Web 2.0 und Geschichtswissenschaft. „Social Networking“ als Herausforderung und Paradigma

Web 2.0 und Geschichtswissenschaft. „Social Networking“ als Herausforderung und Paradigma

Veranstalter
Jürgen Beine, Fachbereich 1, Universität Siegen; Prof. Dr. Angela Schwarz, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Universität Siegen
Ort
Siegen
Land
Deutschland
Vom - Bis
09.10.2009 - 10.10.2009
Deadline
08.10.2009
Von
Jürgen Beine

Die historische Fachinformatik hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Web 2.0 auseinandergesetzt. Die Sektion über „Kollaboratives Schreiben, Lehren und Lernen“ auf der .hist2006-Tagung in Berlin und das Projekt „Zeitgeschichte online – Docupedia“ belegen nachdrücklich, dass eine theoretische Auseinandersetzung und eine methodisch fundierte Erprobung von „kollaborativen Systemen“ Eingang in die Geschichtswissenschaft gefunden haben.

Die Charakteristika der mit dem Begriff Web 2.0 umrissenen Konzeptionen und Internetapplikationen sind nicht exakt festgelegt , jedoch gibt es eine Reihe an „Schlüsselprinzipien“, welche Web 2.0-Anwendungen und die mit ihnen verbundenen Arbeitsweisen beschreiben.

Das Web 2.0 steht „für eine Reihe interaktiver und kollaborativer Elemente des Internets“. Es bezieht sich weniger auf spezifische Technologien oder Innovationen, sondern primär auf eine veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internets. Ein zentraler Aspekt besteht dabei darin, dass die Benutzer Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst erstellen und bearbeiten. Individuen vernetzen sich in einer großen Anzahl mit Hilfe sozialer Software untereinander und kommunizieren und kollaborieren auf diese Weise. Web 2.0 bedeutet also, dass sich Individuen mit Hilfe von „kollaborativer Software“ Plattformen im Internet generieren, mit denen sie Inhalte gestalten und so mit anderen Individuen an „gemeinsamen Projekten“ arbeiten und insbesondere kommunikative Komponenten nutzen. Im Kern ist das Web 2.0 demnach ein „Mitmach-Web“.

Das „Mitmach-Web“ beinhaltet zwei Komponenten, welche die Geschichtswissenschaftlich zentral tangieren. Zum einen verortet sich in ihm die Philosophie des „Sharing knowledge“ , welche fundamental für (geschichts-)wissenschaftliche Diskurse ist. Zum anderen aber löst sich in ihm die vormals eindeutige Beziehung zwischen einem Text und seinem Autor auf, Texte erfahren eine stilistische und inhaltliche Dynamik, deren Substanz durch das Regelwerk bestimmt ist, das dem „social network“ gewissermaßen als dessen Verfassung zu Grunde liegt. Kurzum: Der (geschichts-) wissenschaftliche Autor hat in Web 2.0-Plattformen ein grundlegend neuartiges Verhältnis zu den von ihm verfassten wissenschaftlichen Texten einzunehmen.

Zentrale Aspekte der Tagung:

1. Theoretische und methodologische Probleme von „social networks“ in der Geschichtswissenschaft – Vom Nutzen und Nachteil der „social networks“
2. Konzeption und Implementierung von „social-Software“ in der Geschichtswissenschaft – Erfahrungen und Beispielprojekte
3. „Knowledge Sharing Using Social Media” als neues Paradigma geschichtswissenschaftlichen Arbeitens?
4. „Social networks“ als neue Pfade historischen Lernens?

Programm

9. Oktober 2009

14:00 Uhr
Angela Schwarz:
Begrüßung und Eröffnung

14:15 Uhr
Rüdiger Hohls:
Docupedia-Zeitgeschichte: Werkstattbericht zu einem Web 2.0 Publikationsmodell

15.15 Uhr
Jürgen Beine:
Wikis als Herausforderung für die Geschichtswissenschaft

16.15 Uhr
Kaffeepause

16.45 Uhr
Patrick Sahle
Das Archiv als virtualisierte Forschungsumgebung?

17.45 Uhr
Gregor Horstkemper
Eine verzopfte Zunft auf dem Weg zur Bibliothek 2.0? Neue Rollenverteilungen zwischen Bibliotheken und "social communities" beim Aufbau geschichtswissenschaftlich relevanter Online-Angebote

19.00 Uhr
Abendessen

10. Oktober 2009

9.30 Uhr
Richard Heigl
Wikis und Blogs als neue wissenschaftliche Arbeitsinstrumente

10:30 Uhr
Peter Haber
Geschichte schreiben in digitalen Zeiten

11.30 Uhr
Kaffeepause

12.00 Uhr
Manfred Thaller
Das Ende des Kanons: Drohungen und Hoffnungen

13:00 Uhr
Abschlussdiskussion

Kontakt

Jürgen Beine
Universität Siegen
Fachbereich 1: Fach Geschichte

57068 siegen
beine@fb1.uni-siegen.de

http://www.fb1.uni-siegen.de/geschichte/web2null/
Redaktion
Veröffentlicht am
20.09.2009
Beiträger