Das Gedenkjahr 2009 ist im vollen Gange, jähren sich doch viele historische Daten: Der Beginn des Zweiten Weltkriegs, die Gründung von BRD und DDR und nicht zuletzt die friedliche Revolution vor 20 Jahren. Doch wie erinnerten die Oppositionellen von 1989 an die Zeit zwischen 1939 und 1949?
Im Projekt Gegengeschichte untersuchten neun junge Historiker aus Leipzig, München, Warschau und Prag, welche Rolle der Zweite Weltkrieg und der Holocaust für die Dissidenten in der DDR, der Volksrepublik Polen und der ČSSR spielten. Was versuchten sie den Tabuisierungen und Glorifizierungen des sozialistischen Geschichtsbildes entgegenzusetzen? Welche Rolle spielte die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust für das oppositionelle Selbstbild? Was bedeutete der "Versuch in der Wahrheit zu leben" (Václav Havel) angesichts geschönter und verfälschter Geschichtsbilder im "real existierenden Sozialismus"? Welche Wirkung hatte die oppositionelle Aufarbeitung der Vergangenheit auf den Umgang mit der Geschichte nach 1989?
Neun einzelne Projekte untersuchten diese Fragen anhand verschiedener "Gegengeschichten". Nun werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Sie werden von einem einleitenden Vortrag von MICHAL KOPEČEK (Leiter der Prager Projektgruppe "Sozialistische Diktatur als Sinnwelt") und einem Kommentar von SILKE SATJUKOW (Privatdozentin am Institut für Geschichte der Universität Jena) umrahmt.
Das Forschungsprojekt wird von der Societas Jablonoviana Leipzig und dem Historischen Institut der Universität Warschau getragen. Es wird im Rahmen des Programms "Geschichtswerkstatt Europa" der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und des Instituts für angewandte Geschichte geförderten Projektes realisiert. Die Abschlusspräsentation im Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften wird darüber hinaus aus Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert.