Zweite Tagung Deutsche Polenforschung

Zweite Tagung Deutsche Polenforschung

Veranstalter
Deutsches Polen-Institut; Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltungsort
Campus, Alte Mensa
Ort
Mainz
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.09.2011 - 24.09.2011
Deadline
15.09.2011
Von
Peter Oliver Loew

Die Zweite Tagung Deutsche Polenforschung - Kongress, Fachtagung, Kontaktbörse und Ideengeber für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Polen beschäftigen. Sie schließt an die Erste Tagung Deutsche Polenforschung an, zu der 2009 rund 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Darmstadt gekommen waren.

Rahmenthema

»Polen liegt in der Mitte Europas.« Es ist eine Frage der Definition, von Kommunikation und Konstruktion, ob man dieser Feststellung zustimmt oder nicht. Immerhin befindet sich einer der geographischen Mittelpunkte des Kontinents im litauischen Dorf Purnuškės (polnisch: Purnuszki) nördlich von Wilna (polnisch: Wilno, litauisch: Vilnius) und damit im historischen Gebiet der polnisch-litauischen Adelsrepublik.

Polen in der Mitte Europas: Dieses historisch-kulturelle Konstrukt ist Rahmenthema der Zweiten Tagung Deutsche Polenforschung. Die Frage nach der Lage Polens in Europa ist oft gestellt worden: Mal schien es weit im Westen zu liegen, dann wieder wähnte man es fest im Griff des Ostens, gelegentlich empfand es sich gar als »Zwischeneuropa«. Am Anfang des 21. Jahrhunderts, nach NATO-Beitritt und EU-Osterweiterung, ist es fest in der Mitte des Kontinents verankert.

Das Rahmenthema eignet sich für viele disziplinäre Ansätze. Zu fragen ist etwa nach den Europabildern Polens seit dem Mittelalter, nach Konstruktionen wie »Antemurale« und »Intermarium«, nach der Bedeutung und Übernahme (west-/ost-) europäischer Ideen oder Moden, aber auch nach Abwehrstrategien gegen vermeintliche »Überfremdung«, »Verwestlichung« oder »Orientalisierung«. Wie fand und findet Kommunikation zwischen Polen und dem Rest Europas statt, wie wanderten Vorstellungen und Menschen, wie war und ist Polen eingebunden in die Allianzen und Netzwerke des Kontinents? Wie europäisch ist Polen eigentlich? Und wie polnisch ist Europa?

CfP: Projektvorstellungen und Präsentationen

Zusätzlich zu den themenbezogenen Referaten bieten wir die Möglichkeit zu kurzen Projektvorstellungen im Plenum (2-3 Minuten). Hierzu bewerben Sie sich bitte bis 31. Juli 2011, indem Sie ein Abstract (1/2 Seite), eine Veröffentlichungsliste und einen kurzen Lebenslauf senden an loew@dpi-da.de.

Über die Auswahl der Vorstellungen wird im August 2011 entschieden.

Wenn Sie Ihr Projekt oder Ihre Institution mit Plakaten, Aufstellern, einem Stand oder Ausstellungstafeln darstellen möchten, so bitten wir Sie um Ihre Nachricht ebenfalls bis 31. Juli 2011.

Einladung

Alle an einer Teilnahme ohne eigenen Beitrag Interessierten laden wir ein, sich auf unserer Homepage www.polenforschung.de anzumelden. Bei einer Anmeldung bis 31. Juli 2011 wird ein Tagungsbeitrag von 40 Euro erhoben; Studierende, Doktoranden und Arbeitslose zahlen 20 Euro. Ab dem 1. August 2011 gilt eine Spätanmeldegebühr von 60 Euro. Die Kosten für Pausengetränke, Abendempfang, Mittag- und Abendessen werden übernommen.

