40 Jahre Ölkrise? Öl und Energie als zeithistorische Herausforderungen

40 Jahre Ölkrise? Öl und Energie als zeithistorische Herausforderungen

Veranstalter
Professor Dr. Frank Bösch; Dr. Rüdiger Graf
Veranstaltungsort
Zentrum für Zeithistorische Forschung
Ort
Potsdam
Land
Deutschland
Vom - Bis
26.09.2013 - 28.09.2013
Deadline
30.09.2012
Von
Rüdiger Graf, Abteilung II: Geschichte des Wirtschaftens, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Die dauerhafte Sicherung der Energieversorgung zählt seit mehreren Jahrzehnten zu den zentralen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Nachdem der ökonomische Boom der 1950/60er Jahre nicht zuletzt auf preisgünstigen und scheinbar unbegrenzt verfügbaren Energieträgern fußte, trat die Energieversorgung mit den Ölkrisen der 1970er Jahre verstärkt ins wissenschaftliche, politische und öffentliche Bewusstsein. Vor allem das Öl wird immer wieder als entscheidender Machtfaktor beschrieben, der die internationalen Beziehungen prägt, Krisen und Kriege auslöst, und dessen Preisveränderungen weltweit Wirtschaftswachstum und Inflationsraten beeinflussen. Dabei gilt die Ölkrise der Jahre 1973/74 weithin als eine wichtige Zäsur der jüngeren Zeitgeschichte, auch wenn sich die energiepolitischen Veränderungen bereits vorher angekündigt hatten und in anderen Regionen erst Ende der 1970er Jahre virulent wurden. Seitdem war der gesellschaftliche Umgang mit Öl- und Energieressourcen stets von starken Ambivalenzen geprägt: Sparmaßnahmen und Substitutionsanstrengungen gingen mit einem Ausbau der Konsumgesellschaft einher, ebenso der neue ökologische Anspruch mit dem Ausbau globaler Versorgungsstrategien. Fragen der Energieversorgung sind somit nicht allein Gegenstand der Natur- und Wirtschaftswissenschaften, deren jeweilige Wissensbestände es vielmehr zu historisieren gilt.

Die Tagung nimmt den 40. Jahrestag der Ölkrise 1973/74 zum Anlass, den Status der Ölversorgung und die damit verbundenen Energiefragen als integrativen Teil der Zeitgeschichte zu untersuchen. Im Vordergrund steht die Frage, welche Bedeutung dem Öl und dem damit verbundenen Energiekomplex zugeschrieben wurde und welche Reaktionen und Wirkungen dies in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern hatte, von der Politik über die Wirtschaft und Wissenschaft bis hin zur Sozialgeschichte. Ausgehend von den beiden Ölkrisen der 1970er Jahre nimmt die Konferenz damit energiepolitische Veränderungen in den Blick und lotet so zugleich die Bedeutung von Energieproduktion und -verbrauch für die Zeitgeschichtsforschung systematisch aus. Waren die Ölkrisen eine entscheidende Wende, in deren Wirkungsgeschichte wir uns noch immer befinden oder überwogen die energiepolitischen Kontinuitätslinien? Zeitlich setzt sie an einem neuralgischen Punkt der Zeitgeschichtsforschung an, da die 1970er Jahre als Jahrzehnt eines epochalen Wandels zumindest in der Geschichte der westlichen Industrienationen, wenn nicht gar der Welt insgesamt gelten. Nachdem zahllose Darstellungen auf die Schlüsselrolle der Energieversorgung verwiesen, dient deren genaue Untersuchung auch dazu, diese zeithistorische Epochenbildung zu überprüfen und gegebenenfalls zu differenzieren.

Unter dieser Perspektive hat die Tagung somit zwei Schwerpunkte: Zum einen soll sie die Öl- und Energiekrisen und die von ihnen beförderten energiepolitischen Veränderungen selbst untersuchen und historisieren, zum anderen die Bedeutung von Energie für die verschiedenen Teilbereiche der Zeitgeschichtsforschung ausmachen. Papers können sich sowohl auf nur einen wie auch auf beide Fragehorizonte beziehen. Wenngleich die Ölversorgung im Mittelpunkt der Tagung steht, sind Beiträge zu anderen Energieformen, die oft als Alternative zum Öl in dieser Zeit ausgebaut wurden (Kohle, Erdgas, Atomenergie, regenerative Energien) ebenfalls willkommen. Die Tagung beschränkt sich dabei nicht auf eine spezifische Region, sondern sucht den Austausch über Forschungen zu den Ölförderländern, Westeuropa/EG, den USA, dem Ostblock und der „Dritten Welt“ bzw. zu den Beziehung zwischen den Regionen. Beiträge können sich einem der folgenden Aspekte widmen, müssen aber nicht auf diese beschränkt sein:

1.) Politik und Energieversorgung: Wie bildete sich Energie als eigenständiges Politikfeld heraus? Woraus resultieren Ähnlichkeiten und Unterschiede nationaler Energiepolitiken? Welche Auswirkungen zeitigte der Faktor Energie auf internationale Beziehungen und Konfliktgeographien (Kalter Krieg/Ressourcenkriege/Druckmittel und Sanktionen/Entwicklungspolitik)?

2.) Wirtschaftsgeschichte der Energie: Welche Besonderheiten weisen Energieunternehmen auf? In welcher Beziehung stehen staatliche und unternehmerische Initiativen bei der Durchsetzung einzelner Energieträger zueinander? Wie verhalten sich Ölfirmen als paradigmatische multinationale Konzerne zu nationalen Regierungen? Wie wirken sich Veränderungen der Energieversorgung auf andere Wirtschaftsbereiche (Autoindustrie, Chemieindustrie u.a.) und makroökonomisch aus (Währungen, Wachstum u.a.)?

3) Sozial- und Kulturgeschichte von Energie und Energieverbrauch: Wie veränderte sich die ‚natürliche‘ und die menschengemachte Umwelt durch die Nutzung verschiedener Energieträger? Welche Auswirkungen hatten energiewirtschaftliche Veränderungen auf Energienutzungs- und Energiesparverhalten? Welche Wissensbestände veränderten sich in Forschung und Öffentlichkeit?

4) Umweltgeschichte als Energiegeschichte: Welche Rolle spielt Energie im Rahmen einer Umweltgeschichte, die sich den wechselnden Mensch-Natur-Interaktionen widmet? Welche Bedeutung hatten Veränderungen von Energieregimen oder einzelne energiepolitische Projekte für die Ausbildung von Umweltbewegungen zum Beispiel im Fall von Stauseen, der Kernenergie, der Ölförderung oder dem Klimawandel?

Um diese Fragen in internationaler und globaler Perspektive zu diskutieren, erbitten wir Beiträge von mittlerer Reichweite, die Fallstudien in größere Fragen einbetten. Schicken Sie Ihren Beitragsvorschlag mit Lebenslauf und einem Exposé von nicht mehr als 300 Worten bitte bis zum 30. September 2012 an Frank Bösch (boesch@zzf-pdm.de) und Rüdiger Graf (ruediger.graf@rub.de). Die Konferenzsprache ist Englisch, die Abstracts können aber auch auf Deutsch formuliert sein. Reisekosten und Unterkunft werden – vorbehaltlich der Finanzierung – vom Veranstalter übernommen.

Programm

Kontakt

Rüdiger Graf

Fakultät für Geschichtswissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstr. 150
44780 Bochum

ruediger.graf@rub.de


Redaktion
Veröffentlicht am
16.08.2012
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