Transnationale Verflechtungen im östlichen Europa. Forschungskonzeptionen. Themenfelder. Vergleiche

Transnationale Verflechtungen im östlichen Europa. Forschungskonzeptionen. Themenfelder. Vergleiche

Veranstalter
Deutsches Polen-Institut Darmstadt; J. G. Herder Forschungsrat; Technische Universität Chemnitz
Veranstaltungsort
Technische Universität Chemnitz, Neues Hörsaalgebäude, Reichenhainer Straße 90, Hörsaal N 012
Ort
Chemnitz
Land
Deutschland
Vom - Bis
26.10.2012 - 28.10.2012
Deadline
22.10.2012
Von
Peter Oliver Loew

Die diesjährige Jahrestagung des Herder-Forschungsrats in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut Darmstadt und der TU Chemnitz will historische und gegenwärtige gesellschaftliche Verflechtungsprozesse in Kultur, Politik und Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa in der Absicht beleuchten, Umrisse und Strategien für zukünftige Forschungsansätze zu erörtern.

Einen Schwerpunkt dabei bilden transnationale Beziehungen, die in der geschichtswissenschaftlichen Diskussion mittlerweile unter einer Vielzahl von Leitbegriffen (wie Beziehungsgeschichte, historie croisée, entangled history, connected history) diskutiert werden und seit den 1990er Jahren global ein sprunghaft gestiegenes Interesse gefunden haben. Die Fragestellung ist jedoch keineswegs so neu, und sie ist auch keine allein geschichtswissenschaftliche. Zu nennen sind hier etwa die Traditionen in der Erforschung interethnischer Beziehungen in der Ethnologie oder die Erweiterung des Feldes der internationalen Beziehungen in der Politikwissenschaft über die Ebene staatlicher Institutionen hinaus. Ebenso werden Fragen des Kulturtransfers, die ein wichtiges Element der aktuellen geschichtswissenschaftlichen Diskussion bilden, in den Kulturwissenschaften schon seit langem thematisiert.

Zweifellos bringt die Vielzahl und Breite der Ansätze einerseits eine nicht geringe Unschärfe mit sich, andererseits kann eine solche Entgrenzung die Suche nach gemeinsamen Ansatzpunkten auch jenseits eingefahrener Forschungswege befördern. So verstandene Verflechtungen zeigen sich in Grenzregionen, in Migrationen, in kulturellem und wirtschaftlichem Austausch, aber auch im kollektiven Gedächtnis. Transnationale Verflechtungen setzen dabei weder gutnachbarschaftliche Beziehungen voraus, sondern entwickeln sich ebenso aus Konfliktlagen, noch sind sie in ihrer Intensität ständig zunehmend, denn es gibt ebenso zahlreiche Beispiele für Entflechtungen.

„Transnational“ als auch „Verflechtungen“ sollen hier nicht als eng definierte Theoreme, sondern vielmehr als offene Forschungsperspektiven betrachtet werden.

In früheren Diskussionen, namentlich zum östlichen Europa, sind in der Betrachtung solcher transnationaler Beziehungen häufig Hierarchisierungen der Forschungsgegenstände als gegeben angenommen worden und verschmolzen nicht selten mit politischen Zielsetzungen oder nationalen Prädispositionen. Insofern hat die Fragestellung nach transnationalen Beziehungen im östlichen Mitteleuropa stets auch ein traditionskritisches Moment.

In den hier skizzierten Bezügen steht ein Publikationsprojekt des Deutschen Polen-Institut zur deutsch-polnischen Verflechtungsgeschichte vom 10. bis ins 21. Jahrhundert, das ab 2013 in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erscheinen wird. Seinen Ausgangspunkt hat dieses Vorhaben in einem vorhergehenden Publikationsprojekt zur deutsch-französischen Verflechtungsgeschichte.