Programm

Donnerstag, 22. September 2011

15.00 Eröffnung des Tagungsbüros

17.30 Tagungseröffnung (der Ort wird noch festgelegt)

Eröffnung
Grußworte

Festvortrag

Martin Pollack (Bocksdorf, Österreich)
Polnische Lektionen

20.00 Empfang

Freitag, 23. September 2011

8.00 Eröffnung des Tagungsbüros Alte Mensa, Eingangsbereich
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Alte Mensa
Johann-Joachim-Becher-Weg 3

9.00 Projektvorstellungen
Leitung: Dr. Peter Oliver Loew (Darmstadt)

[ca. 25 Projektvorstellungen. Die Auswahl erfolgt bis August 2011]

10.30 Kaffeepause

10.50-13.30 Uhr
Sektionen 1-3

11.00 Sektion 1

Internationalisierung: Kommunikation als Konstruktion von Internationalität
Leitung: Prof. Dr. Alfred Gall (Mainz)

Dr. Ewa Makarczyk-Schuster (Mainz), Dr. Karlheinz Schuster (Mainz): Wommparsjehs in astralen Soßen – Witkacys Spiel mit der Welt
Łukasz Neca, M.A. (Mainz): Internationalisierung als erzwungene Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur am Beispiel von Gustaw Herling-Grudzińskis »Inny świat. Zapiski sowieckie«
Univ.-Prof. Dr. Alfred Gall (Mainz): Eine literarische Modellierung des Zweiten Weltkriegs: Die Überschreitung der polnischen Kulturtradition in Witold Gombrowiczs »Pornografia«
Dr. Severin Gawlitta (Remscheid): Einwanderung ins Königreich Polen im 19. Jahrhundert. Eine europäische Perspektive.
Dr. Paulina Gulińska-Jurgiel (Potsdam): Eine diskursive »Rückkehr nach Europa«: parlamentarische Debatten im Transformationsprozess Polens nach 1989

11.00 Sektion 2

Identität, Regionen, Räume
Leitung: Prof. Dr. Dieter Bingen (Darmstadt)

Jens Adam (Berlin): »Die symbolische Ordnung der sozialen Welt“«- Kämpfe im Feld politischer Kommunikation in Polen zwischen Identitätspolitik(en) und Europäisierung
Prof. Markus Otto (Cottbus): Identität und Moderne in Oberschlesien
Dr. Annegret Haase (Leipzig): Steuerung von Schrumpfung? Urbane Governance als (europäische) Herausforderung für polnische Großstädte
Hannah C. Wadle (Leeds): Segeln in Masuren. Navigation und Neuordnung einer Landschaft mit vielen Gesichtern. Eine ethnographische Studie.
Dr. Andrzej Michalczyk (Bochum): Europäische Grenzregionen im West-Ost-Vergleich. Schleswig und Oberschlesien im 19. und 20. Jahrhundert

11.00 Sektion 3

Biographien und Zeugnisse
Leitung: Prof. Dr. Schamma Schahadat (Tübingen)

Dr. Christoph Garstka (Heidelberg): Die erschriebene nationale Identität des »mieszaniec« – Der Roman Tożsamość von Teodor Parnicki oder Theodor Parnitzki oder Фёдор Парницки
Prof. Dr. Marion Brandt (Danzig): Ost-West-Dichotomien in Alfred Döblins »Reise in Polen« (1925)
Ina Alber, M.A. (Göttingen): Biographische Bedeutungen von Europa am Beispiel polnischer ZivilgesellschaftsaktivistInnen
PD Dr. Jochen Hardt (Mainz); Prof. Dr. Katarzyna Schier (Warschau): Kindheit nach dem 2. Weltkrieg: Ein Vergleich zwischen Polen und Deutschland

13.30 Mittagspause

14.20-14.50

»Zwischenzeiten I«

A Jüdische Themen in der Polenforschung (Arbeitstitel)
Diskussion
Dr. François Guesnet (London), Dr. Katrin Steffen (Lüneburg)

B Pubikationsprokjekte I
Deutsch-Polnische Erinnerungsorte
Kerstin Hinrichsen (Berlin)
Dr. Magdalena Saryusz-Wolska (Berlin)

15.00-18.00
Sektionen 4-6

15.00 Sektion 4

Kommunikation über Grenzen
Leitung: Prof. Dr. Jan Kusber (Mainz)

