Entnazifizierte Zone? Zum Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus in ostdeutschen Stadt- und Regionalmuseen.

Entnazifizierte Zone? Zum Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus in ostdeutschen Stadt- und Regionalmuseen.

Veranstalter
Museumsverband des Landes Brandenburg e.V.
Veranstaltungsort
Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte, Am Alten Markt 9 (Altes Rathaus), 14467 Potsdam
Ort
Potsdam
Land
Deutschland
Vom - Bis
17.10.2013 - 19.10.2013
Von
Arne Lindemann

Herbsttagung des Brandenburgischen Museumsverbandes in Kooperation mit dem Potsdam Museum, der Bundesstiftung Aufarbeitung, der brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam

Die Geschichte des Nationalsozialismus ist in vielen Museen in Ostdeutschland immer noch ein Randthema. Zwar wurden seit den 1990er Jahren unter den ostdeutschen Gedenkstätten intensive Debatten über den erinnerungspolitischen Umgang mit dem Nationalsozialismus ausgetragen, diese Diskussionen erreichten die Mehrzahl der ostdeutschen Museen jedoch nicht. Die als unzeitgemäß empfundenen Antifa-Ausstellungen aus der Zeit der DDR waren nach 1990 abgebaut, neue Präsentationen aber kaum aufgebaut worden. Vielfach fehlten die Ansätze. Es erscheint plausibel, dass dies auch eine Nachwirkung des 'verordneten Antifaschismus' der DDR ist, der den Fokus der Erinnerung wesentlich auf den kommunistischen Widerstand beschränkt hatte und nach dem Zusammenbruch der DDR eine Leerstelle im historischen Bewusstsein hinterließ.
Die Beschäftigung mit der NS-Alltagsgeschichte in Westdeutschland seit den 1980er und mit der DDR-Alltagsgeschichte in Ostdeutschland seit den 1990er Jahren hat neue Ansätze etabliert, die nun auch für die Darstellung von NS-Geschichte in Museen fruchtbar werden können. Vielfältige neue kultur-, sozial- und wirtschaftshistorischen Zugänge und Sichtweisen sind neben die politikgeschichtliche Betrachtung getreten. Damit ist auch der mikrohistorische Ansatz gestärkt worden. Die lokalen und regionalen Museen sind in besonderer Weise geeignet, gerade diese Perspektive einzunehmen und dadurch das Eindringen des Nationalsozialismus in die Haltungen und Handlungen konkreter Gesellschaften zu thematisieren. Auf diese Weise kann der Bezug der Geschichte zur Gegenwart verdeutlicht und eine Sensibilität für die Entwicklung vor Ort geschaffen werden.
Lokale und regionale Museen können zu einer aktiven Auseinandersetzung mit und zur Abwehr von rechtsradikalen Haltungen und Gesinnungen beitragen. Dafür ist die differenzierte Darstellung der örtlichen NS-Geschichte in den Museen unverzichtbar.

Programm

Donnerstag 17.10.2013

Sektion I: Erinnnerungskulturen, Diskurse
Moderation: Susanne Köstering

14.00 Begrüßungen

Gabriele Helbig, Susanne Köstering (Museumsverband Brandenburg)
Jutta Götzmann (Potsdam Museum. Forum für Kunst und Geschichte)
Anna Kaminsky (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)
Martina Weyrauch (Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung)
Uwe Koch (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg)

14.30 Christian Hirte (Berlin) Einführung in das Tagungsprogramm

14.45 Martin Sabrow (Potsdam) Der nationalsozialistische Zivilisationsbruch in der geteilten deutschen Geschichtskultur

15.30 Kaffeepause

16.00 Insa Eschebach (Ravensbrück) Museale Entwicklungen in ostdeutschen KZ-Gedenkstätten vor und nach 1989

16.45 Andreas Ludwig (Potsdam) Gesellschaft im Blick? Zeitgeschichtliche Fragen an die Musealisierung von Nationalsozialismus und DDR

17.30 Diskussion

18.00 Ende des Nachmittagsprogramms

20.00 Abendvortrag Hans Dieter Schäfer (Regensburg) Das „Dritte Reich“ und die staatsfreie Sphäre

Freitag 18.10.2013

Sektion II: Zugänge zum Alltag im „Dritten Reich“
Moderation: Irmgard Zündorf

09.00 Begrüßung und Einführung in das Tagesprogramm

09.15 Susanne Hagemann (Berlin) „Leere Gesten“? Darstellungsmuster in Ausstellungen zur NS-Zeit

10.00 Heinz-J. Theis (Berlin) Ein heißes Eisen? Keramik aus der NS-Zeit im Keramik-Museum Berlin und Michael Lingohr (Leipzig) Die letzte ideologiefreie Bastion: der nationalsozialistische Angriff auf den Haushalt

10.45 Kaffeepause

11.15 Klaus Hesse (Berlin) Sich ein Bild vom Alltag machen: Die NS-Zeit in privaten Fotos

12.00 Janosch Steuwer (Bochum) „Jeder wird heute irgendwie in den Strudel der Ereignisse gezogen“ –Tagebücher und der individuelle Umgang mit der NS-Diktatur

12.45 Mittagspause

Sektion III: Fallbeispiele
Moderation: Sabine Roß

14.00 Anke Grodon (Schwedt) Zwischen Einschulung und Einberufung. Alltag im Dritten Reich am Beispiel von Schwedt/Oder

14.45 Sarah-Kristin Kleinmann (Tübingen) Überlegungen zur musealen Darstellung der NS-Täterschaft

15.30 Kaffeepause

16.00 Burghard Ciesla (Berlin) Ein "böser Ort"? Das Revier des Reichsjägermeisters Hermann Göring Schorfheide-Museum Groß Schönebeck

16.45 Steffen Stuth (Rostock) In Trümmern: Eine Ausstellung als Beitrag zur Auseinandersetzung mit problematischer Stadtgeschichte

17.30 Jens Wehner (Dresden) Den Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland ausstellen: Ansätze, Resonanzen, Erfahrungen im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr

18.15 Ende des Nachmittagsprogramms

20.00 Empfang der Stadt Potsdam Jutta Götzmann und Wenke Nitz (Potsdam) Der Nationalsozialismus in Ausstellungen des Potsdam Museums – vor und nach 1989 Vortrag mit Führung durch die neue Dauerausstellung

Samstag 19.10.2013

Sektion IV: Gefährdungspotenziale
Moderation: Martina Weyrauch

9.00 Begrüßung und Einführung in das Tagesprogramm

9.15 Ronald Hirte (Buchenwald) Zeitgeschichtliche Archäologie und Ding-Pädagogik in der Gedenkstätte Buchenwald

10.00 Martina Christmeier und Pascal Metzger (Nürnberg) Nationalsozialismus ausstellen: Zum Umgang mit NS-Objekten im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg

10.45 Kaffeepause

11.00 Patrice Poutrus (Wien) Neo-Nazis im antifaschistischen Staat? Zeitgeschichtliche Betrachtungen zu den Ursachen von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in Ostdeutschland heute

11.45 Dirk Wilking (Potsdam) Rechtsradikales Publikum

12.30 Kommentare, Abschlussdiskussion, Resümee

13.30 Ende der Veranstaltung

Kontakt

Susanne Köstering

Museumsverband des Landes Brandenburg e.V., Am Bassin 3, 14467 Potsdam

0331/2327912
0331/2327920
koestering@museumsverband-brandenburg.de

www.nsgeschichte-im-museum.de