Francke und seine Könige. Hallischer Pietismus und Preußen (ca. 1690-1750)

Francke und seine Könige. Hallischer Pietismus und Preußen (ca. 1690-1750)

Veranstalter
Dr. Thomas Müller-Bahlke / Dr. Britta Klosterberg / PD Dr. Holger Zaunstöck, Franckesche Stiftungen zu Halle; Prof. Dr. Benjamin Marschke, Humboldt State University, California; PD Dr. Christian Soboth, Interdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsort
Franckesche Stiftungen zu Halle
Ort
Halle (Saale)
Land
Deutschland
Vom - Bis
16.01.2013 - 18.01.2013
Deadline
15.12.2011
Website
Von
Holger Zaunstöck

Die Franckeschen Stiftungen zu Halle begehen im Jahr 2013 den 350. Geburtstag ihres Stifters August Hermann Francke mit einem großen Festjahresprogramm. Der historische Zufall will es, dass sich zwei für die Geschichte des hallischen Pietismus weitere wegweisende Ereignisse runden: Am 25. Februar wiederholt sich zum 300mal der Todestag Friedrichs I. und am 12. April der Tag des ersten Besuchs Friedrich Wilhelms I. in der entstehenden Schulstadt in Glaucha vor Halle. Die Franckeschen Stiftungen nehmen dies zum Anlass, dem zentralen Beziehungsfeld „Pietismus und Preußen“ eine wissenschaftliche Tagung zu widmen, die zugleich den Auftakt für das Festjahr bilden wird. Die Tagung wird von einer Arbeitsgruppe vorbereitet: Dr. Thomas Müller-Bahlke, Dr. Britta Klosterberg, PD Dr. Holger Zaunstöck (Franckesche Stiftungen zu Halle), Prof. Dr. Benjamin Marschke (Humboldt State University, California) und PD Dr. Christian Soboth (Interdisziplinäres Zentrum für Pietismusforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Verbindung mit den Franckeschen Stiftungen). Die Konferenz soll vom 16. bis 18. Januar 2013 in den Franckeschen Stiftungen zu Halle stattfinden.

Unter den vielen Beispielen für das wechselseitige Verhältnis und Ineinandergreifen von Kirche und Staat in der Frühen Neuzeit zählt die Beziehung zwischen hallischem Pietismus und preußischem Staat zu den prominentesten. Es ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert her, dass die bahnbrechenden Arbeiten über Pietismus und Preußen von Klaus Deppermann und Carl Hinrichs erschienen sind. Seitdem herrscht Übereinstimmung darüber, dass Preußentum und hallischer Pietismus im 18. Jahrhundert einen unleugbaren und tiefgreifenden Einfluss aufeinander hatten, so dass es unmöglich geworden ist, die frühneuzeitliche Geschichte Preußens ohne die Geschichte des hallischen Pietismus und umgekehrt verstehen und diskutieren zu können.

Seit dem Erscheinen der Werke von Deppermann und Hinrichs hat die nachfolgende Forschung ein nuancierteres, komplexeres und vollständigeres Bild der wechselseitigen Beziehungen von Preußentum und Pietismus gezeichnet. Ziel dieser Tagung ist es, die Forscherinnen und Forscher, die gegenwärtig zu hallischem Pietismus und/oder zum preußischen Staat im 18. Jahrhundert arbeiten, zusammenzubringen, ihnen ein Diskussionsforum zu bieten und neue Fragestellungen und Perspektiven für Forschungsprojekte zu entwickeln.

Beispielsweise soll auf der Konferenz untersucht werden, wie der Einfluss des hallischen Pietismus innerhalb Preußens und der Einfluss der preußischen Monarchie auf den hallischen Pietismus zur Etablierung von Normen und Verhaltensweisen (Verhaltenskodex) einzuschätzen ist. Dazu zählen Fragen nach Frömmigkeit und Erziehung, den sog. „preußischen Tugenden“, nach Sozialdisziplinierung und Sozialmilitarisierung etc. Darüber hinaus soll nach der wechselseitigen engen strukturellen Verzahnung von hallischem Pietismus und preußischem Staat (nicht nur offiziell und formell, sondern auch in Bezug auf informelle personale Netzwerke) gefragt werden. Schließlich sollen die Personen in den Blick genommen werden, die das Zusammentreffen von hallischem Pietismus und Preußentum repräsentieren, an erster Stelle Francke und die preußischen Könige in ihrem direkten Kontakt zueinander, dann die Eliten und ihre Untergebenen (etwa Hoheitsträger Preußens, die radikale Pietisten verfolgen; pietistische Kleriker, die preußische Untertanen und Soldaten instruieren), sowie Personen, die sich sogleich als Anhänger des hallischen Pietismus und als preußische Untertanen, Offiziere oder Soldaten verstehen.

Dem Verhältnis von hallischem Pietismus und Preußen kann man sich auf vielen Wegen annähern. Folgende vier Aspekte können besondere Berücksichtigung finden:

I. Politische Praxis
- Pietistische/preußische Institutionen
- Staatsbildung und pietistischer Einfluss, Beistand oder Widerstand
- Pietisten innerhalb der preußischen Bürokratie
- Pietistische Kommunikationsnetzwerke und Patronage in Preußen
- Gründung der Universität Halle und Berufungen an die Universität Halle
- Beispiele für Konfliktfelder
- Kameralismus und Kapitalismus

II. Bildung und Tugend
- „Preußische Tugenden“
- Pietistische Lehrer und Pädagogik in Preußen
- Pietistische Kleriker und Minister
- Sozialdisziplinierung
- Pietismus, Toleranz und ihre Grenzen
- Überwachung und Kontrolle

III. Charisma, Performanz und Image
- Pietistische Besuche am königlichen Hof – Königliche Besuche bei Pietisten
- Pietisten am Hof (Canstein, Natzmer, Mylius etc.)
- Charisma und Image der Preußenkönige aus pietistischer Sicht
- Charisma und Image von Francke und anderen Pietisten

IV. Frömmigkeit und Militarismus
- Militärseelsorge und Feldpredigerwesen
- Das Große Militärwaisenhaus in Potsdam
- Sozialmilitarisierung
- Pietisten innerhalb des preußischen Offizierskorps
- Haltung der Pietisten zu Krieg und Frieden

Bitte richten Sie Vorschläge für Vortragthemen mit kurzem Exposé (bis zu 300 Wörtern) bis zum 15. Dezember 2011 an Dr. Britta Klosterberg, Leiterin des Studienzentrums August Hermann Francke der Franckeschen Stiftungen zu Halle (klosterberg@francke-halle.de), und/oder an Prof. Dr. Benjamin Marschke, Humboldt State University, California (marschke@humboldt.edu).

Programm

Kontakt

Dr. Britta Klosterberg

Franckesche Stiftungen zu Halle

klosterberg@francke-halle.de


Redaktion
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