'Geboren, um zu herrschen?' Gefährdete Dynastien im interdisziplinären und interkulturellen Vergleich

'Geboren, um zu herrschen?' Gefährdete Dynastien im interdisziplinären und interkulturellen Vergleich

Veranstalter
SFB 923: Bedrohte Ordnungen, Projekt C02: Dynastische Brüche, Eberhard Karls Universität Tübingen
Ort
Tübingen
Land
Deutschland
Vom - Bis
07.12.2012 - 08.12.2012
Von
SFB 923, Projekt C02: Dynastische Brüche, Eberhard Karls Universität Tübingen

Die Habsburger, die Kims, die Quandts oder die Buddenbrooks – „Dynastie“ klingt nach Geschichte, nach Tradition und Erbe, nach Patriarchen und Heiratspolitik. Keineswegs aber ist die Frage nach der Dynastie ein bloß historisches Problem. Dynastien gab es zu allen Zeiten und es gibt sie heute noch. Eine große Anzahl von Staaten wird gegenwärtig von Dynastien regiert, Traditionsunternehmen sind seit Generationen in der Hand eines Familienverbandes, und auch in Wissenschaft und Kultur begegnen Dynastien. Dabei steht die Organisationsform der Dynastie seit jeher vor besonderen strukturell bedingten Herausforderungen: Kinderlosigkeit, Konkurrenz unter Familienmitgliedern und äußere Einflüsse gefährden die dynastische Kontinuität in vielfältiger Weise.

Der zweitägige Workshop führt Vertreter mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen aus dem In- und Ausland zusammen, um diesen Zusammenhängen auf den Grund zu gehen. Wie nehmen Mitglieder von Dynastien und Außenstehende dynastische Bedrohungen wahr und wie artikulieren sie diese? Gibt es über Zeiten und Räume wiederkehrende Strategien, die eigene Dynastie zu sichern, den Gefahren des eigenen Aussterbens wirksam entgegen zu treten? Welche Akteure, Ereignisse und Prozesse wirken von außen auf die Dynastie ein? Welche kurz- und langfristigen Folgen haben Bedrohungssituationen für Dynastien und für die jeweils übergeordnete politisch-soziale Ordnung?

Um diesen Fragen nachgehen zu können, ist zugleich nach den konstitutiven Merkmalen von Dynastien in unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu fragen: Welche Rolle spielen dynastisches Bewusstsein, Selbst- und Fremdzuschreibungen oder auch Zielsetzungen und Aufgabenverteilungen innerhalb eines Familienverbandes für die Konstituierung und Beschaffenheit einer Dynastie? Welchen Einfluss haben äußere Rahmenbedingungen, etwa das Erbrecht oder das Wirtschaftssystem?

Ziel des Workshops ist, Fallbeispiele dynastischen Wirkens vergleichend zu untersuchen und im Sinne der interdisziplinären Ausrichtung des SFB 923 Forschungsansätze zu Dynastien aus Geschichts-, Wirtschafts- und Sozialwissen-schaften sowie Rechts- und Kulturwissenschaften zu diskutieren. So werden durch die Auseinandersetzung mit dynastischen Brüchen als Bedrohung politisch-sozialer Ordnungen in verschiedenen Kulturen und Epochen überzeitliche Grundmuster und kontextgebundene Spezifika zentraler Kategorien des SFBs, insbesondere von Ordnung, Bedrohung und Bewältigungshandeln, exemplarisch herausgearbeitet.

Programm

Freitag, 7. Dezember 2012

14:00 Prof. Dr. Ellen Widder (Tübingen): Begrüßung

14:30 Christian Heinemeyer, M.A. (Tübingen): Thematische Einführung

15: 00 Prof. Dr. Karl Ubl (Köln): Genealogisches Wissen im frühen Mittelalter. Das Beispiel der Karolinger

15:45 Kaffeepause

16:10 Prof. Dr. Jörg Rogge (Mainz): Was tun, wenn ein (männlicher) Erbe fehlt? Das Ringen um den schottischen Thron nach dem Tod von König Alexander III. 1286

17:00 Prof. Dr. Martin Wrede (Grenoble): Gründen und Bleiben - zwei Probleme. Familiengründung und Bestandssicherung am Beispiel des „neuen“ Hauses Arenberg

Moderation: Prof. Dr. Ellen Widder (Tübingen)

Samstag, 8. Dezember 2012

9:00 Prof Dr. Ewald Frie (Tübingen): Begrüßung

9:15 Prof. Dr. Bernd Kannowski (Bayreuth): Dynastische und normative Rahmenbedingungen der Königswahl im Spätmittelalter

10:00 Dr. Susanne Knaeble (Bayreuth): Eine Frau soll herrschen? - Bedrohte Herrschaft und bedrohte ständische Ordnung im Hug Schapler (1500)

10:45 Kaffeepause

11:00 Prof. Dr. Susan Richter (Heidelberg): Kontinuität und Stabilität - Nachfolgeregelungen frühneuzeitlicher Fürsten im Alten Reich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert

11:45 Dr. Heidi Mehrkens (St. Andrews): Ferdinand Philippe von Orléans: Ein Todesfall und ein fragiles Regime (1842-1848)

Moderation: Prof. Dr. Mark Mersiowsky (Innsbruck)

12:30 Mittagessen

14:00 Prof. Dr. Michael Zach (Wien): Dominante Mütter, schwache Söhne, mächtige Generäle - und nur eine Dynastie? Nachfolgestrategien im Reich von Meroe

14:45 Dominique Otten, MBA (Witten-Herdecke): Die Rolle von Frauen im Familienunternehmen, Töchter in der Nachfolge

15:30 Kaffeepause

16:00 Torsten Groth, Dipl. Soz.wiss. (Witten-Herdecke): Paradoxien der Nachfolgeentscheidung in Mehrgenerationen-Familienunternehmen

16: 45 Maria Josua M.A. (Tübingen): Dynastische Herrschaft in autoritären Systemen: Nachfolgeprozesse im 21. Jahrhundert

17: 30 Dr. Iris Holzwart-Schäfer (Tübingen): Zusammenfassung

Moderation: Dr. Marco Veronesi (Tübingen)

Kontakt

Christian Heinemeyer
Iris Holzwart-Schäfer

SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“
Teilprojekt C02: Dynastische Brüche
Brunnenstr. 30
72074 Tübingen

Tel.: +49 7071 - 29 750 92

christian.heinemeyer@uni-tuebingen.de
iris.holzwart-schaefer@uni-tuebingen.de

http://www.uni-tuebingen.de/forschung/forschungsschwerpunkte/sonderforschungsbereiche/sfb-923/kontakt.html