Nach dem Sturm. Das Jahr 1812 im historischen Gedächtnis Russlands und Europas

Nach dem Sturm. Das Jahr 1812 im historischen Gedächtnis Russlands und Europas

Veranstalter
Dr. Denis Sdvizkov, Deutsches Historisches Institut Moskau; PD Dr. Guido Hausmann, Universität Freiburg
Veranstaltungsort
Deutsches Historisches Institut
Ort
Moskau
Land
Russian Federation
Vom - Bis
28.05.2012 - 30.05.2012
Deadline
31.01.2012
Von
Dr. Denis Sdvizkov

English text below

Nach dem Sturm. Das Jahr 1812 im historischen Gedächtnis Russlands und Europas

Die napoleonische Epopöe verglich man gerne mit dem Sturm: war für Theodor Fontane 1812 die Zeit „vor dem Sturm“, so sprach der russische Dichter Alexander Puschkin über das gleiche Jahr als vom eigentlichen „Sturm des Jahres 1812“. In der Tat wurde dieses Jahr für das petrinische Imperium zu einer Beweisprobe ohnegleichen. Schon 1812 wurde dieser Krieg als „national“ und „vaterländisch“ bezeichnet und in der Folge reimte man „groza 12 goda“ („Sturm des Jahres 1812“) vor allem auf „ostervenenie naroda“ („die Raserei des Volkes“).

Die internationale Tagung möchte anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Invasion Russlands durch Napoleons Grande Armée über die Nachbeben und Ablagerungen dieser Erschütterung im historischen Gedächtnis diskutieren.

Die Tagung will zum einen zu einer kritischen Diskussion über die russische(n) Erinnerungskultur(en) über 1812 beitragen und zum anderen die Erinnerung an 1812 in den größeren Kontext Russlands als Imperium und Russland in/und Europa stellen.

Im Mittelpunkt der historischen Erforschung der kollektiven Erinnerungspraktiken und -politiken steht der konstruktivistische Charakter der modernen Nation. In der russischen/sowjetischen Geschichte bezog sich dieser Ansatz bislang vor allem auf den Zweiten Weltkrieg. Die Folgen „des Sturms von 1812“ wurden dagegen hauptsächlich im Kontext der Gesellschafts- und der Geistesgeschichte betrachtet: aus der Dekabristenlegende („Kinder des Jahres 1812“) und dem Topos vom „goldenen Jahrhundert“ speiste sich die symbolische Anziehungskraft der adligen Kultur.

Die internationale Tagung geht von der Hypothese aus, dass der militärische Sieg Russlands über Napoleon 1812 für die Konstruktion der russischen Nation eine genau so große Bedeutung hatte wie sogenannte „vorhistorische“ Mythen, und wir damit von einem Gründungsmythos sprechen können. Aber auch für die Nationsbildung von Polen oder Litauen, die im 19. Jahrhundert über keine Staatlichkeit verfügten, hatten die napoleonischen Kriege eine herausragende Bedeutung. Was zeichnete im Vergleich dazu die Erinnerungspolitik über 1812 und die nachfolgenden Jahre in Westeuropa, vor allem in Frankreich aus?

Die Konferenz möchte in diesem Kontext zu einer differenzierten und vergleichenden Deutung des Jahres 1812 beitragen, die isoliert auf Russland bezogenen Deutungen des Jahres 1812 überwinden und gleichzeitig zu interdisziplinären Forschungen anregen.

Es sind vier Sektionen geplant:
1. Gedächtnispolitik im Wandel;
2. Gedächtnisträger und Praktiken;
3. Medialisierungen und historisches Gedächtnis (Architektur, Malerei, Musik, Literatur, Kino, Internet etc.);
4. Erinnerungskulturen an 1812 im imperialen Kontext und in vergleichender Perspektive.