Justyna A. Turkowska, M.A. (Marburg): Wissenschaft als Konstrukt und Inszenierung: ein deutsch-polnischer Vernetzungsfall im Spiegel der Hygienediskurse
Steffi Marung, M.A. (Leipzig): Neue und alte Grenzen, neue und alte Missionen: Die Suche Polens nach einem Ort in Europa
Dr. Christian Lotz (Marburg): Die Erkundung des Vorrats. Wissenschaftler und Akademien in den Imperien Ostmitteleuropas und die Bestimmung der verfügbaren Holzressourcen (1870-1914)
Benjamin Conrad, M.A. (Mainz): Polnische Ostpolitik in der Phase der schwebenden Grenzen 1918-1923
Lisa Bicknell, M.A. (Mainz): Chefredakteure im Austausch. Mieczyslaw F. Rakowski und Marion Gräfin Dönhoff im Dialog über die deutsch-polnischen Beziehungen
Dr. Hans-Christian Petersen (Mainz): Wegbereiter der deutsch-polnischen Verständigung? Die Lindenfelser Gespräche 1964-1974

15.00 Sektion 5

Krieg und Frieden
Leitung: Prof. Dr. Peter Haslinger (Marburg)

Dr. Stephan Lehnstaedt: (Warschau): Konzepte für die wirtschaftliche Ausplünderung Polens im Ersten Weltkrieg – Ein Vergleich der deutschen und österreichisch-ungarischen Besatzung
Dr. Bernhard Bremberger (Berlin): „Patient ist Polin. Anamnese nicht zu erheben.“ Die Polenstation im Krankenhaus Berlin-Neukölln (Herbst 1940)
Dr. des. Maren Röger (Warschau): Volkstumspolitik in Ideologie und Alltag während der deutschen Besatzung Polens 1939-1945 - oder wie waren intime Beziehungen möglich?
Dr. Jens Boysen (Warschau): »Brüderliche Hilfe« gegen die »polnische Krankheit«: Bemühungen der DDR-Führung zur Rettung des sozialistischen Lagers in den 1980er Jahren
Martina E. Becker, M.A. (Münster): Der deutsch-polnische Schüleraustausch als Kontakt- und Austauschebene im Spiegel des sozialökonomischen Wandels Europas

15.00 Sektion 6

Polnische transnationale Akteure im 19. und 20. Jahrhundert

Teil I
Leitung: Prof. Dr. Heinz Duchhardt (Mainz)

PD Dr. Ruth Leiserowitz (DHI Warschau): Warschauer Studenten des 19. Jahrhunderts und ihre Auslandsaufenthalte. Kommunikation – Vernetzung – Auswirkung
Dr. Sylwia Werner (Frankfurt am Main): Argonauten der polnischen Moderne. Epistemische Praktiken Ludwik Flecks und Bronislaw Malinowskis
Prof. Dr. Christian Prunitsch (Dresden): J.I. Kraszewski: Europäisch vernetzt zwischen Polen und Deutschland

Teil II
Leitung: PD Dr. Ruth Leiserowitz (Warschau)

Dr. Robert Brier (DHI Warschau): Die Genese des »Wilsonian Moment«. Polnische Emigraten und die Transformation internationaler politischer Kultur
Iwona Dadej, M. A. (FU Berlin): Mediale Gegenöffentlichkeit in der transnationalen Kommunikation und Vernetzung: Polnische Frauenbewegungspresse als Fallbeispiel.
Dr. Beata Dorota Lakeberg (Oldenburg): Polen und sein Platz in Europa in den Vorstellungen der polnischen Slavophilen während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

18.45-19.15

»Zwischenzeiten II«

A Förderlandschaften
Vorstellung von Deutsch-Polnischer Wissenschaftsstiftung und Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit
Witold Gnauck (Frankfurt/Oder)
N.N.

