Migrationsprozesse im Grenzraum in Vergangenheit und Gegenwart

Migrationsprozesse im Grenzraum in Vergangenheit und Gegenwart

Veranstalter
Technische Universität Chemnitz, Professur für Europäische Regionalgeschichte; in Zusammenarbeit mit Dialog mit Böhmen e. V. mit Sitz in Greiz; dem Staatlichen Archiv Cheb (Eger); und dem Verein Antikomplex, Prag
Veranstaltungsort
Oberes Schloss
Ort
Greiz
Land
Deutschland
Vom - Bis
29.06.2012 - 01.07.2012
Deadline
28.02.2012
Website
Von
Professur für Europäische Regionalgeschichte, Technische Universität Chemnitz

Die Migrationsforschung im deutsch-tschechischen bzw. deutsch-böhmischen Kontext orientiert sich traditionell an Perspektiven, die einerseits mit den großen Themen und Mythen der nationalgeschichtlichen Diskurse, andererseits mit den "traumatischen Punkten" der Beziehungsgeschichte eng zusammenhängen. Wiewohl in diesen Bereichen in den letzten Jahrzehnten eine beachtenswerte Innovation stattgefunden hat, bleibt der nationalgeschichtliche Rahmen oder aber der Kontext der Vergangenheitsbewältigung stets im Vordergrund des Interesses. Die mittelalterliche „Kolonisation“, die religiöse Auswanderung im 16. - 18. Jahrhundert aus Böhmen, die Vertreibung sowie in geringerem Umfang die Arbeitsmigration in der Moderne sind damit die Dominanten der entsprechenden Forschung. Dabei wurden andere Formen von Migration sowie regionale Aspekte des Themas marginalisiert. Erst in den letzten Jahren wurden etwa Migrationsprozesse in das oder aus dem – bzw. vor allem innerhalb des – Grenzgebiet(s) mit ihren Ursachen, Formen, sozialen und kulturellen Folgen sowie mit Bezug auf Handlungsstrategien von Menschen stärker in den Blick genommen.

Dies dient als Ausgangspunkt der geplanten Tagung, die im Rahmen der „Greizer Kolloquien“ zur Kultur und Geschichte der westböhmisch-mitteldeutschen Region stattfinden wird und ähnlich wie andere Tagungen dieser Reihe, Themen ansprechen will, die in Bezug auf die Region bisher wenig oder nur begrenzt reflektiert wurden. Wichtig ist aber zugleich eine überregionale Kontextualisierung des Themas. In einer langfristigen und vergleichenden Sicht sollen die regionalen Aspekte von „großen“ und „kleinen“ Migrationsprozessen vor allem im mitteldeutsch-böhmischen Grenzraum diskutiert werden. Die Aufmerksamkeit gilt der Zeitspanne von der Frühen Neuzeit bis zum 20. Jahrhundert bzw. bis zur Gegenwart. Gefragt wird, welche spezifischen Probleme und Folgen grenzüberschreitende(n) Migration(en) innerhalb der grenznahen Regionen hatte(n), welche Strategien, Erwartungen und Konsequenzen mit diesen Migrationen verbunden waren. Zu fragen wäre etwa, welche Implikationen dies für die individuellen und kollektiven Identifikationsprozesse, die gegenseitigen Wahrnehmungen von verschiedenen Gruppen sowie für Prozesse der sozialen und kulturellen Aushandlung bei der Konstituierung teilweise neuer lokaler Gesellschaften hatte. Eine besondere Fokussierung soll in diesem Rahmen auf die Bedeutung der vergangenen Migrationen in der identitätsstiftenden lokalen und regionalen Erinnerungskultur gelegt werden, aber auch auf die Nutzung des Themas bei der Herausbildung des lokalen oder regionalen Images, in der Geschichtspolitik sowie bei der touristischen Vermarktung. Großer Wert wird auf kultur- und sozialhistorische bzw. historisch-anthropologische Herangehensweisen sowie die regionale- und Grenzperspektive gelegt. „Ereignisgeschichtliche“ Darstellungen sollen zu Gunsten interdisziplinärer, auf kognitive Fragen fokussierte Forschungsansätze in den Hintergrund treten. Das Thema der Vertreibung soll in den oben genannten Zusammenhängen nur eine (wenn auch wichtige) der zu berücksichtigenden Perspektiven darstellen. In diesem Sinne soll es sich um eine wissenschaftliche Fachtagung und ein Seminar für alle Interessierten handeln, nicht vorrangig um eine Veranstaltung zur Verständigung und Vergangenheitsbewältigung, die eher als immanente Aspekte der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema vorausgesetzt werden.

Geplant sind Referate von ca. 25 Minuten Dauer, an die sich eine etwa 20minütige Diskussion anschließen soll. Die Tagung wird vorbereitet durch die Technische Universität Chemnitz, Professur für Europäische Regionalgeschichte, in Zusammenarbeit mit Dialog mit Böhmen e. V. mit Sitz in Greiz, dem Staatlichen Archiv Cheb (Eger) und dem Verein Antikomplex, Prag. Sie findet im Rahmen des EU-geförderten Projektes (Förderprogramm Ziel3) „Grenzüberschreitungen“ als 4. Treffen der Tagungsreihe „Greizer Kolloquien“ statt. Tagungsort ist das Obere Schloss in Greiz (Thüringen), Tagungssprache ist Deutsch, bei Bedarf auch Tschechisch (mit Übersetzung).

Interessierte werden herzlich eingeladen, ihre Referatsvorschläge mit kurzer Präzisierung (bis zu einer Seite) bis zum 28.02.2012 an folgende Adresse zu senden:

Technische Universität Chemnitz
Institut für Europäische Geschichte
Europäische Regionalgeschichte
09107 Chemnitz

oder per mail an milos.reznik@phil.tu-chemnitz.de bzw. ulla.baumann@phil.tu-chemnitz.de

Weitere Auskünfte erhalten Sie ebenfalls unter den o.g. Mail-Adressen.

Programm

Kontakt

Ulla Baumann

Technische Universität Chemnitz
Institut für Europäische Geschichte
Europäische Regionalgeschichte
09107 Chemnitz

ulla.baumann@phil.tu-chemnitz.de