugleich gouvernementale monarchische Regierungs- und Verwaltungspraktiken beschrieb, mit deren Hilfe die Bevölkerung (rational und auf Distanz) geführt werden konnte. In politisch-konfessionellen Konfliktkonstellationen sorgten sich katholische und protestantische Fürsten gleichermaßen um ihre „Reputation“, da in ihrem Handeln oft politische gegen religiöse Maximen abzuwägen waren. Höflinge und Hofparteien versuchten ihrerseits, den Unbilden des politischen Alltagsgeschäftes und höfischer Intrigen mit „ataraxia“ und einer „Kunst der Selbstsorge“ zu begegnen. Auch in Literatur und Kunst vollzog sich die Verarbeitung dieser neostoizistischen Ideale (Rubens). Nicht zuletzt wurde die Theologie selbst, wie die Schriften des spanischen Jesuiten Baltasar Gracián zeigen, deutlich vom Neo-Stoizismus berührt.

Auch wenn die mit dem Neostoizismus engverbundene Problematik der Selbst- und Sozialdisziplinierung in ihrer Breitenwirkung in der Frühen Neuzeit umstritten ist, so ist doch die Frage zu stellen, wie sich die Eliten bei Hofe und in Hofnähe in ihrem Verhalten und politischen Denken, ihren Selbsteinschätzungen und Wahrnehmungsmustern von solchen stoizistischen Affektnormativen und politisch-gouvernementalen Fremdsteuerungsmodellen leiten ließen, wie sie sie z. B. in Selbstzeugnissen verarbeiteten.
Der Workshop lädt dazu ein, neuere Forschungen auf dem Gebiet der Hofkultur und des höfischen Verhaltens im Spiegel des Neostoizismus und damit zumindest normativ geforderter Affektkontrolle vorzustellen und zu diskutieren. Dies soll in interdisziplinärer Perspektive geschehen. Der Call-for-Papers richtet sich vornehmlich, wenn auch nicht ausschließlich an Doktoranden und Habilitanden aus den Sozial- und Kulturwissenschaften.

Vorschläge von max. 2 Seiten werden bis zum 07. November 2007 an peer.schmidt@uni-erfurt.de oder alexander.thumfart@uni-erfurt.de erbeten.
Die Reise- und Aufenthaltskosten werden vom Forschungszentrum Gotha übernommen.

Programm

Kontakt

Prof. Dr. Peer Schmidt

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Nordhäuser Str.63. 99089 Erfurt
0361-737 44 20
0361-737 44 29
peer.schmidt@uni-erfurt.de


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Deutsch
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