Opfer, Täter, Jedermann? 'DDR-Zeitzeugen' im Spannungsfeld von Aufarbeitung, Historisierung und Geschichtsvermittlung

Opfer, Täter, Jedermann? 'DDR-Zeitzeugen' im Spannungsfeld von Aufarbeitung, Historisierung und Geschichtsvermittlung

Veranstalter
Zeitpfeil e.V.; Politischer Arbeitskreis Schulen e.V.; Bildungswerk der Humanistischen Union NRW; und Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Ort
Potsdam
Land
Deutschland
Vom - Bis
14.02.2013 - 15.02.2013
Deadline
15.01.2013
Von
Peter Paul Schwarz (Zeitpfeil)

Zeitzeugen sind seit 1989/90 zu einer geschichtskulturellen und pädagogischen Leitfigur in der Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte und Folgen der SED-Diktatur geworden. Sie sind Interview- und Gesprächspartner in wissenschaftlichen Projekten und Tagungen, treten in verschiedenen Rollen in Veranstaltungen und Projekten im Rahmen der schulischen und außerschulischen Bildung auf, führen durch Gedenkstätten und werden in Ausstellungen präsentiert. Es existieren Erinnerungsportale im Internet und Zeitzeugenbörsen, die den passenden Zeitzeugen für unterschiedliche "Einsatzzwecke" vermitteln. Zeitzeugen erfüllen verschiedene Funktionen: Im Rahmen der Oral History ergänzen ihre Aussagen herkömmliche Quellen. In Vermittlungsprozesse werden sie aufgrund des persönlichen und "authentischen" Zugriffs auf Geschichte eingebunden und stoßen bei den Rezipient/-innen auf sehr große Resonanz. Die Arbeit mit Zeitzeugen zur DDR- und (deutsch)-deutschen Geschichte beinhaltet andere Voraussetzungen, Potenziale und Probleme als die bisher als Folie zugrundegelegte NS-Zeitzeugenschaft. In der Bildungspraxis sind dabei methodische Probleme und Herausforderungen zu beachten, die sich nicht zuletzt in kontroversen Debatten um "emotionale Überwältigung" und "Multiperspektivität" niederschlagen. Auf der Tagung werden wissenschaftliche, didaktische und künstlerische Perspektiven auf die Arbeit mit Zeitzeugen gekreuzt und in Workshops und Projektvorstellungen Möglichkeiten zu Austausch, Vernetzung und Fortbildung geboten.

Die Veranstaltung wird im Rahmen des von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützten Projekts "Arbeit mit Zeitzeugen zur DDR-Geschichte" von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung und der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Programm

Donnerstag, 14.02.2012

9:00 Uhr Eröffnung der Tagung

Dr. Martina Weyrauch (Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung)
Hanne Wurzel (Bundeszentrale für politische Bildung, angefragt)
Dr. Robert Grünbaum (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)
Christian Ernst (Zeitpfeil)

Teil 1: Zeitzeugen in der Geschichtskultur

9:30 Uhr Zeitzeugen "im DDR-Gedächtnis"

Prof. Dr. Martin Sabrow (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)

10:45 Uhr Funktionen und Potenziale von Zeitzeugen in Wissenschaft und Geschichtskultur

Prof. Dr. Dorothee Wierling (Universität Hamburg)
Dr. Silke Klewin (Gedenkstätte Bautzen)
Dr. Hilde Hoffmann (Universität Düsseldorf)
Jörg von Bilavsky (Gedächtnis der Nation)
Moderation: Dr. Christoph Classen (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)

12:30 Uhr Mittagessen

Teil 2: Zeitzeugen im Lernfeld DDR-Geschichte

14:00 Uhr Zeitzeugenarbeit in der außerschulischen Bildung: Stand und Perspektiven

Dr. Heidi Behrens (Bildungswerk der Humanistischen Union NRW)
Christian Ernst (Zeitpfeil)

15:15 Uhr Komplexe Diskurse: Zeitzeugen und ihre Rezeption

Katharina Obens (Freie Universität Berlin)
Dr. Sabine Moller (Universität Flensburg)
Prof. Dr. Michele Barricelli (Universität Hannover)
Moderation: Dr. Katrin Passens (Gedenkstätte Berliner Mauer)

16:45 Uhr Sensible Begegnungen: Zeitzeugenarbeit mit Opfern der SED-Diktatur

Dr. Stefan Trobisch-Lütge (Opferberatungsstelle Gegenwind)
Ulrike Poppe (Brandenburger Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der komm. Diktatur)
Moderation: Dr. Jens Hüttmann (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

18:00 Uhr Imbiss

Teil 3: Zeitzeugen in Literatur, Film und Theater

19:30 Uhr Authentisch, inszeniert und fiktiv? Arbeit mit Zeitzeugen in den Medien und Künsten
Veranstaltung in Kooperation mit und im Filmmuseum Potsdam

Dr. Susanne Krones (Autorin)
Sebastian Brünger (Dramaturg, Rimini-Protokoll)
Thomas Grimm (Dokumentarfilmer, Zeitzeugen TV)
Moderation: Beate Rabe (Filmmuseum Potsdam)

Freitag, 15. Februar 2013

Teil 4: Zeitzeugen in der Bildungspraxis

9:00 Uhr Workshops

Workshop 1: Spannungsreiche Dialoge - Zeitzeugengespräche und -projekte in der historisch-politischen Bildungsarbeit

Leitung: Dr. Heidi Behrens, Dr. Norbert Reichling (Bildungswerk der Humanistischen Union NRW)
Projektpräsentationen

Workshop 2: Oral History 2.0 - Medialisierung und Präsentation von Zeitzeugen

Leitung: Christian Ernst (Zeitpfeil e.V.), Dr. Irmgard Zündorf (ZZF Potsdam)
Stefanie Wahl (Kuratorin, Berlin)

11:30 Uhr Emotionale Überwältigung oder Multiperspektivität?
Podiumsdiskussion zu Chancen und Problemen der Arbeit mit Zeitzeugen

Elena Demke (Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR)
Dr. Christoph Hamann (LISUM Berlin-Brandenburg, angefragt)
Karsten Harfst (Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, angefragt)
Moderation: Dr. Irmgard Zündorf (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)

12:45 Uhr Tagungsresümee

Dr. Paul Ciupke (Bildungswerk der Humanistischen Union NRW)
Peter Paul Schwarz (Zeitpfeil)

13:00 Uhr Imbiss und Tagungsausklang

Kontakt

Susanne Schäffner

Zeitpfeil e.V. Im Haus der Natur, Lindenstr. 34, 14467 Potsdam

susanne.schaeffner@zeitpfeil.org

http://www.zeitpfeil.org/aktuelles/zeitzeugen-tagung/
Redaktion
Veröffentlicht am
19.10.2012