Sprache, Gesellschaft und Nation: Institutionalisierung und Alltagspraxis

Sprache, Gesellschaft und Nation: Institutionalisierung und Alltagspraxis

Veranstalter
Collegium Carolinum, Forschungsstelle für die böhmischen Länder (München); in Kooperation mit dem Institut für Slavistik/Bohemicum; und dem Institut für Germanistik der Universität Regensburg
Veranstaltungsort
Hotel Wiesseer Hof, Sanktjohanserstr. 46, 83707 Bad Wiessee
Ort
Bad Wiessee
Land
Deutschland
Vom - Bis
09.11.2012 - 11.11.2012
Deadline
22.10.2012
Von
Martina Niedhammer (Collegium Carolinum)

Das Tagungsthema ist innerhalb der Geschichtswissenschaft ein eher seltenes Untersuchungsfeld. Die Beschäftigung mit Sprache aus historiographischer Perspektive kann jedoch in sozial- wie kulturgeschichtlicher Hinsicht lohnend sein, denn Sprache und Gesellschaft stehen in einem dynamischen Wechselverhältnis zueinander. Sprache prägt Gesellschaft und umgekehrt, indem ihre Verwendung und ihr Status soziale Beziehungen reflektieren oder als Herrschaftsinstrument zur Etablierung und Festigung sozialer und kultureller Praktiken beitragen können. Als wichtiger Bestandteil kollektiver Identität kommt ihr bei der diskursiven Konstruktion der Nation eine zentrale Rolle zu. Davon zeugen etwa die zahlreichen erfolgreichen wie gescheiterten Versuche, eine (National-)Sprache zu standardisieren. Diesen Aspekten von Sprache und Nation wird die Konferenz am Beispiel der böhmischen Länder, der Tschechoslowakei bzw. Tschechiens und der Slowakei sowie benachbarter Gebiete im 19. und 20. Jahrhundert nachgehen.

Es stehen nur in begrenztem Umfang Plätze zur Verfügung. Um Anmeldung bis zum 22.10.2012 beim Collegium Carolinum unter folgender Adresse wird gebeten:
m.niedhammer@extern.lrz-muenchen.de

Programm

Freitag, 9. November 2012

9.00–9.15 Begrüßung: Martin Schulze Wessel, Marek Nekula, Hermann Scheuringer

Sektion 1: Sprachpolitik in Institutionen und von Institutionen (Moderation: Peter Haslinger)

9.15–11.00
Martina Niedhammer (München): Die Wissenschaftspolitik der philologischen Sektion der kgl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften in Prag

Marek Nekula (Regensburg): Sprachideologie und Sprachpolitik des Vereins „Svatobor“

11.00–11.30 Kaffeepause

11.30–12.45
Jitka Jonová (Olomouc): The issues of language in pastoral activities of the Catholic Church in Bohemia and Moravia in the early 20th century

Tamara Scheer (Wien): Die Regimentssprachen der k. u. k. Armee als Beispiel für eine Institutionalisierung von Sprachenvielfalt (1867–1914)

12.45–15.00 Mittagspause

Sektion 2: Sprache im öffentlichen Raum (Moderation: Steffen Höhne)

15.00–15.45
Detlef Brandes (Berlin): Deutsch gegen Tschechisch. NS-Sprachenpolitik als Teil der geplanten Germanisierung und „Umvolkung“

15.45–16.15 Kaffeepause

16.15–17.30
Frank Henschel (Leipzig): „Das Fluidum der Stadt…“ Kaschau/Kassa/Košice zwischen Sprachenvielfalt und Magyarisierung 1867–1918

Frauke Wetzel (Dresden – Ústí nad Labem): „Entdeutschung“ versus „Tschechisierung“: Ústí nad Labem nach 1945

18.00 Abendessen

19.30
Abendvortrag Miroslav Hroch (Prag): Sprachliche Forderungen zwischen intellektuellem Spiel und sozialem Frust (Moderation: Martin Schulze Wessel)

