Heilige und Heiligkeit. Transkulturelle Verehrungskulte in epochenübergreifender Perspektive

Heilige und Heiligkeit. Transkulturelle Verehrungskulte in epochenübergreifender Perspektive

Veranstalter
Kerstin S. Jobst, Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien; Dietlind Hüchtker, Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. (GWZO) an der Universität Leipzig
Ort
Wien
Land
Austria
Vom - Bis
27.02.2014 - 01.03.2014
Von
Elisabeth Haid

Glaubenssystemen – nicht nur in ihren religiösen Spielarten – ist ein universaler Anspruch inhärent. Sie beanspruchen die alleinige „Wahrheit“, die einzige Rechtgläubigkeit. Diese Vorstellung geht mit Visionen von Reinheit einher. Die nähere Betrachtung zeigt jedoch, dass synkretische, transkulturelle Phänomene die Regel sind. Glaubensformationen und Religionen nehmen in einem geradezu dialektischen Prozess Aspekte anderer Systeme in sich auf.
Religiöser „Synkretismus“ und „multiple religiöse Identitäten“ sind epocheübergreifende Phänomene. Klassische Beispiele stellen transkonfessionelle oder transreligiöse Heiligenverehrung dar (z.B. die Verehrung der Elisabeth von Thüringen in katholischen, evangelischen und nationalen Kontexten, muslimische Marienverehrung in ostmittel- und osteuropäischen Regionen). Darüber hinaus gibt es vielfach Grenzüberschreitungen zwischen dem Religiösen und Profanen. Auf der Tagung werden derartige Grenzüberschreitungen und Anverwandlungen epochenübergreifend ausgelotet.

Programm

DONNERSTAG 27.2.2014
Seminarraum „Alte Kapelle“ des Instituts für Ethik und Recht der Medizin, Spitalgasse 2/Hof 2.8, 1090 Wien

18.00 Uhr Begrüßung durch die Veranstalterinnen
Kerstin S. Jobst (Wien): Kurze Einführung in die Tagung

18.30 Uhr Keynote: Waltraud Pulz (München): „Heilige Leiber“ – Leibhaftige Heiligkeit

Empfang

FREITAG 28.2.2014
Hörsaal des Instituts für Osteuropäische Geschichte

09.30 – 11.50 Uhr Praktiken und Sinnstiftungen. Leitung Dietlind Hüchtker

09.30 Bodo Hechelhammer (Berlin): Sinnstiftung und Praxis der Sankt-Georgs-Verehrung im Bundesnachrichtendienst

10.10 Roger Thiel (Erlangen): Stuhl und Rucksack. Zur Übertragung heiliger Energien auf profane Dinge

10.50 Kaffeepause

11.10 Anja Burghardt (Salzburg): Arbeiter als „Heilige“ der Planwirtschaft? Zur sakralisierenden Darstellung der Arbeiter und Fabriken in der Zeitschrift Sovetskoe foto in den 1960er- und 1970er-Jahren.

11.50 Agnieszka Sowa (Kraków): Verschmelzung der religiösen und der politischen Dimension anhand der osteuropäischen Marienfrömmigkeit im Roman von Rolf Bauerdick „Wie die Madonna auf den Mond kam“ (2009)

12.30 Mittagspause in eigener Regie

14.00 – 16.00 Uhr Multiple Heilige/heilige Orte. Leitung Maria KIańska

14.00 Konrad Petrovszky (Wien): Die Makellose und ihre unheimlichen Avatare – der Paraskeva-Kult in Südosteuropa zwischen geschlechtlicher Ordnungsvorstellung und politischer Inanspruchnahme

14.40 Michael G. Müller (Halle): Bekenntnisgrenzen aushandeln. Protestantische Orthodoxie und Synkretismus in Polen-Litauen im späten 16. Jahrhundert

15.20 Stefan Rohdewald (Gießen): Transreligiöse Elemente in Diskursen über Heilige im (post-)osmanischen Europa

16.00 Kaffeepause

16.30 – 18.30 Uhr Begriffsauslotungen: Heilige und Stars. Leitung Michael G. Müller

16.30. Dario Brentin (London): „The national team is sacred“ – Football, myth and ritual in Croatian post-socialist national identity

17.10 Christoph Augustynowicz (Wien): Verwesung, Exkommunikation und Heiligkeit/zwischen West und Ost: Der Glaube an Sauger/Wiedergänger vulgo Vampirismus als multipel religiöse oder gar synkretische Identität?

17.50 Marija Wakounig (Wien): Hemma von Gurk – Hema Krska. Vom Aufstieg und Fall einer Heiligen

19.30 Gemeinsames Abendessen

SAMSTAG 1.3.2014
Hörsaal des Instituts für Osteuropäische Geschichte

10.00 – 13.00 Uhr Formen und Koexistenzen. Leitung Christoph Augustynowicz

10.00 Thomas P. Funk (Berlin): Die Visionsberichte der Stigmatisierten Therese Neumann von Konnersreuth: Synkretistische Praktiken zur Herstellung von Reinheit

10.40 Seung Chul Kim (Nagoya/Japan): Syncretizing the Saints in Japanese Spirituality: The Theology of Kawai Shinsui and the Manga Saint Young Men

11.20 Christoph Paulus (Seehausen am Staffelsee): Als die schwarzen Männer kamen oder Transformation als Mission

12.00 Kaffeepause

12.20 Maria Wojtczak (Poznań): Zwischen Nation und Konfession. Ein synkretischer Blick auf den „polnischen Glauben“ im Gegensatz zum „deutschen Glauben“

13.00 Abschlussdiskussion, Leitung Kerstin S. Jobst

13.30 Abreise der TeilnehmerInnen

Kontakt

Michaela Strauss
Institut für Osteuropäische Geschichte, Spitalgasse 2, Hof 3, 1090 Wien

michaela.strauss@univie.ac.at