Wallensteinbilder im Widerstreit. Eine historische Symbolfigur in Geschichtsschreibung und Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert

Wallensteinbilder im Widerstreit. Eine historische Symbolfigur in Geschichtsschreibung und Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert

Veranstalter
Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart; Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart; Historisches Institut der Universität Stuttgart; Wissenschaftliche Konzeption und Leitung: Prof. Dr. Joachim Bahlcke, Universität Stuttgartm Historisches Institut, Abteilung Geschichte der Frühen Neuzeit; Prof. Dr. Christoph Kampmann, Philipps-Universität Marburg, FB 06, Neuere Geschichte I / Frühe Neuzeit, Marburg/Lahn
Veranstaltungsort
Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart (Otto-Borst-Saal)
Ort
Stuttgart
Land
Deutschland
Vom - Bis
08.10.2009 - 10.10.2009
Von
Alexander Schunka

Von Albrecht von Wallenstein geht eine ungebrochene Faszinationskraft aus. Seine historische Persönlichkeit wirkte freilich auf Zeitgenossen und rückblickende Beobachter polarisierend: Wallenstein personifizierte zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert in gewisser Weise die jeweils dominierenden, konkurrierenden Geschichts- und Zeitdeutungen. Besondere Bedeutung erlangte er in der Historiographie des 19. Jahrhunderts. Unter dem Einfluß des dramatischen Werkes von Friedrich Schiller wurde Wallenstein, geborenes Mitglied einer altehrwürdigen tschechischen Familie des böhmischen Herrenstandes, nun zu einer, wenn nicht gar zu der Schlüsselfigur deutscher Nationalerinnerung.

Diese Feststellung ist leitend bei der Konzeption unseres Kolloquiums. Es soll näher betrachtet werden, welche Züge das Wallenstein-Bild im Wandel der Epochen in Geschichtsschreibung, aber auch in Kunst und Literatur charakterisierte, und warum es gerade das jeweilige Wallenstein-Bild war, das polarisierend wirkte und die jeweils konkurrierenden Geschichtsdeutungen symbolisierte. Eine Schlüsselstellung nehmen naturgemäß Schillers Wallenstein-Bild, dem im Kolloquium besondere Aufmerksamkeit zukommt, sowie dessen Wirkung ein. Den im Gefolge Schillers extrem polarisierten Wallenstein-Bildern im deutschsprachigen Raum wird die Darstellung Wallensteins in der tschechischen Historiographie gegenübergestellt. Es soll daher nicht nur darum gehen, die jeweiligen Spezifika des Wallenstein-Bildes nachzuzeichnen, sondern auch den Kontext zu beschreiben, in dem es entstanden ist. Warum, so lautet die zentrale Frage, gewann gerade in dem jeweiligen historiographisch-literarischen Kontext das entsprechende Wallenstein-Bild solche Bedeutung?

Das Wallenstein-Kolloquium steht damit an der Schnittstelle mehrerer in den historischen und kulturwissenschaftlichen Fächern aktuell diskutierter Forschungstendenzen. Die Historiographie und Darstellung des Dreißigjährigen Kriegs, die Wallenstein-Rezeption, die wissenschaftliche Historiographie und das Verhältnis von Persönlichkeit und Memoria haben in jüngster Zeit die verstärkte Aufmerksamkeit der Forschung gefunden. So erscheint es sinnvoll, diese unterschiedlichen Forschungsansätze in einem Kolloquium zum Wandel des Wallenstein-Bildes in Aneignung und Widerspruch zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert zusammenzuführen.

Programm

Donnerstag, 8. Oktober 2009

14.00-14.30 Uhr
Grußworte

14.30-15.00 Uhr
Prof. Dr. Joachim Bahlcke, Stuttgart
Prof. Dr. Christoph Kampmann, Marburg/Lahn
Thematische Einführung

Sektion 1:
Das Wallensteinbild in der Reichspublizistik und Historiographie des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (1634-1800)

15.00-15.45 Uhr
Prof. Dr. Christoph Kampmann, Marburg/Lahn
Prägungen und Wandlungen im Wallensteinbild protestantischer Autoren im Alten Reich vor 1800

15.45-16.30 Uhr
Prof. Dr. Arno Strohmeyer, Salzburg
Die Lebensbeschreibung Albrechts von Wallenstein des Galeazzo Gualdo Priorato (1643) und das Wallensteinbild katholischer Autoren im Alten Reich