Anknüpfend an dieses Projekt, sein konzeptionelles Design und Fragen seiner konkreten Ausführung soll auf der Tagung die Relevanz der Forschung zu gesellschaftlichen Verflechtungen in zeitlicher, thematischer und methodologischer Breite diskutiert werden. Dabei sollen Problemlagen, neue Konzepte, Themenfelder und beispielhafte Forschungsansätze vorgestellt und zugleich die Frage erörtert werden, inwieweit Befunde zu Ostmitteleuropa mit anderen europäischen (und außereuropäischen) Fällen vergleichbar sind und inwiefern sich der regionale Fokus auf das östliche Europa angesichts des Anspruchs globaler Forschungsperspektiven aufrecht erhalten lässt.

Programm

Freitag, 26.10.

14.00-14.15
Begrüßung
Dieter Bingen, DPI
Reinhard Johler, HFR
Stefan Garsztecki, TU Chemnitz

14.15-14.30
Einführung in das Tagungsthema
Jörg Hackmann, Stettin
Peter Oliver Loew, Darmstadt

Forschungskonzeptionen

14.30-15.15
Frank Hadler (Leipzig), Matthias Middell (Leipzig): Verflechtungen in Ostmitteleuropa in globalgeschichtlicher Perspektive

15.15-15.45
Stefan Garsztecki (Chemnitz) Politikwissenschaftliche Forschungskonzeptionen zu transnationalen Verflechtungen

15.45-16.15
Kaffee

16.15-16.45
Reinhard Johler (Tübingen): Ethnologisch-kulturwissenschaftliche Konzepte für transnationale Verflechtungen in Osteuropa

16.45-17.15
Andreas Langenohl (Gießen): Konzeptzirkulation im postsowjetischen Raum: Zum Beispiel ‚Gender’

17.15-18.45
Diskussion

Samstag, 27.10.

Themenfelder der Verflechtungsforschung

9.00-9.30
Hans-Jürgen Bömelburg (Gießen): Frühneuzeitliche Verflechtungen in der deutsch-polnischen Geschichte

9.30-10.00
Guido Braun (Bonn): Von der verflochtenen Geschichte zur geteilten Erinnerung. Methodische Überlegungen zur Darstellung der deutsch-französischen Geschichte im Zeitalter von Barock und Aufklärung

10.00-10.30
Diskussion

10.30-11.00
Kaffee

11.00-11.30
Miloš Řezník (Chemnitz): Grenzüberschreitende Verflechtungen (Deutschland und Tschechien seit 1989)

11.30-12.00
Jan Hecker-Stampehl (Berlin): Vereinigte Staaten des Nordens. Integrationspläne im Zweiten Weltkrieg

12.00-12.30
Corinna Felsch (Marburg): Geschichte und Versöhnung im deutsch-polnischen Kontext nach 1945 (Westdeutsche Reisen nach Polen zwischen 1970 und 1989)

12.30-13.15
Diskussion

13.15-14.30
Mittagspause

14.30-15.00
Joanna Rzepa (Chemnitz): Migration und Transnationalität

15.00-15.30
Dagmara Jajeśniak-Quast (Frankfurt/Oder): Paneuropäische Wirtschaftsverflechtungen im Kalten Krieg

15.30-16.00
Corinne Defrance (Paris): Schulbuchrevision und transnationale Verflechtung

16.00-16.15
Kaffee

16.15-16.45
Diskussion

16.45-17.15
Martin Schulze Wessel (München): Kirche und Transnationalität

17.15-17.45
Martin Aust (München): Kriegserinnerung als Verflechtungsgeschichte. Polen, die Ukraine und Russland

17.45-18.15
Diskussion

18.30-19.30
Zusammenfassung, Vergleich, Diskussion über Forschungsperspektiven
Einleitende Statements:
Ulrike Brummert, Chemnitz
Dieter Bingen, Darmstadt
Moderation: Jörg Hackmann, Peter Oliver Loew

Sonntag, 28.10.

Vormittag

Angebot zu einer Stadtführung

Kontakt

Interessenten an einer Tagungsteilnahme melden sich bitte bei Dr. Peter Oliver Loew (loew@dpi-da.de).

http://deutsches-polen-institut.de/Projekte/Tagungen/2012_Tagung_Verflechtung/index_Verflechtung.php
Redaktion
Veröffentlicht am
01.10.2012
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Sprache Veranstaltung