Spekulantenwahn. Zwischen ökonomischer Rationalität und visueller Imagination

Spekulantenwahn. Zwischen ökonomischer Rationalität und visueller Imagination

Veranstalter
DFG-Forschergruppe „Kulturen des Wahnsinns“, Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität; in Verbindung mit einer Filmreihe des Goethe-Instituts im Kino Arsenal, kuratiert von Florian Wüst
Veranstaltungsort
Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums der Humboldt-Universität zu Berlin, Geschwister-Scholl-Str. 3, 10117 Berlin
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
15.11.2013 - 16.11.2013
Von
PD Dr. Dorothea Dornhof

Kino und Spekulation bringen imaginäre Räume hervor und sind gleichermaßen von Phantasmen und Täuschungen heimgesucht, die die Grenzen zwischen Ästhetik und Ökonomie verschwimmen lassen. So war der Film von Anfang an das ideale Medium für die Inszenierung derjenigen Bereiche des Ökonomischen, die sich einer rein rationalen Ordnung und Berechenbarkeit entziehen, in der Spiel, Lust und das Imaginäre das Handeln überlagern. Für das Kino stellen die Visualisierung unsichtbarer Geldströme und der Börsenspekulation eine besondere Herausforderung dar. Nicht zuletzt sind Ökonomie und Spekulation durch die aktuellen Turbulenzen der Finanzmärkte als Sujet medialer Repräsentationen wiederentdeckt worden.

Ebenso wie das Kino gerät zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Figur des Spekulanten in das Blickfeld von Psychiatrie und Psychologie, um den vermeintlichen Gefahren des Spekulantenwahns, der Paniken und Manien auf die Spur zu kommen.

Die Börse als Schauplatz des individuellen und kollektiven Spekulantenwahns, der lokale Eigensinn dieser Institution, ihrer Akteure, Gesten, Stimmen und Körper bilden Facetten einer „Magie der modernen Finanzwelt“, die gleichsam als das ökonomische Imaginäre der Spekulation ein umfangreiches Bildrepertoire hervorgebracht hat.

Auf der Tagung und mit der begleitenden Filmreihe werden wir Fragen der Visualisierung von sicht-/unsichtbaren, wahnhaften Spuren finanzieller Ströme und der Spekulation nachgehen. Dabei wollen wir das Verhältnis Börse und Kino sowohl kulturgeschichtlich als auch in der Verschränkung von filmwissenschaftlichen und medienökonomischen Perspektiven diskutieren.

Programm

FREITAG, 15. 11. 2013

17.15-18.30
Begrüßung:
-Volker Hess (Berlin)
-Dorothea Dornhof (Berlin)

Keynote
Christina von Braun (Berlin)
Die Räume der Imagination: Kino und Börse

18.30-20.00
Empfang

20.00
Kurzfilmprogramm
kuratiert von Florian Wüst (Berlin)

-Taler, Taler, Du musst wandern, Sparkasse der Stadt Berlin, D 1933, 2.30 min

-Die Börse als Barometer der Wirtschaftslage, Hans Richter, CH 1939, 20 min

-Hands, Ralph Steiner & Willard Van Dyke, USA 1934, 4 min

-Free To Choose, Vol. 1 – The Power of the Market: The Pencil, Milton Friedman, USA 1980, 2.30 min

-unsupported transit, Zachary Formwalt, NL 2011, 14 min

-Fictions and Futures #1 – Happiness in the Abstract, Arne Hector & Minze Tummescheit, D 2013, 35 min

Im Anschluss: Publikumsgespräch mit Arne Hector und Minze Tummescheit (Berlin)

SAMSTAG, 16. 11. 2013

PANEL 1: Börse und Film als Institutionen des unsichtbaren Geldverkehrs
Chair: Julia Köhne (Berlin)

9.30-10.30
Franziska Schößler (Trier)
Das Gestarium der Börse. Raum und Bewegung im Stummfilm

10.30-11.30
Britta Lange (Berlin)
Dr. Mabuse als Figuration der Spekulation (1922). Im Stummfilm zwischen Glücksspiel, Börse, Hypnose und Wahnsinn

Kaffeepause 11.30-11.45

11.45-12.45
Werner Schneider-Quindeau (Frankfurt am Main)
Allmacht und Wahn - Zur religiösen Semantik des Geldes zwischen Kino und Glaube

Mittagspause: 12.45-14.15

PANEL 2: Visualisierung globaler Warenströme
Chair: Florian Wüst

14.15-15.15
Ramón Reichert (Wien)
Finanzmärkte im Kino: Computertechnologie, Chaosforschung und Finanzmarktwissen in “The Bank“ (2001)

15.15-16.15
Oksana Bulgakowa (Mainz)
Der Schall des Geldes

16.15-16.30 Kaffeepause

16. 30-17.30
Florian Hoof (Frankfurt am Main)
Decision/Culture. Zentrale Entscheidungsräume als Figur gesellschaftlicher Imagination ökonomischer Krisen

17.30
Abschlussdiskussion

Kontakt

PD Dr. Dorothea Dornhof
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Kulturwissenschaft
Georgenstr. 47
10117 Berlin
ddornhof@culture.hu-berlin.de


Redaktion
Veröffentlicht am
26.09.2013
Klassifikation
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