16.30-17.00 Uhr
Kaffeepause

17.30-18.30 Uhr
Führung durch die Wallenstein-Ausstellung im Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Öffentlicher Abendvortrag
20.00 Uhr
Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Berlin
Das Porträt des Feldherrn – Wallenstein in seiner Zeit

Freitag, 9. Oktober 2009

Sektion 2:
Der Wendepunkt: Schillers Wallenstein

9.00-9.45 Uhr
Prof. Dr. Norbert Oellers, Bonn
Das Wallensteindrama und seine Stellung unter den historischen Dramen Schillers

9.45-10.30 Uhr
Dr. Holger Mannigel, Osnabrück
Entstehung und Wandel des Wallensteinbildes Schillers als Historiker

10.30-11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00-11.45 Uhr
Priv.-Doz. Dr. Arnd Beise, Marburg/Lahn
Die zeitgenössische Rezeption der Wallensteindramen Schillers

11.45-13.30 Uhr
Mittagessen

Sektion 3:
Der literarische Wallenstein nach Schiller

13.30-14.15 Uhr
Prof. Dr. Johannes Süßmann, Paderborn
Deutsche Wallensteinromane im 19. und 20. Jahrhundert

14.15-15.00 Uhr
Prof. Dr. Ludger Udolph, Dresden
Das Wallensteinbild in der tschechischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts

15.00-15.30 Uhr
Kaffeepause

Sektion 4:
Das Wallensteinbild in der großdeutschen und der kleindeutschen Historiographie

15.30-16.15 Uhr
Prof. Dr. Thomas Brechenmacher, Potsdam
Großdeutsche Geschichtsschreibung und Wallensteinbild

16:15-17.00 Uhr
Dr. Hilmar Sack, Berlin
Kleindeutsche Geschichtsschreibung und Wallensteinbild

17.00-17.15 Uhr
Pause

Sektion 5:
Das Wallensteinbild in der wissenschaftlichen und populären Historiographie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert

17.15-18.00 Uhr
Prof. Dr. Gerrit Walther, Wuppertal
Biographie als Experiment. „Wallenstein und seine Zeit“ als individuelle Universalgeschichte bei Leopold von Ranke

18.00-18.45 Uhr
Dr. Norbert Kersken, Marburg/Lahn
Die Wallensteineditionen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Auswahlprinzipien und Geschichtsbild

18.45-19.30 Uhr
Dr. Robert Luft, München
Die Popularisierung des Wallensteinbildes in Mitteleuropa im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Anschließend:
Gemeinsames Abendessen

Sonnabend, 10. Oktober 2009

Sektion 6:
Die mitteleuropäische Wallensteinhistoriographie nach dem Ersten Weltkrieg: die Kontroverse Pekař – Srbik

9.00-9.45 Uhr
Prof. Dr. Joachim Bahlcke, Stuttgart
Geschichtsdeutungen der Vormoderne im tschechoslowakischen Nationalstaat. Das Wallensteinbild von Josef Pekař (1870-1937)

9.45-10.30 Uhr
Prof. Dr. Winfried Schulze, München
Heinrich von Srbik und sein Wallensteinbild

10.30-11.00 Uhr
Kaffeepause

Sektion 7:
Die mitteleuropäische Wallensteinhistoriographie nach dem Zweiten Weltkrieg

11.00-11.45 Uhr
Dr. Roland Gehrke, Stuttgart
Das nationalkonservative deutsche Wallensteinbild im geteilten Deutschland

11.45-12.30 Uhr
Prof. Dr. Hans-Christof Kraus, Passau
Golo Manns Wallensteinbild im Kontext seines Lebenswerkes

12.30-13.15 Uhr
Abschlußdiskussion

Anreise:
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Konrad-Adenauer-Str. 16, 70173 Stuttgart
Otto-Borst-Saal
Vom Stuttgarter Hauptbahnhof erreichbar zu Fuß oder mit den U-Bahnen 9 und 14 (Haltestelle „Staatsgalerie“) bzw. U 5, 6 und 15 (Haltestelle „Charlottenplatz“).

Anmeldung:
Die Tagung ist öffentlich, eine vorherige Anmeldung ist jedoch aus Platzgründen erforderlich.
Anmeldungen bitte an Herrn Wolfram Schneider vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg:
schneider@hdgbw.de

Kontakt

Prof. Dr. Joachim Bahlcke
Universität Stuttgart, Historisches Institut
Keplerstr. 17, 70174 Stuttgart
0711-685-82341
0711-685-82318
Alexandra.Schellenberg@po.hi.uni-stuttgart.de

http://www.uni-stuttgart.de/hifnz/
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