Die internationale Tagung wird vom 28.-30. Mai 2012 in Moskau in den Räumen des Deutschen Historischen Institutes (DHI) stattfinden. Das Institut trägt die Fahrtkosten der Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmer und sorgt für ihre Unterkunft. Wenden Sie sich mit Vortragsvorschlägen bis zum 31. Januar 2012 bitte entweder an Dr. Denis Sdvižkov (denis.sdvizkov@dhi-moskau.de) oder an PD Dr. Guido Hausmann (guido.hausmann@geschichte.uni-freiburg.de).

Vorschläge sollten folgende Angaben enthalten: Name, Adresse, institutionelle Anbindung und berufliche Position, Themenvorschlag und inhaltliche Skizze (bis 5000 Zeichen). Die Vortragstexte werden vor Beginn der Tagung an alle Teilnehmer verschickt, die Präsentation auf der Konferenz ist auf 15-20 Minuten begrenzt und die Veröffentlichung ausgewählter Beiträge geplant. Wir informieren Sie frühzeitig über die Tagungssprachen und über die Übersetzungspraxis.

After the storm. The year 1812 in the historical memory of Russia and Europe

The Napoleonic epos has often been compared to a storm: if 1812 was the period "Before the storm" for Theodor Fontane, the Russian poet Alexander Pushkin referred to the same year as the actual "storm of 1812". There is no doubt, however, that the year 1812 proved to be the ultimate trial of endurance for the Petrine Empire. The war was described as "national" and "patriotic" as early as 1812 and subsequently "groza 12 goda" (the "Storm of 1812") was primarily associated with the rhyming "ostervenenie naroda" ("the people's fury").

On the occasion of the 200th anniversary of the invasion of Russia by Napoleon's Grande Armée, this international conference will discuss the aftershocks the upheaval of 1812 caused and the deep marks it left in historical memory.

The conference aims to contribute to a critical discussion of Russian cultural memories of 1812 and to place the memory of 1812 in the larger context of Russia as an empire and Russia in/and Europe.

Historical research on collective memory - in both its practice and policy facets - focuses on the constructivist character of the modern nation. In past Russian/Soviet history this approach was mainly confined to the Second World War. In contrast, the consequences of the "Storm of 1812" were mainly seen in the context of social history and the history of ideas: the appeal of an aristocratic culture drew sustenance from the Decembrist legend (the "children of 1812") and the topos of a "golden century".

The international conference takes as its starting point the hypothesis that Russia's military victory over Napoleon in 1812 was just as important in the construction of the Russian nation as its "prehistoric" legends and that we can therefore justifiably refer to a myth of origin. However, the Napoleonic Wars were also of utmost importance for the emergence of a nationalist sensibility in Poland and Lithuanian as well - two countries which had no state structures of their own at all in the 19th century. In contrast, what was most typical of the politics of memories of 1812 and the subsequent period in Western Europe, above all in France?

In this context the conference not only aims to contribute to a differentiated and comparative interpretation of the year 1812 which surmounts isolated interpretations which take Russia as their sole point of reference, at the same time it also aims to stimulate interdisciplinary research.

Four sections are planned:
1. The politics of memory in transition
2. The agents and practices of memory
3. Medialization and historical memory (architecture, painting, music, literature, cinema, Internet, etc.);
4. Cultures of remembrance relating to 1812 in an imperial and comparative context.

The international conference will be held in Moscow from 28 - 30 May 2012 in the rooms of the German Historical Institute (DHI). The Institute will pay the travel expenses of conference participants and provide accommodation. Please contact either Dr. Denis Sdvižkov (denis.sdvizkov@dhi-moskau.org) or PD Dr. Guido Hausmann (guido.hausmann@geschichte.uni-freiburg.de) with any lecture proposals you may have by 31 January 2012.

Proposals should include the following information: Name, address, institutional allegiance and professional position, proposed topic and a brief précis of its contents (up to 5000 characters). Lecture texts will be sent to all participants before the conference begins; the presentation at the conference is restricted to 15-20 minutes. Selected talks will be published. We will provide you with the information you need about conference languages and translating facilities in good time.

Programm

Kontakt


Redaktion
Veröffentlicht am
21.09.2011
Beiträger
Klassifikation
Region(en)
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
Sprache der Ankündigung