Call for papers
Kongress „Individualisierte Prävention und Epidemiologie:
Die moderne Medizin“. Berlin 21.-25.9.2010.
Workshop
der AG Geschichte von Sozialmedizin, Sozialhygiene und Public Health der DGSMP
Die moderne Medizin: Wissenschaft – Bewertung – Evidenz
Evidenzbasierung gilt als Basiskonzept moderner Medizin und Public Health. Zunehmend tauchen in diesem Kontext Begriffe wie Junk Science (Dan Agin), Denialism (Mark und Chris Hoofnagle, Michael Specter) oder Agnotology (Robert Proctor, Londa Schiebinger) auf. Diese neuen Bezeichnungen verweisen auf Probleme des Umgangs mit Fakten, die in wissenschaftlich akzeptierten Verfahren oder in fragwürdiger, pseudowissenschaftlicher Weise gewonnen wurden, deren wissenschaftliche Qualität im öffentlichen Diskurs unterschiedslos behauptet wird.
Besondere Brisanz erhalten die damit verbundenen Fragen im Kontext der gesellschaftlichen Anwendungen medizinischen Wissens: In der gesundheitlichen Aufklärung, in der Bewertung von Arzneimitteln oder in der Politikberatung. Nicht erst der „Fall Sawicki“ beweist, dass es sich bei der Prüfung von Informationen, die politischen Entscheidungen zugrunde liegen, um ein Aufgabengebiet mit hohem Konfliktpotenzial handelt. Expertenkultur, Wissensgesellschaft, Verwissenschaftlichung und Popularisierung von Wissenschaft sind Schlagworte, die das Themenfeld unseres Workshops in wissenschaftssoziologischer und -historischer Perspektive abstecken. Neben dem Prozess der Diskussion und der Distribution wissenschaftlicher Erkenntnisse wollen wir ebenfalls Aspekte ihrer Erzeugung sowie der Evaluierung ihrer wissenschaftlichen Qualität in Vergangenheit und Gegenwart in den Blick nehmen. In unserem Workshop wollen wir den Evidenzdiskurs an historischen und aktuellen Beispielen untersuchen:
- Was konstituiert medizinisches oder gesundheitswissenschaftliches Wissen? Welche historischen „Lehrstücke“ gibt es dazu?
- Welche Rolle spielt Evidenzbasierung in der Wissensgesellschaft?
- Welche Folgen haben Strategien der Produktion von Nichtwissen und Unsicherheit seitens der Industrie (Pharmaindustrie, Tabakindustrie)?
- Wie verändert sich der Umgang mit Wissen im Kontext von Politikberatung, Lobbyismus und Auftragsforschung? Wie verändert sich die Rolle der Wissenschaftler (scientist as fellow traveller)?
- Was bedeuten diese Entwicklungen für das Verhältnis zwischen „individualisierter Prävention“ und Public Health?
Medizinhistorische Beiträge sind ebenso willkommen wie aktuelle Beiträge aus der Sozialepidemiologie, der Soziologie oder der Gesundheitssystemforschung.
Die Struktur des Workshops lehnt sich an die Vorgaben der Veranstalter der Haupttagung an: Einer jeweils 15minütigen Präsentation folgt eine gleich lange Diskussionszeit. Für den gesamten Workshop stehen innerhalb der genannten Tagung voraussichtlich zweimal eineinhalb Zeitstunden zur Verfügung.
Wir bitten bis 31.3.2010 um Abstracts mit Vorschlägen für Referate an Dr. Gabriele Moser, Universität Heidelberg, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Im Neuenheimer Feld 327, 69120 Heidelberg [gabriele.moser@umtal.de].
Folgende Richtlinien der DGSMP sind nach Möglichkeit für die Gliederung der Abstracts zu beachten:
- Einleitung / Hintergrund
- Material und Methoden
- Ergebnisse
- Diskussion / Schlussfolgerungen.
Der Titel des Abstracts soll bis zu 240 Zeichen umfassen, der Text des Abstracts 300 Wörter nicht überschreiten. Wenn die Abstracts im Abstract-Band abgedruckt werden sollen, müssen sie zusätzlich auf der Internetseite der DGSMP (www.dgsmp.de) in dem vorgesehenen Abstract-Formular eingetragen werden. Wir bitten darum, dort beim Titel den Zusatz „Workshop Geschichte“ hinzuzufügen, damit der Beitrag richtig zugeordnet werden kann.
AG „Geschichte von Sozialhygiene, Sozialmedizin und Public Health“ der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention. C/o Dr. Sigrid Stöckel MPH (Medizinische Hochschule Hannover) / Dr. Joseph Kuhn (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) / Dr. Gabriele Moser, Universität Heidelberg.