Samstag, 10. November 2012

Sektion 3: Vielsprachigkeit, Mehrsprachigkeit, Einsprachigkeit? – Staatliche Planung versus Alltagspraxis (Moderation: Vít Dovalil)

9.00–11.00
Václav Petrbok (Prag): „Sprache als Waffe“: deutsch-tschechischer Sprachwechsel im literarischen und wissenschaftlichen Leben in den böhmischen Ländern 1860–1900

Mirek Němec (Ústí nad Labem): Verpönte Landessprache? Deutsch in der Ersten Tschechoslowakischen Republik

Sandra Kreisslová (Prag): Zur Sprachsituation und Identitätsbildung der nach 1945 in der Tschechoslowakei verbliebenen deutschen Minderheit

11.00–11.30 Kaffeepause

Sektion 4: Wörterbücher als kulturpolitische Instrumente (Moderation: Michaela Marek)

11.30–12.45
Tilman Berger (Tübingen): Gute Wörterbücher, schlechte Wörterbücher – das Narrativ der tschechischen Lexikographie vom Ende des 18. Jahrhunderts bis heute

Jan Surman (Marburg): Von Tschecho-Slawisch, Tschechisch, Tschechoslowakisch: Visionen und Praktiken der tschechischen Sprache der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert

12.45–15.00 Mittagspause

Sektion 4: Wörterbücher als kulturpolitische Instrumente (Fortsetzung, Moderation: Martin Zückert)

15.00–16.45
Klaas-Hinrich Ehlers (Frankfurt/Oder – Berlin): Wörterbuchpolitik außerhalb der Reichsgrenzen. Förderung der auslandsdeutschen Dialektwörterbücher durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1925 bis 1945

Tereza Kreuter (Trier): Ein Dialektwörterbuch und seine Geschichte: zum Fund der verschollenen Kartothek des Prager Wörterbuchs der sudetendeutschen Mundarten

Bernd Kesselgruber (Gießen): Wörterbuchsammlungen als Quellen für Linguisten, Ethnologen und Historiker: das karpatendeutsche Mundartarchiv in Gießen

16.45–17.15 Kaffeepause

Sektion 5: Die Karpatoukraine, Entwicklungen einer multilingualen Region im 20. Jahrhundert (Moderation: Ivan Tcholos)

17.15–18.30
Hermann Scheuringer (Regensburg): „Insgesamt eine gute Zeit“ – Deutsche Sprache und deutsche Schule in Karpatenrussland

Nataliya Golovchak (Užhorod): Namensschatz der Deutschen Transkarpatiens 1919–1939

18.30 Abendessen

Sonntag, 11. November 2012

Sektion 5: Die Karpatoukraine, Entwicklungen einer multilingualen Region im 20. Jahrhundert (Fortsetzung, Moderation: Robert Luft)

9.00–10.15
Marjana Stylicha (Užhorod): Untersuchungen zur Etymologie und Verwendung von Mundartformen in spontanen Gesprächen der Böhmerwäldler Transkarpatiens

Barbara Neuber (Regensburg): „Aber unser Muttersprach is geblieben.“ Der sprachliche Alltag der Deutschstämmigen in Mukatschewo im Zusammenhang mit den politischen Entwicklungen der Karpatenukraine aus Sicht der Sprecher

10.15–10.45 Kaffeepause

10.45–11.30
Klaus Buchenau (München – Berlin): Warum Russinisch? Zum Zusammenhang von Politik und Linguistik am Beispiel des Slawischen in den Karpaten

11.30–12.15
Abschlussdiskussion (Moderation: Martin Schulze Wessel)

12.15 Mittagessen und Abreise

Kontakt

Martina Niedhammer
Collegium Carolinum e. V.
Hochstr. 8
81669 München
Tel. 0049/(0)89/55 26 06 0
m.niedhammer@extern.lrz-muenchen.de