Europäische Trockenlegungsprojekte in Mittelalter und Früher Neuzeit: Herrschaft, Nutzung, Konflikte

Europäische Trockenlegungsprojekte in Mittelalter und Früher Neuzeit: Herrschaft, Nutzung, Konflikte

Veranstalter
Dr. Ricarda Matheus, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.; Dr. Regina Schäfer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, FB 07, Historisches Seminar; Dr. Rainer Schreg, Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) Mainz
Ort
Mainz
Land
Deutschland
Vom - Bis
26.02.2015 - 28.02.2015
Deadline
30.04.2014
Von
Ricarda Matheus, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

Die verheerenden Hochwasser in Mitteleuropa 2002 und 2013 oder das Elbhochwasser 2006 haben die Themen Hochwasserschutz und -prävention, Polderbau, Flussregulierungen und Eindeichungen von potenziellen Überschwemmungsgebieten ins öffentliche Bewusstsein gerückt und zugleich in Gesellschaft und Politik zu zahlreichen Diskussionen angeregt. Die damit verbundenen Risiken und Herausforderungen sind freilich alles andere als neu oder auf bestimmte Flussläufe oder Regionen beschränkt. Vielmehr lassen sich Versuche, Flüsse einzudeichen bzw. zu regulieren, oder aber ganze Flusslandschaften, Seen oder Sümpfen trocken zu legen und urbar zu machen, von der Antike bis zur Gegenwart in weiten Teilen Europas nachweisen.

Trockenlegungen und Urbarmachungen sind Landschaftstransformationen, die in der Forschung bzw. im Fachjargon oftmals als Meliorationen, Bonifizierungen oder Bonifikationen bezeichnet werden. Von der lateinischen Grundierung her sind diese Begriffe sowohl im Deutschen wie auch in anderen europäischen Sprachen (engl. bonification, italien. bonificazione, franz. bonification, span. bonificación) grundsätzlich positiv konnotiert. Allerdings täuscht diese Begrifflichkeit darüber hinweg, dass derartige Eingriffe in die Natur stets in ein Spannungsfeld sehr unterschiedlicher, oftmals kontroverser Interessen und konkurrierender Nutzer eingebunden waren. Es kam zu Konflikten um Fischerei, Ackerbau und Schifffahrt, um Jagd und Holz- bzw. Weidewirtschaft. Involviert waren Anrainer, Gemeinden oder Städte, Feudalherren, lokale Kräften und die teils ferne Obrigkeit. Gestritten wurde nicht nur über Nutzen und Interessen, sondern auch über die Kosten und Nachhaltigkeit entsprechender Maßnahmen.

Transformationen von Binnengewässern wie Flussebenen oder Sumpflandschaften implizierten also einerseits die Herrschaft über die Naturgewalten, andererseits zogen sie ebenso Auseinandersetzungen um Herrschaftsausübung und Herrschaftsdurchsetzung nach sich. Damit rückt über die traditionelle Perspektive hinaus die umwelthistorische Dimension von Herrschaft in das Zentrum des Interesses. Zu klären wäre in diesem Zusammenhang, welche Akteure unter welchen Bedingungen und mit welchen Zielvorstellungen Trockenlegungsmaßnahmen initiierten oder durchsetzten, welche Konsequenzen dies für die Landschaft, aber auch für die (wirtschaftlichen) Nutzungsmöglichkeiten hatte. Welche Konflikte brachen durch derartige Projekte auf und welche Lösungsansätze wurden zu ihrer Überwindung vorgeschlagen bzw. entwickelt? Es geht erklärtermaßen nicht ausschließlich um die positiven und von bestimmten Akteuren intendierten Effekte von Trockenlegungen, vielmehr soll bewusst korrigierend und kontrastierend auch den negativen bzw. konfliktbehafteten Konsequenzen oder ungeplanten „Nebenwirkungen“ Rechnung getragen werden.

Die komplexen Auswirkungen von Mensch-Umwelt-Interaktionen auf Ökosysteme und Kulturlandschaften sowie die Risiken lassen sich anhand von historischen Trockenlegungsprojekten besonders prägnant beobachten. Im Mittelpunkt der Tagung sollen exemplarisch solche europäische Kulturlandschaften stehen, die zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit nachhaltigen Transformationen und Wandlungen unterworfen waren. In Frage kommen freilich nicht nur erfolgreiche Trockenlegungen, sondern ebenso aufschlussreich können gescheiterte Maßnahmen zur Urbarmachung von Sümpfen oder Flusslandschaften sein, denn nicht selten spiegeln sich darin in besonderer Art und Weise Interessenskonflikte um unterschiedliche Nutzungs- und Wirtschaftskonzepte bzw. spiegelt sich die Ohnmacht bei der nachhaltigen Durchsetzung von Trockenlegungen.

Unter umweltgeschichtlichen Fragestellungen befassen sich heute Vertreter unterschiedlicher Disziplinen und Fachrichtungen mit Trockenlegungen und der damit verbundenen Transformation von Landschaften: Geschichte, Archäologie, Geographie, Geologie oder die Kunstgeschichte. Entsprechend breit gefächert sind die unterschiedlichen Herangehensweisen und Methoden. Den Organisatoren ist es ein wichtiges Anliegen, mit der Tagung ein Forum für einen Austausch über die Fachgrenzen hinaus zu bieten. Maßnahmen der Trockenlegung von Binnengewässern sollen epochenübergreifend und in internationaler vergleichender Perspektive in den Blick genommen werden, um so auf besonders geeigneter Beispiele der bisher weitgehend lokal bzw. regional ausgerichteten Forschung hinzuweisen und zugleich Möglichkeiten des Vergleichs forschungsperspektivisch zu nutzen. Willkommen sind Beiträge sowohl zu forschungstheoretischen Ansätzen, quellenkritische Arbeiten als auch konkrete Fallbeispiele zu einzelnen Regionen, die eine holistische Perspektive eröffnen.

Für die Vorträge ist eine Dauer von ca. 25 Minuten vorgesehen. Eine Veröffentlichung der Konferenzbeiträge ist geplant. Bitte senden Sie Ihr Abstract (3000 Zeichen) und ein kurzes CV (maximal 1 Seite) bis zum 30. April 2014 als PDF oder als Word-Dokument unter dem Stichwort „Europäische Trockenlegungsprojekte“ an ricarda.matheus@uni-mainz.de.

Programm

Kontakt

Dr. Ricarda Matheus

Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

06131 / 39 38 -306
06131 / 39 38 -310
ricarda.matheus@uni-mainz.de

http://www.igl.uni-mainz.de