Krisen und Krisenbewusstsein in den 1970er Jahren: Perzeption und Konsequenzen der Protestbewegung von 1968. Deutschland und Frankreich im Vergleich

Krisen und Krisenbewusstsein in den 1970er Jahren: Perzeption und Konsequenzen der Protestbewegung von 1968. Deutschland und Frankreich im Vergleich

Veranstalter
Institut für Zeitgeschichte München - Berlin; Université de Bordeaux 3 Michel de Montaigne
Ort
München
Land
Deutschland
Vom - Bis
09.09.2010 - 11.09.2010
Deadline
31.08.2010
Von
Bernhard Gotto

Zum dritten Mal veranstalten das Institut für Zeitgeschichte und die Université III de Bordeaux ein gemeinsames Kolloquium, das Krisen und Krisenwahrnehmung im deutsch-französischen Vergleich behandelt. Es findet vom 9.-11. September 2010 am Institut für Zeitgeschichte in München statt.

Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass jene Eruptionen, die in beiden Ländern 1968 kulminierten, auf tiefe historische Zäsuren und gesellschaftliche Umbrüche verweisen. Ihren gemeinsamen europäischen Kontext sowie die spezifischen Ausangsbedingungen, Konfliktlagen und Ausprägungen von Protest und Reformen soll ein deutsch-französischer Vergleich auf vier Ebenen herauskristallisieren: Untersuchungsfelder sind die Politik- und Ideengeschichte, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung, kulturgeschichtliche Perspektiven sowie die Internationalen Beziehungen.

In den 1970er Jahren standen die Regierungen und die Gesellschaften neuen Herausforderungen gegenüber. Vor allem der Ölpreisschock und die sich daran anschließende Weltwirtschaftskrise markierten eine tiefe Zäsur, nämlich den Abschied vom bis dahin für selbstverständlich genommenen Wirtschaftswachstum und vom daraus abgeleiteten Fortschrittsoptimismus. Dadurch änderten sich zugleich auch die Rahmenbedingungen, unter denen bereits bekannte, noch nicht gelöste Probleme an Schärfe zunahmen. Die gesellschaftlichen Unruhen vom Mai 1968 fanden eine minoritäre, aber extreme Zuspitzung im Terrorismus, Arbeitslosigkeit wurde zum Massenphänomen und stellte die Leistungsfähigkeit des Sozialstaats in Frage. Aus dem vielstimmigen Chor der Zeit- und Kulturkritiker ging eine breite Umweltschutzbewegung hervor, die politisches Umdenken forderte. Die tiefen Umbrüche seit den 1960er Jahren schlugen sich in beiden Ländern in politischen Führungswechseln nieder. Die 1970er Jahre brachten daher beiderseits des Rheins einen Wandel der politischen Landschaft mit sich. Schließlich änderte sich auch das Umfeld in den Internationalen Beziehungen; diese Änderungen wirkten sich stark auf das Verhältnis beider Staaten zu Europa und auf die jeweiligen Beziehungen zu den beiden Supermächten aus.

Programm

Donnerstag, 9. September 2010

13:45 Begrüßung durch Horst Möller, Jean Mondot und Nicole Pelletier:

14:00 Eröffnungsvortrag - Horst Möller: „Nach dem Boom“ – „Les Trente glorieuses“ – „Les Vingt décisives“: die 1970er Jahre als zeithistorische Epochenschwelle

Sektion 1: Politik- und Ideengeschichte

14:30 Jean Garrigues: Le développement du système politique français (partis et parlamentarisme)

15:00 Udo Wengst: Die unregierbare Demokratie? Parteien und politisches System in der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er Jahren

16:00 Kaffeepause

16:30 Bernhard Gotto: Das große Ganze: Valéry Giscard D’Estaings „Démocratie française“ und Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“

17:00 Sylvie Guillaume: Actualité du discours libéral en France depuis les années 1970

17:30 Diskussion

Freitag, 10. September 2010

Sektion 2: Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur

09:00 Jean-François Sirinelli: Evolutions sociales en France après 1968

09:30 Hélène Miard-Delacroix: Le choc pétrolier et la crise de société en Allemagne et en France

10:00 Pierre Guillaume: La crise de l'Etat providence en France dans les années 1970 - 1980

10:30 Diskussion

11:00 Kaffeepause

11:30 Thomas Raithel: Die politische Wahrnehmung von „Jugend“ in der Bundesrepublik und in Frankreich in den 1970er Jahren

12:00 Bernard Poloni: La citoyenneté dans l'entreprise: une asymétrie franco-allemande

12:30 Nicole Pelletier: „1968 et après?“ Le regard de Peter Schneider

13:00 Mittagspause

14:00 Diskussion

Sektion 3: Internationale Beziehungen und internationale Entwicklungen

14:30 Georges-Henri Soutou: La France et la RFA au milieu des années 70: une prise de distance à l’égard des Etats-Unis ?

15:00 Andreas Wilkens: Aufschwung, Krise, Pragmatismus. Europapolitische Zyklen 1969-1982

15:30 Diskussion

16:00 Kaffeepause

16:30 Veronika Heyde: Entspannung, Menschenrechte, Abrüstung: Die KSZE-Politik Frankreichs in den 1970er Jahren

17:00 Verena Sattler: Frankreichs Nahostpolitik während der 1970er Jahre

17:30 Diskussion

Samstag, 11. September 2010

09:00 Markus Lammert: Die Politik der inneren Sicherheit in Frankreich 1968 - 1974

09:30 Johannes Hürter: "Wehrhafte Demokratie" oder "Sicherheitsstaat"? Die bundesdeutsche Anti-Terrorismus-Politik in den 1970er Jahren

10:00 Jean Mondot: La lutte contre le terrorisme en RFA et sa perception en France

10:30 Eva Oberloskamp: Die deutsch-französische Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung in den 1970er Jahren: Wahrnehmungen, Motivationen und Handlungsfelder

11:00 Diskussion

11:30 Ende

Kontakt

Bernhard Gotto
Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstr. 46b, 80636 München

gotto@ifz-muenchen.de

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