Orden in der Krise. Möglichkeiten und Grenzen religiöser Lebenswelten in der Vormoderne

Orden in der Krise. Möglichkeiten und Grenzen religiöser Lebenswelten in der Vormoderne

Veranstalter
Zukunftskonzept der Eberhard Karls Universität Tübingen
Veranstaltungsort
Verfügungsgebäude, Wilhelmstraße 19, 72074 Tübingen.
Ort
Tübingen
Land
Deutschland
Vom - Bis
06.09.2013 - 07.09.2013
Deadline
25.08.2013
Website
Von
Dennis Schmidt, Susanne Häcker

Krisen haben Konjunktur. Die Einordnung unserer Gegenwart als Zeit der Krise(n) scheint allgegenwärtig. Auch die Geschichtswissenschaft wendet sich – vielfach anknüpfend an Debatten der Sozial- und Kulturwissenschaften – vermehrt der Krise zu.

Krise ist als eine prä-katastrophale, höchst kontingente, existenziell bedrohliche Situation zu verstehen, die Akteuren zwar Handlungsoptionen offen lässt, zugleich jedoch so einschneidend wirkt, dass sie das Fortdauern von eingeübten Routinen und Praktiken in Frage stellt. Sie erzeugt Kommunikations-, Handlungs- und Entscheidungsdruck. Angesichts einer diagnostizierten Krise erscheint das „Nichts tun“ als undenkbar, als schlechteste Lösung. Dabei spielt der Faktor Zeit eine besonders wichtige Rolle, denn die Krise wird als Phase hoher Beschleunigung empfunden, in der möglichst viel in möglichst kurzer Zeit geschehen muss. So zumindest das Verständnis der Krise in der „Moderne“. Ob sich das angesichts der vermeintlichen Alterität der „Vormoderne“ in dieser als fundamental anders darstellt, bedarf allerdings der kritischen Hinterfragung. Mit dem Workshop soll eine solche Analyse durch die zeitliche Erstreckung der Beiträge vom Hochmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erreicht werden.

Ziel des Workshops ist es auszuloten, inwieweit sich Krise als heuristische und analytische Kategorie für die Ordensforschung der „Vormoderne“ als operationalisierbar und erkenntnisfördernd erweisen kann. Mit der römisch-katholischen Kirche wird eine Institution in den Blick genommen, die in der Gegenwart – zumindest in weiten Teilen der „Westlichen Welt“ als in einer tiefgreifenden Krise befindlich angesehen wird. Dies gilt ganz besonders für die geistlichen Orden. Durch eine konsequente Historisierung der Krisendiagnostik kann vielleicht auch die aktuelle Krisensemantik differenziert und relativiert werden.

Folgende Fragen sollen dabei als roter Faden des Workshops dienen:

1. Wie erfuhren die Akteure die Krise, wie verliehen sie ihr semantisch Ausdruck und worin wurden die Krisenursachen gesehen?
2. Welche Unterschiede ergeben sich dagegen aus der analytischen Perspektive des Historikers?
3. Welche Grenzen und Möglichkeiten wurden diskutiert oder genutzt? Wurden vormals gültige Normen, Verhaltensweisen oder Routinen eingehalten, ausgeweitet oder gar gesprengt?
4. Traten dabei neue Akteure als Entscheidungsträger in wichtigen Funktionen in Erscheinung? Verschoben sich im Orden selbst, aber auch in dessen Verhältnis nach außen, Machtstrukturen?
5. Welchen Ausgang nahm die Krise und wie wurden die als negativ wahrgenommenen Folgen der Krise abgewendet bzw. warum konnten diese gerade nicht abgewendet werden?

Wir möchten alle Interessierten herzlich zu diesem Workshop nach Tübingen einladen! Für die Unterbringung von Doktoranden anderer Universitäten stellt das Zukunftskonzept der Eberhard Karls Universität Gelder zur Verfügung. Wir bitten deshalb um Anmeldung bis zum 25.08.2013.

Programm

Donnerstag, 5.9.2013
16:00 Uhr−21:00 Uhr Stadtführung und Zusammenkunft für bereits angereiste Referenten

Freitag, 6.9.2013
9:00–9:30 Uhr
Begrüßung und Einführung durch
Prof. Dr. Renate Dürr

9:30–12:45 Uhr Sektion 1: Institutionelle und strukturelle Ursachen
Kommentator: Dr. des. Fabian Fechner, Universität Tübingen
Referenten:
- Cornelia Eberlein, Freie Universität Berlin: Neukloster und Zarrentin. Zisterziensische Frauenklöster des südlichen Ostseeraumes zwischen Bischof, Papst und Orden
- Dr. des. Esther Schmid Heer, Provinzbibliothek SJ, Zürich: „Die Zeiten thun sich enderen...“. Krisendiskurse in Südamerika-Berichten deutschsprachiger Jesuiten im 18. Jahrhundert
- Brigitte Oberle, Universität Mainz: Umwandlungen von Benediktinerklöstern in Säkularkanonikerstifte im 15. und 16. Jahrhundert
- Erika Aldunate Loza, Universität Mainz: Soziopolitische und religiöse Kämpfe um die Verehrung der Jungfrau Maria von Copacabana"
- Manuel Gomez Mendoza, Universität Mainz: Missionarische Krise und Erneuerung der Franziskaner des missionarischen Kollegs der Propaganda Fide von Tarija, im heutigen Bolivien. 1755-1814

14:00–17:45 Uhr Sektion 2: Reformen und gesellschaftliche Umbrüche
Kommentatorin: Dr. Christine Schneider, Universität Wien
Referenten:
- Julia Hodapp, Universität Tübingen: Jesuiten, hochadlige Frauen und die Gegenreformation
- Dennis Schmidt, Universität Tübingen: Josephinismus und geistliche Orden – Schlaglichter auf eine zweifache Krise
- Maria Rottler, Universität Regensburg: Engagement der Klöster im Elementarschulwesen in der Sattelzeit in Altbayern und Böhmen
- Babette Reicherdt, Universität Kassel: Das Genfer Klarissenkloster Sainte Claire im 16. Jahrhundert

18:00–19:30 Uhr Abendvortrag: Dr. Christine Schneider, Universität Wien
"Der Wiener Ursulinenkonvent im Spannungsfeld der josephinischen Kirchenreformen. Innenansicht einer Krise"

Samstag, 7.9.2013
9:30–13:00 Uhr Sektion 3: Kriegseinwirkungen
- KommentatorIn: Dr. Janine Maegraith, Universität Cambridge
Referenten:
- Susanne Häcker, Universität Tübingen: Die Jesuiten an den Universitäten Heidelberg, Tübingen und Freiburg während des Dreißigjährigen Krieges
- Irina Pawlowsky, Universität Tübingen: Mission im Umfeld kolonialer Grenzkonflikte – das Wirken des Jesuitenpaters Samuel Fritz in der Provinz Maynas im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert
- Oleg Rusakovskiy, Universität Tübingen: „In qualitate hostis publici“: Ermordung eines Franziskaners im protestantischen Württemberg
- Michaela Bill-Mrziglod, Universität Saarbrücken: Konfessionelle Identitätsfindung und Konfessionspolitik in semireligiosen Frauengemeinschaften des frühen 17. Jahrhunderts

13.00-14.00 Uhr Abschlussdiskussion

Kontakt

Susanne Häcker

Historisches Seminar der Universität Tübingen

susanne.haecker@uni-tuebingen.de


Redaktion
Veröffentlicht am
Klassifikation
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
Sprache der Ankündigung