B Gemeinsam die Zukunft gestalten
NRW und Polen im Dialog. Wissenschaftliche Veranstaltungsreihe zum Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr 2011/2012 am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI)
Annina Lottermann (Essen), Piotr Buras (Berlin)

19.15-19.45

»Zwischenzeiten III«

A Publikationsprojekte III
Deutsch-Polnische Geschichte
Prof. Dr. Dieter Bingen (Darmstadt), Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen)

20.00 Journalistenrunde

Polen vor den Wahlen

Teilnehmer:
Piotr Buras (Gazeta Wyborcza, Berlin)
Gerhard Gnauck (Die Welt, Warschau)
Stefan Dietrich (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt)

Moderation: Dr. Manfred Sapper (Osteuropa, Berlin)

Samstag, 24. September 2011

9.00-12.00
Sektionen 7-9

9.00 Sektion 7

Sprache, Kommunikation, Übersetzung, Grenzen
Leitung: Prof. Dr. Thomas Daiber (Gießen)

Stefanie Hildebrandt (Rostock): Wie weit ist Polen von der deutsch-polnischen Grenze entfernt?
Barbara Jańczak (Frankfurt/Oder): »Also es ist/ - - war viel Mauern da« – eine Vergleichsanalyse des Sprachgebrauchs in deutsch-polnischen Familien in Deutschland und in Polen
Agnieszka Gronek (Saarbrücken): Bikulturalität beim Diskursdolmetschen
Dr. Anna Artwińska (Salzburg): Kulturelle Übersetzung als Medium der Sinngebung. Polnische Russlandbilder nach 1989
Dipl.-Übers. Berthold Ladurner: Emotionalität und Übersetzung: Interjektionen im Polnischen und Deutschen

9.00 Sektion 8

Polen und »der Osten«
Leitung: Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen)

Sabine Jagodzinski, M.A. (Leipzig): Zwischen Antemurale Christianitatis und Orientalisierung. Visuelle Kommemoration der polnisch-osmanischen Kriege im Polen des 17. Jahrhunderts
Damien Tricoire, M.A. (München): Polen als Vormauer der Christenheit: Eine religionshistorische Erklärung des Chiffres in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
Prof. Dr. Alois Woldan (Wien): Lwów versus L´viv – Antemurale im Herzen Europas
Burkhard Wöller (Wien): »Europa« als nationales Argument. Mentale Selbstverortungen polnischer und ukrainischer Historiker in Galizien
Alexandra Schweiger, M.A. (Marburg): Polnische Ostkonzepte in den Jahren von 1890 bis 1918
Christine Normann, M.A. (Trier): Kooperation, Konstruktion und Kommunikation polnischer Ostpolitik im Rahmen der Östlichen Partnerschaft

9.00 Sektion 9

Die Mitte Europas
Leitung: Prof. Dr. Eduard Mühle (Warschau)

Dr. Norbert Kersken (DHI, Warschau): Piastische Heiratspolitik – Polen und seine Nachbarn im Hochmittelalter
Dr. Grischa Vercamer (DHI Warschau): Eigen und Fremd – Das Reich und Polen vom 10.-13. Jahrhundert im gegenseitigen Spiegel der Chronistik
PD Dr. Anna Rothkoegel (Potsdam): Die Mitte, das Andere und die Grenzen – Anthropologie des Mitteleuropadiskurses bei Czesław Miłosz
Dr. Pierre-Frédéric Weber (Stettin): Polnische Diplomatie im Kalten Krieg oder: Vom Osten aus die Mitte wahren?
Dr. Renata Makarska (Tübingen): Die Mitte Europas als Asyl der alten und neuen Minderheiten: Von Czesław Miłosz zu Włodzimierz Nowak
Petr Heczko, M.A.; Prof. Dr. Irene Götz: (München): Vilnius und die geographische Mitte Europas: zur symbolisch-ästhetischen Raum- und Identitätskonzeption einer Stadt mit wechselhafter Geschichte

12.30 Abschluss der Tagung

Vorstellung der Ergebnisse der Sektionen, Diskussion

13.30 Imbiss, Abreise

Kontakt

Peter Oliver Loew

Deutsches Polen-Institut
Mathildenhöhweg 2, 64287 Darmstadt
06151/420217
06151/420210

loew@dpi-da.de

http://www.polenforschung.de
Redaktion
Veröffentlicht am
31.05.2011
Klassifikation
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Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
Sprache der Ankündigung